Clownswelt
deutscher YouTube-Kanal von Marc-Philipp Längert
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Clownswelt ist ein YouTube-Kanal des deutschen Webvideoproduzenten Marc-Philipp L., auf dem Beiträge zu gesellschaftspolitischen und gesellschaftskritischen Themen meist in Form von Reaktionsvideos aus einem politisch rechten Blickwinkel heraus veröffentlicht werden. Auf eine Presseanfrage antwortend, ordnete der Verfassungsschutz Niedersachsen dessen Kanal dem „Rechtspopulismus“ zu mit „Ansätzen neu-rechten Denkens“.
- Clownswelt auf YouTube (Hauptkanal).
- KetzerKirche auf YouTube (Zweitkanal).
- Ketzer-Kirche-Live auf YouTube (Drittkanal).
- 495.000 (Hauptkanal)
- 89.900 (Zweitkanal)
- 34.800 (Drittkanal)
| Clownswelt | |
| YouTube-Kanal (Satire, Politik) | |
| Sprache | Deutsch |
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| Gründung | 1. Juli 2021 |
| Kanäle |
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| Abonnenten |
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| Aufrufe |
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| Videos |
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| (aktualisiert 25. Januar 2026) | |
| Mitwirkende | |
| Marc-Philipp „Clownie“ L. | |
Größere Aufmerksamkeit erhielt der Kanal durch eine Berichterstattung in Die Zeit und dem ZDF Magazin Royale, die unter anderem darauf abzielte, den bis dahin von Marc-Philipp L. anonym betriebenen Kanal zu deanonymisieren. Kritiker dieser Berichterstattung werfen den Veröffentlichern Doxing, eine spezielle Form der Deanonymisierung, vor.
Sein Hauptkanal hat 495.000 Abonnenten (Stand 25. Januar 2026).
Inhalte
Der YouTube-Kanal Clownswelt ist bekannt für seine nach eigenem Bekunden satirischen Beiträge zu gesellschaftspolitischen Themen aus einem laut Verfassungsschutz Niedersachsen rechtspopulistischen Blickwinkel mit Ansätzen neurechten Denkens.[1] Die Videos richten sich gegen einen angeblichen „politisch-medialen Komplex“, ein Begriff, den Clownswelt häufig verwendet, um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und überwiegend linksorientierte Politiker zu kritisieren.[1][2]
Seine Videos beginnt er fast immer mit den Worten: „Hallo Freunde!“, an die sich meist das Geräusch einer Hupe anschließt. Der Inhalt der Videos besteht in der Regel aus existierenden Fernseh- beziehungsweise Onlinevideobeiträgen, die an bestimmten Stellen angehalten werden. Dabei wird jeweils der Avatar eines Clowns eingeblendet. Die verwendeten Clown-Avatare wechselten im Laufe der Zeit ständig; einer war dem Joker nachempfunden, ein anderer Homer Simpson[3], ein seit 2025 verwendeter stellt Thor mit Clownschminke dar. Um den Inhalt des Ursprungsvideos als unseriös beziehungsweise lächerlich darzustellen, gibt Clownswelt dabei oft laute Lacher in Kombination mit Hupgeräuschen wieder.[4][5] Zudem fordert er regelmäßig die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, den er „zwangsfinanzieren“ müsse, obwohl seine Meinung dort nicht repräsentiert werde.[6]
Biographie
Clownswelt wird von Marc-Philipp L. betrieben, der 1995[7] geboren wurde und aus Ostwestfalen kommt. Nach seinem Abitur begann er ein Lehramtsstudium, das er nicht abschloss. Marc-Philipp L. war ab 2010 Sänger und Gitarrist der Thrash-Metal-Band Bloodvale,[8] die sich nach 2020 auflöste, und ab 2019 Gitarrist in der Heavy-Metal-Band Powergame. Mit dieser nahm er 2020 die EP The Lockdown Tapes[7] und zwei Jahre später das Album Slaying Gods auf.[9] Im April 2025 wurde er aufgrund seiner bekanntgewordenen politischen Ansichten aus der Band geworfen.[10][1][11]
