Corsia
Gattung der Familie Corsiaceae
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Corsia ist eine nur wenig erforschte Pflanzengattung aus der Familie der Corsiaceae. Sie umfasst 10 Arten, die sämtlich blattgrünlos sind und zu ihrer Ernährung Pilze parasitieren. Fast alle Arten sind endemisch auf Neuguinea.
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Corsia ornata in situ | ||||||||||||
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| Becc. |
Merkmale
In ihrem Erscheinungsbild sind die Arten bis auf die Blüten weitgehend einheitlich. Chromosomenzahlen sind nur von den zwei Arten Corsia unguiculata und Corsia clypeata bekannt; für beide gilt 2n=18.[1][2]
Habitus
Corsia leben weitgehend unterirdisch, nur der selten ausgebildete Blütenstängel wächst oberirdisch. Das kurze, kriechende und mit reduzierten, weißlichen, breit eiförmigen und spitz zulaufenden scheidigen Nebenblättern besetzte Rhizom ist weiß bis gelblich; das feine, fadenförmige und unbehaarte Wurzelwerk ist ebenfalls weißlich, nur schwach verzweigt und wächst weit ausgedehnt in alle Richtungen, jedoch stets oberflächennah. Aus dem Rhizom sprießen mehrere unbehaarte, unverzweigt und aufrecht wachsende Blütenstängel, meist rötlich überhaucht und im Querschnitt rund, die zwischen 10 und 28 Zentimeter hoch werden, das Xylem ist verholzend und nicht perforiert.

Blätter
Das gleichmäßig über den Stängel verteilte Blattwerk ist auf drei bis sieben breit eiförmige und spitz zulaufende, drei- bis fünfnervige Nebenblätter reduziert, die des Rhizoms sind dabei weniger entwickelt als die rötlichen Nebenblätter am Blütenstängel. Entlang des Stängels wachsen die Nebenblätter wechselständig, an dessen Ansatz dicht spiralförmig. Sie umfassen den Stängel fast vollständig.

Blüten
Der Wuchs der Corsia-Blüten scheint durch ein klimatisches Wechselspiel von Regen und Trockenheit ausgelöst zu werden, zumeist einer längeren Regenperiode, gefolgt von einigen Tagen Trockenheit. Die zygomorphen und dreizähligen, nickenden Einzelblüten sind endständig. Sie sind blassrot bis braunrot gefärbt, gelegentlich in Kombination mit blassgelb, selten bräunlich-grün.
Die sechs Perigonblätter sind, mit Ausnahme des obersten Blütenblatts, des Labellums, von annähernd gleicher Gestalt und Größe.
Das Labellum ist morphologisch das mediane äußere Blütenblatt (Tepal). Es ist im Vergleich zu den anderen Blütenblättern stark vergrößert und umschließt im Blütenknospenstadium die restliche Blüte. Das Labellum ist sitzend oder unguiculat. Es ist kahl und frei von jedem Indumentum (Haare oder Schuppen). Einzelne Bereiche des Labellums können mit Papillen besetzt sein. Das Labellum steht aufrecht, nickend oder weist nach unten. Die Nerven verlaufen parallel und entspringen hauptsächlich unteren Hälfte des Labellums. Der Spitze zu können sie sich auch verzweigen. An der Basis ist das Labellum zu einem sogenannten Kallus („basaler Kallus“) verdickt. Die Form des Kallus variiert zwischen den Arten: in der Nähe des Kallus kann es sekundäre Kalli geben, und es kann dicht mit Papillen besetzt sein.[2]
Die seitlichen Blütenblätter lind linealisch bis ovat-zugespitzt, besitzen 1 bis 5 (selten bis 7) Nerven. Sie sind kahl, manchmal schwach entlang des Randes mit Papillen besetzt.[2]

Die sechs seitlich vom kurzen, zylindrischen Griffel abgehenden Staubblätter der zwittrigen Blüten sind am Ansatz miteinander und dem Griffel zu einem Gynostemium verwachsen und bei der voll erblühten Blüte nach außen gebogen. Das Gynostemium ist meist zwischen 0,5 und 1 Millimeter lang, gelegentlich bis 1,5 Millimeter (bei Corsia lamellata 2 bis 4 Millimeter). Die 0,5 bis 1,5 Millimeter langen, oftmals gelben Staubbeutel bestehen aus zwei Abteilungen und öffnen sich entlang eines länglichen Einschnitts, die knopfförmigen Narben sind unverwachsen. Die Blüten sind vollständig protandrisch, indem die über 0,5 bis 1,5 Millimeter Länge freien Staubblätter während der vollständigen Ausbildung der Narben abgestoßen werden.
Der lang-spindelförmige Fruchtknoten ist unterständig. Aufgrund der weit in den Fruchtknoten hineinragenden und streckenweise miteinander verwachsenen Placenten ist er abwechselnd einfächrig und dreifächrig.

