Chloritoid

Mineral, Inselsilikat From Wikipedia, the free encyclopedia

Chloritoid (IMA-Symbol Cld[1]) ist ein seltenes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Fe2+Al2O(SiO4)(OH)2[3] und ist damit ein Eisen-Aluminium-Silikat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Chloritoid
Chloritoidkristalle (schwarz) aus der Provinz Nuristan, Afghanistan
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Cld[1]

Andere Namen

Chloritspath[2]

Chemische Formel
  • Fe2+Al2O(SiO4)(OH)2[3]
  • Fe2+Al2[(OH)2|O|SiO4][4]
  • (Fe2+,Mg,Mn2+)Al2[O|(OH)2|SiO4][5][6]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/A’.10
VIII/B.24-020[5]

9.AF.85
52.03.03.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem je nach Polytyp monoklin oder triklin
Kristallklasse; Symbol siehe Abschnitt Kristallstruktur
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6,5[7]
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,46 bis 3,80; berechnet: 3,56[7]
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}, deutlich nach {110}[7]
Bruch; Tenazität spröde[7]
Farbe dunkelgrau, grünlichgrau bis grünlichschwarz; im Dünnschliff farblos bis grün[7]
Strichfarbe weiß bis gräulich oder sehr blass grünlich[7]
Transparenz durchscheinend
Glanz auf Spaltflächen schwacher Perlmuttglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,713 bis 1,73[8]
nβ = 1,719 bis 1,734[8]
nγ = 1,723 bis 1,74[8]
Doppelbrechung δ = 0,010[8]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 36° bis 89° (gemessen), 78° bis 80° (berechnet)[8]
Pleochroismus Stark:[8] X = olivgrün bis yellow
Y = gräulichblau bis blau
Z = farblos bis blassgrünlichgelb
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Chloritoid kristallisiert je nach Polytyp im triklinen oder monoklinen Kristallsystem und entwickelt durch Zwillingsbildung pseudohexagonale tafelige Kristalle. Meist bildet er eher grobblättrige Mineral-Aggregate mit gekrümmten oder gebogenen Kristallblättern aus. In seltenen Fällen können diese auch zu rosettenförmigen Aggregaten angeordnet sein. Daneben findet sich auch derbe Massen.

Das durchscheinende Mineral ist von dunkelgrauer oder grünlichgrauer bis grünlichschwarzer Farbe. Im Dünnschliff kann er auch farblos wirken. Im Gegensatz zu seiner Körperfarbe ist seine Strichfarbe jedoch weiß bis gräulich und allenfalls sehr blass grünlich.

Etymologie und Geschichte

Entdeckt wurde das Mineral erstmals durch den deutschen Mineralogen Karl Gustav Fiedler, als er während einer Studienreise zum Ural in Russland auf der Suche nach dem dortigen Fundort von Diaspor war. In einigen Klüften und Gängen im Marmor-Steinbruch (Mramorne), der sich einige Werst von Kosoibrod (auch Kosoi Brod)[2.1] und Jekaterinburg entfernt in der Oblast Swerdlowsk befand, konnte Fiedler neben Diaspor, Pyrophyllit und Monazit auch ein bisher unbekanntes Mineral sammeln, das sich auf den Proben verwachsen mit Diaspor zeigte. Da es dem bereits bekannten Chlorit farblich sehr ähnlich sieht (griechisch χλωρός chloros „grün“), in seinen Eigenschaften aber eher zu den „Spaten“ (Gruppe leicht spaltbarer Minerale) gehörte, bezeichnete Fiedler das neue Mineral entsprechend als Chloritspath.[2.2]

Seinen bis heute gültigen Namen Chloritoid erhielt das Mineral 1835 von August Breithaupt, der es in seiner Abhandlung Neue specifische Gewichte von Mineralien und anderen Körpern als „Fiedler’s Chloritoid“ bezeichnete.[9]

Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[10]

Da der Chloritoid bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Chloritoid als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Chloritoid lautet „Cld“.[1]

