Bürger-Klimapark Lohne

Park in Lohne im niedersächsischen Landkreis Vechta From Wikipedia, the free encyclopedia

Benjeshecke und „Weidenkapelle“ im Bürger-Klimapark Lohne (November 2025)

Bürger-Klimapark Lohne ist der Name eines Parks am Rande der Stadt Lohne im niedersächsischen Landkreis Vechta. Der 7,3 Hektar große Park ist das Ergebnis der im Jahr 2022 begonnenen Umsetzung des Projekts „Errichtung eines Bürger-Klimaparks in der Stadt Lohne“. Er liegt südlich des Hopener Waldes unmittelbar westlich der Bahnstrecke Delmenhorst–Hesepe.

Ziele des Klimaparks

Die Umweltwissenschaftlerin Beata Punte von der Universität Vechta fasst mit den Worten: „Der Bürger-Klimapark Lohne dient dem Klimaschutz, der Bildung und der Naherholung.“ den Zweck des Parks zusammen.[1]

Durch die Errichtung des Klimaparks in Lohne sollen laut der Universität Vechta folgende konkrete Ziele erreicht werden:

  • ökologische und klimaangepasste Aufwertung und Umwandlung einer bisher intensiv landwirtschaftlich genutzten Fläche;
  • Steigerung der Klimaschutz- und Klimaanpassungsleistung im Rahmen des „Integrierten Klimaschutzkonzepts der Stadt Lohne“[2];
  • Partizipation von verschiedenen lokalen Akteuren (neben Schulen auch Aktionsgruppen des Umwelt- und Naturschutzes und interessierte Bürger);
  • die Entwicklung eines Lern- und Erfahrungsraums zum Thema Klimawandel in Form eines digitalen Lernpfades und plastischen Kulturpfades, um Klima-Lernen zu ermöglichen und zu aktivem Klima-Handeln anzuregen, sowie
  • Bilanzierung von Ökosystemleistungen und resorbierten Treibhausgasen am Standort.[3]

Geschichte und Perspektiven

Am 26. Mai 2020 empfahl der Bau-, Verkehrs-, Planungs- und Umweltausschuss des Rats der Stadt Lohne die Errichtung eines Bürgerparks Lohne.[4] Dafür solle ein 79.810 m² großes Areal im Süden der Stadt, das bislang von einem Landwirt gepachtet worden war, aus der Pacht herausgenommen werden. Seit Jahresbeginn 2022 gestaltet die Stadt Lohne die zuvor landwirtschaftlich intensiv genutzte Fläche zu einem Bürger-Klimapark um.

In den Planungsprozess waren auch Bürger der Stadt Lohne einbezogen. Bis zum Herbst 2022 legten 62 aktive Bürger 124 Vorschläge für die Gestaltung des Parks vor. Im Sommer 2023 entwickelten die beteiligten Bürger gemeinsam mit den beauftragten Planern (s. u., Abschnitt „Projektpartner“) ein „Basis-Konzept“. Dieses sah vor, das Parkareal am Rande des Hopener Waldes in drei Bereiche für Wald, Wasser und Wiese aufzuteilen.[5]

Schüler der Lohner Handelslehranstalten präsentierten am 23. September 2023 Modelle für die Umsetzung des Friedensgedankens im Bürger-Klimapark.[6]

Am 5. April 2024 trafen sich Mitglieder der Lohner Pfarrgemeinden und kirchennaher Einrichtungen auf dem Gelände der Franziskus-Oase zu einem gemeinsamen Pflanztag. An diesem wurden eine Benjeshecke sowie Beete mit biblischen Pflanzen und Kräutern angelegt.[7]

Vom 21. bis zum 24. Oktober 2024 waren im Rahmen der Projektwoche des kreiseigenen Gymnasiums Lohne Schüler im Projekt „Pflanzung eines Tiny Forest im Bürger-Klimapark Lohne“ aktiv.[8][9][10]

Der Park wurde am 26. September 2025 offiziell eröffnet.[11]

Im Herbst 2025 begannen weitere Arbeiten im Bürger-Klimapark. Es werden auf einer Fläche von 10.500 Quadratmetern 2568 Bäume und Sträucher gepflanzt. In den nächsten Jahren soll sich ein Schlehdorn-Linden-Hainbuchen-Wald entwickeln. Die zusätzliche Waldfläche setzt sich aus einem mehrschichtigen Mosaik aus Randgehölzen, Begleitgehölzen und Laubbäumen zusammen. Als Übergang wird ein Blühstreifen am äußeren Rand des Parkgeländes eingesät.[12]

Gliederung des Parks

Einen ersten Lageplan des Areals stellte die Stadt Lohne der Öffentlichkeit am 7. Februar 2023 vor.[13]

