Collegium Maius (Krakau)

Gebäude in Krakau in Polen From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Collegium Maius ist das älteste Gebäude der Jagiellonen-Universität in Krakau. Der Backsteingotik-Bau befindet sich am westlichen Rand der historischen Altstadt, stammt im Wesentlichen aus dem 15. Jahrhundert und beherbergt seit Mitte des 20. Jahrhunderts das Universitätsmuseum. Zudem dient er repräsentativen Zwecken wie Empfängen.[1]

Collegium Maius
Kreuzgang

Geschichte

Universität

Die Jagiellonische Universität wurde 1364 von König Kasimir III. dem Großen als erste Universität Polens gegründet. Nach seinem Tod 1370 kam die Lehrtätigkeit zum Erliegen, wurde aber vom Königspaar Hedwig von Anjou und Władysław II. Jagiełło um das Jahr 1400 wiederbelebt. Dank Hedwigs Bemühungen bei Papst Bonifatius IX. wurde das Studium generale in Krakau, das zunächst nur die sieben freien Künste, die Medizin und die Rechtswissenschaft umfasst hatte, um die prestigeträchtigste Disziplin ergänzt, nämlich die Theologie.[1]

Gebäude

Nach dem Tod Hedwigs 1399 erwarb Władysław II. im Jahr 1400 für die Universität ein Stadthaus von dem Ratsherrn Piotr Gerhardsdorf (auch Gersdorf). Von diesem Gebäude sind nur einige Mauerreste im gegenwärtigen Gebäude erhalten. Die Universität wuchs schnell und benötigte mehr Platz. Im Verlauf des 15. Jahrhunderts wurden deshalb angrenzende Gebäude gekauft und integriert und neue Bauten errichtet.[2]

Nach zwei Bränden 1462 und 1492 wurden schließlich alle Gebäude zu einem einzigen vereinigt.[2] Seit 1540 hat es eine der heutigen ähnliche Gestalt. Der Grundriss ist im Wesentlichen viereckig. Die Architektur weist Einflüsse aus dem böhmischen, italienischen und deutschen Raum auf. Insbesondere besteht Ähnlichkeit zum Prager Collegium Carolinum, von wo Professoren und Architekten nach Krakau kamen.[1]

In der Mitte des Baus befindet sich ein Innenhof mit Kreuzgang, auf dessen Dach ein Balkon verläuft, der Zugang zu den Räumen im ersten Obergeschoss bietet. Der Kreuzgang wird unterbrochen von einer Treppe vom Hof zum Balkon, der „Professorentreppe“.[2]

Im Erdgeschoss befanden sich die Unterrichtsräume (Lectoria); sie waren schlecht erleuchtet, niedrig und oft feucht. Bibliothek, Gemeinschaftsraum (Stuba communis), Schatzkammer und Theologie-Hörsaal (heute: Aula) waren im ersten Obergeschoss angesiedelt. Dort und im zweiten Obergeschoss befanden sich die Wohnräume der Professoren. Die Raumaufteilung und äußere Erscheinung des Baus blieben bis Mitte des 19. Jahrhunderts weitgehend unverändert.[2]

Bedeutende Änderungen des Erscheinungsbilds und der Verwendung erfolgten zwischen 1840 und 1870. Sie gaben dem Collegium Maius eine neugotische Erscheinung; es wurde zum Sitz der Jagiellonen-Bibliothek.[2] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf Betreiben von Karol Estreicher (dem Jüngeren) die spätgotische Gestalt der Fassaden wiederhergestellt.[1] Die Bibliothek wurde in einen 1939 errichteten Neubau verlegt.

Museum

Ab Beginn des 15. Jahrhunderts erhielt die Universität Schenkungen und Vermächtnisse von Professoren und anderen Spendern, darunter Szepter, Insignien, Juwelen, Kelche, Gemälde und wissenschaftliche Instrumente. Ab 1507 wurde ein Inventar dieser Objekte geführt. Zunächst wurden sie in einer „Raritätenkammer“ (Camera Raritatum) aufbewahrt, die sich seit Ende des 15. Jahrhunderts zwischen Stuba communis und Aula befand. Ende des 19. Jahrhunderts veranlasste Professor Józef Łepkowski (1826–1894) die Abtrennung der Sammlung von der Bibliothek. Unter Łepkowski, der die Sammlung auch stark erweiterte, diente sie sowohl den Studenten als auch einer breiteren Öffentlichkeit.[1]

Nachdem im Zweiten Weltkrieg die Besatzer aus dem nationalsozialistischen Deutschland die polnischen Kulturgüter systematisch und fast vollständig geplündert hatten, wurde unter Leitung von Karol Estreicher ab 1946 auch das Museum wieder aufgebaut. Es wurde 1964 offiziell eröffnet.[1]

Sammlung

Chopins Konzertflügel

Die Sammlung umfasst unter anderem Insignien, Gemälde, Skulpturen, historische wissenschaftliche Instrumente und Apparaturen, Uhren, Globen und Landkarten. Zu den besonders wertvollen Stücken gehören der Globus Jagellonicus – eine Armillarsphäre, deren integrierter Erdglobus einer der ältesten ist, die auch Teile Amerikas zeigen − sowie Insignien der Universitätsrektoren, darunter drei Zepter aus dem 15. Jahrhundert.[3] Zur Globensammlung gehören das einzige in Polen vorhandene Globuspaar von Gerhard Mercator aus dem 16. Jahrhundert sowie Globen der Kartographen Willem Blaeu (1571–1638) aus Amsterdam und Johann Doppelmayr (1677–1750) aus Nürnberg, zudem die ersten Globen mit polnischer Beschriftung, hergestellt von den Unternehmen Abel-Klinger (Nürnberg) und Jan Felkl (Prag) in den 1860er Jahren bzw. um die Wende zum 20. Jahrhundert.[4] Im Grünen Salon befindet sich ein Konzertflügel des französischen Herstellers Pleyel, auf dem Frédéric Chopin während seines Aufenthalts in Schottland 1847 spielte.[1]

Bilder

Einzelnachweise

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