Daisaku Ikeda

japanischer Schriftsteller und Philosoph From Wikipedia, the free encyclopedia

Daisaku Ikeda (japanisch 池田 大作 Ikeda Daisaku; * 2. Januar 1928 in Iriarai (heute: Ōta), Präfektur Tokio; † 15. November 2023 in Tokio[1]) war ab 1960 Präsident der Sōka Gakkai und ab 1975 Präsident der buddhistischen Laienorganisation Sōka Gakkai International, einer Schwesterorganisation der japanischen neuen Religion Sōka Gakkai.

Daisaku Ikeda (2010)

Ikeda war Autor zahlreicher Romane, Essays und Gedichte, hielt Vorträge und führte Dialoge, die sich den Themen Frieden, Kultur und Erziehung auf der Basis des Nichiren-Buddhismus widmeten. Er trat vor seinem Tod mehr als ein Jahrzehnt lang nicht mehr öffentlich in Erscheinung.

Leben

Jugend und buddhistische Prägung

Ikeda im Alter von 19 Jahren (1947)

Daisaku Ikeda wuchs im Japanischen Kaiserreich der frühen Shōwa-Zeit auf. Noch während seiner Kindheit erkrankte er an Tuberkulose. Sein älterer Bruder Kiichi starb als Soldat im Burmafeldzug.

Nach dem Krieg besuchte Ikeda die Abendschule. 1947, im Alter von 19 Jahren, traf er Jōsei Toda, den zweiten Präsidenten der Sōka Gakkai. Die Aktivitäten dieser 1937 gegründeten buddhistischen Laiengemeinschaft basieren auf der Philosophie des buddhistischen Lehrers und Reformators Nichiren (1222–1282).[2] Ikeda beschloss schon nach wenigen Treffen mit Toda, ihn zu seinem persönlichen Mentor zu machen. Er trat noch im selben Jahr der Sōka Gakkai bei. Unter Todas Anleitung studierte Ikeda den Mahayana-Buddhismus von Nichiren. Er befasste sich mit Kunst, Literatur und Philosophie sowohl Asiens als auch des Abendlandes.

1952 war Ikeda an einem Vorfall beteiligt, in dessen Verlauf es zu gewalttätigen Handgreiflichkeiten gegenüber einem Priester der Nichiren-Shōshū kam. Bei dem Vorfall, auch bekannt als „Ogasawara-Vorfall“ bzw. „Waschbär-Hund-Vorfall“, berichten Quellen auch davon, dass Toda den Priester Jimon Ogasawara zweimal schlug. Grund für die Tätlichkeiten war, dass Mitglieder der SG den Priester für den Tod Tsunesaburō Makiguchis (des ersten Präsidenten der Soka Gakkai) mitverantwortlich machten.[3][4]

Nach dem Tod von Josei Toda im Jahre 1958 folgte Ikeda ihm als Leiter der Sōka Gakkai, wobei Ikedas Verhältnis zu Todas zweiter Frau und Witwe, Iku Toda, sowie deren Familie, als stets distanziert beschrieben wird[5]. Am 3. Mai 1960 übernahm Ikeda die Präsidentschaft der Sōka Gakkai und brach im Oktober 1960 zu seinem ersten Überseebesuch in die USA, Kanada und Brasilien auf. Danach reiste Ikeda regelmäßig ins Ausland.

Reise und Dialog

Er führt zahlreiche "Dialoge" unter anderem mit Tschingis Aitmatow, Josef Derbolav, Michail Gorbatschow, Nelson Mandela, Linus Pauling, Aurelio Peccei (Club of Rome), Arnold J. Toynbee, Johan Galtung – sind veröffentlicht und in über 30 Sprachen übersetzt. Unter den zahlreichen Führungspersönlichkeiten, die Ikeda traf, befanden sich auch unrühmliche Zusammenkünfte wie die mit Li Peng, Nicolae Ceaușescu und Manuel Noriega.[6][7] Die Sōka Gakkai widmete Noriega einen Garten auf einem Gelände der Sōka Gakkai in Fujinomiya, nach der Inhaftierung Noriegas wurde der Garten ohne weitere Feierlichkeiten entfernt.[8]

Die Sōka Gakkai International

Am 26. Januar 1975 gründete Ikeda die „Sōka Gakkai International“ (SGI) als internationalen Dachverband der nationalen Sōka Gakkai Gemeinschaften. Die SGI versteht sich als „Gesellschaft für Frieden, Kultur und Erziehung“ und zählt derzeit, nach eigenen Angaben, etwa 12 Millionen Mitglieder in 190 Ländern. 1979 trat Ikeda als Präsident der Sōka Gakkai zurück und übernahm somit die Verantwortung für seine angeblichen Abweichungen von der Lehre der Nichiren-Shōshū, wie es ihm von einigen Nichiren-Priestern vorgeworfen worden war.[9] Ikeda wird zum Ehrenpräsidenten der Sōka Gakkai International ernannt.[10]

Auszeichnungen

Alexander Nikolajewitsch Jakowlew (links) bei der Verleihung einer Auszeichnung an Ikeda

