Cherax destructor
Art der Gattung Cherax
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Cherax destructor, in seiner australischen Heimat Yabby oder Yabbie genannt, ist eine Art der Zehnfußkrebse aus der Familie der Parastacidae. Er ist in Australien heimisch und lebt im Süßwasser. Er ist ein beliebter Speise- sowie Aquarienkrebs.
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Cherax destructor | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Cherax destructor | ||||||||||||
| Clark, 1936 |
Merkmale
Das Rostrum von Cherax destructor ist doppelt so lang wie an seiner Basis breit und reicht bis an das dritte Segment der ersten Antennen. Das Rostrum besitzt jeweils seitlich einen Stachel. Der Carapax ist kürzer als das Abdomen, etwas breiter als hoch und doppelt so lang wie breit. Die quer über den Carapax verlaufende Vertiefung (postcervical groove) ist sehr deutlich. Der Carapax ist fein punktiert. Das Telson besitzt jeweils einen kleinen Stachel am seitlichen Rand. Die großen Scheren am ersten Schreitbeinpaar sind lang und kräftig. Ihr oberer Rand besitzt viele Tuberkel, der untere Rand ist glatt. Die inneren Kanten der Scherenfinger sind nur schwach gezahnt. Größe und Form der Scheren scheint zwischen Individuen dieser Art zu variieren.[1]
Große Exemplare der Art erreichen eine Körperlänge von 20 Zentimeter und ein Lebendgewicht von mehr als 200 Gramm.[2]
Die Farbe von Cherax destructor kann erheblich variieren, ist aber meist oliv-grün bis braun. Schwarze, blaue oder rote Tiere wurden jedoch bereits gefunden.[3] Im Aquarienhandel sind blau gefärbte Tiere weit verbreitet.
Verbreitung
Cherax destructor ist in Australien, in den Bundesstaaten Victoria, New South Wales, im südlichen Queensland, South Australia und in Teilen des Northern Territory verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet ist das größte aller australischen Flusskrebsarten, mit einer Nord-Süd-Erstreckung von etwa 3000 Kilometern. Die natürlichen Vorkommen liegen in zwei großen natürlichen Einzugsgebieten, demjenigen des Murray River, einschließlich seines Nebenflusses Darling River und einigen Vorkommen in Fließgewässern des östlich anschließenden, endorheischen Einzugsgebiets des Lake Eyre. Da östlich davon aride Gebiete ohne dauerhafte Fließgewässer anschließen, ergibt sich eine natürliche Grenze nach Osten hin. Im Südosten, im Einzugsgebiet des Wimmera River und Glenelg River liegt das kleine Verbreitungsgebiet der Unterart albidus.[4]
Die Art kann bei feuchtem Wetter ihre Wohngewässer verlassen und weit über Land wandern, so kann sie auch die Wasserscheide zwischen benachbarten Einzugsgebieten überwinden und isolierte Teiche besiedeln.[2]
In der Roten Liste der IUCN wird Cherax destructor in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet als gefährdet (vulnerable) eingestuft.[5] Tatsächlich wird die Art, wegen ihrer weiten Verschleppung aus dem natürlichen Verbreitungsgebiet in andere Regionen Australiens, etwa auch nach Westaustralien, dort eher als Bedrohung der Biodiversität eingestuft. Die Art ist wegen der kommerziellen Haltung weit verbreitet worden und außerdem ein beliebtes Aquarientier. Einige seltene Flusskrebsarten mit kleinem Verbreitungsgebiet sind in Gefahr, von Cherax destructor verdrängt zu werden, nachdem dieser in ihre vorher isolierten Wohngewässer künstlich eingesetzt worden war. Das kann auch Arten betreffen, die größer werden als er.[6]
Verbreitung in Europa
