Casa Arhiducelui
historisches Gebäude am Boulevard 3. August 1919 Nr. 11 im Stadtviertel Fabric von Timișoara. Es ist Teil des Denkmalensembles „Fabric (II)“.
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Casa Arhiducelui, auch bekannt als Erzherzogshaus, Josef-Kunz-Haus oder Herczl-Illes-Haus, ist ein spätklassizistisches Gebäude am Boulevard 3. August 1919 Nr. 11 im Stadtviertel Fabric von Timișoara in Rumänien. Es ist Teil des Denkmalensembles „Fabric (II)“.[1]

Geschichte
Im Jahr 1868 wurde die Baubeschränkung auf dem Gelände der Esplanade im Temeswarer Stadtteil Fabric von 500 Klafter (etwa 949 Meter) auf 300 Klafter (etwa 569 Meter) reduziert. Diese Änderung ermöglichte die Freigabe einer Fläche zwischen dem Stadtpark (heute bekannt als Volksgarten/Parcul Regina Maria) und dem Coronini-Platz (heute Römerplatz).
In seinem Werk Alt-Temesvar im letzten Halbjahrhundert 1870–1920 erwähnte Josef Geml, Bürgermeister von Temeswar in den Jahren 1914–1918, dass der Großteil der Gebäude am Boulevard 3. August 1919, beginnend beim Kunz-Haus/Erzherzog-Haus bis zum Kaffeehaus „Königin von England“ am Römerplatz (heute Boulevard 3. August 1919 Nr. 29), von Josef Kunz errichtet worden sei. Ferner ist bekannt, dass auch das zweite zweigeschossige Gebäude im Stadtteil Fabric, gelegen in der Bischof-Joseph-Lonovici-Straße Nr. 1, von Josef Kunz erbaut worden war. Diese Tatsache führte dazu, dass die Bischof-Joseph-Lonovici-Straße über einen längeren Zeitraum hinweg als „Kunz-Reihe“ bezeichnet wurde.
Das um 1870 von dem Unternehmer Josef Kunz errichtete Gebäude im Stadtteil Fabric gehörte zu den ersten zweigeschossigen Bauwerken in diesem Areal. Diese Initiative rief den Unmut anderer Eigentümer hervor, die befürchteten, dass der Wert ihrer Häuser durch dieses Beispiel sinken könnte.
Josef Kunz (1823–1895) war ein Unternehmer und Architekt, der zwischen 1842 und 1846 Ingenieurwissenschaften am Polytechnischen Institut in Wien und von Dezember 1846 bis Juli 1847 Architektur in München studiert hatte, ohne jedoch einen akademischen Abschluss zu erlangen. Nach seiner Rückkehr nach Temeswar gründete er die Ziegelfabrik Josef Kunz & Comp., die bis in die 1930er Jahre hinein bestand. Im Laufe der Zeit war Kunz für die Errichtung zahlreicher Gebäude in der Stadt verantwortlich und trug wesentlich zur architektonischen Entwicklung Temeswars bei.
Das von Josef Kunz errichtete Gebäude in Fabric erregte die Aufmerksamkeit von Erzherzog Johann Salvator von Österreich, der es 1873 erwarb. Der Erzherzog, der als Oberstleutnant der Artillerie in der Temeswarer Garnison diente, wurde Eigentümer des Gebäudes und bewohnte es eine Zeit lang. Im folgenden Jahr, 1874, veröffentlichte Johann Salvator in Temeswar eine Schrift mit dem Titel Betrachtungen über die Organisation der österreichischen Artillerie, die großes Aufsehen erregte. In der Folge wurde der Erzherzog unter Hausarrest gestellt. Am 16. Februar 1875 wurde er auf kaiserlichen Befehl als Strafe zum Infanterieregiment Nr. 12 nach Krakau versetzt. Bereits ein Jahr später übernahm er jedoch das Kommando über das Infanterieregiment Nr. 9.
Im Jahr 1889, nach dem Suizid seines Freundes und Vetters, des Kronprinzen Rudolf, verfiel der Erzherzog in eine Depression,[2] und während einer Ausstellung in Paris erklärte Johann Salvator von Österreich gegenüber der Presse, er beabsichtige, auf alle Adelstitel zu verzichten und den Namen Johann (John) Orth nach seinem Schloss in Österreich anzunehmen. Ende desselben Jahres wurde er offiziell aus dem genealogischen Verzeichnis des Hauses Habsburg gestrichen.
Johann Orth erwarb ein Handelsschiff und brach 1890 zu einer Expedition nach Südamerika auf. In einem unglücklichen Seesturm verschwand er spurlos. Diese Tragödie erregte internationale Aufmerksamkeit, da nach und nach bekannt wurde, dass sich auch Ludmilla (Milly) Hildegard Steubel, eine bekannte Tänzerin der Wiener Oper und seine Jugendliebe, an Bord befunden hatte. Es wird angenommen, dass die beiden kurz vor ihrer Reise nach Südamerika heimlich geheiratet hatten.
Am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wechselte das Gebäude mehrfach den Besitzer. Unter den Eigentümern befand sich auch Illes Herczl, und im Erdgeschoss betrieb Alajos Lenz ein öffentliches Bad. Im Laufe der Zeit diente das Haus auch als Wohnsitz namhafter Persönlichkeiten, darunter Beatrix Küttel, die Witwe des Bürgermeisters Károly (Karl) Küttel, die ihre letzten Lebensjahre an diesem Ort verbrachte.[1]
Architektur
Das zweigeschossige Gebäude stellte ein architektonisches Beispiel seiner Zeit dar. Es war um 1870 im spätklassizistischen Stil von Josef Kunz errichtet worden und bedeutete für das Viertel eine Innovation, da es zu den ersten zweigeschossigen Bauten des Stadtteils gehörte.
Die Architektur des Gebäudes spiegelte den Stil und die Einflüsse seiner Epoche wider und wies charakteristische Elemente jener Zeit auf.
Im Laufe der Zeit hatte das Gebäude sein ursprüngliches Erscheinungsbild weitgehend bewahrt, wenngleich einzelne Veränderungen entsprechend den Bedürfnissen und Vorlieben seiner Eigentümer vorgenommen worden waren. Ursprünglich besaß das Bauwerk zudem vier Statuen als Schmuck oberhalb des Gesimses, die jedoch im Laufe der Jahre verschwanden.[2]