Carolina Eyck
deutsch-sorbische Theremin-Musikerin, Komponistin und Autorin
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Leben
Carolina Eyck ist die Tochter des sorbischen Musikers Jan Bilk. Mit fünf Jahren erhielt sie den ersten Klavierunterricht, ein Jahr später begann sie mit der Violinausbildung. Im Alter von sieben Jahren wurde sie von ihren Eltern mit dem Theremin vertraut gemacht und begann bei Lidija Kawina, der Nichte von Leon Theremin, das Thereminspiel zu erlernen.[2][3] Sie ist eine der wenigen Virtuosinnen auf dem Theremin bzw. Termenvox. Eyck spielt auf einem „Big Briar Theremin series 91A“ und auf einem Etherwave-Pro-Theremin von Robert Moog.[4]
Als Schülerin des Musikgymnasium Carl Philipp Emanuel Bach in Berlin wurde sie in die Klasse von Ulla Scholz aufgenommen. Später wechselte sie zur Bratsche und wurde von Ditte Leser unterrichtet. In dieser Zeit trat sie unter anderem mit der Deutschen Streicherphilharmonie auf.[4]
Ab 2007 studierte sie an der Königlichen Musikhochschule Stockholm im Hauptfach Viola bei Henrik Frendin und erhielt dort 2010 ihren Bachelor-Abschluss.
Karriere
Eyck debütierte 2002 im Alter von 14 Jahren als Thereministin in der Berliner Philharmonie.[5][6]

Im Alter von 16 Jahren erfand Eyck eine neue und präzise Spieltechnik für das Theremin, die sogenannte "8-Fingerpositionen-Technik”. Mit dieser neuen Technik kann der Spieler das elektromagnetische Feld des Theremins auf seine Hand abstimmen und sich auf seine Fingerpositionen verlassen, anstatt die Töne nach dem Hören zu korrigieren.[7][8] Im Jahr 2006, im Alter von 18 Jahren, veröffentlichte sie das Buch Die Kunst des Thereminspiels in deutscher und englischer Sprache, in dem sie diese Methode erklärt, die heute von Thereministen auf der ganzen Welt angewendet wird.[9][10][11]
Eyck spielte mehrere Kompositionen und Ballett-Musiken von Lera Auerbach, darunter Ikarus (2010 im John F. Kennedy Center for the Performing Arts in Washington, D.C.), Cinderella (2011 beim Finnischen Nationalballett),[12] und The Little Mermaid (2009 als Gastmusikerin des Hamburg Ballett auf Japan-Tournee und 2010 beim San Francisco Ballet Orchestra)[13]. 2017 brachte Eyck einige von Auerbachs Präludien für Theremin und Klavier in Kuba zur Uraufführung.[14]
2011 schrieb Andrew Norman für Eyck ein Theremin-Konzert mit dem Titel Air, das sie im selben Jahr mit dem Philharmonischen Orchester Heidelberg aufführte.[2] 2012 spielte Eyck das Theremin-Solo bei der Weltpremiere der beiden Sinfonien Mesopotamia und Universe von Fazıl Say.[15]
Der finnische Komponist Kalevi Aho widmete ihr das Theremin-Konzert Acht Jahreszeiten (Eight Seasons), das sie im Oktober 2012 in Rovaniemi mit dem Lapland Chamber Orchestra uraufführte.[16] Die Aufnahme des Concertos wurde 2015 mit dem Echo Klassik in der Kategorie "Konzert-Aufnahme des Jahres" ausgezeichnet.[17] Seitdem hat Eyck das Konzert mit verschiedenen Orchestern aufgeführt, darunter dem Argentinischen Nationalsinfonieorchester in Buenos Aires (2017), der Württembergischen Philharmonie Reutlingen (2021) und der BBC Philharmonic unter der Leitung von John Storgårds in der Royal Albert Hall in London im Jahr 2022.[18][19]
Seit 2013 arbeitet Eyck mit dem Pianisten und Komponisten Christopher Tarnow zusammen und hat mit ihm seine zwei Sonaten für Theremin und Klavier aufgenommen, Theremin Sonatas (2015) sowie das Album Improvisations for Theremin and Piano (2014). Gemeinsam traten sie bei Festivals wie dem Festival Mitte Europa und dem Caramoor Summer Music Festival in New York auf und spielten in Konzertsälen wie dem Centro Gabriela Mistral in Santiago (2016), dem Teatro Filodrammatici in Mailand (2019) und dem Centro Botín in Santander, Spanien (2025).[20][21][22]
2018 schrieb der französische Komponist Régis Campo das Theremin-Konzert Dancefloor with Pulsing für Eyck, welches sie mit den Brüsseler Philharmonikern uraufführte.[23][24] Seitdem hat sie es mit verschiedenen Orchestern gespielt, darunter 2020 mit dem Frankfurter Rundfunk-Symphonie-Orchester[25], 2024 mit dem Estnischen Nationalen Sinfonieorchester in Tallinn[26], 2024 mit dem WDR Funkhausorchester in Köln[27], 2024 mit dem Orchestre National de France in Paris unter der Leitung von Cristian Măcelaru[28] und 2025 mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin[29].
