Conrad Wahn

deutscher Architekt From Wikipedia, the free encyclopedia

Conrad Wahn, auch Konrad Wahn geschrieben, (* 12. Oktober 1851 in Niederaula; † 14. Dezember 1927 in Kornelimünster[1]) war ein deutscher Architekt und kommunaler Baubeamter.

Conrad Wahn

Conrad Wahn besuchte die Höhere Gewerbeschule Kassel und studierte dann an der Polytechnischen Schule Hannover sowie an der Polytechnischen Schule München. Im Jahr 1871 wurde er in Hannover im Atelier von Conrad Wilhelm Hase, einem der bedeutendsten Vertreter der Neugotik des 19. Jahrhunderts, angestellt. In Hases Atelier arbeitete Conrad Wahn drei Jahre lang an Entwürfen für Kirchen und Schulbauten. Der Metzer Dombaumeister und Bezirksbaumeister von Lothringen, Paul Tornow, stellte Wahn im Jahr 1875 zunächst als Assistenten für den Bezirkshochbau, ab 1876 bis 1887 als ersten Assistenten bei der Restaurierung des Metzer Doms ein. Im Jahr 1887 wurde Conrad Wahn auf Empfehlung von Louis Auguste Dujardin (Leiter der Metzer Dombauhütte) als Nachfolger des verstorbenen Metzer Stadtbaumeisters Braunwald berufen.

Während der deutschen Herrschaft im Reichsland Elsaß-Lothringen entwarf Wahn in dieser Funktion zahlreiche Profan- und Sakralbauten. Zu seinen Metzer Schulbauten gehören:

  • 1887: Sandplatzschule (heute Ecole de la Grève)
  • 1890–1891: Städtische Knabenschule im Stadtteil Saint-Eucaire (heute École élémentaire Saint-Eucaire)
  • 1902: Mädchenschule an der Ziegenstraße (Ecole Notre-Dame, Rue de la Chèvre; abgerissen 1973)
  • 1904–1907: Paixhans-Volksschule (heute École élémentaire Chanteclair-Debussy) an der Paixhans-Straße (heute Boulevard Paixhans)
  • 1907: Höhere Mädchenschule (heute Lycée Georges-de-la-Tour)
  • 1911: Oberrealschule (heute Lycée Georges de la Tour)

Hinsichtlich der Metzer Sakralbauten befasste sich Wahn von 1896 bis 1898 mit der Restaurierung der Kirche Ste-Ségolène, die tatsächlich ein annähernd vollständiger Neubau der Kirche war, einschließlich einer neogotischen Doppelturmfassade. Von 1901 bis 1904 führte Wahn unter starker Einflussnahme Kaiser Wilhelms II. die Evangelische Stadtkirche Metz aus, ein neoromanisches Gebäude in grauem Vogesensandstein auf der Île du Petit-Saulcy (Kleine Weideninsel) in der Mosel, das von stadtbildprägender Wirkung ist. Den Turm der Metzer Kirche St. Martin errichtet Wahn 1886–1887.

Von 1902 bis 1903 entwarf Wahn in Zusammenarbeit mit dem renommierten Kölner Architekten und Stadtplaner Josef Stübben auch die Pläne für das Neubauviertel zwischen der Metzer Altstadt und dem Bahnhof von Metz, das heute sogenannte Quartier Imperial (Kaiserviertel). Wahns künstlerische Handschrift findet sich in der Villa Wahn (Avenue Foch, damals Kaiser-Wilhelm-Ring) wieder, wo er im Neorenaissance-Stil arbeitete.

Nach Vorbildern aus der Frühgotik errichtete Wahn 1888–1889 die Evangelische Kirche Saint-Avold, 1891–1892 die Protestantisch-lutherische Pfarrkirche Forbach, 1896–1898 die protestantische Christuskirche in Saarburg an der oberen Saar, die Evangelische Kirche Saverne sowie die katholische Kirche St. Johannes Baptist in Kerlingen. In Spittel führte Wahn von 1882 bis 1886 eine neogotische Umgestaltung der Kirche St. Nikolaus durch. Ebenfalls in neogotischer Formensprache errichtete Wahn 1891–1893 in Niederham die katholische Pfarrkirche St. Willibrord; 1904–1907 errichtete Wahn in Algringen die neogotische Kirche St. Johannes Baptist (Église Saint-Jean-Baptiste).

Im neoromanischen Stil errichtete er die Evangelische Kirche von Saargemünd, die ihre Vorbilder in neoromanischen Kirchen in Berlin hat und die Gestaltung der evangelischen Stadtkirche von Metz vorbereitet.

Wahns Entwurf für die Martinskirche in Saaralben (die sogenannte Saar-Kathedrale / Cathédrale de la Sarre) im Jahr 1897 wurde abgelehnt, ausgeführt wurde stattdessen einige Jahre später ein Entwurf von Johann Adam Rüppel – Rüppel orientierte sich allerdings stark an Wahns neogotischer Doppelturmfassade der Metzer Segolena-Kirche.

Im Jahr 1905 wurde Conrad Wahn technischer Beigeordneter der Stadt Metz. Nach der Angliederung an Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg übersiedelte Conrad Wahn nach Deutschland.[2]

Literatur

  • Niels Wilcken: Architektur im Grenzraum. Das öffentliche Bauwesen in Elsaß-Lothringen (1871–1918). (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 38.) Saarbrücken 2000, ISBN 3-923877-38-2, S. 367–368.

Einzelnachweise

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