Chly-Wabere
Archäologische Stätte in Wabern bei Bern im Kanton Bern, Schweiz
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Chly-Wabere (auch Chlywabere) ist eine bronzezeitliche Siedlungsstätte mit einem römischen Ökonomiegebäude auf dem Gemeindegebiet von Köniz, Kanton Bern. Sie befindet sich unmittelbar nördlich des Bauernhofs Oberer Breitenacker westlich der Gürbetalbahn. Das Gelände unterliegt dem Kulturgüterschutz in der Schweiz.

Bei Testgrabungen 2012 bis 2014 kamen archäologische Funde von Keramik, Felsgestein, Silex, Buntmetall sowie als faunistisches Material Knochen zutage. Bei einer Rettungsgrabung 2017/2018 auf einer Fläche von 4250 m² ergänzten Pfostengruben, die auf eine grossflächige prähistorischer Siedlungtätigkeit aus Holzgebäuden hinweisen, das Gesamtbild dieses Grabungsfeldes.[1]
Die Existenz eines römischen Gutshofes war schon vor 2012 bekannt, doch kamen bei dieser Notgrabung für den doppelgleisigen Ausbau der BLS AG auch Archäologische Funde und Pretiosen anderer Zeitalter ans Tageslicht. Es lassen sich so drei verschiedene Siedlungszeiträume unterscheiden:
Siedlungsgeschichte
Prähistorik
Der Fundplatz zeigt Überreste bronzezeitlicher Siedlungen, die durch Keramikfragmente, Siedlungsreste und Bodenveränderungen identifiziert wurden. Die Funde deuten auf eine wiederkehrende Nutzung des Geländes in der mittleren und späten Bronzezeit hin, was für die regionale Landschaftsnutzung in der Vorgeschichte aufzeigt. Diese Zeugnisse geben Einblick in die Lebensweise und Siedlungsstrategie prähistorischer Gemeinschaften im Berner Mittelland, bevor dauerhafte römische Präsenz einsetzte.[2] Neben bronzezeitlichen Siedlungsresten sind auch Funde aus dem Spätneolithikum dokumentiert: eine Ansammlung von hitzegesprengten Steinen und Holzkohle, datiert durch C14-Proben. In der Bronzezeit lassen sich früh-, mittel- und pätbronzezeitliche Nutzungsphasen aus dem 17.–11. Jh. v. Chr. belegen.[3]
Römerzeit
Bei den Ausgrabungen kamen Reste eines römischen Ökonomiegebäudes zu Tage, dessen Funktion wahrscheinlich der landwirtschaftlichen Produktion und Lagerung diente. Diese Strukturen sind typisch für die ländliche Infrastruktur der römischen Provinz, in der Hofstellen (villae rusticae) mit Wirtschaftsbauten zur Versorgung der Bevölkerung und zur Produktion von Überschussgütern gehörten. Die Lage des Gebäudes wie auch zahlreiche dazugehörige Keramik- und Werkzeugfunde belegen eine Einbettung in das römische Strassennetz und die Agrarstruktur der Provinz. Gefunden wurde auch ein Graben, der 2014 als Grenze oder Strasse, also als Grenz- oder Strassengraben gedeutet wurde.[2]
2014 konnten auch eisenzeitliche Gräber dokumentiert werden. Hervorzuheben ist insbesondere ein reich ausgestattetes Latène-Frauenbestattungsgrab mit Gürtelkette, Armringen aus Bronze und Glas sowie Silber- und Goldfingerringen.[3]
Frühmittelalter
Die Veröffentlichung von 2014 lässt dank C14-Probe auch eine Besiedlung in früh- bis hochmittelalterlicher Zeit vermuten.[3]