Köniz

Gemeinde im Kanton Bern in der Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Köniz (berndeutsch Chünitz [χʏnɪt͡s]) ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Bern. Sie liegt im Verwaltungskreis Bern-Mittelland.

Schnelle Fakten Lage der Gemeinde ...
Köniz
Wappen von Köniz
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Bern Bern (BE)
Verwaltungskreis: Bern-Mittellandw
BFS-Nr.: 0355i1f3f4
Postleitzahl: 3084 Wabern bei Bern
3095 Spiegel bei Bern
3097 Liebefeld
3098 Köniz
3098 Schliern bei Köniz
3144 Gasel
3144 Mengestorf
3145 Niederscherli
3145 Oberscherli
3147 Mittelhäusern
3172 Niederwangen bei Bern
3172 Herzwil
3173 Oberwangen bei Bern
3174 Thörishaus
UN/LOCODE: CH KNZ (Köniz),
CH LFL (Liebefeld),
CH WBR (Wabern),
CH NWA (Niederwangen),
CH CHT (Thörishaus)
Koordinaten: 598221 / 197101
Höhe: 572 m ü. M.
Höhenbereich: 502–938 m ü. M.[1]
Fläche: 51,01 km²[2]
Einwohner: i43'508 (31. Dezember 2024)[3]
Einwohnerdichte: 839 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
21,5 %
(31. Dezember 2024)[4]
Gemeindepräsidentin: Tanja Bauer (SP)[5]
Website: www.koeniz.ch
Das «Schloss» im Zentrum von Köniz
Das «Schloss» im Zentrum von Köniz
Lage der Gemeinde
Karte von KönizMünsingen
Karte von Köniz
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Gemeinde Köniz
Gemeinde Köniz

Könizer Quartiere
Könizer Quartiere
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Köniz liegt südwestlich der Stadt Bern und ist mit 43'508 Einwohnern (31. Dezember 2023), darunter 21,5 % Ausländer, die viertgrösste Gemeinde im Kanton Bern und die dreizehntgrösste der gesamten Schweiz. Das Gemeindegebiet hat eine Fläche von 51,73 km². Die Gemeinde gilt als die grösste Agglomerationsgemeinde der Schweiz. Trotz der hohen Einwohnerzahl hat die Gemeinde teilweise noch dörflichen Charakter, da sich die Einwohner auf viele einzelne Dörfer verteilen.

Geschichte

Das heutige Gemeindegebiet ist Altsiedelland; es gibt verschiedene bronze- und eisenzeitliche Fundstellen, römische Gutshöfe (villae rusticae) und frühmittelalterliche Gräberfelder.

Erstmals erwähnt wurde Köniz im Jahre 1011 als in villa Chunicis «Hof des Cuno oder Cunizo». Die heutige reformierte Pfarrkirche (ehemals Sankt Peter und Paul) geht in ihren ältesten aufrecht stehenden Teilen in die Zeit um 1100 zurück. Vorgängerbauten sind zu vermuten, archäologische Ausgrabungen fehlen bislang.

Der Sage nach soll die Kirche auf eine Stiftung des burgundischen Königs Rudolf II. und seiner Gattin Bertha zurückgehen [Datum der Vermählung] 922-937 [Tod Rudolfs]. Die Pfarrei umfasste nicht nur das heutige Gemeindegebiet, sondern auch die rund 5 km entfernte Gegend der späteren Stadt Bern. 1191 wurde sie somit Pfarrkirche der neu gegründeten Stadt, bis diese 1276 zu einer eigenen Pfarrei erhoben wurde.

Seit von Quellen nicht belegter Zeit, wohl um die Mitte des 12. Jhs., bestand an der Kirche ein Stift der Augustiner-Chorherren, welches 1226 von König Heinrich VII., dem Sohn und Stellvertreter des römisch-deutschen Kaisers Friedrich II., dem Deutschen Orden übergeben wurde. Der Orden errichtete an der Pfarrkirche eine Kommende, die zur Ballei Schwaben-Elsass-Burgund gehörte, sowie eine Niederlassung in Bern. Einer der Ordensbrüder amtete als Pfarrer. Mit der Entstehung der Pfarrei Bern wurde die dortige Niederlassung zur eigenständigen Kommende erhoben, deren Vorsteher der jeweilige Berner Stadtpfarrer war.

