Christi Geburt mit den Heiligen Laurentius und Franziskus

Gemälde von Caravaggio From Wikipedia, the free encyclopedia

Christi Geburt mit den Heiligen Laurentius und Franziskus ist ein großformatiges Altarbild von Caravaggio aus dem Jahr 1609, welches sich bis 1969 im Oratorio di San Lorenzo in Palermo befand. Es wurde gestohlen und ist seither nicht wieder aufgetaucht. Das Gemälde soll zerstückelt worden sein.[1] Einem anderen Gerücht zufolge, kolportiert von einem der Bosse der Cosa Nostra, wurde das Kunstwerk von Ratten und Schweinen gefressen, wiederum ein anderer Mafiapate soll das Gemälde als Bettvorleger in Verwendung haben.[2]

Schnelle Fakten
Christi Geburt mit den Heiligen Laurentius und Franziskus (Michelangelo Merisi da Caravaggio)
Christi Geburt mit den Heiligen Laurentius und Franziskus
Michelangelo Merisi da Caravaggio, 1609
Öl auf Leinwand
268× 197cm
Oratorio di San Lorenzo, Palermo
am 18. Oktober 1969 gestohlen; verschollen
Schließen
Vorlage:Infobox Gemälde/Wartung/Museum

Beschreibung

Caravaggio stellt in Nahsicht vor einem dunklen, nicht definierten Hintergrund sieben Personen dar, mit Maria im Zentrum, die ihr neugeborenes Kind betrachtet. Maria sitzt sichtlich erschöpft von der Geburt auf dem Boden, vor ihr das Kind, das auf einem Leintuch und einer Handvoll Stroh liegt und seine Mutter anschaut. Neben dem Kind kauert ein junger Mann mit muskulösen nackten Beinen, der mit dem Zeigefinger auf das Kind zeigt, sich umwendet und den Blick mit dem bärtigen Josef hinter ihm wechselt. Rechts neben Josef steht Franz von Assisi im Habit des Franziskanerordens, die Hände gefaltet, den Blick nach innen gerichtet. Rechts von Maria steht der Hl. Laurentius, bekleidet mit der Dalmatika eines Diakons. Er beugt sich behutsam nach vorne und schaut aufmerksam das Kind an, ebenso wie der graue Ochse neben ihm.

Vom Himmel stürzt ein jugendlicher Engel herunter. Er zeigt mit dem rechten Zeigefinger nach oben und weist gleichzeitig mit der linken Hand, in der er ein flatterndes Band mit dem Schriftzug GLORIA - IN - ECCELSIS - DEO[3] hält, auf das Kind.

Geschichte

Nach seiner überstürzten Flucht aus Rom über Neapel und Malta kam Caravaggio 1608 in Sizilien an, wo er nach Aufenthalten in Syrakus und Messina nach Palermo reiste. In Sizilien schuf er drei große Altargemälde, darunter auch die Geburtsszene für das Oratorio di San Lorenzo der Franziskaner. Schutzpatron des Oratoriums ist Laurentius von Rom, Franz von Assisi der Gründer des Ordens, die beide auf Caravaggios Bild dargestellt sind. Das Oratorium wurde 1570 auf den Resten einer antiken, dem Heiligen Laurentius gewidmeten Kapelle von der Compagnia di San Francesco, einer Bruderschaft Genueser Kaufleute, errichtet, gelangte dann in den Besitz der Franziskaner, deren Aufgabe es damals war, die mittellosen Verstorbenen des Kalsa-Distrikts zu bestatten.[4]

1951 wurde das Bild, das in seiner Geschichte bereits mehrmals restauriert worden war und sich in einem schlechten Zustand befand, ein letztes Mal restauriert.[5]

Das Gemälde wurde in der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober 1969 durch unbekannte Täter aus dem Rahmen geschnitten und gestohlen. 2001 erstellte der Dokumentarfilmer Massimo D’Anolfi ein Interview mit Monsignor Rocco Benedetto[6][7] der zwei Briefe der mutmaßlichen Caravaggio-Diebe erhalten haben soll. Im ersten Brief war die Meldung enthalten: „Wir haben das Gemälde“, dem zweiten, einer Lösegeldforderung, war ein kleines Stück des Bildes beigefügt. Zu einer Rückgabe des Gemäldes kam es nicht, da das in Palermo zuständige Amt für die Betreuung des Kultur- und Umwelterbes entschied, dass keine neuerliche Kontaktaufnahme zu suchen ist. Der Priester verstarb 2003.[1]

