Charleston Renaissance
kulturelle Erneuerungsbewegung, die sich zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg (etwa 1915 bis 1940) in Charleston, South Carolina, entwickelte
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Die Charleston Renaissance war eine kulturelle Erneuerungsbewegung, die sich zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg (etwa 1915 bis 1940) in Charleston, South Carolina, entwickelte. Sie umfasste die Bereiche Kunst, Literatur, Musik, Architektur und Denkmalpflege und prägte die Stadt nachhaltig.[1][2]

Geschichte
Als Charleston Renaissance wird eine kulturelle Erneuerungsbewegung bezeichnet, die sich zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg in Charleston, South Carolina, vollzog. Künstler, Schriftsteller, Musiker, Historiker und Denkmalpfleger trugen gemeinsam zu einer Wiederbelebung der städtischen Kultur und Identität bei. Zu den Vereinigungen dieser Bewegung zählten der Charleston Sketch Club, der Charleston Etchers’ Club, die Society for the Preservation of Spirituals, die Jenkins Orphanage Band, die Poetry Society of South Carolina und die Society for the Preservation of Old Dwellings. Zu den führenden Persönlichkeiten zählten Alice Ravenel Huger Smith, Elizabeth O'Neill Verner, Augustine T. Smythe, Herbert Ravenel Sass, DuBose Heyward, John Bennett, Josephine Pinckney, Julia Peterkin, Susan Pringle Frost, Alston Deas und Albert Simons. Ein wichtiger Aspekt der Charleston Renaissance war die literarische und bildkünstlerische Dokumentation der Stadt und ihrer Umgebung. 1917 erschien The Dwelling Houses of Charleston, South Carolina mit Texten von D. E. H. Smith und Illustrationen seiner Tochter Alice Smith. 1927 folgte The Early Architecture of Charleston von Albert Simons und Samuel Lapham. Durch diese Publikationen wurde das Bewusstsein für das architektonische Erbe der Stadt geschärft und die Denkmalpflegebewegung maßgeblich beeinflusst. Im Jahr 1931 verabschiedete die Stadt Charleston die erste Denkmalschutzverordnung der Vereinigten Staaten und gründete den Board of Architectural Review, um Veränderungen im historischen Stadtgebiet zu überwachen.[1]

Im selben Jahr veröffentlichte die Society for the Preservation of Spirituals den Sammelband The Carolina Low-Country, der Essays über das Leben auf den Plantagen und die Tradition der Spirituals enthielt. Zahlreiche weitere Bücher und illustrierte Werke dieser Zeit dokumentierten die kulturelle Geschichte der Region und machten sie einem breiten Publikum zugänglich. Große Aufmerksamkeit erhielt die 1925 erschienene Erzählung Porgy von DuBose Heyward, die 1928 als Theaterstück sowie 1935 in der Opernfassung Porgy and Bess weltweite Bekanntheit erlangte. Zwar entstand keine formelle Künstlerkolonie, doch Künstler wie Alice Ravenel Huger Smith, Elizabeth O’Neill Verner, Anna Heyward Taylor und der aus dem Norden stammende Alfred Hutty trugen mit ihren Bildern und Grafiken wesentlich zum künstlerischen Profil der Stadt bei. Ihre Werke, die häufig pittoreske Ansichten des historischen Charleston zeigten, wurden in Museen und Galerien in Chicago, Washington und Philadelphia ausgestellt. Die leicht transportierbaren Aquarelle und Drucke erfreuten sich bei Touristen großer Beliebtheit und führten dazu, dass weitere Künstler in die Region kamen.[1]
Der zunehmende Bekanntheitsgrad Charlestons als Amerikas historischste Stadt führte zu einem Aufschwung des Tourismus. Der Bau der Cooper-River-Brücke im Jahr 1929 verbesserte die Verkehrsverbindungen erheblich. In den 1920er Jahren entstanden neue Hotels, darunter das Francis Marion und das Fort Sumter. Veranstaltungen wie Azaleenfeste, Musikdarbietungen und Haus- und Gartenführungen dienten sowohl der Unterhaltung als auch der Mittelbeschaffung für kulturelle Projekte. Restaurierte Plantagen wie Magnolia Gardens und Middleton Place wurden für Besucher geöffnet. Wohlhabende Nordstaatler erwarben alte Plantagenanwesen und nutzten sie als Jagdgüter oder Landsitze.
Zu den prominenten Förderern der Region gehörten in den 1930er Jahren unter anderem Solomon R. Guggenheim, der dem Gibbes Museum of Art seine Sammlung abstrakter Kunst zur Verfügung stellte, sowie Archer M. und Anna Hyatt Huntington. Letztere kauften mehrere Plantagen der Familie Allston und verwandelten sie in den Skulpturenpark Brookgreen Gardens. Benjamin und Mrs. Kittredge gestalteten das Gelände der ehemaligen Dean Hall Plantation zu den Cypress Gardens um. Durch Literatur, Musik, Bildkunst und Tanz verbreitete sich das positiv geprägte Bild Charlestons landesweit. Obwohl der Begriff Charleston Renaissance erst ab den 1980er Jahren allgemein verwendet wurde, beeinflusste die Bewegung bereits in den 1920er- und 1930er-Jahren die kulturelle und städtebauliche Entwicklung der Stadt. Der Begriff wurde 1985 populär, als die Catfish Row Company anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Oper Porgy and Bess eine Aufführung veranstaltete.[1]
Werke

Die künstlerische Produktion der Charleston Renaissance umfasst Gemälde, Aquarelle, Kupferstiche, Holzschnitte und Zeichnungen. Die Künstler dokumentierten darin Landschaften, architektonische Studien und Szenen des täglichen Lebens. Zu den Höhepunkten dieser Kunstrichtung gehören Werke von Alice Ravenel Huger Smith, Elizabeth O’Neill Verner, Alfred Hutty und Anna Heyward Taylor. Ihre Werke werden im Gibbes Museum of Art in Charleston sowie in weiteren Institutionen aufbewahrt. Zu den besonderen Werken gehören City Hall von Alfred Hutty sowie Porträts lokaler Persönlichkeiten von Smith und Verner. Der Charleston Etchers’ Club war ein bedeutender Förderer der Druckgrafik, dessen Werke landesweit in Umlauf kamen. Buchillustrationen und Holzschnitte dieser Zeit fanden große Verbreitung.[3]
Literatur
- Martha R. Severens: The Charleston Renaissance. University of South Carolina Press 2000.
- James M.Hutchisson und Harlan Greene: Renaissance in Charleston: Art and Life in the Carolina Low Country, 1900–1940. Athens: University of Georgia Press, 2003.
- Curtis Worthington: Literary Charleston: A Lowcountry Reader. Charleston, S.C.: Wyrick, 1996.