Cité Foch

Wohngebiet im Ortsteil Wittenau des Bezirks Reinickendorf, Berlin, ehemalige Wohnanlage französischer Truppen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Cité Foch ist ein 47 ha großes Wohngebiet im Berliner Ortsteil Wittenau des Bezirks Reinickendorf. Es ist im Norden begrenzt durch den Packereigraben, westlich durch den Steinbergpark, südlich durch die Gleise der Industriebahn Tegel–Friedrichsfelde und östlich durch die Jean-Jaurès-Straße und die Cyclopstraße.

Avenue Charles de Gaulle in der Cité Foch (Zustand bis 2016) – rechts das Einkaufszentrum Economat.

Die Siedlung entstand im Wesentlichen zwischen 1952 und 1976 als Wohngebiet für die französischen Streitkräfte in Berlin und ihre Angehörigen.

1994 zogen die französischen Bewohner ab. Seit den 2010er Jahren realisiert die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die mit der Abwicklung der hinterlassenen Liegenschaften der Alliierten beauftragt ist, hier ein Wohnungsbauvorhaben mit 600 Wohnungen.[1]

Typisch für die Cité sind die blauen französischen Straßenschilder.

Geschichte

Die Cité Foch (angeblich anfangs auch Cité Tucoulou, benannt nach Yves Tucoulou-Tachouères, dem Sohn eines Offiziers der Französischen Streitkräfte in Deutschland, 1948 in Indochina gefallen) hatte sich mit der Zeit zur größten der vier Wohnsiedlungen im französischen Sektor Berlins entwickelt. Auf rund 47 Hektar (vgl. Vatikanstadt: 44 ha) befanden sich 785 Wohnungen (80 Gebäude), die höchste Bewohnerzahl erreichte die Siedlung 1991 mit 2600 Personen.

Vor 1945: Maschinenfabrik, BVG, Militärakademie

Ursprünglich befand sich hier die Maschinenfabrik Cyclop, deren Lager im August 1945 von französischen Einheiten als Notbehelf bezogen und „Camp Foch“ (nach Ferdinand Foch, einem französischen Marschall im Ersten Weltkrieg) benannt wurde. Die 1910 gegründete „Cyclop Maschinenfabrik (Mehlis und Behrens)“, wurde später von der „Imperator Motorenwerke Wittenau“ übernommen. 1920 wurde das Gelände zur Hauptwerkstatt und Lager der „Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)“ und der "Großen Berliner Straßenbahn (GBS)". Von den Nationalsozialisten wurde das Gelände als Luftwaffen-Militärakademie und Lazarett genutzt.[2]

1945–1994: Wohnraum für Angehörige der Französischen Streitkräfte in Berlin

1945 entstanden auf dem Gelände zunächst einfache Holzunterkünfte, die ab 1952 durch massive Wohnbauten ersetzt wurden.[3]

Plan der Cité Foch aus dem Geoportal Berlin als Wittenauer Ortslage mit der Bebauung von 2015. Deutlich erkennbar sind noch der Economat, die Kirche und das Schwimmbad, die Lage des Collège Voltaire und des Sportplatzes sowie die Gebäude an der Rue Montesquieu die von Gendarmerie und Geheimdienst genutzt wurden.

Die Cité Foch wurde ständig ausgebaut und erhielt u. a. mehrere Schulen:

  • École La Fontaine im Jahr 1959,
  • École Voltaire in der Zeit von 1960 bis 1964,
  • École Victor Hugo in den Jahren 1968–1970,
  • École maternelle Saint-Exupéry (Kindergarten, Vorschule) 1974.

Darüber hinaus entstanden[2]

  • verschiedene Sportanlagen,
  • ein großes Einkaufs- und Mehrzweckgebäude (Economat)
  • mit einem Kino (Le Flambeau, 1977),
  • eine Kirche (Sainte-Geneviève, 1977–1980),
  • eine Festhalle (1981) sowie
  • ein Parkhaus.

