Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge

Verein mit Sitz in Bonn mit dem Zweck der Förderung der Katastrophenvorsorge From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Deutsche Komitee Katastrophenvorsorge e. V. (DKKV) ist ein Verein mit Sitz in Bonn mit dem Zweck der Förderung der Katastrophenvorsorge. Das DKKV bezeichnet sich als Kompetenzzentrum für alle nationalen und internationalen Fragen der Katastrophenprävention und als Mittler zu internationalen Organisationen und Initiativen, die im Bereich der Katastrophenvorsorge tätig sind. Vorsitzender ist derzeit (2022) Leon Eckert.

Geschichte

Dekade zur Reduzierung von Naturkatastrophen (IDNDR)

Die 1990er-Jahre wurden von den Vereinten Nationen zur Dekade zur Reduzierung von Naturkatastrophen (IDNDR) erklärt, um ein stärkeres Bewusstsein für die sozialen, ökologischen und ökonomischen Folgen von sich häufenden Schäden durch extreme Naturereignissen zu schaffen. Im Vordergrund stand die Entwicklung von Strategien zur Katastrophenvorsorge, um somit effektiv die katastrophalen Auswirkungen von Naturereignissen zu reduzieren bzw. abzumildern. Zentrum aller Aktivitäten wurde das bei den Vereinten Nationen in Genf angesiedelte IDNDR-Sekretariat; zugleich wurden die Mitgliedstaaten aufgerufen ihrer nationalen Verantwortung mit der Einrichtung von nationalen Komitees gerecht zu werden.

Während die IDNDR zu Beginn stark wissenschaftlich-technisch orientiert war und der Schwerpunkt auf der Umsetzung vorhandener Technologien weltweit lag, rückte die UN-Konferenz zur Reduzierung von Naturkatastrophen 1994 in Yokohama erstmals sozio-ökonomische Aspekte der Katastrophenvorsorge in den Vordergrund. Es wurde festgestellt, dass technische Lösungen alleine nicht genug Schutz vor Katastrophen bieten konnten, sondern dass die potentiell betroffenen Menschen mit ihren Fähigkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten, sowie ihrem sozialen und ökonomischen Umfeld stärker einbezogen werden mussten. Mit der Anerkennung der Katastrophenvorsorge als Bestandteil nachhaltiger Entwicklung wurden die ursprünglichen Ziele der IDNDR erweitert. Zum Ende der Dekade wurde die IDNDR durch die Internationale Strategie zur Reduzierung von Katastrophen (ISDR) mit einem eigenen Sekretariat, ebenfalls in Genf angesiedelt, abgelöst.

Gründung des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge e. V.

Vor dem Hintergrund der Dekade zur Reduzierung von Naturkatastrophen und dem UN-Aufruf nationale Komitees zu gründen, richtete der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher 1989 das Deutsche IDNDR-Komitee zur Katastrophenvorbeugung in Bonn ein. Als ersten Vorsitzenden dieses Komitees ernannte Genscher den Botschafter a. D. Günther van Well. Die erste Geschäftsstelle wurde in Kooperation von Auswärtigem Amt und Deutschem Roten Kreuz zunächst im Generalsekretariat des DRK und später im Konrad-Adenauerhaus eingerichtet. In dieser ersten Aufbauphase konnte ein Operativer Beirat aus Führungskräften des Katastrophenschutzes und der Hilfsorganisationen aufgebaut werden. Ebenso konnte in Kooperation mit der deutschen Forschungsgemeinschaft ein Wissenschaftlicher Beirat mit renommierten Professoren der betroffenen Fachrichtungen zusammengestellt werden. Im Jahr 1991 organisierte das AA in Kooperation mit der IDNDR-Geschäftsstelle ein erstes internationales Arbeitstreffen auf dem Petersberg bei Bonn.

Im Jahr 1999 wurde der Name des Vereins in Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge e. V. (DKKV) geändert.

Ehemalige Vorsitzende

Die Aktivitäten des IDNDR Komitee und des DKKV bis 2015

Das IDNDR Komitee, bzw. seine Nachfolgerin das DKKV, agierte als Nationale Kontaktstelle für UNISDR (heute United Nations Office for Disaster Risk Reduction UNDRR) und UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change) und hatte einen wissenschaftlichen und operativen Beirat aufgebaut.

Die nationalen und internationalen Aktivitäten des Komitees waren unter anderem:

  • Begleitung von und Mitwirkung an internationalen Rahmenwerken (z. B. [Hyogo Framework for Action 2005–2015: Building the resilience of nations and communities to disasters], Sendai Rahmenwerk für Katastrophenvorsorge 2015-2030) und nationale Strategien (z. B. Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel)
  • Bestandsaufnahme Katastrophenszenarien und Vorsorge-Defizite
  • Expertengespräche, Fachtagungen (z. B. Forum Katastrophenvorsorge), Arbeitsgruppen, Fortbildungsseminare
  • Politische Beratung Bundeskanzleramt und Innenministerium
  • Medien-Events und Filmproduktionen, Presseveranstaltungen
  • Kooperation mit dem Auswärtigen Amt und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
  • Internationale Kooperation z. B. Kirgistan, Usbekistan, Nicaragua, Tunesien, Algerien, Marokko
  • Gutachtermissionen, Aufbau von Kapazitäten z. B. durch Trainingskurse
  • Aufbau Nationaler Plattformen, z. B. Indonesien und Kirgistan

Aufgrund veränderter Rahmenbedingungen, u. a. der weiteren Verbreitung von Expertise zu Katastrophenvorsorge in anderen Institutionen, wurde 2015 eine strategische Neuaufstellung des DKKV angestrebt. Im Jahr 2022 wurde die Strategie 2020+ durch die Strategie 2030+ abgelöst, die die aktuellen Arbeitsfelder und Zielsetzungen des DKKV beschreibt.[1]

Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge

Einzelnachweise

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