Als Anerkennung für sein jahrelanges Engagement erhielt Ikeda zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1983 die Friedensmedaille der Vereinten Nationen[11] sowie seit 1975 über 380 akademische Auszeichnungen (davon über 120 Ehrendoktorwürden) von vielen Universitäten,[12] 26 Nationale Orden und 800 Ehrenbürgerschaften auf der ganzen Welt,[13] zuletzt die Ehrenbürgerschaft der Stadt Florenz.[14]

Ausschluss aus der Nichiren-Shōshū

Am 11. August 1992 wurde Ikeda neben anderen Führungspersönlichkeiten der Sōka Gakkai aus der Nichiren Shōshū aufgrund religiöser Meinungsverschiedenheiten ausgeschlossen.[15][16] Die Nichiren Shōshū warf Ikeda vor, er interpretiere die Lehren Nichirens falsch und pflege einen autoritären Führungsstil. Konkret habe er die Position des Hohepriesters einnehmen und so die Kontrolle über die Nichiren Shōshū übernehmen wollen.[17]

Die nachfolgenden Jahre werden beschrieben als eine Zeit, in der sich die SGI von einer durch Ikeda geleiteten Organisation hin zu einer Ikeda gewidmeten Organisation entwickelte.[18] Daisaku Ikeda wurde somit innerhalb der SGI auch „Sensei“ genannt; dies ist ein japanischer Ausdruck für Lehrer, der auch als Ehrentitel für Meister im spirituellen Sinne gilt.

Tod

Ikeda starb am 15. November 2023 im Alter von 95 Jahren. Ikedas Tod wurde erst am 18. November 2023 öffentlich bekannt gegeben.[19]

Kontroversen

Der öffentliche Einfluss und die Bedeutung von Ikeda und der Sōka Gakkai wird durch kontroverse Berichterstattungen und Kritik in der internationalen Presse begleitet.[20][21][22] Eine von einem ehemaligen Mitglied angestrengte Klage gegen Ikeda wegen angeblicher Vergewaltigung wurde am 26. Juni 2001 endgültig vom Obersten Gerichtshof Japans abgewiesen.[23][24]

Im Jahre 1984 veröffentlichte Polly Toynbee im Guardian eine kritische Betrachtung des Zusammentreffens zwischen Daisaku Ikeda und ihrem Großvater Arnold J. Toynbee. Sie beschrieb das Buch, welches ihr Großvater mit Ikeda veröffentlichte, als eines der Werke die besser vergessen werden sollten.[25][26]

Insbesondere der Personenkult um Ikeda, sowie damit einhergehend sein Führungsstil und Machtbereich, stehen oft in der Kritik. Aufgrund der hierarchischen Struktur innerhalb der Sōka Gakkai und der Meister-Schüler-Beziehung zwischen Ikeda und den Mitgliedern kann angenommen werden, dass Ikeda die Organisation autoritär führte.[27] Die an Personenkult grenzende Verehrung Daisaku Ikedas wird mit Befremden und Misstrauen betrachtet. Ebenso wird die Anwendung des Prinzips der „Einheit von Meister und Schüler“ als eine Unterdrückung jeglicher Kritik angesehen. Ehemalige Mitglieder kritisieren zudem die zu starke Kontrolle durch die Organisation.[28] Hinsichtlich der Trennung von Staat und Religion und daraus resultierenden verfassungsrechtlichen Bedenken beschäftigen sich seriöse Kritiker jedoch eher mit Ikedas Rolle als „graue Eminenz“ der japanischen Politik.[29][30] Seit der Gründung der Kōmeitō wird wiederholt behauptet, sein primäres Ziel sei es gewesen, das politische System Japans zu stürzen und die Kontrolle über die Regierung zu übernehmen.[31] In diesem Zusammenhang waren in den 1990er Jahren einige Politikwissenschaftler der Ansicht, Ikeda sei faktisch die mächtigste Person in Japan.[32]

Literatur

  • GandhiServe Stiftung / Martin-Luther-King-Zentrum e. V. / Soka Gakkai International-Deutschland e. V.: Frieden schaffen ohne Gewalt – Gandhi, King, Ikeda. Katalog zur Ausstellung, 2003. Ausstellung
  • Irmgard von Lehsten, Deutsches Komitee für UNICEF: Frieden beginnt in jedem einzelnen – die Revolution des Charakters. Vortrag, SGI-D Express Nr. 169, 2005.
  • Richard Hughes Seager: Encountering the Dharma: Daisaku Ikeda, Soka Gakkai, and the Globalization of Buddhist Humanism. University of California Press, 2006, ISBN 0-520-24577-6.
  • George David Miller: Peace, Value and Wisdom: The Educational Philosophy of Daisaku Ikeda. Editions Rodopi B.V., 2002, ISBN 90-420-1359-1.
  • Global Ethical Options: In the Tradition of Mohandas Karamchand Gandhi, Martin Luther King, Jr., and Daisaku Ikeda. Weatherhill Inc., 2002, ISBN 0-8348-0501-4.
  • S. Noma (Hrsg.): Ikeda Daisaku. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993, ISBN 4-06-205938-X, S. 586.
  • Daniel B. Montgomery: Fire in the Lotos. Mandala 1991, ISBN 1-85274-091-4.

Einzelnachweise

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