Von Cherax destructor liegen Angaben über etablierte Populationen nur aus dem Mittelmeerraum, aus Italien und Spanien, vor. In den Gebieten weiter nördlich wird wohl aufgrund der niedrigen Temperaturen im Winter eine Etablierung verhindert, obwohl die Art immer wieder von Aquarianern ausgesetzt wird, ohne sich aber dauerhaft etablieren zu können. Die Vorkommen in Italien und Spanien gehen auf Zucht als Speisekrebs zurück. Da die Art, ebenso wie die autochthonen europäischen Flusskrebse, empfindlich gegenüber der Krebspest (Aphanomyces astaci) ist, wird sie in Europa durch dagegen resistentere amerikanische Flusskrebse verdrängt. Sie ist aber etwas resistenter zumindest gegen die weniger virulenten Stämme des Schadpilzes als der europäische Edelkrebs Astacus astacus.[7] Bei einer Überprüfung der bisher bekannt gewordenen italienischen neozoischen Vorkommen im Jahr 2022 konnte keines der Vorkommen bestätigt werden, die Art ist vermutlich in Italien wieder erloschen. Wahrscheinlichster Grund ist die Ausbreitung des Roten Amerikanischen Sumpfkrebses (Procambarus clarkii).[8]
Durch die Aufnahme in die Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung besteht für den Yabby in der Europäischen Union theoretisch ein Handelsverbot, auch für die Haltung in Aquarien. Dies wird aber, Stand 2025, weder beachtet noch durchgesetzt.
Fortpflanzung

Fortpflanzung scheint bei Cherax destructor abhängig von der Wassertemperatur und Tageslänge. Wenn im Frühling oder frühem Sommer die Wassertemperatur über 15 °C steigt, erfolgt die Begattung. Die Weibchen laichen zwischen Oktober und Januar, befruchtete Eier werden an den Schwimmbeinen befestigt. Die Eier sind oliv-grün gefärbt und etwa 2 Millimeter lang und eher oval. Junge Weibchen produzieren 100 bis 300 Eier, ältere mehr als 1000. Die Inkubation dauert je nach Wassertemperatur zwischen 19 und 40 Tagen. Nachdem die Jungtiere schlüpfen, verbleiben sie einige Wochen am Muttertier und durchlaufen einige Häutungsstadien. Sobald die Jungtiere das Weibchen verlassen, kann es, sofern die Umweltbedingungen es zulassen, erneut laichen.[3]
Juvenile Cherax destructor können bei optimalem Wachstum bereits nach 12 Monaten Geschlechtsreife erlangen.[3] Nach zwei bis drei Jahren sind sie etwa 10 Zentimeter lang und 320 Gramm schwer.[9]
Ernährung und Lebensweise
Cherax destructor ist in einer Reihe von Habitaten zu finden, etwa in Sümpfen, Bächen oder Flüssen.[3] Durch Besatz ist er heute in Teichen weit verbreitet, die zur Wasserversorgung an abseits gelegenen Farmen angelegt worden sind, auch abseits des natürlichen Verbreitungsgebiets. Trocknet ihr Habitat aus, graben sie bis zum feuchten Boden und verbleiben, bis erneut Wasser vorhanden ist.[9] Sie folgen mit ihren Bauten dem sinkenden Wasserspiegel. So wurden sie in mehr als drei Meter Tiefe im Grund eines ausgetrockneten Sees gefunden, der schon acht Jahre trocken lag.[2] Sie leben eher auf schlammigen Gründen bei moderater Trübung als im klaren Wasser, da jenes mehr Schutz vor Prädation bietet. Die optimale Wassertemperatur liegt zwischen 20 und 25 °C, Temperatur bis 1 °C bzw. 35 °C können kurzzeitig toleriert werden.[3] Schon unterhalb von 16 °C stellen sie die Aktivität ein und verfallen in Starre.[2] Sie tolerieren eine weite Bandbreite von Salinität und Sauerstoffgehalt.[3]