Vor der Gründung des Kanals war sein Leben unpolitisch. Während der Flüchtlingskrise zeigte er sich nach außen zunächst solidarisch mit den Geflüchteten, laut eigenen Angaben jedoch weniger aus innerer Überzeugung. Danach fing er an, Angebote des rechten Mediennetzwerks „Honigwabe“ um Shlomo Finkelstein zu konsumieren, was ihn nachhaltig beeinflusste.[12] Bedingt durch die COVID-19-Pandemie, den Zweifeln an dem politischen Umgang mit dieser – vor allem in Form der Masken- und Impfpflicht – sowie dem Gefühl, mit seinen diesbezüglichen Ansichten von seinem damaligen Umfeld zurückgewiesen zu werden, gründete er Mitte 2021 den Kanal Clownswelt.[6] Später folgten die kleineren Kanäle KetzerKirche und KetzerKirche-Live. Marc-Philipp L. ist zudem auf den Plattformen Telegram und Twitch aktiv.[1][13]
Sowohl für Clownswelt wie auch KetzerKirche missachtete Marc-Philipp L. bis Mitte Mai 2025 die im Digitale-Dienste-Gesetz und dem Medienstaatsvertrag vorgesehene Impressumspflicht. Mittlerweile gibt es ein Impressum mit dem vollen Namen des Kanalbetreibers.[13]
Deanonymisierung des Kanalbetreibers
Nach einer gemeinsamen Recherche veröffentlichte am 9. Mai 2025 Die Zeit einen Zeitungsartikel von Christian Fuchs und in der Mediathek erschien eine neue Folge von ZDF Magazin Royale mit Jan Böhmermann. Die Recherche begann mit einem Foto, das der Kanalbetreiber auf Telegram gepostet hatte und beinhaltete Interviews mit Nahestehenden. Reporter suchten das Elternhaus von Clownswelt auf, um seine Eltern zu interviewen.[1][14][15] Der volle Name des bis dahin anonymen Betreibers wurde nicht publiziert, jedoch sein seltener Vorname. Zusätzlich nannte Die Zeit noch den Anfangsbuchstaben seines Nachnamens. Erwähnt wurden auch seine ehemalige Mitgliedschaft in einer namentlich nicht genannten Metal-Band und weitere, teilweise private Details aus seinem Leben.
Die Deanonymisierung wurde sowohl befürwortet als auch kritisiert. Die Tageszeitung (taz) verteidigte Böhmermanns Vorgehen mit dem Satz: „Wer Meinung machen will, muss Nase zeigen.“[16] Nachdem der Kanalbetreiber seinen Namen veröffentlichte, nennt auch die Tageszeitung taz in zwei Artikeln den Nachnamen des YouTubers.[13][17] Der Österreicher Tom Wannenmacher vom Faktenchecker Mimikama wirft dem Kanal digitale Manipulation und das Streuen von Verschwörungserzählungen vor. Die Demaskierung eines meinungsbildenden Akteurs mit massiver Reichweite sei rechtlich absolut zulässig gewesen.[18] Zu einer gänzlich anderen Einschätzung kommt Julia Ruhs im Focus. Sie wirft den Verfechtern von „Kampf gegen Rechts“ mangelndes Augenmaß vor. Legitime Meinungen als extrem abzustempeln, würde der Demokratie mehr schaden als nützen. In Wirklichkeit würde es den „etablierten Medien“ um einen Kampf gegen die ungeliebte Konkurrenz gehen, die die Zuschauer bei ihrer Wahlentscheidung beeinflusse.[19] Marlen Hobrack schrieb im Freitag, dass das Doxing bisher als Machtmittel rechter Trolle und 4Chan-Anarchos galt. Die Aneignung dieses Machtmittels durch einen Star der Öffentlich-Rechtlichen würde von Journalisten aller Couleur kritisiert.[20]