Hauptgelände

Am Eröffnungstag wurden den Besuchern auf den Infotafeln die folgenden Einzelthemen vorgestellt (die während des Rundgangsverlaufs nacheinander relevant wurden)[14]:

1. Infotafeln mit allgemeinen Informationen, auch zum Schulwald

2. Infotafeln zum Bereich „Pflanzungen und bauliche Maßnahmen“

  • Wassergrabensystem mit Aue[15];
  • Amphibiengewässer;
  • Wallhecke;
  • Temperaturkessel „Wärme“;
  • Temperaturkessel „Kälte“;
  • Wassergarten mit Versickerungmodell;
  • 2000 m² Weltacker;
  • Klimaresiliente Bäume;
  • Streuobstwiese – wertvolles Ökosystem für Tiere und Pflanzen – sowie
  • Heimische Bäume.

3. Infotafeln mit der Vorstellung einzelner Bäume

Schulwald

Schulwald in Lohne-Zerhusen (August 2025)

Zum Gesamtgelände des Klimaparks gehört auch der unmittelbar an die Bahnlinie angrenzende Schulwald, der durch einen Waldstreifen und einen Wassergraben von dem Hauptgelände des Parks getrennt ist.[16] Den Vertrag über die Einrichtung des Lohner Schulwaldes unterzeichneten die Projektpartner (s. u.) am 14. September 2022. Wie bei allen Verträgen, bei denen die Stiftung „Zukunft Wald“ Vertragspartner ist, sind durch den Vertragsabschluss die beteiligten Lohner Schulen 30 Jahre lang verpflichtet, regelmäßig fällige Arbeiten in „ihrem“ Wald zu verrichten.[17]

Der Stiftung „Zukunft Wald“ (einer Stiftung der Niedersächsischen Landesforsten) ist es, wie dem Land Niedersachsen selbst, wichtig zu betonen, dass „[i]n Niedersachsen […] Schulwälder genehmigte Erstaufforstungen [sind]. Dadurch werden diese per Gesetz Wald, werden immer Wald bleiben, und tragen zur Zunahme der Waldfläche in Deutschland bei.“[18]

Im Februar 2023 wurden 4850 Bäume gepflanzt. Der Schulwald umfasst eine Fläche von 0,7 Hektar, auf der im Februar 2023 von 1280 Schülern aus den vier am Projekt beteiligten Lohner Schulen insgesamt 4850 Pflanzen in den Boden gesetzt wurden. Mit der Aufforstung tragen die Schüler aktiv zu der CO2-Reduzierung bei und fördern gleichzeitig die biologische Artenvielfalt. Sie leisten damit laut der Stiftung Zukunft Wald einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.

Im März 2025 gab es in dem Schulwald neben den seitdem gepflanzten Bäumen und Sträuchern eine Käfer- und Palettenburg, einen Baumlehrpfad und ein bewohntes Insektenhotel.[19]

Schulwälder in Niedersachsen sollen nach dem Willen der Landesregierung (in der Ära des Kabinetts Lies) zugleich als Grüne Klassenzimmer dienen.[20]

Als „ersten Unterricht im Grünen Klassenzimmer“ bezeichnet die Stadt Lohne eine Aktion in dem im Entstehen begriffenen Schulwald im September 2022.[21] Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) weist allerdings darauf hin, dass Schulträger (hier: die Stadt Lohne) dafür verantwortlich seien, dass auch in einem „Grünen Klassenzimmer“ die Voraussetzungen für den von der DGUV garantierten Unfallschutz für alle Schüler während ihrer Schulzeit und auf den Wegen von der und zur Schule gegeben sein müssten. Dazu gehöre vor allem die Auflage, dass „[d]as grüne Klassenzimmer […] allen Schülerinnen und Schülern einer Klasse genügend Platz bieten“ müsse, z. B. durch „Steine, Mauern, Baumstämme oder Holzbänke […] als Sitzgelegenheiten“.[22] Zur Reduzierung der hierfür ansonsten erforderlichen weiteren Kosten für das Projekt spendete ein namhafter Holzbearbeitungsbetrieb das Bauholz für eine Sitzgruppe im Lohner Schulwald.

Für Unterricht an einem außerschulischen Lernort geeignete Sitzgelegenheiten befinden sich auch auf dem Hauptgelände des Klimaparks.

Projektpartner

Der Schulwald ist eine Kooperation von vier Schulen und weiteren Partnern. Für die fachliche Leitung des Projekts sind die Stiftung Zukunft Wald sowie das Waldpädagogikzentrum Weser-Ems der Landesforsten zuständig; sie werden von den Wissenschaftlern der Universität Vechta und des Verbundes Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar) unterstützt. Die Koordination aller Maßnahmen obliegt der Stadt Lohne.

