Schulwald

Waldstück in der Nähe einer Schule From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Schulwald ist ein kleines Waldstück in der Nähe einer Schule, das unter Anleitung von Lehrkräften und Forstleuten von Schülern betreut wird.

Geschichte

Im Wesentlichen wurde die Idee, in Deutschland Schulwälder zu pflanzen, von Schleswig-Holstein ausgehend, ab 1949 verwirklicht. Die meisten früh eingerichteten Schulwälder wurden auf Kahlschlägen in Staats-, Gemeinde- und Privatwäldern entwickelt. Im Jahr 1964 gab es allein in Schleswig-Holstein ca. 1000 Schulwälder.[1]

Seit den 1960er Jahren ging die Zahl der Schulwälder zurück.

Anfang der 1970er Jahre gab es eine Neuorientierung in der Schulwaldkonzeption. Die Forderung nach mehr Ökologie wurde deutlicher formuliert, und es wurde ein „Außengelände für den Biologieunterricht“ gefordert. Neben dem Wald standen als Ökosysteme auch Teiche, Moore, Seen, Heide und Dünen im Mittelpunkt von Schüleraktivitäten.[2]

Kontext der Einrichtung von Schulwäldern

In den Anfangsjahren, die in Einzelfällen bereits im frühen 20. Jahrhundert lagen, ging es primär darum, dass Schulen „ihren“ (vor allem von Lehrern, Eltern und Schülern gewünschten) Schulwald erhielten, der für sie zum heute mit diesem Begriff bezeichneten „Grünen Klassenzimmer“ wurde.[3]

Ein typisches Beispiel für eine von einem einzelnen Dorfschullehrer ausgehende Initiative zur Errichtung eines Schulwalds ist der im Jahr 1911 gepflanzte „historische Schulwald“ in Sierksdorf.[4]

Im Laufe der Jahre wurde verstärkt der Versuch unternommen, Schulwälder nicht nur in waldpädagogische, sondern auch in übergeordnete (umwelt)politische Konzeptionen einzuordnen.[5] Einen Rahmen für die Schulwald-Arbeit bildete die Agenda 21, auf deren Grundlage Schülern das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung und die Zusammenhänge in der Natur im Unterricht verständlich gemacht werden sollten.[6]

Einen weiteren Rahmen für die Schulwald-Arbeit lieferte die Ausrufung der „Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen in Deutschland“ (2021–2030) durch die Vereinten Nationen (UN).[7] Die Ausrufung der 2020er Jahre als „Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen“ (weltweit) nahmen deutsche Politiker zum Anlass, umweltpolitische Konzepte zur Umsetzung des Dekadenziels zu entwickeln.

Insbesondere das Land Niedersachsen entwickelte bis 2025 den Ehrgeiz, zum „Land der Schulwälder“ zu werden.[8]

Situation in den Ländern

Schleswig-Holstein

Noch im Frühen Mittelalter war Schleswig-Holstein ein von Küste zu Küste bewaldetes Gebiet. Großflächige Rodungen für eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung und den Deichbau verbrauchten danach große Mengen Holz. „Die Entnahme der Laubstreu durch die Bauern, die Viehweide im Wald, die Schälung der Eichenrinde durch die Gerber, die Verwendung des Holzes als einzigem verfügbaren Energieträger für den Hausbrand, schließlich die Eisenverhüttung, die Ziegelbrennerei und der weitere Anstieg des Holzkohlebedarfes im Zuge der Industrialisierung“ führten bis 1850 zu einem dramatischen Rückgang des Anteils der Waldfläche auf einen historischen Tiefstand von vier Prozent der Landesfläche. Danach setzten gezielte Aufforstungsmaßnahmen ein. Dennoch besitzt Schleswig-Holstein mit einem Anteil von elf Prozent an der gesamten Landesfläche 2025 den geringsten Waldanteil aller Länder Deutschlands.[9]

Trotz der „der vielseitigen Flächenansprüche von Militär, Autobahnbau, Nahrungsmittelversorgung usw. in der Zeit von 1933 bis 1945“ nahm die Waldfläche Schleswig-Holsteins um 1500 ha pro Jahr zu (zum Vergleich: Vor 1913 betrug der Waldflächenzugang rund 10.000 ha jährlich und nach 1948 rund 7000 ha).[10]