2019 brachte Eyck Sirens, ein Konzert für Theremin und Orchester von Dalit Warshaw, mit dem Boston Modern Orchestra Project unter der Leitung von Gil Rose zur Uraufführung.[30][31]
Eyck reiste erstmals im Januar 2017 nach Australien und trat mit der Pianistin Jennifer Marten-Smith und dem Gitarristen Jim Moginie von Midnight Oil beim Mona Foma in Hobart, Tasmanien auf.[32] Im Mai 2025 spielte Eyck mit dem Australian Chamber Orchestra und der Pianistin Tamara-Anna Cislowska ihre erste nationale Tournee in Australien unter dem Titel Theremin & Beyond.[33][34] Die Komponistin Holly Harrison schrieb im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums des Orchesters eine neue Komposition Hovercraft für Theremin und Kammerorchester.[35]
Zu Eycks genreübergreifenden Kooperationen zählen die Zusammenarbeit und Auftritte mit Gotye, Jeff Mills[36], Samy Deluxe[37][38] und Steve Vai[39].
Lehrtätigkeit
2010 begann Eyck als künstlerische Leiterin verschiedener Theremin-Akademien. Sie hat Workshops, Vorträge und Meisterkurse in Deutschland, Frankreich, Schweden, Polen, Großbritannien, den Vereinigten Staaten von Amerika, Mexiko und Japan gehalten, wobei sie die Ideen ihrer ursprünglichen Erfindung der „8-Fingerposition-Technik“ weiterentwickelte, auf deren Grundlagen aufbaute und neues Vokabular für Studenten und Profis definierte und erforschte. Eyck hat auch Tutorial-Videos in mehreren Sprachen online veröffentlicht.[40]
Im Jahr 2018 hielt sie einen TEDx-Vortrag über die Symbiose von Selbstbeherrschung und Freiheit beim Spielen des Theremins.[41]
Komponist

Eyck komponiert seit Beginn ihrer Karriere ihre eigene Musik. Ihr Werk reicht von Orchesterkompositionen wie dem preisgekrönten Werk Sciciani (2006), Remembrance (2020) und Ocean Light (2025) bis hin zu experimentelleren elektronischen Klängen, die in den Alben Waves (2019) und Thetis 2086 (2022) zu hören sind, wobei letzteres in 3D-Sound komponiert und in Dolby Atmos präsentiert wurde.[42]
2016 begann Eyck mit ihrem Solo-Programm Theremin & Voice auf Tournee zu gehen, bei dem sie mithilfe eines Surround-Soundsystems den Raum mit Live-Loops füllt. Der Stil der Performance bewegt sich zwischen minimalistischer und progressiver elektronischer Musik.[43] Eycks Eigenkompositionen und Improvisationen führten zu den Alben Elephant in Green (2019) und Elegies for Theremin & Voice (2019).
Seit 2023 taucht Eyck in die Welt der Filmmusik ein, wo sie Theremin, Elektronik, Stimme und Viola als ihre Medien einsetzt. Sie hat die Musik für Confessions of a Good Samaritan (2023, Netflix)[44] und Wild Inside (in Produktion für HBO) von Penny Lane geschrieben.[45]
Auszeichnungen
- 2005: Jugend komponiert, erster Platz mit der Komposition Physikalische Formeln
- 2006: Komponistenpreis des RBB, mit der Komposition Sciciani – Am wendischen Burgwall (für Akkordeon und Streichorchester). Von diesem Stück schuf sie eine neue Fassung CIANI – Am wendischen Burgwall: Bilder für Theremin und Orchester.[46][47]
- 2015: Echo Klassik, Kategorie "Konzerteinspielung des Jahres (Musik 20./21.Jh.)" für die Aufnahme des Theremin-Konzerts Eight Seasons von Kalevi Aho unter der Leitung von John Storgårds und gespielt mit dem Lapland Chamber Orchestra.[1][17]
Kompositionen
- Sciciani - Am wendischen Burgwall: Bilder für Akkordeon und Streichorchester, Uraufführung am 16. September 2006 durch das Philharmonische Orchester Cottbus unter GMD Reinhard Petersen, Solist: Aidar Gainullin (Moskau) - Bajan (2006)[46]
- CIANI - Am wendischen Burgwall: Bilder für Theremin und Orchester, UA am 4. Februar 2007 durch das Orchester der Berliner Spezialschule für Musik, Musikgymnasium Carl Philipp Emanuel Bach, in der Französischen Friedrichstadtkirche (Französischer Dom) am Gendarmenmarkt in Berlin (2007)[48]
- Sonina für Theremin und Harfe (2008)
- Sauselei Duett für Viola und Stimme (2010)
- Syllableaves Concerto für Theremin und Orchester, UA am 24. April 2010 durch das Gävle Symfoniorkester unter Fredrik Burstedt im Konzerthaus Gävle (Schweden)[49]
- Elefant in Grün für Theremin und Stimme (2010)
- Maskenreich für Theremin und Orgel (2013)
- Song for Birds für Theremin und Jazzband (2015)
- Fantasias für Theremin und Streichquartett (2015)
- Soliloquy für Theremin und Stimme (2016)
- Delphic für Theremin und Stimme (2017)
- Reja für Theremin und Stimme (2018)
- Eternity für Theremin und Stimme (2018)
- On Wings of Light and Time für Theremin, Stimme und Elektronik (2019)
- Northern Lights für Theremin und Elektronik (2020)
- Remembrance für Theremin und Orchester (2020)
- Elliptic Orbit für Theremin und Elektronik (2021)
- Midnight Theremin für Theremin und Loop Station (2022)
- Frozen Reflections für Theremin und Delay (2025)
- Ocean Light für Theremin und Orchester (2025)
Diskografie
Alben
- 2008: Carolina Eyck spielt konzertante Werke für Theremin, EAN 4 025118 308424, © SERVI Verlag, Berlin; Musiker: Giulietta Koch - Klavier, Rebekka Markowski - Cello, Magdalena Meitzner - Vibraphon/Percussion und Wiebke Lichtwark - Harfe
- 2013: Kalevi Aho: Theremin Concerto - Horn Concerto; Annu Salminen / Carolina Eyck / Lapland Chamber Orchestra / John John Storgårds, die CD enthält als Extra einen Videoclip mit Carolina Eycks Einführung ins Theremin.