Die Cité bot ihren Bewohnern Platz in 785 Wohnungen in 80 Wohnblöcken.[4] Die Wohnungen waren bis zu 200 m² mit sieben Zimmern groß.[3]

Da sich auf dem Gelände auch militärische Einrichtungen befanden, war die Cité Foch nicht öffentlich zugänglich.

Die Residenz des französischen Stadtkommandanten von Berlin lag in unmittelbarer Nähe der Cité in der Villa Bondickstraße 1[5].

1994 verließen die Franzosen fast zeitgleich mit den drei anderen Besatzungsmächten in Folge der deutschen Wiedervereinigung Berlin und überließen die Cité ihrem Schicksal.[6]

1994–2016: Verfall und Suche nach neuen Nutzungsmöglichkeiten

Danach fiel das Grundstück an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Diese ist mit der Abwicklung der Liegenschaften der ehemaligen Alliierten betraut. An der Rue Montesquieu nutzte der Bundesnachrichtendienst nach dem Abzug der Franzosen noch für eine Weile den Antennenmast und ein Verwaltungsgebäude. Die Wohnungen konnten nach 1994 nur schwer vermietet werden: Einerseits waren sie für deutsche Gewohnheiten ungewöhnlich geschnitten (beispielsweise separate Toiletten, dafür keine Toilette im Badezimmer oder große Salons als Kombination von Wohn- und Esszimmer, gerade in „Offizierswohnungen“), andererseits angesichts des Mietzinses für die angestrebte Nutzung zu groß. Eine Vier-Zimmer-Wohnung für eine Familie, die in den nicht weit entfernten Arealen am Zabel-Krüger-Damm bzw. an der Titiseestraße in Waidmannslust oder im Märkischen Viertel zwischen 90 und 100 m² umfasst, kann hier bis zu 130 m² umfassen. Es gab zudem Sanierungsbedarf und es wurden überwiegend nur befristete Mietverträge angeboten.

Erst nach einer Sanierung durch die BImA um 2000 besserte sich die Situation. Zwischen 2007 und 2010 konnte der Leerstand von 33 % auf 7 % gesenkt werden.[7][8]

Anfang der 2010er Jahre drohte die Cité Foch zu einer Geisterstadt zu werden. Die Gebäude blieben größtenteils leerstehend, die Einrichtungen der Franzosen wurden nicht mehr betrieben. Müll und Vandalismus breiteten sich aus.[9][10] Das Gelände wurde abgesperrt und war nicht mehr öffentlich zugänglich.

Die Erschließung für eine Neubebauung wurde nicht nur durch die fehlende Katasteraufteilung der Grundstücke erschwert, die einen Verkauf einzelner Teile unmöglich machte: selbst die Straßen in der Cité liefen ausschließlich über privaten Grund. Obwohl viele der Bauten in der Cité vor allem in den 70er und 80er Jahren von der Stadt Berlin errichtet wurden, war bei der Anlage der Cité darüber hinaus offenbar wenig Sorgfalt auf die Verlegung von Leitungen für Strom, Gas und Wasser gelegt worden: „Die Leitungen verlaufen hier wie Kraut und Rüben, das hat mit den deutschen Standards überhaupt nichts zu tun“ sagte ein Angestellter der BImA im Januar 2026 der Berliner Morgenpost.[11] Im Jahr 2016 war zunächst ein Vermessungsauftrag ausgeführt worden, um überhaupt festzustellen, welche Leitungen welche Gebäude versorgen.[12]

Nach 2016: Teilweiser Abriss und Neubebauung

2016 starteten großflächige Abrissarbeiten. Dabei wurden u. a. die Gebäude des Einkaufszentrums (Economat), die Kirche Ste. Géneviève, die Gendarmerie und die Gebäude des Geheimdienstes, das Gymnasium sowie das Schwimmbad beseitigt. Erhalten sind von der ehemaligen Bebauung heute (Stand 2026) noch die Wohnblöcke in der Rue Racine, Gebäude und Wohnblöcke im westlichen Teil der Avenue Charles de Gaulle sowie die Grundschule am Place Molière und das Gebäude der Musikschule.