Sie ist eher nachtaktiv und verbleibt tagsüber in seinem Versteck. Nahrungssuche erfolgt meistens kurz vor Sonnenaufgang sowie kurz nach Sonnenuntergang.[3] Sie sind opportunistische Allesfresser, ernähren sich aber hauptsächlich von Detritus. Die Exuvie, das nach einer Häutung abgestreifte alte Exoskelett, wird ebenfalls gefressen.[9] Kannibalismus kann vorkommen.[3]
Während viele Krebse (wie die meisten Tiere) Cellulose mithilfe der Cellulasen ihrer Endosymbionten abbauen, besitzt Cherax destructor körpereigene (endogene) Cellulase und ist damit bei der Energiegewinnung aus Cellulose nicht auf Endosymbionten angewiesen.[10]
Ökonomische Bedeutung
Die Art wird in Australien kommerziell gezüchtet, wichtigste Produzenten sind Südaustralien (etwa 14 t in den Jahren 1989/1990) und Westaustralien (etwa 40 t in den Jahren 1989/1990, zusammengefasst mit Cherax plebejus).[11] Obwohl es auch große, spezialisierte Zuchtbetriebe gibt, ist die Nutzung künstlicher Wasserbassins (Tränken für die Schafzucht) vorherrschend. Die Art wurde auch in andere Länder zur Aquakultur exportiert. In Europa existieren Zuchtbetriebe in Italien (Piemont). Der Transport dieser und einiger anderer Arten innerhalb Australiens wird als mögliche Bedrohung endemischer Flusskrebsarten auch kritisch gesehen.[12] Auch in Italien und anderen Ländern wird die Einschleppung als Neozoon befürchtet.[13] Cherax destructor ist allerdings, wie alle australischen Parastaciden, empfindlich gegenüber der Krebspest. Dies und seine hohen Temperaturbedürfnisse verhindern vermutlich eine Ansiedlung auch in Mitteleuropa.
Taxonomie und Systematik
Cherax ist eine artenreiche Gattung der Flusskrebse mit Verbreitung in Australien und Neuguinea, sie umfasst knapp 60 Arten. Die australischen Arten wurden auf morphologischer Basis 1969 durch Edgar Frederick Riek revidiert. Riek stellte dabei einen destructor-Artenkomplex mit vier Arten auf. Zwei davon, Cherax davisii und Cherax esculus, gelten heute als Synonyme von Cherax destructor. Lange Zeit umstritten war der Status der vierten Art, Cherax albidus. Nach genetischen Untersuchungen wird sie heute meist als Unterart von Cherax destructor eingestuft.[14][4] Einige Bearbeiter halten aber am Artstatus fest, andere sehen nur eine taxonomisch unbedeutende Lokalpopulation.
Problematisch, auch wegen der etwas verworrenen Nomenklatur, ist die Abgrenzung zu weiteren Arten mit kleinem Verbreitungsgebiet. Besondere Verwirrung herrschte um den Artnamen Cherax rotundus, von Riek aus dem Einzugsgebiet des Severn River beschrieben und nach heutiger Auffassung darauf beschränkt. Ein weiteres von Riek beschriebenes Taxon, Cherax setosus wurde von diesem als Unterart von Cherax rotundus beschrieben, später als Unterart von Cherax destructor aufgefasst und gilt heute als eigene Art.[15] Sie ist nur in kleinen, nicht permanent wasserführenden Bächen im küstennahen New South Wales zu finden. Eine weitere Art aus dem binnenländischen Murray-Einzugsgebiet wurde zeitweise auch Cerax rotundus zugeordnet und später als unbeschriebene Sippe abgetrennt, sie wurde 2005 als neue Art Cherax leckii beschrieben,[16] sie lebt nur im Oberlauf des Clarence River. Eine weitere unbeschriebene Population aus dem Murray-Einzugsgebiet wurde 2021 als neue Art Cherax latimanus beschrieben,[17] diese kommt sympatrisch mit Cherax destructor vor.
Falls man den Unterartstatus von albidus akzeptiert, gibt es zwei Unterarten:
- Cherax destructor destructor
- Cherax destructor albidus (Clark, 1936)
Beide wurden von Ellen Clark in derselben Arbeit erstbeschrieben.[1]