Harald Lesch

deutscher Astrophysiker, Professor, Naturphilosoph, Wissenschaftsjournalist, Fernsehmoderator und Hörbuchsprecher From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben und Wirken

Kindheit und Ausbildung

Lesch wuchs als Sohn einer Gastwirtsfamilie im Ortsteil Nieder-Ohmen der Gemeinde Mücke in Hessen auf.[1][2] Sein Vater war Starkstromelektriker.[3] Als Schüler benötigte Lesch Förderunterricht im Fach Mathematik,[4] bis er in der Oberstufe nach einem Fahrradunfall einen Riss der Schädeldecke erlitt. Während des mehrwöchigen Krankenhausaufenthalts begann er darüber nachzudenken, wie faul er bis dahin gewesen sei, und entschloss sich, für die Abiturprüfung mehr zu lernen.[5][6] Andere Darstellungen, wonach er seit dem Unfall „mathematisch hochbegabt“ sei,[4] wies er zurück.[5][6]

Nach seinem Abitur 1978 an der Theo-Koch-Schule in Grünberg[7] studierte Lesch Physik und als Nebenfach Philosophie zunächst an der Justus-Liebig-Universität Gießen, dann an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo er 1984 sein Diplomstudium mit einer Arbeit zum Thema Solar Wind Interaction with the Interstellar Medium (deutsch „Wechselwirkung des Sonnenwindes mit dem interstellaren Medium“) abschloss. Dort wurde er auch 1987 mit einer am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) angefertigten Dissertation über Nichtlineare Plasmaprozesse in aktiven galaktischen Kernen zum Dr. rer. nat. promoviert.[8] Zwischen 1988 und 1991 war Lesch Forschungsassistent an der Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl. Von 1991 bis 1995 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am MPIfR in Bonn. 1992 war Lesch Gastprofessor an der University of Toronto. 1994 habilitierte er sich an der Universität Bonn mit einer Schrift zum Thema Galactic Dynamics and Magnetic Fields (deutsch „Galaktische Dynamik und Magnetfelder“).

Lehre und Forschung

Bei einem Vortrag, an der Tafel sein Spitzname Harry (2010)

Seit 1995 ist Lesch Professor für Astrophysik am Lehrstuhl für Astronomie und Astrophysik – Beobachtende und Experimentelle Astronomie an der Universitätssternwarte der Ludwig-Maximilians-Universität München.[9] Zudem unterrichtet er Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München.[10] Seine Hauptforschungsgebiete sind kosmische Plasmaphysik, Schwarze Löcher und Neutronensterne.

Lesch ist Fachgutachter für Astrophysik der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Mitglied der Astronomischen Gesellschaft. Er verfasste zahlreiche Sachbücher und hatte 2022 laut Scopus einen h-Index von 27.[11]

Zusammen mit unter anderem Josef M. Gaßner, Andreas Müller, Hartmut Zohm betreibt Lesch den YouTube-Kanal Urknall, Weltall und das Leben.[12]

Harald Lesch bei einem Vortrag „Wie das Licht in die Welt kommt“ in Jena (2015)

Fernsehauftritte

Bekannt ist Lesch vor allem durch seine Fernsehauftritte, zunächst als Moderator der von 1998 bis 2007 ausgestrahlten Sendereihe alpha-Centauri. Daraus entwickelte sich seine Medienpräsenz im Fernsehen und im Radio. Im Rahmen von Vorträgen oder im Zwiegespräch mit einem Gesprächspartner bringt er dabei dem Publikum komplexe wissenschaftliche und philosophische Sachverhalte nahe.

Lesch nahm 1994 zusammen mit Ranga Yogeshwar, Illobrand von Ludwiger und Heinz Rohde an der von Peter Gatter moderierten Live-Talkrunde UFOs: Gibt es sie wirklich? der ARD in Hamburg teil. Auslöser der Diskussion war Rohdes umstrittener Dokumentarfilm UFOs … und es gibt sie doch!. In der Fortsetzung Von UFOs entführt? – Begegnungen der vierten Art aus dem Jahr 1996 ist Lesch als Professor der Universitäts-Sternwarte München zu sehen.

BR-alpha

Zu Anfang seiner Medienlaufbahn war Lesch beim Sender BR-alpha tätig, zunächst mit alpha-Centauri (1998–2007), worin er Themen aus dem Bereich der Astrophysik behandelte. Später kamen weitere Produktionen hinzu: in Lesch & Co. (2001–2006) und Denker des Abendlandes (ab 2005) unterhielt er sich mit dem befreundeten Philosophieprofessor Wilhelm Vossenkuhl über philosophische Themen. In Alpha bis Omega (2003–2008) behandelte er im Gespräch mit dem katholischen Theologen Thomas Schwartz Themen im Bereich zwischen Religion und Naturwissenschaften.

Anlässlich des Einsteinjahres 2005 strahlte BR-alpha die achtteilige Reihe Die Physik Albert Einsteins aus. In jeder Folge stellte Lesch eine einzelne wissenschaftliche Erkenntnis von Albert Einstein vor und legte diese in ihrer Bedeutung dar. Ab August 2007 strahlte BR-alpha wöchentlich die 16-teilige Sendung Die 4 Elemente aus, die sich mit der Beschaffenheit der Welt auseinandersetzte und neben dem naturwissenschaftlichen auch den kulturhistorischen Aspekt behandelte. BR-alpha startete 2007 die Serie LeschZug, in der Lesch während der Fahrt in der Münchener U-Bahn seine Meinung zu jeweils einem aktuellen Thema kundtun sollte. Es wurde jedoch nur eine einzige Folge produziert, in dieser sprach er über die Herausforderung des Klimawandels.

SciFi

Für den Pay-TV-Spartenkanal SciFi differenzierte Lesch 2006 in der Vortragsserie Star Trek – Science vs. Fiction mit 15 Folgen wissenschaftlich fundierte und fiktive Bestandteile von Star Trek. Von April bis Ende 2007 moderierte Lesch für den Sender wöchentlich die 5-minütige Sendung sci xpert – Leschs Universum, die sich mit Zuschauerfragen über die Realisierbarkeit von Science-Fiction-Konzepten befasste (etwa: Wie realistisch sind die großen Raumschiffe aus Independence Day?), aber auch rein wissenschaftliche Themen betrafen (z. B. Was ist Gravitation?), die in der Tradition von alpha-Centauri behandelt wurden. Insgesamt entstanden 35 Folgen.

ZDF und ZDFneo

Ab September 2008 übernahm Lesch als Nachfolger von Joachim Bublath die Moderation der ZDF-Sendung Abenteuer Forschung. Für die Folge Drillen oder Chillen? Der Weg zum Superkind erhielt er 2012 den Bayerischen Fernsehpreis. Die Reihe wurde 2014 in Leschs Kosmos umbenannt (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Vorgänger der Serie Frag den Lesch auf ZDFneo).

Zum Start des Internationalen Jahres der Astronomie 2009 moderierte Lesch im ZDF die zweieinhalbstündige Sondersendung Wie das Licht in die Welt kam: die Lange Nacht mit Harald Lesch, in der er – zwischen eingespielten dokumentarischen Filmen – Gespräche mit dem Kabarettisten Christoph Süß, dem Physiker Günther Hasinger und dem Theologen Thomas Schwartz führte.

Seit 2009 führt Lesch – ebenfalls als Nachfolger von Joachim Bublath – durch die Terra-X-Reihe Faszination Universum im ZDF. 2017 präsentierte er die dreiteilige Terra-X-Reihe Der große Anfang. 500 Jahre Reformation. Im Jahr darauf führte er durch die zweiteilige Terra-X-Reihe Ungelöste Fälle der Archäologie.

Von 2010 bis 2017 moderierte Lesch auf ZDFneo die viertelstündige Sendung Leschs Kosmos, die 2013 mit Beginn der zweiten Staffel in Frag den Lesch umbenannt wurde. Dieser Reihe entsprang 2016 der Video-Kanal Terra X Lesch & Co bei YouTube.[13][14]

Nachdem sich Lesch 2016 mit Aussagen aus dem Wahlprogramm der Partei Alternative für Deutschland (AfD), die die menschengemachte globale Erwärmung leugnen, auseinandergesetzt und diese widerlegt hatte, schrieben ihm AfD-Anhänger Hassmails und beschwerten sich bei der Ludwig-Maximilians-Universität München, an der Lesch als Professor lehrt. Besonders stark attackierten ihn Vertreter von EIKE, einem Verein zur Klimawandelleugnung und zum Kampf gegen Klimaschutz. Lesch reagierte mit einer Terra-X-Folge über die Psychologie des Hasses, in der er die Motivation hinter solchen Angriffen ergründete.[15][16]

In einem Beitrag für die Terra-X-Reihe kritisierte Lesch 2019 mit Lithium-Ionen-Akkumulatoren betriebene Elektroautos wegen der damit verbundenen Anforderungen an das Stromnetz und einer angeblich schlechten Ökobilanz und forderte eine gleichberechtigte Berücksichtigung der Brennstoffzellen-Technologie.[17] 2022 korrigierte er seine Haltung: der Strombedarf stelle kein Problem dar und aufgrund der auf den ganzen Lebenszyklus gesehenen guten CO2-Bilanz seien Elektroautos rein physikalisch die besten.[18]

Weiteres

Seit 2014 engagiert sich Harald Lesch zudem im Beirat der Heraeus Bildungsstiftung. Seit Oktober 2015 ist er Mitglied des Bayerischen Klimarats.

2023 kritisierte Harald Lesch das behördliche Vorgehen gegen Klimaaktivisten des Zusammenschlusses Letzte Generation mehrfach als ungerechtfertigt und überzogen. Er nahm auch selbst an Demonstrationen teil.[19][20][21]

Privates

Harald Lesch ist seit August 2020 mit der promovierten Astronomin Cecilia Scorza-Lesch (* 1961 in Hamburg) verheiratet.[22] Er hat einen erwachsenen Sohn aus erster Ehe, der als Ingenieur für erneuerbare Energien tätig ist.[23][24]

Lesch ist nach eigener Aussage „vom Scheitel bis zur Sohle Protestant“.[25][26] Naturwissenschaft und Religion seien für ihn kein Widerspruch: „Die Welt muss mehr sein als Messbares“.[27] Auf Nachfrage in der Talkshow Johannes B. Kerner, ob Lesch an einen Gott glaube, antwortete er: „Ja, ich persönlich bin sehr davon überzeugt, dass das Universum durchsetzt ist von einem schöpferischen Prinzip.“[28] In einem Interview präzisierte er, dass er an einen persönlichen Gott glaube.[29]

Ehrungen

Harald Lesch bei der Auszeichnung mit dem Deutschen Fernsehpreis (2018)

Schriften

Sonstiges:

  • Nichtlineare Plasmaprozesse in aktiven galaktischen Kernen. Dissertation, Universität Bonn, 1987, DNB 880719311.
  • Galaktische Dynamik und Magnetfelder. Habilitationsschrift, Universität Bonn, 1994.
  • Sonne. 20 Gedichte aus fünf Kontinenten. Naturwissenschaftliche Einführung und astronomische Formeln von Harald Lesch. Handsatz auf Velin d’Arches Bütten 160 g/m² und Gmund Color 100 g/m², 70 nummerierte und signierte Exemplare, GaragenDruck München. (Keine ISBN und nicht in DNB)

Literatur

Commons: Harald Lesch – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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