In Büsum, im extrem waldarmen Marschland der Dithmarschen gelegen, entstand in den 1930er Jahren der erste kleine Wald des 20. Jahrhunderts. Dieser wurde wegen des Brennstoffmangels, vor allem in den extrem kalten Nachkriegswintern, abgeholzt. Auf Initiative eines Mittelschullehrers entstanden Bäume im geschlossenen Verband an geeigneten Plätzen durch Zusammenarbeit der Mittelschüler und des Vorarbeiters der Gemeinde Büsum. Ein Teil der zusammenhängenden Waldfläche wurde im April 1956 offiziell als Schulwald eingeweiht. Im Laufe der Jahre verfiel der Schulwald zu einem „fast vergessenen Kleinod“, in das sich Einheimische „verirrten“. Im Jahr 2013 entstand in der Büsumer Bevölkerung eine Wutwelle, nachdem die Gemeindeverwaltung mitgeteilt hatte, dass in dem Schulwald ein Abenteuerspielplatz entstehen solle, obwohl der Wald die einzige noch naturnahe Fläche in der Gemeinde sei.[11] In der Endfassung des „Landschaftsplans Gemeinde Büsum - Kreis Dithmarschen“ vom November 2023 ist „der sogenannte ‚Schulwald‘ als eine sonstige öffentliche Park- und Grünanlage mit Fußwegen eingestuft“.[12][13]

Die Schutzgemeinschaft Wald nennt als aktuelle Zahl 160 Schulen mit Schulwald in Schleswig-Holstein. Zurückzuführen ist laut der SGW der Rückgang seit 1964 (s. o.) vor allem auf die Auflösung der meisten Dorfschulen im Land.[14] Der Kreisverband Rems-Murr (Baden-Württemberg), der die Vorreiterrolle Schleswig-Holsteins in Sachen Schulwald in seiner Veröffentlichung ausdrücklich erwähnt, gibt als aktuelle Zahl „bundesweit über 250 Schulwälder“ an.[15] Die schleswig-holsteinische Landesregierung betrachtet es als eine Aufgabe der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Aktive in der Schulwaldarbeit fachlich zu betreuen.

Auf eine Kleine Anfrage eines Abgeordneten im Schleswig-Holsteinischen Landtag im November 2021 gab die Landesregierung die vom Waldpädagogischen Zentrum Trappenkamp der Regierung übermittelte Zahl von 87 aktiven Schulwäldern im Land an.[16] Laut den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten erwarben bis 2025 an 240 Schulen des Landes „Schüler Wissen über natürliche Zusammenhänge durch eigenes Agieren im Wald“.[17]

Seit 2016 werden in Kooperation der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten jährlich zwei alte Schulwälder revitalisiert.[18][19][20]

Hamburg

Hamburg ist ein Stadtstaat mit einer relativ hohen Bevölkerungsdichte und einer dadurch bedingten starken Konkurrenz um knapp bemessene noch nicht genutzte Flächen. Unterricht in bereits vorhandenen Wäldern, die keine Schulwälder sind, liegt dort daher nahe. In ihrer Schrift „Wald in der Grundschule“ widmet die SDW Hamburg einen Abschnitt den Themen „Wald im Unterricht“ und „Waldbesuche in der Unterrichtszeit“.[21]

Niedersachsen

Am 9. September 1994 stellte Hans-Henning Freiesleben auf der Landesverbandstagung des Verbandes deutscher Biologen in Schneverdingen in einem Vortrag fest: „Schulwälder sind in Niedersachsen selten, in Schleswig-Holstein sind sie dagegen weit verbreitet. Die Methodik ‚kleiner Musterwäldchen vor den Schultüren‘ ist aber eher vergleichbar mit Schulgärten und wohl hauptsächlich im Primarbereich berechtigt.“ Freiesleben ging damals davon aus, dass die Initiative für die Schaffung von Schulwäldern in Niedersachsen von den „85 staatlichen Forstämter[n] mit ihren 450 Revierförstereien“ ausgehen müsse, die aber nur eine „beschränkte Anzahl von Aktionen leisten“ könnten.[22]

Das Land Niedersachsen gründete im Jahr 2011, dem „Internationalen Jahr der Wälder“, die „Stiftung ‚Zukunft Wald‘“, eine Tochter der Niedersächsischen Landesforsten. Die niedersächsische Stiftung ist die erste Stiftung eines öffentlichen Unternehmens der Forstwirtschaft in Deutschland.[23] Das Motto der Stiftung lautete anfangs: „Pflanzt nicht Worte, sondern Bäume!“. Diesem Motto folgend, begann die Stiftung das Projekt „Schulwälder gegen Klimawandel – Schulwälder für Generationen“. In Niedersachsen sind Schulwälder „genehmigte Erstaufforstungen. Dadurch werden diese per Gesetz Wald, werden immer Wald bleiben, und tragen zur Zunahme der Waldfläche in Deutschland bei.“[24] Laut einer Grundsatzvereinbarung der Stiftung Zukunft Wald, der Niedersächsischen Landesforsten, der Ministerien für Landwirtschaft, Umwelt und Kultur sowie der kommunalen Spitzenverbände vom November 2025 besteht der „Kern der Schulwälder“ aus „Flächen Dritter, die von Schülern […] aufgeforstet werden und den jeweiligen Schulen dann langfristig auch als sogenanntes grünes Klassenzimmer zur Verfügung stehen.“[25][26]

