Codex Einsidlensis 126
Codex aus der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Codex Einsidlensis 126 ist ein Codex aus der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts. Skriptor war ein Mönch namens Subo im Kloster Disentis, der ihn mit Initialen im rätischen Stil versah. Er enthält den Matthäuskommentar von Hieronymus und wird durch die Stiftsbibliothek des Klosters Einsiedeln aufbewahrt.
| Codex Einsidlensis 126 | |
|---|---|
| Aufbewahrungsort | Stiftsbibliothek Einsiedeln |
| Herkunft | Kloster Disentis |
| Material | Pergament |
| Seitenzahl | 274 |
| Format | 315 × 215 mm |
| Entstehungszeit | Um 830 |
| Sprache | Latein |
Geschichte des Codex
Ursprungsort des Manuskriptes ist die Abtei in Disentis. Im Reichenauer Verbrüderungsbuch von 810 sind 164 Disentiser Mönche genannt, die zwischen 750 und 810 unter den Äbten Ursicinus und Agnellus lebten. Aus dem Skriptorium der Abtei sind nur zwei Codices aus dem neunten Jahrhundert bekannt. Beide kamen vermutlich unter Abt Thüring nach Einsiedeln.[1] Dort erhielt der Codex im 14. Jahrhundert seinen Ledereinband.[2] Schreiber war ein Mönch namens Subo, der wohl von der Lombardei über den Lukmanier in die Surselva kam. Das Verbrüderungsbuch nennt zwei Mönche mit diesem Namen.[1] Einer von ihnen kopierte um 830 diesen Codex und hinterliess sein Kolophon. Das Exlibris auf der ersten Seite belegt ebenfalls die Aufnahme in die Einsiedler Bibliothek «mindestens seit dem 17. Jahrhundert».[2]
Beschreibung des Codex
Das Manuskript umfasst 274 Seiten in einem Format von 315 × 215 Millimetern. Beschreibstoff ist schönes, teilweise festes und gut geglättetes Pergament. Die Fleischseite ist weiss bis gelblich, die Haarseite gelblich und porig. Vor der Faltung wurden die Seiten mit einem Schriftraum von 240 × 155/160 Millimetern eingerichtet. Dies erfolgte durch Rahmen und Linierung mit einem Griffel. Die Zirkellöcher sind erhalten.[2]
Der Text ist einspaltig zu 24 bis 28 Zeilen von einer Schreiberhand mit schwarzer Tinte geschrieben. Schrift ist eine feste, leicht gebrochene (nicht rätische) karolingische Minuskel. Von derselben Hand stammt das zweizeilige Kolophon auf Seite 267, gefolgt von Rankenwerk: «Svbo nomen meum libri huius grafius. qui legis memento mei | cum legeris» (Subo lautet mein Name, dieses Buches Schreiber. Leser, gedenke meiner, wenn du es gelesen hast). Von anderer Hand geschrieben, zeigt das Spiegelblatt des Rückdeckels das gleiche Kolophon, allerdings mit der Schreibung «Subo».[2] Bei der Abschrift sind Subo viele Fehler unterlaufen.[3] Zwei Federproben finden sich ebenfalls auf der letzten Seite: «Istec sponte sua prescribit denique penna. probacio penne». – «Sit tibi laus sit honor rerum mirabilis auctor».[2]
Zum Buchschmuck gehören farbig verzierte Überschriften in Minium Capitalis, kleinere rote und schwarze Majuskeln als Anfangsbuchstaben, die teilweise dem Text vorgestellt sind. Der Stil einiger grosser Zierinitialen verweist auf den rätischen Raum. Rätische Motive zeigen die Seiten 1, 6 und 70: P(lures), I(n esaia) und J(ohannes). Zahlreiche kleinere Zierinitialen sind in Minium ausgeführt. Der Text ist rubriziert.[2]
Der «Einsiedler Ledereinband» hat zwei abgekantete Holzdeckel, die mit weissem Schafleder bezogen wurden. Das Leder des Einbands wurde eingeweicht und durch Streicheisen rechteckig und diagonal mit Linien verziert. Der Einband hat drei erhabene Doppelbünde sowie oben und unten zweifarbiges, geflochtenes Kapitalband. Die beiden Leder-Metall-Schliessen wurden im 20. Jahrhundert restauriert.[2]
Inhalt
Der Codex enthält die Erklärung «Expositio in Evangelium S. Matthaei» des Kirchenvaters Hieronymus zum Evangelium nach Matthäus in vier Kapiteln:[2]
Siehe auch
- Codex Sangallensis 403, Breviarium Disertinense; Sammelhandschrift aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Literatur
- Urban Affentranger: Mittelalterliche Buchkultur im Kloster Disentis. In: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige, Band 127 (2016). S. 191–200.
- Iso Müller: Disentiser Initialkunst des 9. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Band 30 (1973). S. 101–110, Abb. 1–14.
Weblinks
- Codex 126 (218). Online-Version auf e-codices.
- Odo Lang: Einsiedeln, Stiftsbibliothek, Codex 126 (218). Beschreibung für e-codices, 2013.