Leben in der Cité

Die Cité war im Wesentlichen Wohnstadt für Angehörige der französischen Streitkräfte, die in den 1970er und 1980er Jahren um Kultureinrichtungen erweitert wurde. Neben Boule und Schwimmmöglichkeiten im Schwimmbad nahmen die Bewohner auch an den Volksfesten, Paraden und dem seit den 1980er Jahren bestehenden 25-km-Berlin-Lauf teil, der von der französischen Kommandantur veranstaltet wurde. Die Versorgung mit Produkten des täglichen Bedarf stellte die Supermarktkette Economat mit einem großen Einkaufszentrum sicher. Bücher und Zeitschriften aus Frankreich erreichten die Bewohner durch aktive Mitglieder der französischen Community schnell und unkompliziert in kürzester Zeit.[13][14][15] Religiöse Aktivitäten fanden ihr Zuhause auf dem Gelände ab 1980 in der neu erbauten Kirche Ste. Généviève. Spätestens seit 1974, mit dem Bau der Ecole materielle war ein lückenloses Schulsystem von Vorschule bis Gymnasium auf dem Gelände etabliert.

Ergänzt wurden die Freizeit-Aktivitäten der Bewohner durch Besuche in verschiedenen französischen Einrichtungen außerhalb der Cité in Berlin wie z. B. das Kino "L'Aiglon[16]", das Centre Français in Wedding[17], die Villa "Centre Bagatelle"[18][19] in der Zeltinger Straße 6 in Frohnau (Tagungsort der "Deutsch-Französischen Gesellschaft, Gruppe Nord") und die Maison de France[20] am Kurfürstendamm sowie zahlreiche Veranstaltungen rund um das Quartier Napoléon, wo die militärischen Kräfte der Franzosen untergebracht waren.

Straßennamen in der Cité

Die folgenden französischen Bezeichnungen von Straßen und Plätzen existieren noch heute auf dem Gelände der Cité. Sie sind – ungewöhnlich für Berlin – mit blauen Straßenschildern gekennzeichnet:

Die Rue Jean-Jaurès und Rue Simone de Beauvoir sind nicht Teil der ursprünglichen Cité.[21]

Ehemalige französische Einrichtungen in der Cité Foch

Eingang zur Cité an der Rue Montesquieu
Wohnhäuser in der Cité Foch an der Rue Racine
Straßenschild in der Cité Foch mit Wohnblock
Wohnblock Rue Racine 4
Eingangstür aus den 1970er Jahren in den Wohnhäusern der Cité, Rue Racine

École maternelle Saint-Exupéry

Die am Place Molière 1 gelegene Vorschule wurde 1974 eingerichtet. Sie wurde von den Kindern des Viertels vor dem Besuch der École Victor Hugo besucht. Heute ist das Gebäude eine Filiale der Münchhausen-Grundschule.

Ehemalige Ecole materielle an der Place Molière (während der Dachsanierung 2025/2026)

École La Fontaine

Die Schule war die erste auf dem Gelände der Cité. Sie wurde 1959 eingerichtet.[3]

École Victor Hugo

Am Place Molière 4 wurde zwischen 1968 und 1970 die mit Sporthalle, Sportplatz und Kantine (französisch Restaurant scolaire) ausgestattete Grundschule (frz. École élémentaire) errichtet. Das Schulgelände beherbergt heute das 1994 gegründete Romain-Rolland-Gymnasium (frz. Lycée européen Romain-Rolland) mit französischem Schwerpunkt (AbiBac-Schule). Architektonisch bildet das Schulgelände mit dem der École Saint-Exupéry eine Einheit (frz. zusammen École primaire genannt).

Das Ensemble ist erhalten.

Collège Voltaire

Die an der Avenue Charles de Gaulle 33 gelegene Sekundarschule für Kinder französischer Militärangehöriger bis zu einem Alter von 15 Jahren wurde 1960 bis 1964 errichtet. Sie zog 2010 nach Tiergarten um und wurde dabei organisatorisch dem Französischen Gymnasium angegliedert. Damit das fortan leerstehende Schulgebäude in der Cité Foch nicht verwahrlost, wurde hier ein Pilotprojekt zur „Bewachung durch Bewohnung“ nach dem niederländischen „Antikraak“-Modell eingerichtet.[22][23] Zwischenzeitlich wurde der Komplex als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

Das Collège verfügte über einen trapezförmigen Eingang mit einem Glasbausteinrelief.

