Das Jahr der Ratte
Science-Fiction-Kurzgeschichte von Chen Qiufan von 2009
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Das Jahr der Ratte (chinesisch 鼠年, Pinyin shǔnián) ist eine Science-Fiction-Kurzgeschichte des chinesischen Schriftstellers Chen Qiufan, zuerst veröffentlicht auf Chinesisch in Science Fiction World im Mai 2009 und auf Englisch in The Magazine of Fantasy & Science Fiction im Juli/August 2013. Die Kurzgeschichte erschien ebenfalls in den Anthologien A Hint of the Alien: The Year’s Best Weird Fiction, Volume One, bearbeitet von Michael Kelly und Laird Barron, im Jahr 2014 sowie Invisible Planets, bearbeitet von Ken Liu, im Jahr 2016.[1]
Handlung
Meng Xian, mit Spitznamen auch Bohne genannt, wird vom Protagonisten für tot erklärt, der daraufhin die Geschichte vom Tag ihres ersten Treffens erzählt: Eine Invasion von genetisch veränderten Neoratten, ursprünglich dazu gedacht auf Märkten verkauft zu werden, zwingt das Militär zur Teilnahme an einer Jagd zu deren Auslöschung. Bohne und der Protagonist nehmen an einem Mobilisierungstreffen an ihrer Universität teil, wo sie nebeneinander sitzen. Obwohl die Missionen hart sind und ihr Anführer streng ist, werden beide schnell Freunde und der Protagonist teilt sogar seine Rattenschwänze, welche für Aussichten auf bessere Anstellung nach dem Dienst abgegeben werden müssen, mit dem schusseligen Bohne. Männliche Neoratten werden inzwischen auch schwanger, da die Natur nun versucht, das künstlich geschaffene Verhältnis von neun männlichen Neoratten zu einer weiblichen Neoratte für die Populationskontrolle zu umgehen. Darüber hinaus scheinen die Neoratten auch schneller intelligent zu werden. Am Geburtstag von Bohne wird der Anführer etwas freundlicher und fragt nach einem Geburtstagswunsch, woraufhin Bohne antwortet, alle schnellstmöglich wieder bei ihren Eltern zu Hause haben zu wollen. Bohne beendet auch einen zuvor unfertigen Satz des Protagonisten, wonach das Leben wie ein Traum sei. Plötzlich wird der Protagonist bewusstlos und erwacht später mit Erinnerungen an ein feuerndes Gewehr, wobei Bohne nicht anwesend ist. Währenddessen haben Millionen an Neoratten eine Wanderung begonnen, welche unter anderem durch den Ozean führt. Obwohl der Protagonist zunächst von einem nun verlorenen Krieg ausgeht, vermutet der Anführer etwas anderes: Scheinbar haben genau die Menschen, die den Ausbruch der Neoratten ermöglicht hatten, einen Mechanismus eingebaut, mit dem die Neoratten nach Erfüllung ihrer Mission wieder verschwinden würden. Tatsächlich übernehmen im Ozean die Überlebensinstinkte der Neoratten und sie greifen sich gegenseitig an. Bei diesem Anblick denkt der Protagonist an die Ähnlichkeiten zwischen Menschen und Neoratten, wie etwa nur kleinen Schritten eines ihnen unbekannten größeren Planes folgen zu können oder wie alle Opfer es ihnen am Ende wert erscheinen. Nun im Frieden mit sich, verabschiedet sich der Protagonist von einem Feind, der nie existiert hat.[2][3]
Hintergrund
Die Ratte ist traditionell das erste Tier der chinesischen Sternzeichen aus insgesamt zwölf Tieren. Als die Kurzgeschichte veröffentlicht wurde, war das letzte Jahr der Ratte das Jahr 2008.[4]
Im Jahr 2015 führte Ken Liu, der die Kurzgeschichte für Invisible Planets übersetzte, ein Interview mit Chen Qiufan und fragte danach, wie seine Geschichten im Westen oft als politische Metaphern über das zeitgenössische China verstanden werden („tend to be read in the West as political metaphors about contemporary China“). Chen Qiufan antwortete:
Ich habe nie versucht, absichtlich politische Metaphern in meinen Werken hervorzuheben. Ich schreibe über Aspekte des Lebens in China, welche ich beobachte, fühle und erlebe – einige gut und andere nicht so gut. Ich bin oft überrascht wie Kritiker tiefere Bedeutung in meinen Geschichten erkennen, an die ich gar nicht gedacht habe.[5] („I’ve never tried to intentionally emphasize political metaphors in my work. I write about aspects of life in China I observe, feel, and experience—some of which are good and some of which are not so good. I’m often surprised by how critics can read deeper meaning into my stories that I didn’t think of.“)
Insbesondere für Das Jahr der Ratte sagte Chen Qiufan, dass viele Studenten im Internet die Kurzgeschichte wegen ihrer Resonanz mit ihrer eigenen Angst über die Zukunft für seine bisher beste hielten („many college students posted on the Web saying that they considered this my best work to date because it resonated with them by expressing the helplessness and confusion concerning the future they felt“).[5]
Kritik
Theresa Delucci schrieb für das Reactor Magazine, dass die Kurzgeschichte eine eingehende Apokalypse („apocalypse abound“) auf einer großen Skala abspiele („plays on a grand scale“).[6] Sam Tomaino schrieb auf sfrevu.com, dass die Kurzgeschichte sehr kreativ sei und unvergessene Bilder liefere („imaginative tale with some images you will never forget“).[7]
Siehe auch
- Die Fische von Lijiang (2006) und Die Blume von Shazui (2011), weitere Science-Fiction-Kurzgeschichte von Chen Qiufan aus Invisible Planets
Weblinks
- Das Jahr der Ratte in der Internet Speculative Fiction Database (englisch)
- 鼠年 in der Chinese Speculative Fiction Database (CSFDB)
- The Year of the Rat auf der Webseite der Universität Florida (englisch)
- The Year of the Rat (englisch), 鼠年 (chinesisch) auf der Webseite des The Leeds Centre for New Chinese Writing