Creep (2014)
Film von Patrick Brice (2014)
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Creep (engl. für eine „unheimliche Person“) ist eine US-amerikanische Found-Footage-Horrorkomödie und das Regiedebüt von Patrick Brice, der gemeinsam mit seinem Freund Mark Duplass auch das Drehbuch schrieb. In der Hauptrolle verkörpert Duplass den titelgebenden „Creep“ Josef, der den von Brice gespielten Kameramann Aaron für einen skurrilen Videodreh anwirbt und später stalked. Der Independent-Film feierte am 8. März 2014 auf dem South by Southwest Festival seine Premiere und wurde international am 14. Juli 2015 ins Programm von Netflix aufgenommen. Dort wurde Creep zu einem Überraschungserfolg, erhielt überaus positive Kritiken und zog 2017 die Fortsetzung Creep 2 nach sich.
| Film | |
| Titel | Creep |
|---|---|
| Produktionsland | Vereinigte Staaten |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 2014 |
| Länge | 77 Minuten |
| Altersempfehlung | ab 16[1] |
| Stab | |
| Regie | Patrick Brice |
| Drehbuch | Patrick Brice, Mark Duplass |
| Produktion | Mark Duplass, Jason Blum |
| Musik | Kyle Field, Eric Andrew Kuhn |
| Kamera | Patrick Brice |
| Schnitt | Christopher Donlon |
| Besetzung | |
| |
| Chronologie | |
Creep 2 → | |
Handlung
Der sich in einer finanziellen Notlage befindliche Kameramann Aaron akzeptiert ein anonymes Online-Jobangebot und fährt zu einer abgelegenen Waldhütte in der kalifornischen Siedlung Crestline. Dort trifft er auf seinen Auftraggeber Josef, der von sich selbst behauptet, einen inoperablen Hirntumor zu haben und innerhalb der nächsten drei Monate zu sterben. Aaron soll Josef einen Tag lang mit der Kamera begleiten und so ein ungeschöntes Videotagebuch für dessen ungeborenen Sohn „Buddy“ erstellen. Von Beginn an lässt Josef jedwede Distanz gegenüber Aaron vermissen, bezeichnet ihn als „Freund“, sucht seine körperliche Nähe und möchte selbst in der Badewanne gefilmt werden.
Bei einem Ausflug zu einer herzförmigen Wasserquelle im nahegelegenen Waldgebiet, von der sich Josef Heilung verspricht, macht er sich einen Spaß daraus, Aaron zu erschrecken. Auch seine geäußerten Suizidgedanken sowie Nachfragen, ob Aaron Angst gehabt hätte, mit einer Axt aus der Hütte getötet zu werden, verunsichern den Kameramann zunehmend. Als Josef ihm später offenbart, heimlich Fotos von ihm gemacht zu haben, vergibt ihm Aaron zwar, möchte am Abend nach Abschluss des Drehs aber schnellstmöglich die Szenerie verlassen.
Josef überzeugt Aaron, noch auf einen Drink hereinzukommen, und gesteht ihm dort, seine Frau Angela vergewaltigt zu haben. Entsetzt möchte Aaron gehen, kann seine Autoschlüssel allerdings nicht finden. Er verdächtigt Josef, betäubt ihn mit Diphenhydramin und nimmt einen Anruf von Angela auf dessen Handy entgegen. Wie sich herausstellt, handelt es sich dabei um Josefs Schwester, die Aaron zur sofortigen Flucht rät, da ihr Bruder Probleme habe. Als er Josef mit der Wahrheit konfrontiert, hindert dieser ihn gewaltsam am Gehen, doch Aaron kann entkommen.
Auch einige Zeit später noch wird Aaron von Träumen über Josef geplagt. Als er in seiner Post zunächst ein Video findet, in dem Josef im Wald ein Loch aushebt und Müllsäcke verscharrt, und später einen herzförmigen Freundschaftsanhänger mit Bildern der beiden zugeschickt bekommt, kontaktiert Aaron die Polizei. Da die Waldhütte allerdings nur angemietet war und er Josefs Nachnamen nicht kennt, zeigen sich die Behörden handlungsunfähig. Auf einem letzten Video, das Josef in der Nacht persönlich vorbeigebracht zu haben scheint, entschuldigt sich dieser für sein Verhalten und führt es auf seine Einsamkeit zurück. Er bittet Aaron um ein klärendes Gespräch an einem öffentlichen See, dem dieser mit Bedenken zustimmt. Aaron stellt seine Kamera auf und hat im Handy den Notruf vorgewählt, doch Josef überrascht ihn von hinten und erschlägt ihn mit einer Axt.
