Caner Teker

deutscher Choreograf und Performer From Wikipedia, the free encyclopedia

Caner Teker (* 1994 in Duisburg-Marxloh) ist ein deutscher Choreograf, Performer und Bildender Künstler. Sein Werk bewegt sich an der Schnittstelle von Performance, Choreografie und Bildender Kunst und untersucht den Körper als einen durch Disziplin, Gewalt und kulturelle Projektionen geformten Raum. 2024 wurde Teker mit dem ars-viva-Preis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft ausgezeichnet.[1]

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Leben

Caner Teker wuchs in Duisburg-Marxloh auf und studierte von 2013 bis 2019 Bildende Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er die Ausbildung als Meisterschüler abschloss u. a. bei Trisha Donnelly, Johannes Paul Raether und John Morgan. Von 2019 bis 2021 absolvierte er ein postgraduales Studium in Choreografie an der SNDO – School for New Dance Development in Amsterdam. 2022 war Teker Stipendiat des danceWEB-Programms beim Impulstanz Festival in Wien, einem Förderprogramm des zeitgenössischen Tanzes. 2023 erhielt er den MO-Award des Museums Ostwall in Dortmund[2] und 2024 den ars-viva-Preis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. 2025 wurde Teker mit dem Fellowship der Kulturakademie Tarabya des Deutschen Auswärtigen Amts in Istanbul gefördert[3] und für den CIRCA Prize in London nominiert.[4]

Werk

Körper und Ritual

Im Zentrum von Tekers künstlerischer Praxis steht der Körper als politischer und kultureller Schauplatz. Ausgehend von der Methode des „Authentic Movement“, einer therapeutischen Bewegungspraxis, die spontane körperliche Impulse sichtbar macht, entwickelt Teker seine Arbeiten über intensive Proben- und Feedbackprozesse mit Mitperformer, Kostümen und Requisiten. Selten bleibt etwas Spontanes übrig, wenn die Stücke auf die Bühne kommen: Die langen Vorbereitungsphasen zu Beginn der Performances machen den Prozess des Werdens selbst sichtbar. Ein zentrales Interesse gilt dabei dem Ritual als dramaturgischer Strategie als einem Rahmen, der Regeln und Schwellen sichtbar macht, die im Laufe der Aufführung überschritten werden.[5]

KIRKPINAR (seit 2020)

KIRKPINAR ist Tekers meistgezeigte Arbeit. Sie greift auf die Tradition des türkischen Ölringens (Yağlı Güreş) zurück, das seit dem 14. Jahrhundert alljährlich in Edirne stattfindet und als ältestes noch ausgetragenes Sportevent der Welt gilt. Teker eignet sich die konkreten Körpertechniken dieser Sportkultur an, Griffe, Hebel, das rituelle Einölen, und verlangsamt und dehnt sie zu einer choreografischen Sequenz, in der Intimität, Verletzlichkeit und gegenseitige Fürsorge zwischen den Performern sichtbar werden. Die permanente körperliche Spannung, ohne je einen katharischen Höhepunkt anzusteuern, lässt ein alternatives Bild von Männlichkeit entstehen.[6] Die Arbeit wurde in die Sammlung des Museums Ostwall im Dortmunder U angekauft, wo sie 2023 in einer Soloausstellung gezeigt wurde. Eine erweiterte institutionelle Präsentation ist für 2026–2028 geplant.[7]

trans— (seit 2020)

trans— ist ein Solo, das als Tekers konsequenteste und zugleich anti-dramatischste Arbeit gilt. Es verzichtet bewusst auf einen klar markierten Anfang, Höhepunkt oder Schluss. Im orange-gelben Licht von Natriumdampflampen durchläuft Teker eine lose Abfolge persönlicher Rituale: Wachsen und Rasieren, das Injizieren von Östrogen, das Laufen in High Heels, Bewegungsforschung zum türkischen Zeybek- und Horon-Tanz sowie das Spielen der Gaida, eines traditionellen Dudelsacks. Die Arbeit markiert eine Abwendung von Tekers früheren Themen – Clubkultur, fixierte Identitäten, soziale Abhängigkeiten – und sucht stattdessen einen Moment des „Unwerdens“ jenseits von Repräsentation. trans— wurde u. a. am Maxim Gorki Theater in Berlin, am Tanzhaus NRW, im Westfälischen Kunstverein Münster und am CAPC – musée d’art contemporain in Bordeaux gezeigt.[8]

