Children of Men
Film von Alfonso Cuarón (2006)
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Children of Men ist ein dystopischer Science-Fiction-Thriller des mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuarón. Am 3. September 2006 hatte er bei den Filmfestspielen von Venedig Premiere und lief am 9. November 2006 in deutschen Kinos an. Vorlage war P. D. James’ gleichnamiger Roman (1992). Der Titel ist englisch für ‚Menschenkinder‘ und entstammt Psalm 90 der Bibel (vgl. englisch ESV, deutsch SLT).
| Film | |
| Titel | Children of Men |
|---|---|
| Produktionsland | Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 2006 |
| Länge | 106 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Produktionsunternehmen |
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| Stab | |
| Regie | Alfonso Cuarón |
| Drehbuch |
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| Produktion |
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| Musik | John Tavener |
| Kamera | Emmanuel Lubezki |
| Schnitt | Alex Rodríguez |
| → Besetzung und Synchronisation | |
Handlung
Im Jahr 2027: Seit über 18 Jahren ist aus unklaren Gründen keine Frau mehr schwanger geworden, der Untergang der menschlichen Spezies scheint besiegelt. Die Welt ist von Gewalt und Chaos geprägt; Umweltzerstörung, Terrorismus, Hysterie und staatliche Unterdrückung bestimmen das alltägliche Leben. Der Ort der Handlung ist Großbritannien, das sich vom Rest der Welt abgeschottet hat und versucht, als Polizeistaat die Kontrolle zu behalten. Einwanderer werden verfolgt, öffentlich in Käfige gesperrt und in ghettoartige Aufnahmelager abgeschoben. Diese Praxis wird von militanten Untergrundorganisationen wie den Fishes (englisch für ‚Fische‘) bekämpft.
In dieser Situation erhält in London der in Depression verfallene, desillusionierte Regierungsangestellte Theo Faron von seiner Ex-Frau Julian, mittlerweile Anführerin der Fishes, die Aufgabe, die junge Flüchtlings-Frau Kee an einen sicheren Ort zu bringen. Er besorgt die nötigen Papiere, muss sie jedoch gegen seinen Willen persönlich begleiten. Ziel der Reise ist das mysteriöse Human Project, ein geheimer Zusammenschluss von Wissenschaftlern, die Wege zum Fortbestand der Menschheit suchen und über das als Kutter getarnte Schiff Tomorrow vor der Küste erreichbar sein sollen.
Die Reise entwickelt sich für Theo und Kee sowie deren Begleiterin Miriam zur Flucht: Erst werden sie aus zunächst unklaren Gründen von Fishes angegriffen und anschließend von der Polizei verfolgt. Julian wird dabei erschossen, die anderen gelangen in einen Unterschlupf der Fishes. Von dort möchte Theo nach London zurückfahren, doch Kee wünscht, dass er sie weiterhin begleitet. Sie vertraut ihm an, dass sie hochschwanger ist – als erste Frau seit 18 Jahren – und Miriam als ihre Hebamme mitreist. Das muss geheim bleiben, da die Regierung ihr das Kind wegnehmen und einer englischen Frau zuweisen würde. In der Nacht erlauscht Theo, dass die Fishes die gemäßigte Julian absichtlich zugunsten eines radikaleren Anführers getötet haben, um Kees Baby für sich und ihre politischen Ziele zu nutzen. Er erkennt, dass er keinem Unbekannten mehr trauen kann, und flieht mit Kee und Miriam zunächst zu seinem alten Freund Jasper.
Dort erfahren sie, dass die Tomorrow zwei Tage später bei Bexhill-on-Sea ankert. Bexhill ist ein abgeriegeltes Flüchtlingsghetto und scheint unerreichbar. Jasper organisiert eine Tarnung als Flüchtlingstransport, wird jedoch bei ihrer Abreise von den sie verfolgenden Fishes niedergeschossen. Bei der Ankunft in Bexhill wird Miriam von Wachen, die sich von ihr provoziert fühlen, abgeführt und verschwindet. Mit Theos Hilfe bringt Kee eine Tochter zur Welt.
Nach dem Einbruch einer Gruppe von Fishes-Aktivisten in die abgeriegelte Stadt entwickelt sich ein Häuserkampf zwischen der britischen Armee und den Aufständischen. Die Fishes bringen Kee und das Baby zunächst in ihre Gewalt, doch als das Militär das Haus, in dem sie sich verschanzt haben, stürmen will, löst die nicht mehr geheimzuhaltende Anwesenheit des Babys einen spontanen Waffenstillstand aus, in dem Kee und Theo dem Kriegsschauplatz entkommen und in einem Ruderboot den Treffpunkt mit der „Tomorrow“ erreichen. Kee erklärt, dass sie ihre Tochter nach Theos im Kleinkindalter verstorbenem Sohn „Dylan“ nennen möchte. Theo ist angeschossen worden und verblutet kurz vor dem Eintreffen der Tomorrow.
