Cornelis Easton
niederländischer Journalist und Amateurastronom
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Cornelis Easton (geboren 10. September 1864 in Dordrecht, Niederlande; gestorben 3. Juni 1929 in Den Haag, Niederlande) war ein niederländischer Journalist und Amateurastronom, der bedeutende Beiträge vor allem zur Astronomie, aber auch zur Historischen Klimatologie leistete.

Leben und journalistische Laufbahn
Easton wurde am 10. September 1864 in Dordrecht geboren.[1] Sein Vater war Kapitän einer niederländischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft.[2]
Easton schloss 1881 die Hogereburgerschool (HBS) ab. Seine Eltern – sein Vater starb 1872, seine Mutter 1881 – hatten ihm ein Vermögen hinterlassen, aus dem er bis 1886 seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Nach Ende seiner Zeit an der HBS nahm Easton Privatstunden in Latein und Griechisch. Im Jahr 1882 ging Easton nach Delft an die Indische Instelling, um dort an einem Ausbildungsprogramm teilzunehmen, das auf die Tätigkeit als Zivilangestellter in Ostindien vorbereitete. Er brach jedoch 1884 die Ausbildung ab und verlegte sich auf das Studium der französischen Sprache, nebenher gab er Privatunterricht in Französisch. 1886 erwarb er die Berechtigung zur Französischlehre im niederländischen sekundären Bildungsbereich.[3]
Im Jahr 1888, zurück in Dordrecht, begann Easton als Korrespondent für die Nieuwe Rotterdamsche Courant zu arbeiten. Im Jahr 1891 wurde er zum Redakteur des Dordrecht Courant. Im April 1895 verließ Easton Dordrecht und wurde Redakteur des Nieuwe Rotterdamsche Courant. 1906 wurde er Chefredakteur der Amsterdamer Nieuws van den Dag, bis die Zeitung im Mai 1923 eingestellt wurde. Easton ging nach Scheveningen, Den Haag, wo er begann für die Haagsche Post zu schreiben, und wurde 1924 Mitbegründer und Redakteur des Monatsmagazins Haagesche Maandblad.[2][3][4] Seine journalistische und redaktionelle Arbeit genoss unter Kollegen hohes Ansehen.[3] Easton wurde zum Mitglied der Maatschappij der Nederlandse Letterkunde (dt. Gesellschaft für niederländische Literatur) ernannt.[2]
Easton heiratete 1891. Das Paar hatte zwei Kinder.[2][4] Kurz vor dem geplanten Beginn seines Ruhestandes verstarb Easton am 3. Juni 1929 nach längerer Krankheit.[3][4]
Neben seiner journalistischen Tätigkeit verfolgte Easton zeitlebens wissenschaftliche Arbeiten und leistete wichtige Beiträge besonders zur Astronomie, aber auch zur Meteorologie und Geographie.[4] Mit zahlreichen populärwissenschaftliche Artikeln und Vorträgen brachte Easton die Astronomie und auch die Meteorologie einer breiteren Öffentlichkeit nahe.[2][4] Viele seiner populärwissenschaftlichen Artikel erschienen in dem an ernsthafte Amateurastronomen und -meteorologen gerichteten Magazin Hemel en dampkring (heute: Zenit), dessen Chefredakteur er 1922 wurde und das er vor dem Ruin rettete.[2]
Astronomie
Im April 1874 wurde der Komet Coggia entdeckt und konnte ab Juni mit bloßem Auge beobachtet werden. Diese Himmelserscheinung weckte das Interesse des damals neunjährigen Easton an der Astronomie. Er begeisterte sich für den Roman Von der Erde zum Mond von Jules Verne und L’astronomie Populaire von Camille Flammarion. Mit 17 hatte Easton erste Zeichnungen der Helligkeitsverteilung der Milchstraße angefertigt, diese Zeichnungen verfeinerte und ergänzte er bis 1887.[2]
Der in Leiden tätige Astronom Hendricus Gerardus van de Sande Bakhuyzen zeigte sich beeindruckt von Eastons Zeichnungen. Der zu der Zeit ebenfalls an der Universität Leiden angestellte Astronom Anton Pannekoek riet Easton, seine Arbeit zu veröffentlichen.[2] So erschien 1893 sein erstes Werk, A Voie Lacteé dans l’hemispheère boréal , das sich mit der Helligkeitsverteilung der nördlichen Milchstraße befasste, in bis dahin nicht erreichter Qualität Karten der Milchstraße enthielt und in der professionellen Astronomie wohlwollende Aufnahme fand.[5][6] Der niederländische Astronom Pieter C. van der Kruit bezeichnet diese Arbeit als Meilenstein.[3]

Es folgten weitere Artikel, die sich mit der Verteilung der Sterne in der Milchstraße beschäftigten. Er war wahrscheinlich der erste, der die Spiralstruktur unserer Galaxie mit einem vom Sonnensystem weit entfernten Zentrum vorschlug. Bereits 1888 hatte er ein Manuskript zu seiner Hypothese verfasst, entschloss sich jedoch, es erst nach seinem Voie Lacteé fertigzustellen. Easton nahm an, dass in Richtung des von der Erde aus gesehen hellsten Bereichs der Milchstraße deren Zentrum liegen muss – er verortete es im Sternbild des Schwan. Anhand der Helligkeitsverteilung entwarf er ein Bild der Galaxis mit Spiralarmen, das er zuerst 1900 (A New Theory of the Milky Way) und in einer verfeinerten Fassung 1913 veröffentlichte.[7][3] Die Bonner Durchmusterung integrierte Easton in seine hypothetische Struktur der Milchstraße.[6]
Später zeigte u. a. Jan Hendrik Oort, dass Eastons Mutmaßung über das Milchstraßenzentrum nicht richtig war, weil er nur den von der nördlichen Hemisphäre aus sichtbaren Teil der Milchstraße beachtet hatte, tatsächlich befindet sich das Zentrum im Sternbild des Schützen, der nur von der südlichen Hemisphäre aus gut sichtbar ist. Sein Ansatz, aus der Helligkeitsverteilung auf die Struktur der Galaxis zu schließen, war auch wegen der interstellaren Dunkelwolken unzureichend.[7]
Easton arbeitete eng mit dem bekannten Astronomen Jacobus Cornelius Kapteyn, Universität Groningen, zusammen, der seine Arbeit sehr schätzte. 1903 erhielt Easton auf Betreiben von Kapteyn die Ehrendoktorwürde der Universität Groningen.[6]
1921 wurde Easton Vorsitzender der Königlich-Niederländischen Vereinigung für Wetter- und Sternenkunden (Koninklijke Nederlandse Vereniging voor Weer- en Sterrenkunde, KNVWS).[2]
Meteorologie und Klimatologie
Easton befasste sich auch mit Meteorologie. 1923 wurde er Mitglied im Aufsichtsrat des Niederländischen Meteorologischen Instituts. Easton suchte nach Periodizitäten des Klimas.[5][6] Er wies anhand narrativer Quellen den Wintern 1205–1916 einen Indexwert auf einer zehnstufigen Skala zu, je nach ihrer Schwere. Anhand dieser Indexwerte versuchte er, regelmäßige Schwankungen im westeuropäischen Winterklima zu finden. Seine Arbeit veröffentlichte er 1928 unter dem Titel „Les hivers dans l'Europe occidentale“ („Die Winter im westlichen Europa“). Easton war wohl der erste, der auf dem Gebiet der Historischen Klimatologie einen Klimaindex entwickelte und damit Klimaschwankungen der Vergangenheit zu rekonstruieren versuchte.[8]
Schriften (Auswahl)
- La Voie lactée dans l'hemisphère boréal. Gauthier Villars, Dordrecht, Blussé, Paris 1893 (handle.net).
- A New Theory of the Milky Way. In: Astrophysical Journal. Band 12, 2. September 1900 (harvard.edu [PDF]).
- A Photographic Chart of the Milky Way and the Spiral Theory of the Galactic System. In: Astrophysical Journal. Band 27, 2. März 1913 (harvard.edu [PDF]).
- Les hivers dans l'Europe occidentale. E. J. Brill, Leyde 1928 (bnf.fr).
Literatur
- Pieter C. van der Kruit: Cornelis Easton: The Milky Way as a Spiral Galaxy. In: Journal of Astronomical History and Heritage. Band 28, Nr. 4, Dezember 2025, doi:10.3724/SP.J.1440-2807.2026.01.01 (open access).
Weblinks
- Literatur von und über Cornelis Easton im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eastons Notizbuch über seine astronomischen Arbeiten, mit einer Übersetzung ins Englische durch den niederländischen Astronomen Pieter C. van der Kruit