Josef findet später die Kamera und sieht auf den Aufnahmen, dass sich Aaron während des Wartens kein einziges Mal umgedreht hat. Diese Naivität führt er darauf zurück, dass Aaron tatsächlich geglaubt hat, Josef könne ihm keinen Schaden zufügen, weshalb er ihn als sein bisher „liebstes Opfer“ bezeichnet. Er stellt die mit dem Namen „Aaron“ versehene Videoaufnahme des Mordes zu anderen in den Schrank und meldet sich bei einem neuen Opfer unter dem Namen „Bill“.
Produktion
Bei der Found-Footage-Horrorkomödie Creep handelt es sich um das Regiedebüt des US-amerikanischen Filmemachers Patrick Brice, der gemeinsam mit seinem Co-Darsteller Mark Duplass auch das Drehbuch verfasste.[2] Brice schloss 2011 ein Filmstudium am California Institute of the Arts ab und drehte als Teil seiner Thesis den Kurzdokumentarfilm Maurice über das letzte Pornokino in Paris.[3] Duplass, dessen Kinder zu dieser Zeit von Brice’ Frau betreut wurden, sah die Dokumentation und kam so mit Brice in Kontakt, woraufhin beide beschlossen, gemeinsam einen Film drehen zu wollen. Beim Brainstorming über mögliche Themen zeigten sich beide von „seltsamem menschlichem Verhalten“ wie in Mein Essen mit André, Misery oder Eine verhängnisvolle Affäre fasziniert,[4][5] woraufhin die Idee eines Beziehungsfilms mit einer psychisch gestörten Person entstand.[3] In einem fünfseitigen Outline hielten Brice und Duplass zwar zentrale Interaktionen zwischen den beiden Hauptfiguren Josef und Aaron fest, wollten den eigentlichen Film und insbesondere das Ende aber erst während der Filmaufnahmen ausarbeiten.[2][6]

Unter dem Arbeitstitel Peachfuzz[6] und mit einem Budget von weniger als 500 US-Dollar[7] drehten die beiden Hauptdarsteller zunächst fünf Tage lang in Duplass’ privater Waldhütte im kalifornischen Crestline, den angrenzenden San Bernardino Mountains und am Lake Gregory.[8] Neben ihnen bestand das Produktionsteam lediglich aus dem Editor Christopher Donlon, weshalb sich Brice und Duplass gegenseitig Regieanweisungen gaben[9] und für Found-Footage-Filme eher unüblich auch tatsächlich selbst eine Kamera von Panasonic führten.[2] Für Brice stellte Creep zudem sein Leinwanddebüt als Schauspieler dar; Jahre zuvor hatte er als Darsteller nur in einem Community-Theater mitgewirkt.[4] Da sämtliche Dialoge improvisiert wurden, erfolgten die Filmaufnahmen in chronologischer Reihenfolge, sodass in den Folgeszenen auf vorherige Ereignisse Bezug genommen werden konnte.[9] Nachdem ein erster Rohschnitt des Films angefertigt und dem mit Duplass befreundeten Jason Blum vorgelegt worden war, stieg der Produzent in das Projekt ein.[4] Es folgten zahlreiche Testvorführungen und Nachdrehs über einen Zeitraum von 18 Monaten, durch die Creep deutlich stärker in eine Horrorrichtung gelenkt wurde.[3] Letztendlich wurden von vielen Szenen bis zu zehn Fassungen sowie zahlreiche Enden gedreht.[6]
Die Premiere des Films erfolgte am 8. März 2014 auf dem South by Southwest Festival in Austin, Texas.[2] Im Anschluss sicherte sich der zur Weinstein Company gehörige Filmverleih RADiUS die US-amerikanischen Vertriebsrechte und plante eine VOD-Veröffentlichung für Oktober 2014.[10] Dieses Vorhaben scheiterte jedoch, woraufhin Creep zunächst am 23. Juni 2015 auf iTunes veröffentlicht und am 14. Juli 2015 ins weltweite Programm von Netflix aufgenommen wurde.[4] Allein für den Verkauf an den Streamingdienst erhielten Brice und Duplass eine siebenstellige Summe.[7]
Rezeption
Creep konnte 91 % der 35 bei Rotten Tomatoes gelisteten Kritiker überzeugen und wurde im Konsens als „clevere, skurrile Interpretation des Found-Footage-Horrors“ beschrieben, die so raffiniert und gut gespielt sei, dass sie den Zuschauer in Atem halte.[11] Bei Metacritic erhielt der Film basierend auf sechs Rezensionen einen Metascore von 74 von 100 möglichen Punkten.[12]