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Chloritoid zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Neso-Subsilikate“, wo er gemeinsam mit Magnesiochloritoid und Ottrélith in der „Chloritoid-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/A’.10 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/B.24-020. Dies entspricht der Abteilung „Inselsilikate mit tetraederfremden Anionen“, wo Chloritoid ebenfalls zusammen mit Magnesiochloritoid und Ottrélith eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/B.24 bildet.[5]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[11] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Chloritoid in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Inselsilikate (Nesosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und der Koordination der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Inselsilikate mit zusätzlichen Anionen; Kationen in [4]er-, [5]er- und/oder nur [6]er-Koordination“ zu finden, wo es zusammen mit Magnesiochloritoid und Ottrélith die „Chloritoidgruppe“ mit der Systemnummer 9.AF.85 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Chloritoid die System- und Mineralnummer 52.03.03.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen und O, OH, F und H2O“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen und O, OH, F und H2O mit Kationen nur in [6]-Koordination“ in der „Chloritoidgruppe“, in der auch Magnesiochloritoid, Ottrélith und Carboirit eingeordnet sind.

Chemismus

In der idealen, chemisch reinen Zusammensetzung von Chloritoid (FeAl2O(SiO4)(OH)2) besteht das Mineral im Verhältnis aus je einem Teil Eisen (Fe) und Silicium (Si) sowie je zwei Teilen Aluminium (Al) und Wasserstoff (H) und sieben Teilen Sauerstoff (O) pro Formeleinheit. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 22,169 Gew.-% Fe, 21,422 Gew.-% Al, 11,149 Gew.-% Si, 44,459 Gew.-% O und 0,800 Gew.-% H.[12]

In natürlichen Chloritoid-Proben kann allerdings je nach Bildungsbedingungen und Stofftransport die Zusammensetzung der Hauptkomponenten in geringem Umfang abweichen. Zudem kann Chloritoid geringe Anteile an formelfremden Beimengungen enthalten wie Magnesium, Mangan und/oder Titan.[7]

Chloritoid bildet mit dem seltenen Germanat Carboirit (Fe2+Al2GeO5(OH)2) eine Mischkristallreihe.[7]

Kristallstruktur

Chloritoid besteht aus einem Schichtgitter mit abwechselnd in trikliner und monokliner Symmetrie kristallisierenden Struktureinheiten:

  • Chloritoid-2A kristallisiert in der triklinen Raumgruppe C1 (Raumgruppen-Nr. 2, Stellung 3)[13]Vorlage:Raumgruppe/2.3 mit den Gitterparametern a = 9,46 Å; b = 5,44 Å; c = 9,13 Å; α = 96,4°; β = 101,1° und γ = 90,0° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[6]
  • Chloritoid-2M kristallisiert in der monoklinen Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a = 9,48 Å; b = 5,48 Å; c = 18,18 Å und β = 101,7° sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[6]

Eigenschaften

Vor dem Lötrohr ist Chloritoid nur schwer schmelzbar. Auch von Säuren wird er nur wenig angegriffen.[4]

Bildung und Fundorte

Chloritoidkristalle in Schiefer aus Gieravardo, Gemeinde Storuman, Västerbotten, Schweden

Chloritoid bildet sich in Biotit-, Granat- und niedriggradigen Staurolithzonen innerhalb regional metamorphosierter pelitischer Sedimente und Schiefer. Er kann aber auch in Quarz-Carbonat-Adern und anderen hydrothermalen Umgebungen vorkommen. Als Begleitminerale können neben den genannten unter anderem noch verschiedene Chlorite und Glimmer sowie Kyanit, Muskovit und Rutil auftreten.[7]

Möglich ist auch eine sekundäre Bildung aus Kaolin und Eisenoxiden in metamorphen Schiefern der tieferen Epizone.[4]

Als relativ seltene Mineralbildung kann Chloritoid an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 400 Vorkommen für Chloritoid dokumentiert (Stand 2025).[14] Außer an seiner Typlokalität in der Grube Kosoibrod oder Kosoi Brod in der Oblast Swerdlowsk trat das Mineral in Russland noch am Bolschoi-Schatak-Kamm nahe Belorezk in der Republik Baschkortostan, an mehreren Stellen im Maldynyrd-Gebirge in der Republik Komi, in der Goldmine Olimpiada im Jenissei-Gebirge in der Region Krasnojarsk, in der Kupfer-Gold-Silber-Lagerstätte Orojok im Rajon Srednekanski (russisch Среднека́нский райо́н) in der Oblast Magadan und in den aluminiumhaltigen Glimmerschiefern des Keiwy-Gebirges auf der Halbinsel Kola in der Oblast Murmansk auf.

In Deutschland sind Chloritoidfunde bisher nur aus dem Tuff-Steinbruch Hüttenberg bei Glees im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz, am Hochblauen bei Badenweiler in Baden-Württemberg, in der niedrig-metamorphen Wippraer Zone bei Sangerhausen und im Sengelbachtal bei Biesenrode im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt sowie in der Drandorf-Fundgrube an der Morgenleithe bei Lauter-Bernsbach in Sachsen dokumentiert.

In Österreich fand sich das Mineral bisher vor allem in Kärnten wie am Heiligenblut am Großglockner und an anderen Stellen im Bezirk Spittal an der Drau, aber auch bei Hafning (Gemeinde Wartmannstetten) in Niederösterreich, an mehreren Stellen im Bezirk Zell am See im Salzburger Land sowie unter anderem bei Krieglach und im Bergbaurevier Leoben in der Steiermark.

In der Schweiz wurde Chloritoid an wenigen Stellen in der Region Surselva (Guraletschhorn, Ilanz/Glion, Medel-Curaglia) im Kanton Graubünden, am Lukmanierpass im Val Santa Maria und auf der Alpe Sponda im Val Chironico nahe Faido im Kanton Tessin sowie am Brunegg-Pass im Turtmanntal und an mehreren Orten in den Bezirken Goms und Visp im Kanton Wallis entdeckt.

Weitere Fundorte liegen unter anderen in Afghanistan, der Antarktis, Argentinien, Australien, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Brasilien, Burundi, China, Ecuador, Finnland, Frankreich, Ghana, Griechenland, Grönland, Indien, Indonesien, Iran, Italien, Jamaika, Japan, Kanada, Kuba, Marokko, Neukaledonien, Neuseeland, Norwegen, Pakistan, Polen, Portugal, Ruanda, Rumänien, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tansania, Tschechien, Türkei, Uganda, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England, Schottland) und den Vereinigten Staaten (Alaska, Arizona, Kalifornien, Massachusetts, Michigan, New Hampshire, New Mexico, North Carolina, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, Vermont, Virginia, Wisconsin und andere).[15]

Auch in Mineralproben vom Seeberg Pacman im Forearc-Becken des Marianengrabens konnte Chloritoid nachgewiesen werden.[16]

Siehe auch

Literatur

  • Karl Gustav Fiedler: Lagerstätten des Diaspor, Chloritspath, Pyrophyllit und Monazit, aufgefunden im Ural. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 101, 1832, S. 322–333, doi:10.1002/andp.18321010613 (online verfügbar bei archive.org Internet Archive [abgerufen am 17. November 2025]).
  • Gustav Rose: Mineralogisch-geognostische Reise nach dem Ural, dem Altai und dem Kaspischen Meere. Verlag der Sanderschen Buchhandlung, Berlin 1837, S. 252–254, Der Chloritoid (online verfügbar bei archive.org Internet Archive [abgerufen am 23. November 2025]).
  • R. H. Hanscom: Refinement of crystal structure of monoclinic chloritoid. In: Acta Crystallographica. B31, 1975, S. 780–784 (englisch).
  • R. Hanscom: The structure of triclinic chloritoid and chloritoid polymorphism. In: American Mineralogist. Band 65, 1980, S. 534–539 (englisch, minsocam.org [PDF; 830 kB; abgerufen am 17. November 2025]).
Commons: Chloritoid – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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