grounds for refusal (seit 2022)

grounds for refusal ist eine Performance, die zwischen Verweigerung und Erscheinen operiert und macht den Blick des Publikums selbst zum Verhandlungsgegenstand. Die musikalische Komposition arbeitet mit hohen Lautstärken und tiefem Bass als körperlich-physischer Dimension der Aufführung. grounds for refusal wurde erstmals 2022 im Rahmen des Bone Performance Art Festivals in Bern gezeigt und anschließend u. a. an der Kunsthalle Düsseldorf, beim Borealis Festival in Bergen sowie beim Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean (Mudam) in Luxemburg aufgeführt.[9]

Auftritte und Ausstellungen (Auswahl)

Tekers Performances wurden an internationalen Institutionen gezeigt. KIRKPINAR wurde u. a. bei der Berlin Atonal und Julia Stoschek Foundation (2021), beim Tanzquartier Wien (2022), an der Neuen Nationalgalerie Berlin und im Museum Ostwall im Dortmunder U (beide 2023) sowie beim Creamcake / 3HD Festival Berlin (2025) aufgeführt. trans— war u. a. am Maxim Gorki Theater und am Theaterhaus Gessnerallee in Zürich (beide 2022), im Westfälischen Kunstverein Münster, am Schauspielhaus Hamburg, beim Drifts Festival Helsinki (alle 2023) sowie am CAPC - musée d'art contemporain in Bordeaux (2024) zu sehen. grounds for refusal wurde neben dem Bone Performance Art Festival Bern und Trauma Bar und Kino Berlin (beide 2022) u. a. an der Kunsthalle Düsseldorf (2023), beim Borealis Festival Bergen (2024) sowie beim Mudam Luxembourg und der Kulturakademie Tarabya Istanbul (beide 2025) gezeigt. east of what? gastierte 2024 am PACT Zollverein Essen, der Gessnerallee Zürich und dem HAU - Hebbel am Ufer Berlin. killjoy wurde 2024 am Tanzhaus Zürich und 2025 am HAU - Hebbel am Ufer, Berlin, am Tanzhaus NRW und in der Beursschouwburg Brüssel aufgeführt. untitled (live) war 2024 am KW Institute for Contemporary Art Berlin sowie 2025 in Istanbul zu sehen.

Als Bildender Künstler nahm Teker an mehreren Gruppenausstellungen teil, darunter Echoes — A Live Exhibition im Haus der Kunst München und A Fire in my Belly bei der Julia Stoschek Foundation Berlin.[10] 2023 war er u. a. in der Ars Viva-Ausstellung im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, in Gestures of Affection im Kunstraum Innsbruck sowie beim Kunstpreis „junger westen“ in der Kunsthalle Recklinghausen vertreten.[11]

Preise, Stipendien und Residenzen

Teker wurde mit mehreren Auszeichnungen gefördert. 2022 erhielt er das Tanja-Liedtke-Stipendium sowie das danceWEB-Stipendium beim Impulstanz Festival Wien. 2023 folgte der MO-Award des Museums Ostwall Dortmund. Mit dem ars viva Preis 2024 des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft erhielt Teker eine Auszeichnung für zeitgenössische Kunst im deutschsprachigen Raum. 2025 wurde er für den CIRCA Prize in London nominiert. Neben den Auszeichnungen war Teker Stipendiat mehrerer internationaler Residenzprogramme. 2023 folgten das Live Studio der Bergen Kunsthall sowie ein Atelier-Aufenthalt im Atelier Galata Istanbul, gefördert durch die Kunststiftung NRW. 2024 war er Residenzkünstler am Tanzhaus Zürich. 2025 realisierte er Residenzen bei Fogo Island Arts in Kanada und der Kulturakademie Tarabya in Istanbul.[12]

Sonstiges

Teker ist seit 2022 Jurymitglied des Berliner Senats für Förderentscheidungen (2022–2027) und war Visiting Artist an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg im Bereich LiveArtForms. Als Lehrender konzipierte Teker das Seminar Queering Intimacy: Towards Grappling am Fortuna SocialPleasureCenter in Berlin.

Einzelnachweise

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