Clara Lambert
englisch-britische militante Suffragette
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Clara Mary Lambert, auch unter den Pseudonymen Catherine Wilson, May und Mary Stewart (* 1. Oktober 1874 in West Ham, Essex; † 31. August 1969 in Godalming, Surrey) war eine englisch-britische militante Suffragette.[1]


Leben
Lambert war die Tochter von George und Elizabeth Lambert. Die Familie entstammte der Arbeiterklasse und sie begann in der Familienwäscherei zu arbeiten.[2]
Lambert wurde 1903 Gründungsmitglied der Women’s Social and Political Union (WSPU). Sie druckte teilweise die WSPU-Publikation The Suffragette und später Britannia, wobei sie oft gezwungen war, die Druckpresse von einem geheimen Platz zum nächsten zu schaffen.[2]
Lambert war äußerst radikal und es sind mehrere spektakuläre Einzelaktionen überliefert, die auch zu insgesamt sechs Verhaftungen bzw. Verurteilungen führten.[3]
Es ist überliefert, dass Lambert versuchte, H. H. Asquith am Bahnhof Waterloo auf seinem Weg zu einer Hochzeit zu treffen, eine verborgene Hundspeitsche bei sich. Als sie ihn verpasste, soll sie mit den Hochzeitsgästen in den Zug gestiegen sein, nahm anschließend ein Taxi zum Ort der Hochzeit, verfehlte Asquith dort erneut und setzte daraufhin einen Heuhaufen in Brand. In einer weiteren Episode soll sie eine Tomate auf Archibald Bodkin, einen zu der Zeit bereits prominenter Strafverfolger, geworfen haben; sie wurde verhaftet und festgehalten, bis die Sache vor Gericht fallengelassen wurde.[2]
In den Kriminalakten sind Verhaftungen Lamberts im Zusammenhang mit dem sogenannten „Schwarzen Freitag“ im November 1910 und mit den Massenprotesten mit Einschlagen von Schaufenstern im Zentrum Londons im März 1912 verzeichnet. Ende Januar 1913 wurde sie erneut wegen einer Fenstereinschlagaktion verhaftet. Der nächste Eintrag ist im Februar 1913.[3]
Am 16. März 1914 verkleidete sie sich als Mann und betrat gemeinsam mit Clement H. Whatley gegen 20 Uhr die Houses of Parliament. Lambert hätte eigentlich zur sogenannten Women’s Gallery gehen müssen, von wo aus Frauen das Parlament durch ein Gitter beobachten durften. Lambert und Whatley gingen in die Central Hall, wo sie angehalten wurden. Lamberts Geschlecht wurde in Frage gestellt, und man forderte sie auf, zur Bow Street Police Station zu gehen. Ein versteckter Peitschenstock wurde in ihrem Mantel gefunden, und sie wurde nach dem Vagrancy Act wegen verdächtigen Verhaltens in einem Gebäude angeklagt. Am nächsten Tag erschien sie erneut vor dem Bow Street Magistrates’ Court, wo sie mit weiteren sechs Wochen harter Arbeit im Gefängnis konfrontiert war.[4]
Im April 1914 schmuggelte sich Lambert in das British Museum, wo sie zunächst als interessierte Besucherin erschien, bis sie einen nagelneuen Beilkopf hervorholte, den sie unter ihrem langen Mantel versteckt hatte. Sie zertrümmerte eine Vitrine und anschließend Porzellantassen und -untertassen. Lambert wurde verhaftet und am nächsten Morgen im Bow Street Magistrates’ Court vorgeführt und war so laut, dass man sie zurück in die Zelle brachte. Sie protestierte insbesondere gegen den Innenminister, dem sie vorwarf Emmeline Pankhurst im Gefängnis „Folter auszusetzen“. Am Nachmittag wurde der Prozess fortgesetzt, wobei sie von zwei Aufsehern festgehalten werden musste. Lambert wurde ins Gefängnis geschickt, wo sie in den Hungerstreik trat.[5]
Im Gefängnis wurde heimlich eine Fotografie und danach ein Steckbrief erstellt und an öffentliche Einrichtungen verteil.[5]
Auf dem Höhepunkt der Militanz wurde Lambert wie andere hungerstreikende Suffragetten nach dem sogenannten Cat and Mouse Act, eigentlich der Prisoners (Temporary Discharge for Ill Health) Act 1913, immer wieder vorzeitig zur Erholung freigelassen und verpflichtet, an einer bestimmten Adresse zu bleiben, um dann zur Verbüßung der Resthaft wieder verhaftet zu werden, wenn sie sich erholt hatten. Lambert, wie die meisten Suffragetten, entzog sich der Wiederverhaftung durch Untertauchen.[5]
Die Lambert durch die WSPU verliehene sogenannte „Hungerstreik-Medaille“ For Valour verzeichnet über einen Zeitraum von drei Jahren mehrere Haftstrafen und Zwangsernährung.[2]
Lambert ist als „Clare Lambert“, „Mary Stewart“ und „Catherine Wilson“ in der sogenannten Roll of Honour of Suffragette Prisoners der Suffragette Fellowship aufgeführt.[6]
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs vereinbarten die WSPU und die Regierung zur Unterstützung der Kriegsanstrengungen die Einstellung militanter Demonstrationen gegen eine allgemeine Amnestie insbesondere der nach dem Cat and Mouse Act noch nicht vollständig abgeleisteten Haftstrafen.[3] Wie andere militante Suffragetten schloss sich Lambert der von Nina Boyle und Margaret Damer Dawson gegründeten Organisation Women’s Police Service (WPS) an. Sie setzte sich für Lebensmittelrationierung ein und wurde vom WPS entsandt, um Wohlfahrtsarbeit mit Munitionsarbeiterinnen in Pembrey, Südwales zu leisten. Dort lernte sie ihre lebenslange Gefährtin Violet Louise Croxford kennen, die vor dem Krieg psychiatrische Krankenschwester gewesen war.[7] Croxford notierte später Lamberts Lebensgeschichte.[2]
Nach dem Krieg arbeitete Lambert erneut in der Betreuung von Frauen. Sie unterstützte Sexarbeiterinnen in London, und 1926 eröffneten sie und Croxford ein Zufluchtsheim für Frauen in Hythe, Kent.[7]
Lambert starb im Alter von 94 Jahren in Farncombe, Godalming, Surrey.[2]
Weblinks
- Clara Lambert – A Militant Catford Suffragette. In: Running Past. Privater Blog, 13. Juni 2018, abgerufen am 30. Januar 2026.