Entstehung
| Figur | Darsteller | Deutscher Sprecher[3] |
|---|---|---|
| Thelonius „Theo“ Faron | Clive Owen | Tom Vogt |
| Julian Taylor | Julianne Moore | Petra Barthel |
| Jasper Palmer | Michael Caine | Jürgen Thormann |
| Luke | Chiwetel Ejiofor | Tobias Kluckert |
| Patric | Charlie Hunnam | Daniel Fehlow |
| Kee | Claire-Hope Ashitey | Alethea Mushila |
| Miriam | Pam Ferris | Astrid Bless |
| Nigel | Danny Huston | Stefan Gossler |
| Syd | Peter Mullan | Wolfgang Kühne |
| Marichka | Oana Pellea | Claudia Urbschat-Mingues |
Die Produktion des Films mit einem Budget von rund 76 Mio. US-Dollar[4] dauerte vom 2. November 2005 bis zum 27. August 2006. Dabei wurde zwischen dem 18. November 2005 und 17. Januar 2006 an verschiedenen Orten in England gedreht. Abschließende Dreharbeiten fanden am 1. und 2. Mai 2006 in Uruguay und Argentinien statt. P. D. James, von der die Romanvorlage stammt, hat einen Gastauftritt als alte Frau in einer Cafeteria. Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Berliner Synchron, Regie führte Clemens Frohmann nach einem Dialogbuch von Tobias Meister und Fritz-Joachim Böhm.[3]
Aufsehen erregten die überdurchschnittlich langen Takes, sogenannte Plansequenzen (teilweise über sechs Minuten ohne einen Schnitt), die den Film dokumentarisch wirken lassen sollen. Alain Bielik vom Visual-Effects-Studio Double Negative (seit 2014 DNEG) berichtet, dass diese Szenen in einem aufwändigen Computerverfahren aus verschiedenen Einstellungen kombiniert wurden,[5] was Cuarón in einem Interview mit der Zeitschrift Variety indirekt bestätigte: „Vielleicht verrate ich ein großes Geheimnis, aber manchmal steckt mehr dahinter, als es scheint. Wichtig ist, wie man alles zusammenschneidet (überblendet) und in all den unterschiedlichen Teilen die Wahrnehmung einer fließenden Choreographie aufrechterhält.“[6]
Rezeption
Kritik
| Quelle | Bewertung |
|---|---|
| Rotten Tomatoes (Tomatometer) | 92 %[7] |
| Metacritic (Metascore) | 84/100[8] |
| Prädikat der FBW | besonders wertvoll[9] |
| AllMovie | |
| CinemaScore | B–[11] |
| Lexikon des internationalen Films | |
| They Shoot Pictures, Don’t They? | #498[13] |
Children of Men gilt als Meisterwerk, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes fast ausschließlich wohlwollende Besprechungen und ordnet den Film damit als „Verbrieft Frisch“ ein.[7] Metacritic ermittelt aus den vorliegenden Bewertungen „Einhelliges Lob“.[8] Gelobt wurden vor allem die Spezialeffekte und die Kameraarbeit. Dennoch gab es auch unter den renommierten Kritikern einige, die einzelne Punkte bemängelten.
„Cuaróns apokalyptischer Science-Fiction-Film um die letzte Schwangere der Welt ist im Detail interessant und visuell über weite Strecken gelungen, krankt aber an einer spekulativen, wenig aussagekräftigen Story.“
„Das eindrucksvolle pessimistische Zukunftsgemälde entwirft mit vielschichtigen Figuren eine düstere Version der Weihnachtsgeschichte und verbindet sie mit den Eigenschaften eines packenden, geradlinig erzählten Genrethrillers.“
„Ein finsteres Meisterwerk mit einer hervorragenden Besetzung. Beklemmende Szenen, die noch lange in Erinnerung bleiben.“
Auszeichnungen und Bestenlisten
- Oscarnominierungen 2007
- Beste Kamera: Emmanuel Lubezki
- Bester Schnitt: Alfonso Cuarón und Alex Rodríguez
- Bestes adaptiertes Drehbuch: Alfonso Cuarón, Timothy J. Sexton, David Arata, Mark Fergus und Hawk Ostby
- British Academy Film Awards 2007
- Beste Kamera: Emmanuel Lubezki
- Bestes Szenenbild: Jim Clay, Jennifer Williams und Geoffrey Kirkland
- Nominierung für Beste visuelle Effekte: Frazer Churchill, Tim Webber, Michael Eames und Paul Corbould
- Internationale Filmfestspiele von Venedig 2006
- Golden Osella – Bester technischer Beitrag: Emmanuel Lubezki
- Laterna Magica Prize: Alfonso Cuarón
- Nominierung für Goldener Löwe: Alfonso Cuarón
- Curt-Siodmak-Preis 2007: Bester Science-Fiction-Film
- National Society of Film Critics Awards 2006: Beste Kamera – Emmanuel Lubezki
- Los Angeles Film Critics Association Awards 2006
- Beste Kamera – Emmanuel Lubezki
- Bestes Szenenbild – Jim Clay, Veronica Falzon und Geoffrey Kirkland (2. Platz)
2016 belegte Children of Men bei einer Umfrage der BBC zu den 100 bedeutendsten Filmen des 21. Jahrhunderts den 13. Platz. Insgesamt listet es They Shoot Pictures, Don’t They? unter den angesehensten Werken der Filmgeschichte.[13]