Früchte und Samen
Nach der Bestäubung (möglicherweise durch Fliegen) verlängern sich die Blütenstiele und eine gelbliche bis braune, bis zu 3,5 Zentimeter lange, schlank zylindrische Kapselfrucht bildet sich. Reif öffnet sie sich entlang dreier länglicher Spalte, die Klappen rollen sich bis zum Ansatz auf und geben so die Placenten frei, an denen die zahlreichen gestielten Samen hängen. Die feilspanförmigen Samen sind zwischen 1 und 3,2 Millimeter lang, rund 0,3 Millimeter dick und hell- bis dunkelbraun. Die Samenschale umschließt das Endosperm fest, ihre Oberfläche ist fein länglich gerillt.[3] Obgleich das Habitat vergleichsweise windstill ist, wird von einer Verbreitung der Samen durch den Wind ausgegangen (Anemochorie).[4]
Ökologie

Über viele Aspekte ihrer Ökologie ist wenig bis nichts bekannt, so insbesondere über ihre Phänologie, Bestäubungsbiologie und ihre Mykorrhiza-Verbindungen.[2]
Verbreitung
Die Gattung Corsia hat ihr Diversitätszentrum in Neuguinea, das Areal reicht jedoch bis zu den Salomonen (östlich bis Guadalcanal) und nach Australien (Nordosten von Queensland).[2]
Standorte
Corsia wachsen in feuchten, moosigen Wäldern aus Buchen- und Scheinbuchengewächsen[5] zwischen dem Bodenlaub. Sie kommen in der oberen montanen Stufe in Seehöhen zwischen 400 und 2500 m vor.[2] Sie besiedeln lichtarme, unzugängliche, tiefbödige Standorte mit humosen Böden bei hoher Luftfeuchtigkeit in dichter Vegetation.[5]
Corsia traten bei den wenigen Sichtungen vergesellschaftet mit anderen myko-heterotrophen Pflanzen wie Burmannia, Sciaphila und Cotylanthera tenuis auf.[5]
Myko-Heterotrophie
Alle Arten der Gattung haben die Photosynthese aufgegeben und bilden dementsprechend kein Chlorophyll mehr. Es wird angenommen, dass sie stattdessen myko-heterotroph von arbuskulären Mykorrhizapilzen leben, also zur Ernährung vollständig von den Pilzen abhängig sind. Bei der Gattung Corsia fehlen dazu jedoch bislang experimentelle Nachweise.[2]
Corsia werden gelegentlich als Epiparasiten bezeichnet, der Begriff ist jedoch unzutreffend: Alle mykoheterotrophen Pflanzen und mit ihnen die Corsia sind – soweit bekannt – quasi Parasiten am Pilz: Die in die Wurzelzellen der Corsia einwachsenden Hyphen des Pilzes werden nach und nach abgetötet, durch Enzyme verdaut und die Nährstoffe im Wurzelgewebe eingelagert.[6]
Über die beteiligten Wirtsarten ist ebenso wenig bekannt wie über die Frage, ob Corsia-Arten wirtsspezifisch sind oder nicht.[2]
Status und Gefährdung
In ihrem Verbreitungsgebiet in Neuguinea ist die Gattung nicht nachweislich selten, viele der Arten sind jedoch lokal endemisch, van Royen schrieb: „Almost every mountain range seems to have its own species; […]“ („Fast jeder Gebirgszug scheint seine eigene Art zu haben, […]“).[5]
Aufgrund ihrer zurückgezogenen Lebensweise und der teilweisen Unzugänglichkeit ihrer Habitate lassen sich derzeit keine gesicherten Bestandszahlen für die Arten der Gattung angeben. Es ist jedoch anzunehmen, dass die massive Abholzung der Regenwälder zumindest lokale Endemiten in ihrem Bestand gefährden kann, allein im indonesisch kontrollierten Westteil der Insel (Größe: 422.000 km²) sind für 130.000 km² Holzeinschlagskonzessionen vergeben worden, weitere große Bereiche sind als Nutzungsgebiet ausgewiesen.[7]
Entsprechend der Gattungsrevision von 2026 sind einige Arten weiter verbreitet als bislang angenommen. Dies hat Auswirkungen auf den Gefährdungsgrad der einzelnen Arten und damit auch auf die Priorisierung von Schutzmaßnahmen.[2]
Botanische Geschichte
Die Erstbeschreibung der Gattung erfolgte 1877 durch Beccari anhand der 1875 von ihm selbst am Mount Morait/Vogelkop gesammelten Art Corsia ornata. Der Gattungsname ehrt den damaligen Leiter des Botanischen Gartens der Villa Corsi Salviati in Florenz, den Marchese Bardo Corsi Salviati (1844–1907).[8]
