Charlotte von Rothschild (1807)
Mitglied der Familie Rothschild und Malerin (1807-1859)
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Charlotte Chilly von Rothschild (geboren am 10. August 1807 in Manchester; gestorben am 17. Mai 1859 in Frankfurt) war ein Mitglied der Familie Rothschild. Sie gehörte dem Londoner Zweig der Familie an und war Malerin.

Leben
Charlotte von Rothschild war die älteste Tochter von Nathan Mayer Freiherr von Rothschild und Hanna Barent Cohen. In der Familie wurde sie Chilly genannt. Sie wurde 1807 in Manchester geboren und wuchs mit ihren sechs Geschwistern in London auf. Ihr Vater war in Frankfurt am Main als dritter von fünf Söhnen von Mayer Amschel und Gutle Rothschild geboren worden und hatte 1799 den britischen Zweig des Hauses Rothschild begründet. Durch Finanzdienstleistungen für die britische Regierung und den hessischen Kurfürsten Wilhelm I. hatte er wesentlich zum Aufstieg des Bankhauses beigetragen. Wie ihre Mutter Hanna von Rothschild war Charlotte groß und elegant und ebenso wie ihre Mutter eine intelligente, kultivierte Frau. Am 11. September 1826 heiratete sie in Frankfurt ihren Cousin Anselm Salomon von Rothschild aus dem Wiener Zweig der Familie. Das Paar ließ sich in Frankfurt, in einem Haus in der Neuen Mainzer Straße nieder. In Wien unterhielten sie einen weiteren Wohnsitz, da Anselm dort die Leitung des Familienunternehmens übernahm.[1]
Kunstliebhaberin und Malerin

Charlotte von Rothschild schätzte die Kunstsammlung der Familie sehr und brachte auch ihren Kindern bei, diese ebenfalls wertzuschätzen. Zudem bat sie den Maler Moritz Oppenheim, der von vielen Mitgliedern der Familie Rothschild unterstützt wurde, seine Schülerin werden zu dürfen, und nahm ein Studium bei ihm auf. Sie war eine talentierte und innovative Künstlerin. Bekannt ist vor allem ihr „Bild im Bild“, in dem sie ihren Ehemann porträtierte, der dabei wirkte, als habe er eilig Platz genommen; sein Spazierstock, seine Handschuhe und sein Hut liegen achtlos auf dem Tisch neben ihm.[2]

Anlässlich des siebzigsten Geburtstags von Amschel Mayer von Rothschild fertigte sie eine hebräisch-deutsche Haggada. In ihr finden sich zehn ganzseitige und acht kleinere Illustrationen, außerdem verzierte Initialen und kleineres Ornamentwerk. Die von Moritz Oppenheim stammenden Motiventwürfe führte Charlotte von Rothschild im Stil alter Messbücher aus. Inspirieren ließ sie sich von Handschriften mit illuminierten Miniaturen aus der Pariser Bibliothek. Ihre eigenen Initialen brachte sie in der Darstellung eines zeitgenössischen Seder-Mahls auf der Rückenlehne eines Stuhls unter. Diese professionell geschriebene Haggada ist das früheste hebräischsprachige Manuskript, das von einer Frau illustriert wurde.[2][3]
Nachkommen
Charlotte und Anselm Salomon von Rothschild bekamen acht Kinder, vier Töchter und vier Söhne, davon erlebten sieben das Erwachsenenalter.
- Mayer Anselm Leon von Rothschild (1827–1828) – lebte nur ein Jahr und vier Tage, vom 7. Juli 1827 bis zum 11. Juli 1828.
- Caroline Julie Anselme von Rothschild (1830–1907) nannte sich später Julie de Rothschild und heiratete Adolph Carl von Rothschild, den letzten Bankier des Neapolitanischen Zweiges des Bankhauses. Sie wurde eine enge Freundin von Kaiserin Elisabeth von Österreich.
- Hannah Mathilde von Rothschild (1832–1924) war eine hervorragende Musikerin und verheiratet mit dem Frankfurter Bankier Wilhelm Carl von Rothschild.
- Sara Louise von Rothschild (1834–1924) heiratete den Bankierssohn Raimondo Franchetti und bewohnte u. a. den Palazzo Cavalli-Franchetti in Venedig.
- Nathaniel Meyer von Rothschild (1836–1905) verließ das Bankhaus in Wien und wurde Kunstsammler und Mäzen. Er ließ u. a. die prächtigen Rothschildgärten in Wien errichten. Er starb unverheiratet und kinderlos.
- Ferdinand James Anselm von Rothschild (1839–1898) zog nach Großbritannien und ließ dort das prachtvolle Waddesdon Manor bauen. Nach dem Tod seiner Ehefrau Evelina de Rothschild und seines Kindes im Kindbett wurde er zum Kunstsammler. Er starb ohne Erben und setzte als Erbin seine jüngste Schwester Alice von Rothschild ein.
- Albert Salomon Anselm Freiherr von Rothschild (1844–1911) wurde später Chef des Hauses und führte ab 1872 die Bankgeschäfte der Familie Rothschild in Wien weiter.
- Alice Charlotte von Rothschild (1847–1922) zog in unmittelbare Nähe ihres acht Jahre älteren Bruders Ferdinand James Anselm. Sie kaufte dort Dorf und Herrenhaus Eythrope. Später erbte sie Waddesdon Manor, zog aber dann aus gesundheitlichen Gründen nach Südfrankreich. Um ihr Schloss in Grasse unterhielt sie einen riesenhaften Garten mit zeitweise 100 beschäftigten Gärtnern. Auch sie starb kinderlos und vererbte ihr Vermögen (eines der größten Britanniens mit 92 Millionen Pfund) ihrem vermögenden britischen Neffen Baron Jakob de Rothschild.
Charlotte von Rothschild starb am 17. Mai 1859 in Frankfurt.