Nach 2022 wurden die meisten Gebäude des Komplexes abgerissen und zunächst durch kleine Wohnhäuser ersetzt.

Geplant ist mittlerweile (2026) ein Neubau einer Grundschule auf dem Gelände des ehemaligen Colleges.[24][23]

Eingangsbereich des College Voltaire Berlin-Wittenau an der Rue Racine mit Glasbausteinrelief
Ehemalige Gebäude des College Voltaire

Einkaufszentrum / Economat

Das große Einkaufszentrum mit Kino „Le Flambeau“ sowie Kultur- und Gesundheitszentrum an der Avenue Charles de Gaulle 9 sowie 10–14 (durch eine Fußgängerüberführung verbunden) entstand zwischen 1975 und 1977 im Stil des Brutalismus. Es wurde 1998 an einen privaten Investor verkauft und zunächst mit zahlreichen Geschäften frei zugänglich weiterbetrieben („famila“).

Der Komplex verfügte über 12.000 m² Verkaufsfläche.[25] Er wurde 2006 nach der Schließung der einzig als Ladenfläche verbliebenen ALDI-Niederlassung und des Restaurants geschlossen, stand dann leer und diente vor allem vielen Hobbyfotografen als Fotomotiv, bis es in völlig verwahrlostem Zustand zusammen mit weiteren verfallenen Bauten in der Nachbarschaft in den 2010er Jahren zu mehr und mehr Missmut und Diskussionsstoff um die Zukunft der Anlage in Reinickendorf und Berlin beitrug. Der Schweizer Besitzer kümmerte sich nicht um die Erhaltung, Bewachung oder Entsorgung. Zahlreiche Presseartikel beschäftigten sich in dieser Zeit immer wieder mit der Perspektive des Areals.[10]

Vor dem Gebäude befand sich ab 1982 die Bronzeskulptur „Vögel“ mit drei massiven Tieren aus Bronze von Ursula Hanke-Förster. Die Brunnenplastiken wurden in der Bildgießerei Ernst Kraas in Berlin gegossen.[26] Im September 2013 wurde einer der Vögel abgesägt und gestohlen, ein zweiter wurde beschädigt.[27] Obschon ab März 2013 aufgrund zunehmender Diebstähle im verfallenden Einkaufszentrum ein Dringlichkeitsbeschluss der BVV zur Sicherung der Plastiken vorlag, erfolgten entsprechende Maßnahmen nicht rechtzeitig. 2014 stellte man die verbliebenen Plastiken auf dem Gelände des Romain-Rolland-Gymnasiums ohne Brunnenfunktion neu auf. Durch die Wiederaufstellung in der Cité Foch sollte der „enge historische Zusammenhang erhalten“ bleiben, so ist es auf der angebrachten Tafel zu lesen.[26]

In der zweiten Jahreshälfte 2016 wurde das Gebäude komplett abgerissen, wobei u. a. Asbest ein Problem darstellte.[28][29]

Heute befinden sich auf dem Areal neue Wohngebäude, die dem Projekt „FLEUR DE BERLIN“ zuzuordnen sind.

Einkaufszentrum Avenue Charles de Gaulle 10
Verwildertes Einkaufszentrum
Einkaufszentrum „Economat“

Hallenbad

Das Hallenbad, auch liebevoll „Franzosenbad“ genannt, stand an der Rue Georges Vallerey 8, und wurde 1972 erbaut. Es enthielt nach der Kirche ein weiteres monumentales Wandbild in Form eines ca. 60 Meter langen Keramikfrieses, das von der Künstlerin Susanne Riée geschaffen wurde.[3] Der Fries soll – neben den blauen Straßenschildern – im aktuellen Bebauungsprogramm zu einem der Elemente werden, die an die französische Vergangenheit des Viertels erinnern.[30]

Das Bad wurde 2002 geschlossen, weil die Berliner Bäderbetriebe die Reparaturkosten nicht mehr stemmen konnten.[3] Um die Rücknahme durch den Bund gab es Streit zwischen diesem und der Stadt Berlin.[31] Eine Sanierung war laut BImA unwahrscheinlich, daher wurde es an eine Privatperson verkauft, der als Tauchsportler hier ein neues Wassererleben schaffen wollte.

Im Februar 2022 begannen Abrissarbeiten, die das Schwimmbad komplett zurückbauten.

Heute (Stand 2026) befindet sich an dieser Stelle eine große eingezäunte Wiese.

Standort des ehemaligen Hallenbades an der Rue Georges Vallerey

Katholische Kirche Ste. Généviève

Die katholische Kirche Ste.-Geneviève neben dem ehemaligen Einkaufszentrum entstand in etwa zur gleichen Zeit, zwischen 1977 und 1980. Die Kirche war von den Berliner Architekten Od Arnold und Günter Grasme entworfen worden.[2]

Die Kirchenfenster stammten von dem im Jahr 2010 verstorbenen Glasmaler Johannes Beeck.[32]

Sie waren in Form eines 20 Meter langen und sechs Meter hohen, aus 128 einzelnen Elementen bestehenden abstrakten Glasbildes gefasst, das die Längswand des Andachtsraums bildete.[3]

Sie ist ebenfalls 2016 entwidmet und abgerissen worden. Die 128 in Blei gefasste Opalglas-Scheiben wurden vor der Zerstörung gerettet und vom Eigentümer des Mehrzweckbaus dem Bezirk Reinickendorf übereignet, der es eingelagert hat.[3] Zuvor führte die Berliner Firma RMS Restaurierungsgesellschaft mbH Berlin eine Kartierung des Fensters durch, die im Archiv des Museums Reinickendorf eingesehen werden kann.

An dieser Stelle wurden inzwischen zahlreiche Neubauten errichtet.

Glockenturm der Kirche hinter dem Einkaufszentrum Avenue Charles de Gaulle 5

Festhalle und Parkhaus

1981 wurde eine Festhalle und ein Parkhaus ergänzt.[2]

Das Parkhaus steht heute noch in der Nähe des ehemaligen Schwimmbads. Seine Sanierung ist geplant.[33]

Gendarmerie, Radiosender und Geheimdienst

Ein Gebäude an der Rue Montesquieu, dem Einkaufszentrum direkt gegenüber, wurde jahrzehntelang durch den französischen Geheimdienst DSGE genutzt. „Deshalb war dieses Areal besonders gesichert und konnte auch nur über ein eigenes Wachgebäude mit Sicherheitsschleuse betreten werden. Innerhalb der Umzäunung stand auch der im Jahr 1957 aus Stahl und glasfaserverstärktem Kunststoff erbaute Sendemast.“[2] Der frei stehende Stahlfachwerkturm wurde sowohl durch den französischen Geheimdienst für Abhörmaßnahmen als auch zur Ausstrahlung des Radioprogramms von „Radio Forces Françaises de Berlin“ (FFB) genutzt. 1994 zog der Bundesnachrichtendienst in das Gebäude und nutzte dieses sowie den Antennenmast bis August 2001 für seine Zwecke.

Die Gendarmerie befand sich ebenfalls auf dem Gelände und hatte zeitweise bis zu 260 Mitarbeiter.[2]

Im Februar 2021 begannen die Abrissarbeiten des ehemaligen Geheimdienstgebäudes. Der Abriss der ehemaligen Kommandantur mit der Gendarmerie begann im Januar 2021 und war am 17. März 2021 abgeschlossen.

Heute befinden sich Neubauten als Wohngebäude auf diesem Gelände.

Musikschule / Pavillon des boucs

Die heute in Vereinsform geführte deutsch-französische Musikschule École de Musique de Berlin nutzt einen Pavillon an der Avenue Charles de Gaulle 36.[34] Dieser Pavillon wurde zu Zeiten der Anwesenheit der französischen Armee als Gästewohnung und für Junggesellen genutzt. Der Pavillon wurde daher auch „Pavillon des boucs“ genannt.

Das Gebäude ist erhalten.

Weitere verbundene Einrichtungen

Spielplatz Rue Racine
Palais des boucs an der Rue Racine

Französischer Militärbahnhof (nicht in der Cité)

Bei Heimfahrten und Rückfahrten aus Frankreich oder wenn Besuch aus Frankreich nach Berlin kam, kamen die französischen Staatsbürger mit Sonderzügen direkt auf dem Französischen Militärbahnhof am Bahnhof Berlin-Tegel an und fuhren auch direkt von dort wieder Richtung Strasbourg ab.

Französischer Militärflughafen Berlin-Tegel (nicht in der Cité)

Zur wichtigen Infrastruktur rund um die Cité, das von zivilen und militärischen Bewohnern genutzt wurde, gehört auch der als Militärflughafen der Franzosen im Jahr 1948, während der Berlin-Blockade, auf einem Exerzierfeld errichtete Flughafen. Er war als Raketenabschlussplatz eingerichtet und statt zu einer Kleingartenkolonie während der Berlin-Blockade zum Flughafen aufgebaut worden.[35]

Résidence du General (nahe der Cité)

In einer Parallelstraße zur Cité residierte der französische Stadtkommandant von 1951 bis 1994 in der Bondickstr. 1 in Berlin-Reinickendorf, einer ehemaligen Arztvilla ("Villa Albrecht"), die 1910 erbaut wurde und nach Auszug der Arztpraxis während des Dritten Reiches vom Luftgaukommando Berlins genutzt wurde. Heute befindet sich in der Villa die Residenz des algerischen Botschafters[36].

Fabrik der Salzenbrodt GmbH & Co. KG

Viele der weiblichen Angehörigen der französischen Soldaten und Offiziere arbeiteten in der auf dem Gelände liegenden Fabrik der Salzenbrodt GmbH & Co. KG, die u. a. die Marke Collonil herstellt.[37]

Centre Talma

Tanzperformance Centre Talma, Special Olympics World Summer Games 2023, Sommergarten, Messe Berlin

Das Kulturzentrum Centre Talma an der Hermsdorfer Straße 18a, etwas außerhalb der Cité Foch, funktional aber zu ihr gehörend, wurde in eine Sport- und Freizeitstätte für Kinder und Jugendliche umgewandelt. Hier wird von der Berliner Tafel auch täglich für jedermann ein (für Kinder besonders vergünstigtes) Mittagessen mit drei Gängen angeboten. Das Centre Talma war Teil des Festivalprogramms bei den Special Olympics World Summer Games 2023 in Berlin im Juni 2023.[38]

Heutige Nutzung

Städtebauliche Situation und planungsrechtliche Grundlage

Aus planerischer Sicht litt die Cité Foch wie auch andere ehemalige Berliner Wohngebiete der Westalliierten darunter, dass sie nicht unter Anwendung des deutschen Planungsrechts errichtet wurden: Da bei der Bebauung keine Flurstücksaufteilung stattfand, sind die in der Siedlung liegenden Straßen und Grünflächen somit auch nicht öffentlich, sondern Privatgelände. Die Anlagen der Ver- und Entsorgung befinden sich größtenteils außerhalb des Straßenlandes. Bei der Erschließung der Gebäude während der Bauphase wurde auf mögliche Baulasten kaum Rücksicht genommen, da es zwischen öffentlichen und privaten Grundstücken keinen Unterschied gab.

Speziell in der Cité Foch kam noch das Problem hinzu, dass die zivilen Einrichtungen, die sich hier konzentrierten, unter dem Versorgungsaspekt der französischen Militärangehörigen geplant wurden und seit dem Abzug der Truppen nicht unbedingt dem tatsächlichen lokalen Bedarf entsprechen. Die Genehmigung dieser Einrichtungen unterlag damals nicht dem deutschen Planungsrecht. So wurden zum Beispiel auch nicht die Vorschriften des Immissionsschutzes beachtet, was die Schutzabstände zwischen Wohnbebauung und umliegenden Industriebauten anbelangt. Davon betroffen ist ein Großteil des südlichen Wohngebiets um die Hermsdorfer Straße 70 (ein Betrieb nach Seveso-II-Richtlinie), wo eigentlich ein Schutzabstand von 200 Metern einzuhalten wäre.

Für die Fläche südlich des Packereigrabens, begrenzt durch die Grundstücksflächen Jean-Jaurès-Straße 3/7, 7a und 21, Hermsdorfer Straße 55, die Grundstücksflächen Hermsdorfer Straße 56–69 und östlich des Steinbergparks (Rosentreterbecken) sowie einen Abschnitt der Jean-Jaurès-Straße und der Hermsdorfer Straße im Bezirk Reinickendorf, Ortsteile Wittenau und Waidmannslust (Teilfläche der Cité Foch) wurde 2007 (ergänzt: 2012) der Bebauungsplan XX-277a erstellt.[39] Dieser hatte die Zielsetzung, „die bestehenden Wohngebäude planungsrechtlich zu sichern, für bauliche Nachverdichtungen sowie für Grünflächen die planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen und eine Übernahme der vorhandenen Straßen durch das Land Berlin zu ermöglichen“.[40] Damit wurde die planungsrechtliche Grundlage dieser Ortslage im Bezirk geschaffen. Die Straßen wurden gewidmet.

Wohnungsbau

Die BImA realisiert in der Cité Foch in Reinickendorf ein Wohnungsbauvorhaben mit insgesamt etwa 600 Wohnungen. Daneben sollen ein Spielplatz, eine Kindertagesstätte und ein Grundschulneubau der Münchhausen-Grundschule entstehen.[1]

In den 2010er Jahren wurde der raumgreifende Einfamilienhaus-Pavillon an der Rue Racine 5 abgerissen und durch vier Mehrfamilienhäuser in Stadtvilla-Bauweise ersetzt worden. Das Gelände des abgerissenen Einkaufszentrums wurde mit mehrgeschossigen Wohnhäusern bebaut. Nordwestlich der Rue Montesquieu, zur Jean-Jaurès-Straße hin, wurden zwei weitere ungenutzte, verfallende Gebäude abgetragen.[41]

Der Teil auf der südöstlichen Seite der Avenue Charles de Gaulle (ehemalige Hausnummer 9 des Einkaufszentrums) wurde im Sommer 2019 fertiggestellt und bezogen.

Ende 2021 begann der Bezug des größeren Bauabschnitts auf der gegenüberliegenden Straßenseite, zur Rue Montesquieu hin (ehemalige Hausnummern 10–14 des Einkaufszentrums). Dieser trägt den französisierenden Namen Fleur de Berlin, zu Deutsch „Blume von Berlin“, und umfasst 241 Eigentumswohnungen.[42]

In einem weiteren Bauvorhaben entstehen auf dem ehemaligen Sportplatz zwischen Rue Montesquieu und Avenue Charles de Gaulle fünf Gebäude mit 140 Wohnungen und ein Spielplatz. Das Richtfest wurde am 2. Juni 2023 begangen.[1]

Von der ursprünglichen Bebauung bis 1976 sind inzwischen nur noch mehrere niedrige Pavillons sowie fünf Blöcke mit jeweils 12 Wohnungen und Giebelfenstern in der Rue Racine sowie der Pavillon des boucs erhalten.

Schulneubau

Geplant ist mittlerweile (2026) auch ein Neubau einer Grundschule auf dem Gelände des ehemaligen Colleges.[43][44]

Siehe auch

Literatur

  • Ulrike Wahlich, Dorothea Führe, Ingolf Wernicke: Die Franzosen in Berlin. Besatzungsmacht, Schutzmacht, Partner für Europa. Hrsg.: Bezirksamt Reinickendorf von Berlin. Jaron Verlag, 2002, ISBN 3-932202-12-0.
Commons: Cité Foch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Zeitzeugenberichte

Einkaufszentrum

Schwimmbad

Schulen

Kunst

Cité: Abriss und Neubebauung

Einzelnachweise

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