Die Kommende Köniz wurde 1528 anlässlich der bernischen Reformation säkularisiert, jedoch 1552 dem Orden auf Druck der katholischen Kantone wieder zurückgegeben. 1729 verkaufte der Orden die Kommende an Bern. Es wurde eine Landvogtei eingerichtet, die bis zum Untergang des Alten Bern 1798 bestand. Die Einwohnergemeinde Köniz in der heutigen Form entstand 1846 und entspricht dem Gebiet der ehemaligen Kirchengemeinde.

1920 wurde die Einwohner-Gemeindeversammlung durch ein Gemeindeparlament, den Grossen Gemeinderat, abgelöst.[6] Zu Beginn umfasste dieser 30 Sitze, seit 1934 sind es 40. Auch auf 1934 wurde ein vollamtliches Gemeindepräsidium eingeführt und die Anzahl Sitze im Gemeinderat (Regierung) von 13 auf 11 reduziert.[7] Der schon auf 7 Sitze reduzierte Gemeinderat wurde 2010 auf die heutigen 5 vollamtlichen Mitglieder reduziert.

1965 wurde Blatten zur Partnergemeinde von Köniz.[8] Bei der Gemeindeabstimmung vom 18./19. Mai 1968 nahmen die Stimmberechtigten die umstrittene Vorlage zur Errichtung einer Kehrichtdeponie im Gummersloch mit 2046 Ja gegen 1888 Nein an.[9]

2012 erhielt Köniz den Wakkerpreis des Schweizerischen Heimatschutzes (SHS).[10] 2025 wurde Köniz zum Thema der Weltpresse, als die Kamera einer Radarfalle eine Stockente mit einer Geschwindigkeit von 52 km/h festhielt; das Foto wurde etwa als Albumcover der deutschen Rockband Tales Like These weiterverwertet.[11]

Politik

Exekutive

Die Exekutive ist ein fünfköpfiger Gemeinderat, der von Tanja Bauer (SP) präsidiert wird. Die weiteren Mitglieder des Gemeinderats sind Kathrin Gilgen (SVP), Dominic Amacher (FDP), Dominique Bühler (Grüne) und Thomas Marti (GLP). Alle Mitglieder sind für die Legislatur 2026-2029 gewählt.

Legislative

Legislative ist das 40-köpfige Gemeindeparlament, dessen Sitze sich wie folgt verteilen.[12][13][14]

7
11
5
2
2
5
8
7 11 5 2 2 5 8 
Insgesamt 40 Sitze
Weitere Informationen Partei ...
Partei 1961 1965 1969 1974 1977 1981 1985 1989 1993 1997 2001 2005 2009 2013 2017 2021 2025
SP 12 12 10 10 10 11 910101212121010 10 10 11
SVP 11 12 11 10 10 10 89989889 8 6 8
Grüne 1 1 2 23223555 6 8 7
FDP (inkl. JF) 12 11 11 9 10 9 88899975 6 6 5
glp 13 4 6 5
Mitte 2 2 2 2 3 3 3 33222266 3 2 2
EVP 2 2 2 2 2 2 23333332 3 2 2
Rechte 3 3 2 2 5 3 5321
LdU 1 1 4 3 2 1 2211
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1 
enthält Demokratische Alternative/Grüne Partei (1977–1993), Grüne Freie Liste (1993, 2001, 2005), Grünes Bündnis (1997, 2001, 2005), Grüne Köniz (seit 2009) und Junge Grüne (seit 2013).
2 
Bis 2005 CVP, 2009–2017 addierte Wahlergebnisse von CVP (jeweils 1 Sitz) und BDP (2009 und 2013: 5 Sitze, 2017: 2 Sitze), seit 2021 Die Mitte.
3 
Sammelbegriff für folgende Parteien und Listen: Nationale Aktion/Schweizer Demokraten (1977–1989, 2001), Auto-Partei (1993), Partei für gerechte Steuerpolitik (PGSP, 2001), «SD, FPS und PGSP» (1997), «SD und PGSP» (2005).

Nationale Wahlen

Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Köniz (in Klammern die Veränderung im Vergleich zu den Wahlen 2019 in Prozentpunkten): SP 27,31 % (+5,58), SVP 17,91 % (−0,35), Grüne 15,35 % (−2,91), glp 13,99 % (+0,91), Mitte 8,45 % (−0,52), FDP 8,08 % (−1,61), EVP 4,20 % (−0,33), EDU 1,70 % (+0,77), Weitere 3,00 % (−1,52).[15]

Dörfer der Gemeinde

Könizer Quartiere
Quartier Köniz
Luftbild von Walter Mittelholzer (1922)

Die Gemeinde Köniz besteht aus zahlreichen Ortschaften[16]:

Weitere Informationen Ortschaft, Einwohner ...
Ortschaft Einwohner BFS-Code
Wabern 8025 355001
Köniz 7085 355004
Liebefeld 6265 355003
Spiegel 4516 355002
Schliern 4524 355006
Niederscherli 2145 355011
Niederwangen 1868 355005
Oberwangen 1354 355008
Ried 1722 355005
Thörishaus 1133 355010
Schwanden 1147 355006
Mittelhäusern 956 355011
Gasel 762 355007
Oberscherli 461 355009
Hahlen 314 355010
Liebewil 122 355010
Mengestorf 107 ?
Ulmiz 109 ?
Schlatt 107 ?
Moos 85 ?
Oberried 79 ?
Herzwil 59 ?
Total 42'816
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Achtung: Da die BFS-Codes das Gemeindegebiet vollständig abdecken, müssen die Ortschaften ohne Code in einem der elf Gebiete von Ortschaften inbegriffen sein, die einen solchen zugeteilt erhielten.

Wirtschaft

Über 1400 Unternehmen befinden sich in der Gemeinde Köniz. Darunter Konzerne wie Adval Tech Holding oder Haag-Streit Holding und zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen (KMU), sowie diverse Bundesbetriebe: Bundesamt für Gesundheit, Bundesamt für Landestopografie, Eidgenössisches Institut für Metrologie, Staatssekretariat für Migration, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Landwirtschaftliche Forschungsanstalt (Agroscope) und das Institut für Virologie und Immunologie.[17] Die Swisscom hat Ende Januar 2020 angekündigt, den Standort in Köniz zu verlassen.[18][19]

Verkehr

Stationsgebäude Köniz

Der Bahnhof Köniz liegt an der Bahnstrecke Bern Fischermätteli–Schwarzenburg. Diese wird von der S6 der S-Bahn Bern von der BLS AG bedient. Drei Autobuslinien und eine Tramlinie von Bernmobil verbinden Köniz mit der Stadt Bern. Zudem besteht mit Publibike ein öffentliches Veloverleihsystem. Köniz gilt als Vorreiterin bei Tempo-30-Zonen.

Eine langfristige Vision ist die Weiterführung der RBS, die im Bereich des Bahnhofs Bern gegenwärtig umgebaut wird und von wo aus eine entsprechende Verlängerung bis Köniz möglich wäre.[20] Diese sollte von dort oberirdisch weiter nach Schwarzenburg BE führen. Laut einer Studie des Kantons Bern würde das Kosten von 1,3 Milliarden Franken mit sich bringen, was nicht gerechtfertigt wäre.[21]

Bildung

Vom Kindergarten bis zum Gymnasium kann die Schulbildung in der Gemeinde Köniz absolviert werden. Durch ein dezentrales Schulsystem – 17 Schulhäuser an 15 Standorten – sind die Schulwege relativ kurz. Die Gemeinde führt auch eine Sport- und eine Musikschule und fördert Berufslehren sowie die Erwachsenenbildung.[22]

Vereine und Institutionen

In der Gemeinde Köniz gibt es über 200 Vereine und kulturelle Institutionen.[23]

Sehenswürdigkeiten

Liebefeldpark (2009)

Persönlichkeiten

Literatur

Allgemeines

Geschichte

  • Anne-Marie Dubler: Köniz. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Armand Baeriswyl: Archäologische Untersuchungen im Schloss in Köniz: Neue Ergebnisse und Hypothesen zum Bau- und Funktionstyp der Ritterordenskommende. In: Mittelalter. Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins 6, 2001, S. 81–94.
  • Otto Büssard: Köniz, Bilder aus der Vergangenheit, Heimatkundlicher Beitrag zur Dorfgeschichte von Köniz. Ortsverein Köniz, 1979
  • Helvetia Sacra Abt. IV, Die Orden mit Augustinerregel. Bd. 7: Die Serviten, die Pauliner-Eremiten, die Lazariter und Lazariterinnen, die Templer, die Johanniter und der Deutsche Orden in der Schweiz. Basel 2006, ISBN 978-3-7965-2153-9.
  • Peter Mosimann: Auf historischen Wegen. Köniz und Umgebung. Stämpfli, Bern 2009, ISBN 978-3-7272-1201-7.
  • Susanne Ritter-Lutz: Kirche und Schloss Köniz. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 2012, ISBN 978-3-03797-058-4
  • 1920–2020: 100 Jahre Parlament Köniz, Jubiläumsbroschüre, 2020 (PDF)
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Einzelnachweise

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