- 2014: Improvisations for Theremin and Piano, Carolina Eyck (Theremin), Christopher Tarnow (Klavier), Label: Butterscotch
- 2015: Christopher Tarnow: Theremin Sonatas, Carolina Eyck (Theremin), Christopher Tarnow (Klavier), Label: Genuin (Note 1 Musikvertrieb)
- 2016: Fantasias for Theremin and String Quartet, Carolina Eyck (Theremin), American Contemporary Music Ensemble, Label: Butterscotch
- 2019: Waves, Carolina Eyck (Theremin & Voice), Eversines (Electronics), Label: yeyeh
- 2019: Elegies for Theremin and Voice, Carolina Eyck (Theremin & Voice), Label: Butterscotch Records
- 2022: Thetis 2086, Carolina Eyck, Label: Neue Meister
Singles and EPs
- 2018: Reja (self-release)
- 2019: Elephant in Green, Carolina Eyck (Theremin & Voice)
- 2020: Northern Lights (self-release)
- 2024: Re: Riverine (Label: Neue Meister) with Clemens Christian Poetzsch and Reentko Dirks
Gastmitwirkung
- 2008: DVD: Heinz Holliger OBOE FANTASY, © medici arts/EuroArts/Swiss Television; u. a. mit der FANTASIA von Bohuslav Martinů, Musiker: Heinz Holliger - Oboe, Robert Kolinsky - Klavier, Carolina Eyck - Theremin und das Keller Quartett (András Keller, János Pilz, Zoltán Gál, Judit Szabó)
- 2009: Episodes von Dante's Dream © Dante's Dream (Deutschland), Label: Kick the Flame
- 2011: DVD: The Little Mermaid (Carolina Eyck spielte mit dem Theremin die Stimme der Meerjungfrau); eine BFMI Produktion in Co-Produktion mit NDR / arte, San Francisco Ballet Association, WNET.ORG + THIRTEEN und NHK; Label: C Major; Director: Thomas Grimm; Distributor: C Major Entertainment; Länge: 120 Min. + 35 Min. Making-of
- 2012: Cellosophy (Carolina Eyck spielte beim Titel „King of Atlantis“ mit), von Christoph Schenker, Timezone
- 2013: Fazıl Say: Sinfonie 2, Op. 38 Mesopotamia & Sinfonie 3,Op. 43 Universe Fazıl Say; (Mitwirkung) Dirigent: Gürer Aykal, Komponist: Fazıl Say, Label: Naive Classique (Indigo), Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra; Edition: BIS-2036
- 2013: DVD: Die Erfindung der Liebe; (Carolina Eyck spielte bei mehreren Musikstücken mit); ein Film von Lola Randl
- 2013: DVD: Clownwise / Klauni (Originaltitel) Fog'n'Desire Films
- 2015: Yeni Şarkılar (Carolina Eyck spielte bei den Stücken 1, 2 und 4 mit) von Fazıl Say / Ada Music
- 2015: About April (Carolina spielt beim Stück „April“ mit), von Friends'n'Fellow, Doctor Heart Music
- 2023: Hochkultur Vinyl Abo by Samy Deluxe, Label: Vertigo Berlin – track "Yves Klein"
- 2025: Sirens by Dalit Hadass Warshaw, Label: BMOP/sound
- 2025: Chopin Residue by Mariusz Szypura Label: Black Element Label – track 5 "Prelude Op. 28, No. 4"
Literatur
- Carolina Eyck: Die Kunst des Thereminspiels. SERVI Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-933757-07-X, EAN 4025 1187 0631 – deutsche Ausgabe mit Noten, Texten und Fotos, über 150 Übungen und Etüden, ca. 20 bearbeitete und neue Musikstücke
- Carolina Eyck: The Art of Playing the Theremin. SERVI Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-933-757-08-8 – in englischer Sprache