Als „lustig-traurige Horrorkomödie“, die sich wie eine unheimliche Verbindung aus Was ist mit Bob? (1991) und Eine verhängnisvolle Affäre (1987) anfühle, wird Creep von Drew Taylor in seiner Kritik für IndieWire beschrieben. Wie die meisten Found-Footage-Werke beginne der Film dabei harmlos genug und habe in der ersten Hälfte eine seltsam hypnotische Wirkung im Stile eines Performance-Kunstwerkes, das jedoch von einer unausgesprochenen Boshaftigkeit durchzogen sei. Auf einer Mikroebene sei Creep manchmal unfassbar komisch, doch gesamtheitlich in eine Finsternis getaucht, die ihren atmosphärischen Höhepunkt in der Mitte des Laufzeit erreiche. Danach werde der Film etwas holpriger und unausgewogener, doch die interessante Figurendynamik zwischen Patrick Brice und Mark Duplass halte die so besonders eigenartige und überwältigend unangenehme Stimmung dennoch aufrecht. Was für Taylor dabei wirklich unglaublich sei, ist die Tatsache, dass obwohl sich der von Duplass verkörperte Josef bereits als Monster herausgestellt habe, er irgendwie eine immer noch sympathische, fesselnde und mitfühlende Figur bleibe. So sei Creep zwar ein kleiner Film, dessen Einzigartigkeit aber geradezu bahnbrechend wirke.[13]
Andy Webster von der New York Times urteilt, dass das Found-Footage-Konzept in Creep seinen Höhepunkt erreiche, wobei der Clou des Films insbesondere in den beunruhigenden Bildern der Handkamera und dem Schnitt liege. Ein Großteil der Spannung beruhe dabei auf der Darstellung von Mark Duplass, die allerdings nicht an die Darbietungen von Michael Keaton in Fremde Schatten (1990) oder Jessica Walter in Sadistico (1971) heranreiche. Dennoch sei Creep bemerkenswert und bleibe im Gedächtnis, wenn man seine minimalen Mittel und das für das Genre überraschende Fehlen von Blutvergießen bedenkt.[14]
In der Rezension des Hollywood Reporters heißt es, Creep lasse dem Zuschauer genügend Zeit, um selbst entscheiden zu können, ob es sich um einen Horrorfilm handle oder nicht. Klar und witzig, ohne um Cleverness bemüht zu sein, funktioniere das Werk dabei besser als Baghead (2008) von den Duplass-Brüdern, zu dem Creep einige Gemeinsamkeiten aufweise. Die Ausweitung des Found-Footage-Konzepts in der zweiten Filmhälfte stelle zwar die Leichtgläubigkeit des Zuschauers auf die Probe, doch durch die fesselnden Darbietungen von Patrick Brice und Mark Duplass bleibe man investiert.[15]
Für Joe Leydon von Variety habe der in seinem langsamen Ansatz an die Paranormal-Activity-Reihe erinnernde Found-Footage-Thriller clevere Wendungen und ein grandioses Finale zu bieten, sei allerdings nur stellenweise beunruhigend. Creep hätte für Leydon deutlich wirkungsvoller sein können, wenn Mark Duplass’ Darstellung zweideutiger gewesen wäre und der Zuschauer so die Aussagen von Josef zumindest für einen kurzen Moment für wahr gehalten hätte. Trotz dieser Offensichtlichkeit seiner Hintergedanken erziele Duplass dennoch eine beachtliche Wirkung, während auch Patrick Brice ein gewisses Maß an Sympathie erwecke, am Ende aber ziemlich genau das bekomme, was er verdient.[16]
Im Jahr 2025 wurde Creep von IndieWire nicht nur zu den gruseligsten Filmen auf Netflix, sondern auch zu den fünf besten Found-Footage-Filmen aller Zeiten gezählt.[17][18] Der Umstand, dass Creep innerhalb der Horrorszene und insbesondere bei weiblichen Genrefans zu einem regelrechten Kultfilm aufgestiegen ist, wurde oft auf die Tatsache zurückgeführt, dass das Werk im Unterschied zu anderen Found-Footage-Vertretern in der Realität angesiedelt sei und auf Effekthascherei verzichte, wodurch die Spannung und Unbehaglichkeit umso stärker werde.[19][20][21]
Fortsetzung
Bereits kurz nach der Uraufführung auf dem South by Southwest Festival im März 2014 kündigten Regisseur Patrick Brice und Hauptdarsteller Mark Duplass an, gleich zwei Fortsetzungen zu Creep verwirklichen zu wollen.[22] Der von Brice inszenierte Nachfolgefilm Creep 2 mit Duplass, Desiree Akhavan und Karan Soni in den Hauptrollen wurde am 24. Oktober 2017 als Video-on-Demand veröffentlicht und Ende des Jahres auch ins Programm von Netflix aufgenommen.[23] Trotz abermals guter Kritiken verzögerten sich die Arbeiten am Abschluss der Trilogie jedoch in der Folge, was Duplass auf fehlende kreative Ideen und seine eigene Unzufriedenheit mit Creep 2 zurückführte.[24] Stattdessen wurde ab November 2024 die Fernsehserie The Creep Tapes auf Shudder und AMC+ veröffentlicht, in der die Vergangenheit der von Duplass verkörperten Hauptfigur Josef näher beleuchtet wird.[25]
Weblinks
- Creep bei IMDb
- Creep in der Online-Filmdatenbank