Dambach-la-Ville

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Dambach-la-Ville (deutsch Dambach) ist eine französische Gemeinde im Département Bas-Rhin in der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass und in der Region Grand Est. Sie liegt im Arrondissement Sélestat-Erstein, etwa zehn Kilometer nördlich von Sélestat. Dambach-la-Ville liegt an der Elsässer Weinstraße und bezeichnet sich heute selbst als „mittelalterlichen Weinort“. Die Einzellage Frankstein gehört zu den Lagen der Appellation Alsace Grand Cru.

Schnelle Fakten
Dambach-la-Ville
Dambach-la-Ville (Frankreich)
Dambach-la-Ville (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Grand Est
Département (Nr.) Bas-Rhin (67)
Arrondissement Sélestat-Erstein
Kanton Obernai
Gemeindeverband Pays de Barr
Koordinaten 48° 19′ N,  26′ O
Höhe 164–662 m
Fläche 28,83 km²
Einwohner 2.165 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 75 Einw./km²
Postleitzahl 67650
INSEE-Code
Website https://www.dambach-la-ville.fr/

Blick auf Dambach-la-Ville
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Geologie

Dambachs Gemarkung hat im Osten Anteil an der quartären Schotterebene des Rheins. Die weiter südlich ausgeprägte sedimentäre Vorbergzone aus mesozoischen und tertiären Schollen beschränkt sich hier auf eine kleine Buntsandsteinscholle nördlich des Dorfes. Unmittelbar westlich des Ortskerns erhebt sich, durch eine Verwerfung abgegrenzt, bereits das hier aus Granit bestehende Grundgebirge der Vogesen.

Geschichte

Urkundliche Ersterwähnung 1125 als Tambacum. Die Ortsnamenendung -acum kann auf einen gallo-römischen Ursprung verweisen. Ersterwähnung der Burg Bernstein bereits 1009. Ab 1225 gehörte der Ort zum weltlichen Besitz des Bistums Straßburg. Im 14. Jahrhundert erhielt Dambach das Stadtrecht und eine Stadtbefestigung (Baubeginn 1323). 1444 musste sich die Stadt den Armagnaken ergeben, marodierenden Söldnern unter Führung des französischen Dauphins, die von den Habsburgern im Kampf gegen die Eidgenossen ins Land gerufen worden waren. Noch im Mittelalter gingen die benachbarten Dörfer Steinhausen, Altenwiller und Oberkirch ab. Die Sebastianskapelle über dem Dorf geht auf Oberkirchs Pfarrkirche zurück und war bis 1489 Dambachs Pfarrkirche.

1493 konspirierte die Stadt mit aufständischen Bauern. Im Bauernkrieg (1524–26) spielte Dambach eine zentrale Rolle. Zahlreiche Einwohner von Dambach nahmen an der für die Bauern katastrophal endenden Schlacht bei Scherwiller teil. Im Dreißigjährigen Krieg widerstand die Stadt den Mansfeldischen protestantischen Belagerern, musste aber später die Plünderung durch die katholischen Kaiserlichen erdulden. 1632 ergab sich Dambach den Schweden. Die Belagerung der von den Schweden gehaltenen Stadt durch den Herzog von Lothringen im Jahr 1642 blieb erfolglos. Unter Ludwig XIV. gelangte der Ort an die französische Krone. Von 1871 bis 1918 gehörte Dambach zum Reichsland Elsass-Lothringen (Kreis Schlettstadt im Bezirk Unterelsaß). Seit 1924 heißt der Ort Dambach-la-Ville. Im Zweiten Weltkrieg erlebten die Einwohner die deutsche Besatzung, von der sie am 30. November 1944 durch Truppen der 7. amerikanischen Armee und der Division Leclerc befreit wurden.

Vom 18. Jahrhundert bis 1943 wurden geringmächtige Eisen- und Manganvorkommen ausgebeutet. Mit der Eröffnung der Bahnlinie Schlettstadt-Zabern 1877 bekam Dambach einen Bahnhof.

Die jüdische Gemeinde und die Synagoge

In Dambach gab es ab dem 17. Jahrhundert eine bedeutende jüdische Gemeinde, sie wuchs von 6 Familien im Jahr 1613 über 18 Familien 1716 auf 30 Familien mit 129 Personen während der Volkszählung 1784. 1843 erreichte sie mit 381 Personen einen Höhepunkt und ging dann langsam zurück. Vor und während der deutschen Besatzung von 1940 bis 1944 flohen viele Juden, der Rest wurde deportiert und ermordet. Nach dem Krieg war die Gemeinde erloschen.[1][2]