Schild mit der Aufschrift „Schulwälder gegen Klimawandel“ im noch jungen Schulwald des Bürger-Klimaparks Lohne[27]

Im September 2025 gab es 85 Wälder der niedersächsischen Stiftung,[28] die von dieser einzeln in Form von „Steckbriefen“ vorgestellt werden.[29] Heute noch sind Projektteilnehmer daran zu erkennen, dass auf allen Schulwäldern der Stiftung „Zukunft Wald“ Schilder mit der Aufschrift: „Schulwälder gegen Klimawandel“ aufgestellt sind (siehe das Foto rechts).

Zugleich liefert „Zukunft Wald“ Anregungen für die traditionelle Bildungsarbeit zum Thema „Wald in Zeiten des Klimandels“.[30]

In Niedersachsen gibt es auch Kooperationen zwischen Besitzern von Privatwäldern und Waldorfschulen, die nicht von der Stiftung „Zukunft Wald“ betreut werden.[31]

Bayern

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Landesverband Bayern hat Materialien für den Unterricht in Grundschulen veröffentlicht, das – auf die bayerischen Richtlinien für den Unterricht[32] zugeschnitten – von Lehrkräften richtlinienkonform beim Unterricht im Wald eingesetzt werden kann.[33]

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg sind Schulwälder in ein politisches Gesamtkonzept im Rahmen des Koalitionsvertrages zwischen Bündnis 90/Die Grünen und CDU im Land eingebunden.[34] Sie werden im Kontext des Abschnittsthemas „dreistufiger Verwaltungsaufbau“ dem Bereich der „Untere[n] Forstbehörden (UFB) ohne Schwerpunkteinrichtung“ zugeordnet.[35] Zugleich betont der Koalitionsvertrag, dass es darum gehe, „Beteiligungsformate im Staatswald“ zu etablieren.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Landesverband Baden-Württemberg organisiert Fortbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte. Sie empfiehlt diesen Pädagogen u. a. die Benutzung der in Bayern entwickelten Materialien zum Unterricht im Wald.[36]

Mecklenburg-Vorpommern

In Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern) wird der Begriff Schulwald weiter als üblich interpretiert.

In der Stadt gibt es zwar auch einen konventionellen Schulwald mit einer Fläche von „zunächst 7 ha“, den „Schulwald Carolinum“ des gleichnamigen Gymnasiums. Dieser entstand im Jahr 2020 „in enger Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Wälder für Morgen und dem Gymnasium“.

Die privatrechtliche Stiftung Wälder für Morgen wurde 2001 in Bayern gegründet. Sie verlegte im Januar 2025 ihren Verwaltungssitz nach Neustrelitz. Sie ist an einer langfristigen Zusammenarbeit mit Teilnehmern an Schulwald-Pflanzungen interessiert, die auch bei Forschungsaktivitäten der Stiftung mitwirken können. Zu diesem Zweck kann die Stiftung nach eigenen Aussagen auf 2500 ha Wald- und Offenlandflächen zurückgreifen, die von aktiven Schülern des Gymnasiums Carolinum und von deren Ehemaligen im Auftrag der Stiftung bis 2050 erforscht und bearbeitet werden können und sollen.[37][38][39]

Nordrhein-Westfalen

Im „Bielewald“ genannten Schulwald-Projekt in Bielefeld (Nordrhein-Westfalen) ist der Hauptakteur der Schulwald-Förderung die Sparkasse Bielefeld. Sie nimmt eigenen Angaben zufolge Bildung und Nachhaltigkeit in den Bereichen „Klima- und Umweltschutz“ sehr ernst. Ihre Stärke sei die enge Verbundenheit mit Bielefelder Privatwaldbesitzern, denen 60 Prozent der Waldflächen in der Stadt gehörten. Durch zunehmende Umweltschäden (insbesondere durch Borkenkäfer-Befall vieler Bäume) seien vor allem Privateigentümer kleinerer Flächen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. In solchen Fällen könne das Kreditinstitut Kontakte zwischen den betreffenden Eigentümern und an der Schulwaldarbeit interessierten Schulen vermitteln. Geldanlagen (auch Dritter) im Nachhaltigkeitsfonds der Sparkasse Bielefeld gelten als ethisch unbedenklich.[40]

Siehe auch

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI