Hungerstreik-Medaille

Medaille, die vergeben wurde an militante Suffragetten, die in Haft in den Hungerstreik getreten waren From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Hungerstreik-Medaille (englisch Hunger Strike Medal) ist eine Medaille, die durch die britische National Union of Women’s Suffrage Societies (WSPU) an ihre Mitglieder vergeben wurde, die nach ihrer Beteiligung an militanten Suffragetten-Aktivitäten inhaftiert worden waren und in der Haft in den Hungerstreik getreten waren.

Hungerstreik-Medaille von Lillian Metge

Beschreibung

Das runde punzierte Silbermedaillon ist an einem Band in den Farben der WSPU – Lila für königliche Würde, Grün für Hoffnung und Weiß für Reinheit – befestigt. An dem Band befindet sich eine silberne Anstecknadel mit der Inschrift „For Valour“ (Für Tapferkeit), dies ist eine Anspielung an das Victoria-Kreuz, und ein silberner oder gestreifter Emaille-Balken. Auf der Vorderseite des Medaillons steht die Inschrift „Hunger Strike“, auf der Rückseite ist der Name der Trägerin, umgeben von einem Lorbeerkranz, eingraviert. Manche Medaillen, wie die von Emily Wilding Davison, haben mehrere Spangen, die auf Hungerstreiks hinweisen.[1]

Gefertigt wurden die Medaillen vom britischen Schmuck- und Bekleidungshersteller Toye & Co. Die WSPU zahlte für jede 1,00 £. Sie wurden in einer violetten Schachtel mit grünem Samtfutter überreicht. Außerdem enthielten die Schachteln ein Stück weiße Seide, das ursprünglich im Deckel lag, mit folgender Inschrift in Gold bedruckt: „Überreicht an [Name] von der Women’s Social and Political Union in Anerkennung einer tapferen Tat, durch die trotz äußerster Not und Hunger ein großes Prinzip politischer Gerechtigkeit verteidigt wurde.“[1]

Geschichtlicher Hintergrund

Holloway Prison um 1896
Suffragetten im Hungerstreik

Es kam immer wieder zu Verhaftungen von Frauen, die sich in ihrem Kampf für das Frauenwahlrecht militanter Formen bedienten. So ketteten sich 1908 Frauen mehrfach nahe öffentlicher Institutionen wie auf der Galerie des House of Commons oder nahe der 10 Downing Street fest.[2] Als 1910 eine Gesetzesinitiative gescheitert war, die zum Ziel hatte, die Rechte der Frauen auszuweiten, warfen sie Schaufenster von Kaufhäusern ein, es wurden Brandanschläge auf Landsitze verübt und Bombenanschläge auf öffentliche Gebäude. Am 18. November 1910 wurden 115 Suffragetten festgenommen, als sie in das britische Unterhaus einzudringen versuchten.

Im März 1912 erreichte in London der militante Kampf für das Frauenwahlrecht im Vereinigten Königreich seinen Höhepunkt, als von der National Union of Women’s Suffrage Societies (WSPU) Schaufenster-Demonstrationen organisiert wurden. Dabei wurden von den Suffragetten zahlreiche Fensterscheiben eingeschlagen oder eingeworfen. Bereits im November 1911 waren 223 Frauen inhaftiert worden, weil sie Schaufenster von Geschäften und Fensterscheiben von Regierungsgebäuden in Whitehall eingeschlagen hatten. Daraufhin organisierten sich die Frauen neu, es kam zu größeren Protesten, die zeitlich auf die Debatten im Parlament abgestimmt waren. Im Land breitete sich eine militante Stimmung aus, nachdem klar geworden war, dass friedliche Proteste niemals zu einem Erfolg führen würden. So zogen am Abend des 1. März, einem Freitag, und am darauffolgenden Montag WSPU-Anhängerinnen in die Einkaufsstraßen des West End, Knightsbridge, Kensington und Chelsea. Mit Hämmern oder Steinen begannen sie gleichzeitig zu einem vorher vereinbarten Zeitpunkt, die Fenster der dortigen Geschäfte und Büros einzuschlagen.

Es kam zu Verhaftungen von mehr als 200 Frauen. Ihre Anführerinnen Emmeline Pankhurst und das Ehepaar Pethick-Lawrence wurden danach zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Meist wurden die teilnehmenden Frauen zu zwei Monaten Haft verurteilt, weil sie sich weigerten, eine Geldstrafe zu bezahlen und eine Friedensverpflichtung abzugeben. Viele wurden auch zu sechs Monaten Haft verurteilt. Das hatte zur Folge, dass die Gefängnisse rasch überfüllt waren. Den Frauen wurde der Status „politischer Gefangener“ verweigert. Bei den daraufhin aufkommenden Hungerstreiks wurden viele der Frauen brutal zwangsernährt.[3] Zu Hungerstreiks war es auch bereits gekommen, mit denen die Suffragetten versuchten, auf ihre Lage aufmerksam zu machen.

Verleihung

Die Hungerstreik-Medaillen wurden ab 1912 verliehen. Zuvor war bereits von der National Union of Women’s Suffrage Societies die Holloway-Brosche an inhaftierte Personen verliehen worden.[4]

Emily Wilding Davison mit Hungerstreik-Medaille mit zusätzlichen Spangen
Janie Terrero mit Holloway-Brosche und Hungerstreik-Medaille

Empfängerinnen

Commons: Hunger Strike Medal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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