Weitere Projektpartner beteiligen sich an der Gestaltung des Hauptgeländes: Dazu gehören die oben angeführten Aktivitäten des Gymnasiums Lohne.

Zu den „Aktionsgruppen des Umwelt- und Naturschutzes“ gehören auch Gruppen, die sich innerhalb der Lohner Kirchengemeinden gebildet haben. Die „Franziskus-Oase“ wird von Aktiven aus den Gemeinden betreut[23]. Diese bilde das Herz des Klimaparks.

Finanzierung

Visualisierung des Themas „Klima“ mit Hilfe eines Holzkubus und einer Infotafel[24]

Der Stadt Lohne wurde 2021 aus dem Bundesprogramm „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“ eine Zuwendung von ca. 450.000 € für das Projekt „Errichtung eines Bürger-Klimaparks in der Stadt Lohne“ bewilligt.[25] Die Stadt selbst trug im Förderzeitraum einen Eigenanteil von gut 50.000 € bei.[26] Ein Großteil der Arbeiten wurde ehrenamtlich geleistet, vor allem von den beteiligten Schulen und anderen ehrenamtlich Tätigen.

Der Rundgang ist 1,1 km lang; an ihm entlang stehen (Stand: 22. Oktober 2025) 41 Infotafeln.[27] Für das Jahr 2025 erhielt die Stadt Lohne ca. 27.000 € aus dem Programm LEADER (Förderperiode 2023–2027) für die zusätzliche Finanzierung eines „Rundgangs mit Info-Stationen zu den Themen Klimaschutz und Klimafolgenanpassung“.[28]

Es ist nicht vorgesehen, laufende Kosten für den Betrieb des Klimaparks dadurch zu finanzieren, dass seine Besucher Eintritt bezahlen. Eine wichtige Rolle spielen Geld- und Sachspenden.

Rezeption

Die Umweltwissenschaftlerin Beata Punte von der Universität Vechta beschreibt den Bürger-Klimapark Lohne als Teil eines umfassenderen integrierten Klimaschutzkonzepts.[1]

Die Website crowdinsights bescheinigt dem Bürger-Klimapark Lohne, aus einem „völlig neue[n] Konzept“ heraus entwickelt worden zu sein. „Der Bürger-Klimapark soll zu einem Ort mit Vorbildfunktion und als städtischer Beitrag zur Steigerung der Klimaschutzleistung und Klimaanpassung entwickelt werden. Besucher[…] aller Altersgruppen sind willkommen“.[29]

Parallel laufende Planungen und Aktionen in Vechta

Schulwald Vechta

Im Jahr 2014 begann die Kreisstadt Vechta auf einer Fläche in Bergstrup nahe der Ortsumgehung Nordspange ein Schulwaldprojekt. In Zusammenarbeit mit zwei Schulen und der Stiftung „Zukunft Wald“ ließ sie auf dem ca. 1 Hektar großen Areal heimische Baumarten pflanzen[30], darunter allein im Jahr 2016 ca. 0,65 Hektar Mischwald.[31] Insgesamt wurden laut der Stiftung Zukunft Wald in Bergstrup 6788 Bäume und Sträucher gepflanzt.

Das Projekt „Schulwälder gegen Klimandel“, in das die Schulwälder in Vechta und Lohne integriert sind, wurde im Jahr 2011 begonnen.[32] Das von der Stiftung „Zukunft Wald“ getragene Projekt wurde von Anfang an vom Land Niedersachsen gefördert. In Niedersachsen gibt es zurzeit (Stand: November 2025) 85 Schulwälder.[33] Am 7. November 2025 wurde die Fortsetzung des Projekts durch die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung der Projektbeteiligten gesichert.[34]

Klimapark Vechta

Im Mai 2023 stellte die Stadt Vechta einen neuen Bebauungsplan für den Stadtteil Stukenborg auf, durch den Flächen in der Größe von 55 Hektar überplant wurden.[35] 11 Hektar davon waren ursprünglich für einen Klimapark mit einer Zuwegung über die Anna-Brücke vorgesehen, die von Osten her die Bundesstraße 69 überquert. Am 11. Juni 2025 wurde dem Ausschuss für Umwelt, Planung und Bauen des Rates der Stadt Vechta eine im Februar 2025 erarbeitete Projektskizze zum Klimapark Vechta vorgelegt, der eine Parkgröße von 9,7 Hektar zugrunde liegt.[36] Im Jahr 2026 sollen die Arbeiten am Klimapark Vechta nach Auskunft der Stadtverwaltung „deutlich an Fahrt aufnehmen“.[37]

Commons: Bürger-Klimapark Lohne – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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