Christliche Linke
christliche Richtung und Bewegung in Nordamerika
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Der Sammelbegriff „Christliche Linke“ verbindet Wertvorstellungen, denen ein Bezug zum Christentum zugeschrieben wird, mit linkspolitischen Positionen. Vertreter beziehen sich häufig auf Humanität, soziale und ökologische Gerechtigkeit im Erbe von Christen und Linken.[1] Eine einheitliche Organisation oder klar abgegrenzte Bewegung existiert jedoch nicht. Vielmehr umfasst der Begriff unterschiedliche Initiativen, Netzwerke und Einzelpositionen in verschiedenen Ländern und Konfessionen.
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Es gibt Unterschiede zwischen Christlichen Linken weltweit und das hängt sowohl mit der politischen Kultur als auch mit der ideengeschichtlichen Einbettung von „links“ zusammen.[2][3] So wie der Ausdruck Christian Left besonders als Gegensatz zu Christian Right im meist amerikanischen Kontexten verwendet wird, stehen viele christliche Linke mit ihren progressiven Weltanschauungen vielen konservativen Positionen konträr entgegen. Trotz erheblicher Differenzen eint diese Strömung die Ausrichtung am Reich Gottes als Maßstab gesellschaftlicher Veränderung. Das Evangelium wird nicht individualistisch verengt, sondern als Anspruch auf Gerechtigkeit, Versöhnung und strukturellen Wandel verstanden.[4]
Christliche Linke in der Politik
Mit linker Politik werden sehr unterschiedliche Umsetzungsversuche jener ideologischen Ansätze bezeichnet, die die Aufhebung von Ungleichheit und als Unterdrückung begriffenen Sozialstrukturen zugunsten der wirtschaftlich oder gesellschaftlich Benachteiligten zum Ziel haben.[5] Ihr traditioneller Gegenpol ist die politische Rechte.[6] Linke Christen artikulieren ihre Religion in eine Sprache öffentlicher Debatten, die in der Moderne plural und kontextgebunden erscheint.[7] Diese Form der Artikulation beschränkt sich nicht auf semantische Ebenen, sondern wirkt sich direkt auf politische Handlungspraktiken aus. Es handelt sich aber nicht um eine Partei, sondern um eine breite, diffuse theologische, soziale und politische Strömung.
Der Begriff „christlich“ bezeichnet zunächst eine religiöse oder ethische Grundlage, aber keine politische Richtung. Dadurch konnten sich im 19. und 20. Jahrhundert sehr verschiedene Parteien „christlich“ nennen. In prominenter Weise führen die Parteien CDU/CSU in Deutschland „christlich/sozial“ im Namen, sie gelten aber traditionell als bürgerlich-konservativ.[8] Die christliche Linke hingegen versteht Christentum als Verpflichtung zu sozialer Gleichheit, struktureller Gerechtigkeit, internationaler Solidarität und aktiver Bekämpfung von Vermögensungleichheit.[9]
Auf internationaler Ebene tritt die christliche Linke in sehr unterschiedlichen Kontexten auf: In Lateinamerika ist sie eng mit der Befreiungstheologie, basisdemokratischen Kirchenbewegungen und antikolonialen Kämpfen verbunden.[10] In Europa zeigen sich linkschristliche Strömungen in sozialdemokratischen, grünen und postsozialistischen Parteien ebenso wie in kirchlichen Reforminitiativen, Friedensbewegungen und sozialen Bündnissen.[11] Gemeinsam ist ihnen die Orientierung an sozialer Gerechtigkeit, Antifaschismus, Solidarität und einer politischen Auslegung christlicher Nächstenliebe.
Auch in Deutschland existieren organisierte Formen der christlichen Linken. Dazu gehören linkskirchliche Basisgruppen, ökumenische Netzwerke, christliche Sozialisten, kirchliche Reformbewegungen sowie Zusammenschlüsse wie die BAG Linke Christinnen in der Partei Die Linke. Diese Gruppen verbinden christliche Ethik mit sozialistischer, feministischer oder antirassistischer Politik und verstehen ihren Glauben als Auftrag zur Veränderung gesellschaftlicher Strukturen.[12]
In den USA gilt die Christian Left in den letzten Jahren als deutlich weniger einflussreich als die Religious Right. Gegner der Christian Left führen dies auf eine geringere Anhängerschaft in den Vereinigten Staaten zurück. Befürworter sehen die Anhängerschaft dagegen als viel größer als die der Christian Right an und sehen die Gründe darin, dass Christian-Left-Anhänger weniger gewillt sind, ihre politischen Ansichten so lautstark zu artikulieren wie die Religious Right.[13]
Politikwissenschaftliche und religionssoziologische Studien verweisen auf eine stärkere institutionelle Vernetzung, Mobilisierungsfähigkeit und politische Sichtbarkeit konservativ-evangelikaler Akteure im Vergleich zu progressiven christlichen Strömungen.[14]
Themen
In vielen Positionen wird christlicher Glaube mit sozialer Verantwortung verknüpft. Häufig lassen sich in Äußerungen, Programmen und öffentlichen Stellungnahmen unter anderem folgende Themenfelder identifizieren:[5]
- Solidarität mit Benachteiligten
- globale Verantwortung und ökologische Gerechtigkeit
- Hoffnung und Vision für eine bessere Welt
- Betonung sozialer Gerechtigkeit, Armutsbekämpfung und Solidarität
- Friedensethik/Pazifismus
- Menschenrechte, Minderheitenschutz
- progressive Sozialpolitik inspiriert durch christliche Ethik
- Kritik an neoliberalem Wirtschaften und struktureller Ungleichheit
Vertreter
Zu den Personen, die häufig mit christlich linken theologischen oder politischen Positionen in Verbindung gebracht werden, zählen unter anderem:
- Friedrich Schorlemmer (1944–2024), deutscher evangelischer Theologe, Bürgerrechtler und Publizist. Er war ein prominenter Protagonist der Opposition in der DDR.
