Buster Brown (Comicfigur)

Comicfigur von Richard Felton From Wikipedia, the free encyclopedia

Buster Brown ist eine Comic-Figur, die 1902 von dem US-amerikanischen Zeichner Richard Felton Outcault erschaffen wurde. Buster war besonders von 1906 bis 1922 recht populär und avancierte zur erfolgreichen Werbefigur in der Schuhmanufaktur. Sowohl die Hauptfigur als auch der Nebencharakter „Mary Jane“ aus der Buster-Reihe machten unter anderem die Mary Jane-Schuhe zum Modetrend.

Buster Brown und sein Hund Tige

Inhalte

Weihnachtskarte mit Buster und Tige, links im Bild ist Mary Jane zu sehen

Die Comic-Reihe erzählt, meist in Kurzgeschichten, die zahlreichen Abenteuer und Streiche des etwa 9-jährigen Buster Brown. Der Junge wird dabei von seinem Hund „Tige“ begleitet. Seine Eltern sind wohlhabende New Yorker Persönlichkeiten der High Society, die einfach als Mr. und Mrs. Brown bezeichnet werden. Sie bilden den Rahmen für Busters vornehmes, aber zugleich schelmisches Leben. Die Comics fallen nicht nur durch ihre zusammenhanglosen und oft scheinbar sinnbefreiten Geschichten auf, sondern auch durch ihre Moralpredigten, welche fast jede Erzählung epilog-artig abschließen. Das Auffällige an diesen Moralpredigten ist, dass sie bei aufmerksamem Lesen entweder nicht zur in der Geschichte erzählten „Schandtat“ und ihren Folgen passen, oder gar dem Ausgang der Handlungen des Jungen widersprechen (der Junge stellt etwas an und die vermeintliche Moralpredigt gibt ihm auch noch Recht).

Charaktere

Buster Brown
Buster ist ein etwa 9-jähriger Junge mit blondem, schulterlangen Pagenschnitt und einem makellosen Lächeln. Er kleidet sich selbst für seine Zeit etwas altmodisch: er trägt einen großen, flachen Sommerhut mit langer Schleife, ein doppelreihiges Jackett im Tunika-Stil mit Gürtel, einen übergroßen, abgerundeten weißen Kragen (später bekannt und populär als „Buster-Brown-Kragen“) und eine schlaffe, übergroße und plissierte Schleife oder Krawatte. Seine Beinkleidung besteht aus einer kurzen Hose oder einer Kniebundhose, die knapp oberhalb des Knies endet (sog. Knickerbocker), weißen Socken und dunklen Riemenschuhen (die später so berühmten Mary-Jane-Schuhe).
Obgleich Buster auffällig hübsch ist und sich stets manierlich kleidet (was eigentlich recht untypisch für die sonst populäre Porträtierung eines „klassischen Bengels“ ist), so ist er stets mit Vorsicht zu genießen: er neigt nicht nur dazu, wirklich alles und jede Redewendung wortwörtlich zu nehmen, er wirkt übermäßig naiv, leichtgläubig und gedankenlos. Dabei vermittelt er (eindeutig ungewollt) recht häufig den Eindruck der Rücksichtslosigkeit bis hin zu Arglist und Boshaftigkeit. Die Streich-Geschichten folgen dabei immer demselben Schema: Der Streich oder die Übertretung fliegt auf und Buster wird bestraft – meist bekommt er von seiner Mutter den Hintern versohlt–, doch es bleibt stets unklar, ob er jemals Reue zeigt. In anderen Episoden hingegen zeigt Buster eine für seine gehobene Gesellschaftsstellung ungewöhnliche Empathie gegenüber ärmeren Kindern: so erteilt er einem reichen und bösen Herrn, der ein mittelloses Kind grob behandelt hat, eine Lektion, indem er des Reichen verlorene Geldbörse zwar zurückbringt - das Geld hat Buster aber vorher dem unglücklichen Kind geschenkt. Zudem behandelt Buster seinen Hund Tige stets liebevoll und pfleglich.
Tige
Tige ist der Name von Busters treu ergebenem Hund, ein dunkel graubrauner American Pit Bull Terrier. Tige ist sanftmütig (meistens jedenfalls), ausdrucksstark und er kann sprechen. Normalerweise reagieren nur Buster und andere Kinder auf Tiges Kommentare (wenn überhaupt), sodass zunächst der Eindruck entstehen kann, dass nur Kinder das Gesagte hören können. Doch in ein paar wenigen Episoden spricht der Hund Erwachsene direkt an, woraufhin diese schockiert die Flucht ergreifen. Tiges Kommentare erweisen sich fast immer als die Stimme der Vernunft für Buster, manchmal aber drückt er Schadenfreude über Missgeschicke oder Frust über Busters Unvernunft aus. Der Hund kann sogar augenscheinlich lesen und das Geschriebene inhaltlich verstehen.
Mary Jane
Mary ist Busters Spielgefährtin und beste Freundin. Sie ist im gleichen Alter wie er und auch sie kleidet sich etwas altmodisch und puppenhaft: Mary wird normalerweise in einem einfachen, aber zierlichen und vergissmeinnicht-blauen Kleid mit Rüschen oder Spitzchen dargestellt. Sie trägt eine übergroße, markante und ebenfalls vergissmeinnicht-blaue Haarschleife in ihrem lockigen, schwarzen Haar. Ihren Look rundet sie mit kniehohen und weißen oder dunklen Strümpfen ab. Sie trägt außerdem jene berühmten Schuhe mit einem Riemen und runder Schnalle, die ihr zu Ehren schließlich den Namen „Mary Jane“ erhielten.
Mary ist das genaue charakterliche Gegenstück zu Buster: sie ist aufgeweckt, frühreif und gütig. Sie hinterfragt Busters scheinbare Gedankenlosigkeit gern und schreckt auch nicht vor mahnenden Worten zurück. Trotzdem beteiligt sie sich hin und wieder an seinen Streichen, meistens dann, wenn sie sich sicher ist, dass der bevorstehende Ausgang nicht allzu viel Ärger bescheren wird.

Hintergrundgeschichte

Die Figur des Buster Brown basierte möglicherweise lose auf den damals 9-jährigen Granville Hamilton Fisher. Outcault stützte die wohlhabende Umgebung und Busters Auftritte auf eine real existierende Familie, nämlich Charles und Anna Fisher aus Flushing, New York, mit denen er eng befreundet war. Outcault übernahm Granvilles äußeres Erscheinungsbild für seinen Comicstrip, der Name „Buster“ stammte von dem damals populären Vaudeville-Kinderstar Buster Keaton. Buster Brown erschien das erste Mal am 4. Mai 1902 im New York Herald.

1904 erwarb die Brown Shoe Company die Namensrechte an Buster Brown und stellte den so geschaffenen Markennamen erstmals anlässlich der Weltausstellung in St. Louis vor. Die Firma bewarb ihre Produkte durch kleinwüchsige Menschen, die, als Buster Brown verkleidet und von einem Hund begleitet, bis in die 1930er Jahre in Schuhläden und Warenhäusern auftraten. Bis heute wirbt die Brown Shoe Company mit dem Namen und dem kürzlich neu gestalteten Logo mit Buster Brown für Kinderschuhe. Als Outcault 1906 zu den Hearst-Zeitungen wechselte, kam es zum Rechtsstreit zwischen dem Herald und Hearst. Das Gericht entschied, dass Outcault als Schöpfer zwar seinen erschaffenen Charakter behalten, der titelgebende Name aber beim Herald verbleiben durfte. So erschien Buster Brown weiter beim Herald bis wahrscheinlich 1911, während Outcaults Version bei Hearst bis 1921 erschien.

In den 1920er-Jahren wurden auch einige Realverfilmungen von den Stern Bros. erstellt. Der Hund Tige wurde von „Pete the Pup“ gespielt. Die Regie führte Gus Meins, der später auch an den populären Verfilmungen von Our Gang (Little Rascals = „Die kleinen Strolche“) beteiligt war.

Literatur

  • Balzer, Jens/Wiesing, Lambert: Outcault. Die Erfindung des Comic. Bachmann, Bochum 2013, ISBN 978-3-941030-07-7.
  • Ian Gordon: Kid Comic Strips - A Genre Across Four Countries. Palgrave Macmillan US, New York City 2016, ISBN 9781137555809, S. 3–7.
  • Mikhail Peppas, Sanabelle Ebrahim: Frame Escapes: Graphic Novel Intertexts. BRILL, Leiden/New York City 2019, ISBN 9781848884489, S. X–XI.
  • Lara Saguisag: Incorrigibles and Innocents - Constructing Childhood and Citizenship in Progressive Era Comics. Rutgers University Press, New Brunswick 2019, ISBN 9780813591766, S. 99–104.
Commons: Buster Brown – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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