Blick auf den Altar des Oratorio, 2009
Blick auf den Altar des Oratorio, 2019

2017 erhärtete sich durch die Aussage eines Kronzeugen der Verdacht, dass das Gemälde in den 1970er Jahren ins Ausland verkauft wurde. 2018 äußerte Rosy Bindi, zu dem Zeitpunkt Präsidentin der Anti-Mafia-Kommission des Parlaments, das Gemälde sei in die Schweiz geschmuggelt worden und von einem inzwischen verstorbenen Kunsthändler stückweise verkauft worden. Laut einem ehemaligen FBI-Ermittler, Charles Hill, der erfolgreich Edvard Munchs Der Schrei aufspürte, würde das Bild wieder auftauchen, sobald Matteo Messina Denaro, der letzte flüchtige große Mafia-Boss, gefasst wurde.[1]
Denaro wurde 2023 gefasst, das Bild tauchte nicht auf.

Reproduktion

2015 gab Sky eine Replik des Bildes bei Factum Arte in Auftrag, ein Unternehmen, das auf die Herstellung von nahezu perfekten Kunstreproduktionen spezialisiert ist. Das Team aus Wissenschaftlern, Architekten und Computeringenieuren nutzte für seine Arbeit Fotografien, Dias, einschließlich Schwarzweiß-Glasplatten, sowie Negative von Aufnahmen der letzten Restaurierung des Bildes im Jahr 1951. Man untersuchte außerdem andere Bilder Caravaggios, die etwa um die gleiche Zeit entstanden sind, um seine Malweise möglichst genau zu imitieren, da das endgültige Finishing der Kopie per Hand mit dem Pinsel vorgenommen wurde.[5] Sky produzierte anschließend den Dokumentarfilm „Das Geheimnis des verlorenen Caravaggio“ über das Bild und seine Restaurierung. Am 12. Dezember 2015 wurde die Replik in den alten Rahmen auf dem Altar von San Lorenzo installiert.[8]

Rezeption im Film und in der Literatur

  • 1984 veröffentlichte der britische Journalist, Kunsthistoriker und Krimiautor Peter Watson das Buch The Caravaggio Conspiracy mit dem langen Untertitel how five art dealers, four policemen, three picture restorers, two auction houses, and a journalist plotted to recover some of the world’s most beautiful stolen paintings. Das Buch entstand nach einem Gespräch des Autors mit Rodolfo Siviero (1911–1983), einem ehemaligen italienischen Geheimdienstmitarbeiter, Diplomat und damals Leiter einer Abteilung des Außenministeriums, die sich mit der Wiederbeschaffung gestohlener Kunstwerke befasst.[11]
  • Folge 6 der Serie Art Crimes von 2022 mit dem Titel Caravaggio. Palermo 1969 ist ein Dokumentarfilm über den Raub des Bildes, in dem Personen, die an der Suche nach dem Bild beteiligt waren, zu Wort kommen.[12][13]
  • 2025 veröffentlichte ARTE den Sechsteiler Das Caravaggio-Komplott (La linea della palma) des Schweizer Regisseurs Fulvio Bernasconi, in dem der Raub des Bildes und mögliche Verbindungen der Täter zum Schweizer Kunsthandel und zur Mafia thematisiert werden. Der italienische Titel des Films bezieht sich auf einen von Leonardo Sciascia geprägten Begriff –la linea della palma – , der den kontinuierlich steigenden Einfluss der Mafia von Süditalien aus nach Norden beschreibt.[14]
  • In dem Roman Wackelkontakt (2025) von Wolf Haas wird das Bild erwähnt.

Literatur

  • Giovanni Mendola: ll Caravaggio di Palermo e l’Oratorio di San Lorenzo. Collana, Le Arti 2012. ISBN 978-88-97077-44-2
Commons: Nativity with St. Francis and St. Lawrence by Caravaggio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI