DANA (Geschütz)
gepanzertes Artilleriegeschütz als Radfahrzeug
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Die DANA ist eine in der Tschechoslowakei entwickelte und produzierte Kanonenhaubitzen-Selbstfahrlafette auf der Basis eines Lastkraftwagens. Weitere Bezeichnungen lauten M-77 DANA, VZOR 77 DANA, SpGH-77 DANA sowie ShKH vz. 77. DANA steht für Dělo Automobilní Nabíjené Automaticky, auf Deutsch: Selbstfahrlafette mit Ladeautomat.
| DANA | |
|---|---|
DANA der tschechischen Armee | |
| Allgemeine Eigenschaften | |
| Besatzung | 5 |
| Länge | 11,16 m |
| Breite | 3 m |
| Höhe | 2,85 m |
| Masse | 29,25 Tonnen (leer) |
| Panzerung und Bewaffnung | |
| Hauptbewaffnung | 152-mm-Kanonenhaubitze |
| Sekundärbewaffnung | 12,7-mm-Maschinengewehr |
| Beweglichkeit | |
| Antrieb | Dieselmotor T3-930-52 254 kW (345 PS) |
| Geschwindigkeit | ~80 km/h |
| Leistung/Gewicht | 11,8 PS/t |
| Reichweite | 740 km |
Entwicklung
Die DANA entstand ab 1976 bei Konštrukta für die Tschechoslowakische Volksarmee. Die verwendete Technik war an sowjetische Selbstfahrlafetten angelehnt, dennoch war die Tschechoslowakei stets bestrebt, eigene Waffensysteme zu produzieren, um nicht gänzlich von sowjetischen Waffenimporten abhängig zu sein. Die Auslegung der DANA orientierte sich an einem möglichen Gefechtsfeld in Mitteleuropa mit einem gut ausgebauten und dichten Straßennetz. Daher wurde als Fahrgestell anstelle eines damals üblichen Kettenfahrzeuges ein Radfahrzeug gewählt. Nachdem Prototypen an die Tschechoslowakische Armee für Feldtests abgegeben worden waren, begann 1979 die Serienfertigung. Im Jahr 1980 wurde die DANA erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Ab 1981 erfolgte die Auslieferung an die Tschechoslowakische Armee sowie an weitere Streitkräfte des Warschauer Paktes. Danach wurde die DANA bis 1994 für den Export produziert. Zu diesem Zeitpunkt betrug der Preis für eine DANA rund 2,9 Mio. US-Dollar. Insgesamt wurden rund 750 DANA produziert.[1][2][3][4]
Varianten
- DANA: Ursprungsversion aus dem Jahr 1981 aus der Tschechoslowakei. Mit einer Besatzung von 5 Mann sowie Ladeautomatik mit 30 Geschossen.
- DANA M1: Version aus dem Jahr 2012 aus Tschechien. Mit Feuerleitrechner und Nebelmittelwurfanlage.[5]
- DANA M2: Modernisierte Version aus dem Jahr 2018 aus Tschechien. Mit verbessertem Antrieb und modernisiertem Feuerleitrechner sowie Geschützturm mit neuer Ladeautomatik mit 36 Geschossen.[6][7]
- ONDAVA: Prototyp aus den späten 1980er-Jahren aus der Tschechoslowakei. Mit 152-mm-Geschütz mit 45 Kaliberlängen (L/45). Maximale Schussdistanz mit Base-Bleed-Geschossen 32 km.
- MODAN: Prototyp aus dem Jahr 1999 aus der Slowakei. Mit 152-mm-Geschütz mit 42 Kaliberlängen (L/42).
- Zuzana: Version aus Jahr 1998 aus der Slowakei. Mit 155-mm-Geschütz mit 45 Kaliberlängen (L/45). Maximale Schussdistanz mit HEER-BB-Geschossen 39 km.
Technik
Das Artilleriesystem DANA besteht aus einem Lastkraftwagen, mit einer in einem Geschützturm verbauten 152-mm-Kanonenhaubitze, mit automatischem Ladesystem. Das Fahrzeug hat eine Besatzung von fünf Mann: Kommandant, Kraftfahrer, Richtkanonier und zwei Ladekanoniere. Die DANA kann in einer An-22 „Cock“ oder An-124 „Condor“ luftverlastet werden.[1][2]
Um aus der Fahrt den Feuerkampf aufzunehmen, werden mit einer vorgängig eingemessenen Feuerstellung rund 2 Minuten benötigt. Dafür werden am Fahrzeug drei Stützbeine ausgefahren. Nach Beendigung des Feuerauftrages kann das Artilleriesystem innerhalb von 1 Minute die Stellung wieder verlassen.[1][8]
Fahrzeug
DANA verwendet als Fahrgestell den Tatra 815. Dieses verwendet die Antriebsformel 8×8 und verfügt über eine Reifendruckregelanlage. Vorne befindet sich das Führerhaus. Dieses verfügt über ABC-Schutz und ist gegen Granatsplitter sowie Handfeuerwaffen geschützt. Es bietet Platz für den Kommandanten und den Kraftfahrer. Angetrieben wird das Fahrzeug von einem luftgekühlten V-12 Dieselmotor Tatra T3-930-52 mit 254 kW (345 PS). Mittig auf dem Lastkraftwagen ist der Geschützturm verbaut. DANA erreicht auf der Straße eine maximale Fahrgeschwindigkeit von zirka 80 km/h und hat eine Reichweite von rund 740 km. Das Artilleriesystem ist geländegängig. Die Bodenfreiheit des Fahrzeugs beträgt 41 cm, der Wendekreis 12,8 m, die Kletterfähigkeit 60 cm, die Grabenüberschreitfähigkeit 2 Meter, die maximale Wattiefe 1,4 Meter, die maximale Steigfähigkeit 60 % und die höchste Querneigung 30 %.[1][8][3]
Geschützturm & Geschütz
Der Geschützturm ist in der Horizontalen in Fahrtrichtung je Seite um 225°, aber nicht 360° drehbar. Er besteht aus zwei leicht gepanzerten Turmhälften mit ABC-Schutz sowie dem mittig, offen verbauten 152-mm-Geschütz. In der linken Turmseite befindet sich das Magazin mit 30 Treibladungskartuschen. Weiter sind dort der Richtkanonier sowie ein Ladekanonier untergebracht. Letzterer ladet die Treibladungen in die Treibladungskartuschen und legt diese in die Ladeschale des Schwenkarmes, der die Kartusche zum Geschütz rüberschwenkt. Weiter sind in der linken Turmseite die Richtmittel sowie die Visiereinrichtung verbaut. Für indirektes Feuer wird die PG-4 M-D-Visieranlage verwendet und mit dem OP5-38-0-Zielfernrohr können Ziele im Direktschuss bekämpft werden. Zur Selbstverteidigung ist auf der linken Turmoberseite, ein 12,7-mm-NSW-Maschinengewehr mit einem Kampfsatz von 2000 Schuss montiert. In der rechten Turmseite ist ein weiterer Ladeschütze untergebracht sowie ein Magazin für 30 152-mm-Geschosse. Der Ladeschütze setzt und stellt die Zünder für die Geschosse ein und legt diese in die Ladeschale des Schwenkarmes, der das Geschoss zum Geschütz rüberschwenkt. In der Mitte vom Geschützturm ist die 152-mm-Kanonenhaubitze mit 37 Kaliberlängen (L/37) verbaut. Diese kann in einem Höhenrichtbereich von bei −4 bis +70° gerichtet werden. Bei der Rohrwiege sind am Geschützrohr zwei hydropneumatische Rohrbremsen und Rohrvorholer montiert. Am Rohrende ist eine Einkammer-Mündungsbremse angebracht, die den Rückstoß mindert. Das Geschütz verwendet einen vertikalen Keilverschluss. Am Geschütz ist eine hydraulische Ladeautomatik montiert. Beim Ladevorgang werden Geschoss und Kartusche, nacheinander von den mechanischen Schwenkarmen aus den Magazinen der jeweiligen Turmhälfte an den Verschlussblock zugeführt, und dort mit einem Ketten-Ladestock (Ketten-Stampfer bzw. Förderstempel) in den Verschluss geschoben.[1][8][9]
Mit Hilfe der Ladeautomatik ist kurzzeitig eine Schussfolge von 5 Schuss pro Minute möglich. DANA kann innerhalb einer Stunde rund 90 Schuss abfeuern. Bei einem Ausfall der Ladeautomatik ist ein manuelles Laden möglich, dabei reduziert sich die Schussfolge auf 2 Schuss pro Minute.[1][2][3]
Munition
Insgesamt kann DANA 60 Geschosse und Treibladungen im Fahrgestell und im Turm mitführen; 30 davon in der Ladeautomatik. Verwendet wird halbgetrennte Munition mit Kartuschen aus Messing. Die Kartuschen werden vor dem Ladevorgang mit bis zu sechs Treibladungsbeuteln bestückt. Obwohl die DANA die Munition der sowjetischen 152-mm-Kanonenhaubitze D-20 verschießen kann, entwickelte die Tschechoslowakei für die DANA eine eigene Munitionsfamilie.[10][11][12][13][14][15]
| Name | Geschosstyp | Gewicht | Füllung | Schussdistanz | |
|---|---|---|---|---|---|
| EOF | Sprenggranate | 44,4 kg | 6 kg TNT | 655 m/s | 18,7 km |
| EOFd | Sprenggranate mit Hohlboden | 43,2 kg | TNT | 655 m/s | 20,1 km |
| EOFd EKK | Cargogeschoss mit Base-Bleed | unbek. | 42 Hohlladungs-Bomblets | 693 m/s | 28,2 km |
| OFd M3 | HEER-Geschoss mit Hohlboden | 43,6 kg | 8 kg TNT | 695 m/s | 20 km |
| OFd M3-DV | HEER-Geschoss mit Base-Bleed | unbek. | 8 kg TNT | 695 m/s | 25,5 km |
| EPrSv | Hohlladungsgeschoss | 27,5 kg | Octol | 717 m/s | 5 km |
Kriegseinsätze
Georgien setzte die DANA im Kaukasuskrieg 2008 ein. Dabei wurden zwei Geschütze zerstört und drei oder vier erbeutet.[16]
Polen setzte 2008 die DANA im Rahmen der ISAF im Krieg in Afghanistan ein. Die Geschütze waren in der Provinz Ghazni stationiert.
Aserbaidschanische DANA-Geschütze kamen beim Krieg um Bergkarabach 2020 gegen Armenien zum Einsatz.[17]
Die Streitkräfte Libyens setzten die DANA im Bürgerkrieg in Libyen ein.
Im Russisch-Ukrainischen Krieg setzen die ukrainischen Streitkräfte DANA ein. Laut dem Oryx-Blog sind bis Stand April 2026 mindestens vier Fahrzeuge als Totalverlust sowie weitere vier beschädigt vermerkt.[18]
Nutzerstaaten
Aserbaidschan – 36 (aus sowjetischen Beständen)
Libyen – 80
Georgien – 32 (aus tschechischen Beständen)
Polen – 111
Slowakei – 135
Sowjetunion – 158
Tschechien – 275
Ukraine – 26; zusätzlich wurde eine unbekannte Anzahl im Rahmen der Auslandshilfen für die Ukraine geliefert.
Galerie
- Polnische DANA der ISAF in Afghanistan
- DANA der Verteidigungskräfte Georgiens
- DANA der Ukrainischen Streitkräfte
Literatur
- Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 2011–2012. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2011, ISBN 978-0-7106-2960-9.
- Christopher F. Foss, David Miller: Moderne Gefechtswaffen. Stocker Schmid Verlag, Schweiz, 1998, ISBN 3-7276-7092-4.
- Ian Hogg: Artillerie des zwanzigsten Jahrhunderts. Gondrom Verlag, Bindlach 2000, ISBN 3-8112-1878-6 (Originaltitel: Twentieth-century artillery. Übersetzt von Alexander Lüdeke).
- Leland Ness & Anthony G. Williams: Jane’s Ammunition Handbook 2006–2007, Fifteenth Edition. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2006, ISBN 0-7106-2746-7.
Weblinks
- DANA ZTS ShKH vz. 77 152mm bei armyrecognition.com (englisch)
- Dana bei deagel.com (englisch)
- vz.77 DANA self-propelled howitzer (152mm variants) bei weaponsparade.com (englisch)
- DANA 77 SpGH upgrade (not only) for Active Reserves: Options, prospects bei czdefence.com (englisch)
- DANA Selbstfahrlafette 152mm Mobile Artillerie - Übersicht Film bei youtube.com