Eine neue Synagoge wurde von 1865 bis 1867 erbaut. 1940 wurde sie geschändet und geplündert. Nach dem Krieg stand sie lange leer, zu Beginn der 2010er Jahre beschloss die Gemeinde Dambach, die Synagoge zu einem kulturellen Zentrum umzubauen, sie wurde profaniert. Bei den Bauarbeiten entdeckte man im Speicher eine Geniza, ein Aufbewahrungsort für alte Schriften mit religiösem Inhalt. Im Judentum dürfen Papiere oder Schriften mit heiligem Inhalt, z. B. aus der Tora, nicht weggeworfen oder verbrannt werden. Sie müssen aufbewahrt oder „beerdigt“ werden. Man fand Schriften, die bis auf das Jahr 1531 zurückgingen. Der größte Schatz waren aber 249 Torawimpel (Mappa). Dies sind die Windeln, die jüdische Knaben während ihrer Beschneidung getragen haben. Später wurden sie von den Müttern mit Stickereien verziert. Sie enthalten Namen, Datum und gute Wünsche für das Leben des Kindes sowie florale Schmuckelemente. Nach einigen Jahren werden die Torawimpel der Synagoge übergeben und symbolisieren die Zugehörigkeit des Kindes zur Gemeinde und zu Gott. Sie werden benutzt, um die heiligen Torarollen zu schützen, daher der deutsche Name. Die gefundenen Torawimpel wurden wissenschaftlich erfasst und werden heute in Musée Alsacien in Straßburg und im Musée d’art et d’histoire du Judaïsme in Paris ausgestellt.[1][3][4]

Bevölkerungsentwicklung

1910 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2013
2355[5]20352051203919071800197319302016

Sehenswürdigkeiten

Die Pfarrkirche Sankt Stefan (Église Saint-Étienne) Die neuromanische Kirche entstand 1865 an der Stelle eines durch Blitzschlag in Brand gesetzten barocken Vorgängerbaus.

Viele gut erhaltene Fachwerkbauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Mehrere mit Schnitzwerk an den Eckständern und/oder Erkern. Die Winzerhäuser immer mit gemauertem Erd- bzw. Kellergeschoss.

Am Marktplatz (Place du Marché) das im Kern spätgotische Rathaus mit Staffelgiebeln, datiert: 1547. Nur Fenster im Giebeldreieck noch im bauzeitlichen Zustand. - Das Gasthaus zur Krone (à la Couronne) ein Fachwerkbau mit altertümlich steilem Dach. Zugang zum Obergeschoss durch einen geräumigen Standerker von 1685. - Das schmale Haus Nr. 12 aus der Zeit um 1600 mit gemauertem Keller und Erdgeschoss. Breites, noch gotisches Fensterband im Erdgeschoss, darüber dekoratives Fachwerk (durchkreuzte geschweifte Rauten), das Giebeldreieck weit vorkragend mit Lastenaufzug. - Brunnen von 1542 mit achteckigem Trog, auf dem Brunnenstock ein Bär, das Wappentier der Stadt. An der Rue du Maréchal Foch das Haus Nr. 55 ein stattlicher Fachwerkbau mit altertümlich steilen Halbwalmen und in altertümlicher Weise verblattetem Fachwerk. Der Standerker, datiert 1599 mit feinem Zierfachwerk und Inschrift. – Das Haus Nr. 82 von 1688 mit dekorativem Fachwerk, Der Erker mit einer zierlichen hölzernen Blendbalustradenbrüstung. Beachtliche Reste der Stadtbefestigung: Drei wohlerhaltene Tortürme aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Die Sebastianskapelle im Weinberg überm Dorf. Am Turm noch romanische, gekuppelte Schallarkaden. Das Kirchenschiff in der Gotik südseitig erweitert. Der gewölbte Chor ebenfalls gotisch. Bedeutender, üppig verzierter barocker Hochaltar von 1690/92. von Clemens und Philipp Winterhalder. Der Jesusknabe zwischen den Eltern, darüber Gottvater und der Heilige Geist als Taube. Über dem Segmentbogen der Heilige Sebastian. Auf dem linken Seitenaltar eine geschnitzte Muttergottes um 1500, auf dem rechten Seitenaltar eine Sebastiansstatue des frühen 16. Jahrhunderts. Heilige Barbara (mit Kelch) und Maria Magdalena frühes 16. Jahrhundert. Hinter der Kirche ein Beinhaus mit Schädeln und Gebeinen.

Die Liebfrauenkapelle (N.D. de Dambach) ein schlichter gotischer Bau, datiert 1479. Vesperbild (Pietà) aus dem späten 15. Jahrhundert.

Feldkapelle St-Jean-Baptiste ist das Überbleibsel der romanischen Pfarrkirche des abgegangenen Dorfes Altenwiller.

Burgruine Bernstein: Die Mauerreste der schon 1009 erwähnten Burg Bernstein stammen, wie die Buckelquader des fünfeckigen Bergfrieds annehmen lassen, erst aus der Stauferzeit. Ursprünglich im Besitz der Grafen von Egisheim-Dagsburg, dann bei den Herzögen von Lothringen und ab 1326 zum weltlichen Besitz des Bistums Straßburg gehörend. Im Dreißigjährigen Krieg geplündert und in der Revolution verwüstet.

Verkehr

Dambach-la-Ville liegt an der Bahnstrecke Sélestat–Saverne und ist mit TER-Zügen an Strasbourg und Sélestat angebunden.

Persönlichkeiten

Partnerstädte

Literatur

Commons: Dambach-la-Ville – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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