Ca’ Roman

Insel am Südende von Pellestrina From Wikipedia, the free encyclopedia

Ca’ Roman ist eine unbewohnte venezianische Insel am Südende von Pellestrina. Sie bildet einen Teil des Abschlusses der Lagune von Venedig in Richtung Adria und ein bedeutendes Vogelschutzgebiet.

Schnelle Fakten
Ca’ Roman
Blick über Pellestrina und die Lagune westwärts, links Ca’ Roman
Gewässer Lagune von Venedig
Geographische Lage 45° 14′ N, 12° 18′ O
Ca’ Roman (Lagune von Venedig)
Ca’ Roman (Lagune von Venedig)
Einwohner unbewohnt
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Geschichte

Die unbewohnte Insel galt seit jeher als eine Art Anhängsel von Pellestrina. Dennoch spielte sie eine wichtige Rolle, da sie wesentlich für die Kontrolle der Durchfahrt von der Adria in die Lagune war, und damit für die Verteidigung und den Handel Venedigs. So wurde die Insel zunehmend in das Verteidigungssystem der Lagune eingebunden, in der spätestens seit dem 16. Jahrhundert zahlreiche Festungen und Festungsinseln entstanden. Mit dem Ausbau des Hochwasserschutzes am gesamten Ostrand der Lagune, den Murazzi, wurde aus der Insel Ca’ Roman eine Halbinsel, die durch die Verlängerung der Schutzmauern von Pellestrina südwärts angebunden wurde. 1543 traf Pellestrina eine verheerende Sturmflut; die Ca’ Roman, wurde verwüstet, erneut 1686.

Die Insel Ottagono Ca’ Roman

Nach der Seeschlacht von Lepanto (1571) wurde westlich eine achteckige, mit Kanonen bestückte Festung ausgebaut, der Ottagono Ca’ Roman. Auf der Insel selbst entstand durch die Österreicher, denen Ende des 18. Jahrhunderts Venedig zufiel, die Forte Ca’ Roman errichtet, ein Bollwerk. Am Ende des 20. Jahrhunderts war die Insel ein schmaler Dünenstreifen, der die Lagune vor Hochwasser schützen sollte.

1923 gründete Professor Alberto Graziani auf der Insel eine Sommerkolonie. Sie ging 1941 an die Canossianerinnen. Während der deutschen Besatzung zwischen 1943 und 1945 entstanden Bunker und sonstige militärische Anlagen.

Am Südende von Pellestrina entstand 1988 ein Schutzgebiet, insbesondere für Seevögel, die Riserva Naturale Ca’ Roman.[1] Diese Halbinsel unmittelbar gegenüber der Insel Sottomarina, die schon zu Chioggia gehört, wurde mit ihren Dünen unter Schutz gestellt. Sie bietet einen Eindruck von der Erscheinung der Insel vor dem Bau der Murazzi, der gegen Ende der Republik Venedig errichteten Hochwasserschutzanlagen, mitsamt einer dichten Vegetation und zahlreichen Seevögeln.[2] Die Insel ist eines der wenigen Küstenbiotope der oberen Adria, das von der Zementierung, dem Strandtourismus und der damit verbundenen Infrastruktur verschont geblieben ist.

Dort befinden sich noch Bollwerke der letzten Kriege, wie die Forte Ca’ Roman (o Barbarigo), deren Baubeginn wohl um 1800 liegt, die Casamatta di Ca’ Roman, schließlich eine kleine Kirche Ca’ Roman.[3]

Ab den 1990er Jahren unterhielt die Freiwilligenorganisation Villaggio Marino di Ca’ Roman für Familien und Behinderte sommerliche Aufenthaltsmöglichkeiten. Schon zuvor nahm die Lega Italiana Protezione Uccelli, die sich dem Schutz der dort lebenden Vögel widmete, Einfluss auf die Entwicklung von Ca’ Roman.

Ab 2004 gehörte sie zu Natura 2000, einem Netz von Schutzgebieten der Europäischen Union, das dem Erhalt der Biodiversität dient. 2018 erhielten Ca’ Roman, Alberoni und San Nicolò den Status einer Special Area of Conservation, der höchsten Schutzstufe. Massive Veränderungen, wie die Entstehung einer künstlichen, wohl bis 2023 bestehenden Insel namens piarda, wurden durch das Schutzwerk MoSE ausgelöst.[4]

Fauna

Auf der Insel zwischen der Lagune von Venedig und der Adria leben Arten, die mit natürlich geformten Küsten und Dünen verbunden und mit diesen überall im Rückgang begriffen sind. Diese Art von Lebensräumen war für die oberadriatischen Küstenlandschaften charakteristisch, zumal in diesem Klima mediterrane Arten des Südens sehr viel häufiger vertreten sind als im Hinterland. Günstig für viele Seevogelarten, wie etwa Watvögel, sind die vorgelagerten Schlamm- oder Sandflächen, die bei Ebbe freigelegt werden. Die Brandgans, der Flussuferläufer und der Seidenreiher sind daher vertreten. Als besonderes Qualitätsmerkmal gilt das Vorkommen von Tanggraswiesen.[5]

In den Jahren 1992 bis 2011 wurde 152 Vogelarten beobachtet, darunter Brutvögel wie Seeregenpfeifer, Austernfischer (sie kommen in Italien nur im Umkreis des Po und in Apulien vor, nämlich in der Riserva naturale Le Cesine), Ziegenmelker, Sperber, Zwergohreule, aber auch die Samtkopf-Grasmücke; inzwischen sind rund 200 Arten registriert worden. Erfasst wurden zudem 107 Käferarten, von denen zwölf als biogeografisch wichtig eingestuft werden.[6]

Literatur

  • Federico Tonegatti: La foresta, il mare e la laguna: un’analisi sugli attuali scenari di sviluppo locale a Ca’ Roman / The forest, the sea and the lagoon: an analysis of local development scenarios in Ca’ Roman, Venice, Laurea magistrale, Padua 2022. (online, PDF)

Anmerkungen

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