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kritisierte die Enthüllung und schrieb: „Das nützt ganz allein denen, die Böhmermann konterkarieren will. Das nächste Freudenfest für die AfD. Und das ZDF kapiert es nicht.“[21] Nach den teilweise kritischen Äußerungen zur Sendung gab das ZDF knapp eine Woche nach der Ausstrahlung ein Statement ab. Es sei über rechte YouTuber berichtet worden, „die mit Hass und Hetze und hoher Reichweite gegen unsere freiheitlich demokratische Grundordnung agieren“ würden. Den Aussagen zu einzelnen Personen oder Themenkomplexen würde „stets eine sorgfältige Recherche zugrunde liegen“.[22]
Etliche Medien gaben Kommentare zum juristischen Aspekt des Falls ab. Auf diese ging der Rechtsanwalt Christian Solmecke auf dem YouTube-Kanal WBS LEGAL seiner Kanzlei ein. Für ihn ist „Clownie“ ein rechter YouTuber und Kritiker des ÖRR. Durch die Veröffentlichungen des ZDF und der Zeit konnte er sehr schnell den Namen und ein Foto des Kanalbetreibers finden. Solmecke monierte das bis Mitte Mai 2025 fehlende Impressum bei Clownswelt. Die Durchsetzung der Impressumspflicht sei jedoch Aufgabe der zuständigen Landesmedienanstalt und nicht des ZDF. Das Recht von Clownswelt auf Geheimhaltung seiner Identität habe Vorrang vor dem Interesse der Öffentlichkeit an seiner Person. § 126a StGB untersage ein „gefährdendes Verbreiten personenbezogener Daten“. Eine Ausnahme, wie beispielsweise ein öffentliches Interesse, kenne der Paragraph nicht.[23]
Nach der Enthüllung stieg die Abonnentenzahl innerhalb von nur rund einer Woche von über 200.000 auf über 400.000 an. Dieses Ereignis wurde vom Magazin Focus als „Backfire-Effekt“ bezeichnet.[24] Vereinzelt war ebenso vom „Streisand-Effekt“ die Rede.[25][26]
Kritik
Aussagen wie „auf natürliche Art und Weise tendieren Frauen mehr zur Unterwerfung als Männer“ werden von Kritikern als antifeministisch gesehen. Zudem würden laut Auffassung einiger auf dem Kanal rechtsextreme politische Dog Whistles bewusst verwendet. Zusätzlich werden seine sympathisierenden Aussagen zur AfD kritisch gesehen.[1][2][27][13] Seine frühere Band Powergame analysierte den Inhalt seines Hauptkanals in einer Stellungnahme zu seinem Rauswurf wie folgt:
„Was Marc-Philipp auf seinem Kanal betreibt ist aber weit mehr als nur seine Meinung zu sagen. Er nimmt Ausschnitte aus allen möglichen Videos, Zeitungsartikeln und so weiter und verstümmelt sie, verdreht ihre Aussage und serviert sie dem gierigen Zuschauer in einem selbst gewählten neuen Kontext. Und das alles schön anonym und als „Satire“ getarnt, damit ihm vermeintlich niemand etwas anhaben kann.[10]“
Der Journalist Mats Schönauer attestiert ihm eine gewisse Originalität und idealistische Motive. Im Gegensatz zu anderen rechten Influencern, die vergleichsweise offensichtlich auf Clickbaiting setzen und Unwahrheiten verbreiten würden, geschähe dies bei Clownswelt auf eine deutlich subtilere Art: „Kontroverse Meinungen findet man sofort. Falsche Tatsachenbehauptungen, nicht so schnell“, so Schönauer.[28] Clownswelt bemühe sich stets, in Form „langer und verschachtelter Sätze“ intellektuell zu wirken. Oft vermische er „berechtigte Kritik mit haltlosen Vorwürfen“.[6]
Weblinks
- Clownswelt auf YouTube
- KetzerKirche auf YouTube
- Ketzer-Kirche-Live auf YouTube
- Mats Schönauer: So arbeitet Clownswelt wirklich auf YouTube, 4. August 2025, abgerufen am 23. September 2025 (in Topfvollgold; Laufzeit: 40 Min.).