- Dorothee Sölle (1929–2003), feministische deutsche evangelische Theologin und Dichterin.
- Karl Barth (1886–1968), Schweizer evangelisch-reformierter Theologe. Er begründete die Bekennende Kirche mit und rief ab 1938 alle Christen zum auch bewaffneten Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf.
- Sarah Vecera sensibilisiert in Vorträgen und in den sozialen Medien für gedankenlosen Alltagsrassismus in Gesellschaft und Kirche.
- Zur Christian Left zählen Vertreter der afro-amerikanischen Bürgerbewegung wie Martin Luther King oder Jesse Jackson.
- Pastor Quinton Ceasar kann im weiten Sinne dem Spektrum „linker Christen“ zugeordnet werden, sofern „links“ als Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Antidiskriminierung und gesellschaftliche Transformation verstanden wird. Er ist öffentlich bekannt geworden durch seine Predigt beim Ökumenischen Kirchentag 2021, in der er „Gott ist queer“ verkündete.[15]
Aktivitäten/Engagement und Initiativen
Es gibt linke Christinnen und Christen, die sich in verschiedenen Projekten, Netzwerken und öffentlichen Kampagnen engagieren, welche sich für soziale Gerechtigkeit, Antirassismus, Demokratie und eine antifaschistische kirchliche Praxis einsetzen. Darunter fallen:
- Positionspapiere und kirchliche Stellungnahmen: Die Vollversammlung des Bundesstudierendenrats Evangelische Theologie (SETh) sprach sich am 23. Februar 2025 in einem Positionspapier für eine „konsequent antifaschistische Kirche“ und die Umsetzung „aktiv handelnder Nächstenliebe“ aus.[16]
- Christliche Linke begannen sich verstärkt zu organisieren, um die organisierte Religiöse Rechte zu bekämpfen: The Center for Progressive Christianity[17] und The Christian Alliance for Progress[18] sind zwei solcher Gruppen, die sich in dieser Situation formiert haben.
- Öffentliche Kampagnen gegen Hass und Rassismus: Im Rahmen der Aktion „Unser Kreuz hat keine Haken“ zeigen seit dem 27. Januar 2025 zahlreiche evangelische und katholische Gemeinden in Osnabrück und Umgebung Banner gegen rechtsextreme Ideologien und für eine offene Gesellschaft.[19]
- Transnationale christliche Antinationalismus-Initiativen: Die Bewegung Christians Against Nationalism betreibt Aufklärungsarbeit, politische Advocacy und lokale Organisierung, um Christen und weitere gesellschaftliche Akteure für die Gefahren des christlichen Nationalismus zu sensibilisieren und demokratische Gegenstrukturen zu stärken.[20]
- Aktionsbündnisse in Deutschland: Gruppen wie Christ:innen gegen Rechts[21] oder die Initiative „Antifaschistische Kirchen jetzt!“[22] mobilisieren für eine klare kirchliche Abgrenzung gegenüber rechten Ideologien und berufen sich dabei auf sozialethische Prinzipien wie Nächstenliebe und Menschenwürde.
- Arbeitsgemeinschaft Linke Christ*innen (BAG Linke Christ*innen/PDS): Die BAG Linke Christ*innen ist ein Zusammenschluss innerhalb der Partei Die Linke, der christliche Perspektiven in sozial- und gesellschaftspolitische Debatten einbringt. Sie setzt sich für soziale Gerechtigkeit, Frieden und eine progressive, emanzipatorische Kirchenpolitik ein.[12]
- Out in Church: Out in Church ist ein kirchliches Reform- und Betroffenennetzwerk, das sich für die Rechte und vollständige Anerkennung queerer Menschen in der katholischen Kirche einsetzt. Die Initiative wurde durch die Kampagne #OutInChurch bekannt, die strukturelle Diskriminierung sichtbar macht und Veränderungen einfordert.[23]
Auf der Website Zwischenraum findet sich eine wachsende Liste von „Willkommensgemeinden“, also christlichen Gemeinden und Kirchen, in denen queere Menschen uneingeschränkt willkommen sind und aktiv mitwirken können. Die Liste dient als Orientierung für progressivere, inklusive Gemeindestrukturen im deutschsprachigen Raum.[24]