1905 beschrieb Friedrich Richard Rudolf Schlechter in den „Nachträgen zur Flora der deutschen Schutzgebiete in der Südsee“ zwei weitere Arten der Gattung (Corsia torricellensis, Corsia unguiculata) und trennte zugleich (wie bereits 1877 von Beccari für möglich gehalten) die Familie der Corsiaceae von den Burmanniaceae ab, zu denen Hooker und Bentham sie 1883 noch gestellt hatten.[9] 1912 folgten erneut zwei Erstbeschreibungen durch Rudolf Schlechter[10] und zwei weitere 1946 durch Louis Otho Williams.
Die bedeutendsten Beiträge zur Kenntnis der Gattung stellen Pieter van Royens monografische Arbeit Corsiaceae of New Guinea and surrounding areas von 1972, in der er 14 weitere Arten neu beschrieb und die Unterteilung der Gattung in die beiden Sektionen Sessilis und Unguiculatis vornahm, sowie Traudel Rübsamens Dissertation Morphologische, embryologische und systematische Untersuchungen an Burmanniaceae und Corsiaceae (Mit Ausblick auf die Orchidaceae-Apostasioidae) von 1986 dar.
1998 wurde durch Wayne N. Takeuchi und John J. Pipoly III die Varietät Corsia purpurata var. wiakabui erstbeschrieben. Zehn Jahre später wurde sie durch D.L. Jones und B. Gray in den Rang einer Art gestellt, zugleich beschrieben die Autoren die neue Art Corsia dispar.[11]
Die Gattung ist insgesamt nur wenig erforscht. Die Mehrheit aller Arten ist nur von ein oder zwei Aufsammlungen bekannt, dies und der für die Gattung typische lokale Endemismus sowie ihre verborgene Lebensweise erlauben die Vermutung, dass noch weitere, bisher unbekannte Taxa existieren. Mindestens ein Exemplar ist derzeit noch unbeschrieben (Corsia spec. I, Clemens 7879), es wird im Herbarium des BGBM Berlin aufbewahrt.[12]
2026 wurde eine Revision der Gattung veröffentlicht, die erste seit van Royen 1972. Sie konnte sich auf rund 150 Herbarexemplare stützen im Vergleich zu 45 Exemplaren bei van Royen 1972. Dabei wurde die Anzahl der Arten von 25 auf zehn reduziert.[2]
Systematik
Die Gattung wird in zwei Sektionen geteilt und umfasst seit der Gattungsrevision von 2026 zehn anstatt bis dahin 25 Arten:[2]
Sektion Corsia (vormals Sessilis P.Royen)
Die Sektion Corsia ist durch ein sitzendes Labellum gekennzeichnet, das aufrecht steht. Der erhabene basale Kallus des Labellums ist halbkreisförmig, dreieckig, obrhombisch oder schmalelliptisch. Die seitlichen Blütenblätter sind linealisch bis schmallanzettlich.[2]
- Corsia clypeata P.Royen (einschließlich Corsia haianjensis P.Royen, Corsia resiensis P.Royen, Corsia boridiensis P.Royen)
- Corsia cordata Schltr. (einschließlich Corsia brassii P.Royen, Corsia papuana P.Royen)
- Corsia lamellata Schltr.
- Corsia merimantaensis P.Royen (einschließlich Corsia huonensis P.Royen)
- Corsia ornata Becc. (einschließlich Corsia arfakensis Gibbs, Corsia cyclopensis P.Royen)
- Corsia torricellensis Schltr. (einschließlich Corsia pyramidata P.Royen und Corsia wubungu P.Royen)
Als unvollständig bekannt führen Hatt und Lamei folgende Art:
- Corsia crenata J.J.Sm.
Sektion Unguiculatae P.Royen
Die Sektion Unguiculatae ist durch ein unguiculates (mit klauenartigem Grund) Labellum gekennzeichnet, das nickend oder nach unten weisend hängt, bedingt durch einen gekrümmten Fruchtknoten. Der erhabene basale Kallus des Labellums ist eine lamellenartige, zahnähnliche Erhebung. Die seitlichen Blütenblätter sind ovat-zugespitzt bis elliptisch.[2]
- Corsia acuminata L.O.Williams
- Corsia dispar D.L.Jones & B.Gray
- Corsia mantarayoides S.Hatt
- Corsia unguiculata Schltr. (einschließlich Corsia cornuta P.Royen, Corsia purpurata L.O.Williams, Corsia viridopurpurea P.Royen, Corsia wiakabui (W.N.Takeuchi & Pipoly) D.L.Jones & B.Gray, Corsia triceratops P.Royen)