Caelius Aurelianus
spätantiker numidischer Arzt und Verfasser medizinischer Schriften
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Caelius Aurelianus (überlieferter Beiname: Caelius Aurelianus Methodicus Siccensis) war ein spätantiker Arzt aus der Provinz Africa proconsularis und lebte in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts n. Chr. Er verfasste medizinische Schriften in lateinischer Sprache, die Lehrmeinungen früherer griechischer Ärzte überliefern.
Leben
Von seinem Leben ist nur bekannt, dass er aus Sicca Veneria (dem heutigen El Kef in Tunesien, rund 150 km südwestlich von Tunis) stammte und der Schule der Methodiker anhing. Diese Angaben beruhen ausschließlich auf dem Beinamen Methodicus Siccensis, der in beiden erhaltenen Handschriften der Gynaecia überliefert ist.[1] Einen chronologischen terminus ante quem liefert Cassiodor, der in seinen Institutiones (I, 31, 2) unter dem leicht abweichenden Namen „Caelius Aurelius“ einen Verfasser eines Medizintraktats nennt; die Abweichung gilt als Schreiberverschleifung.[1] Als weiterer Anhaltspunkt dient Cassius Felix, dessen De Medicina auf etwa 447 n. Chr. datiert und der stilistisch als Nachahmer des Caelius gilt.[1] Ein Teil seiner Schriften war in der Lorscher Bibliothek erhalten (vgl. das Lorscher Arzneibuch, das im 8. Jahrhundert wie Gariopontus im 11. Jahrhundert über den „Aurelius-Escolapius“, genannt auch Esculapius,[2] des 7. Jahrhunderts auf Aurelianus zurückgreift[3]).[4][5]
Seine Hauptwerke Celerum passionum libri III und Tardarum passionum libri V (zusammenfassend als De morbis acutis et chronicis bezeichnet, d. h. drei Bücher über akute[6] und fünf Bücher über chronische Krankheiten[7]) galten lange als im Wesentlichen eine lateinische Übertragung verlorener gleichnamiger Werke des Soranos von Ephesos (2. Jahrhundert). Die neuere Forschung betont demgegenüber die eigenständige Leistung des Caelius als Kommentator, Doxograph und medizinischer Denker; sein Verhältnis zu Soranos, das er selbst mit dem Ausdruck Soranum latinizare umschreibt, ist vielschichtig und nicht auf bloße Übersetzung zu reduzieren.[8] Da die Werke des Soranos weitgehend verloren sind, geben Caelius' erhaltene Schriften einen unschätzbaren Einblick in das griechische medizinische Wissen der Antike, wozu auch Ausführungen zahnmedizinischer Art, etwa zur Vermeidung und gegebenenfalls Durchführung von Zahnextraktionen,[9] gehören. Neben den Hauptwerken sind Fragmente der Gynaecia (lateinische Bearbeitung der Gynäkologie des Soranos) sowie Teile der Responsiones medicinales erhalten, eines Abrisses der gesamten Medizin in Frage und Antwort (in zwei Büchern: De Salutaribus Praeceptis und De Speciali Significatione Diaeticarum Passionum). Durch Selbstzitate sind ferner die Titel weiterer Schriften bezeugt: Epistula ad Praetextatum, Liber de Specialibus Adiutoriis, De Febribus, Chirurgumena und Problemata.[1]
Werkausgaben und Übersetzungen
- Caelii Aureliani Siccensis medici vetusti secta methodici de morbis acutis et chronicis libri VIII. Amsterdam 1755.
- Caelius Aurelianus, On Acute Diseases and On Chronic Diseases. Hrsg. und übersetzt von Israel E. Drabkin, Chicago 1950.
- Celerum passionum libri III (= De morbis acutis); Tardarum passionum libri V (= De morbis diuturnis). Akute Krankheiten, Buch I–III, Chronische Krankheiten, Buch I–V. Hrsg. von Gerhard Bendz und ins Deutsche übersetzt von Ingeborg Pape. 2 Bände, Berlin 1990 (= Corpus Medicorum Latinorum. Band VI.1).
Literatur
- Robert Fuchs: Geschichte der Heilkunde bei den Griechen. In: Max Neuberger, Julius Pagel (Hrsg.): Handbuch der Griechischen Medizin. Hildesheim / New York 1971.
- Max Wellmann: Caelius Aurelianus. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band III,1, Stuttgart 1897, Sp. 1256–1258.
- Valentin Rose: Anecdota Graeca et Graecolatina. Berlin 1870.
- Gerhard Bendz: Studien zu Caelius Aurelianus und Cassius Felix (= Skrifter utgivna av vetenskapssocieteten i Lund. Band 55). Lund 1964.
- Philippe Mudry (Hrsg.): Le traité des Maladies aiguës et de Maladies chroniques de Caelius Aurelianus. Nouvelles approches. Actes du colloque de Lausanne 1996. Nantes 1999, ISBN 2-86939-148-X.
- Chiara Thumiger (Hrsg.): Caelius Aurelianus and His Work: Medical Practices, Intellectual History, Textual Transmission. Brill, Leiden und Boston 2026. ISBN 978-90-04-75052-4