Die Fische von Lijiang
Science-Fiction-Kurzgeschichte von Chen Qiufan von 2006
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Die Fische von Lijiang (chinesisch 麗江的魚兒們 / 丽江的鱼儿们, Pinyin lìjiāng de yúér men) ist eine Science-Fiction-Kurzgeschichte des chinesischen Schriftstellers Chen Qiufan, zuerst veröffentlicht auf Chinesisch in Science Fiction World im Mai 2006 und auf Englisch in Clarkesworld im August 2011. Die Kurzgeschichte erschien ebenfalls in der Anthologie Invisible Planets im Jahr 2016.[1]
Handlung
Nach einem Burnout, verursacht durch die übermäßige Jagd nach materiellem Reichtum statt persönlicher Erfüllung, wird der Protagonist in die Stadt Lijiang geschickt, was auf Chinesisch „Stadt am wunderschönen Fluss“ bedeutet. Lijiang liegt in Südchina, nahe der Grenze zu Myanmar. Da sich die Geschichte in der Zukunft abspielt, ist viel von der natürlichen Schönheit der Stadt über die Zeit verkommen, so ziehen etwa Roboter durch Lijiang und überall sind Hologramme. Selbst der Himmel wird künstlich blau gehalten. In den Wasserwegen der Stadt gibt es jedoch immer noch Schulen von kleinen roten Fischen, welche gegen den Strom schwimmen. Das macht den Protagonisten glücklich, da wenigstens diese Fischschwärme sich seit einem Besuch vor einem Jahrzehnt nicht geändert zu haben scheinen und zudem eine passende Metapher für das Leben selbst sind. Später unterzieht sich der Protagonist einer Prozedur, die das subjektive Zeitempfinden einer Person streckt, sodass eine Erholung vom Burnout ohne lange Behandlung möglich ist. Anschließend kehrt er zu den Fischen zurück und beobachtet, wie der immer gleiche Fisch von der Strömung davongetragen wird und dann zurückkehrt. Wie sich herausstellt, wurden auch die Fische durch Hologramme ersetzt.[2][3][4]
Hintergrund
Um das Jahr 2006 herum arbeitete Chen Qiufan nach dem Universitätsabschluss in einem Immobilienberuf in Shenzhen, als er Lijiang besuchte. Ihm kam die Zeit direkt langsamer vor und sowohl die Berge in der Ferne als auch die Fische in den Kanälen begeisterten ihn. Genau das brachte ihn dazu, über Stadtmenschen wie ihn selbst in einer solchen Umgebung nachzudenken und führte zu der Kurzgeschichte.[5]
Im Jahr 2015 führte Ken Liu, der die Kurzgeschichte für Invisible Planets übersetzte, ein Interview mit Chen Qiufan und fragte danach, wie seine Geschichten im Westen oft als politische Metaphern über das zeitgenössische China verstanden werden („tend to be read in the West as political metaphors about contemporary China“). Chen Qiufan antwortete:
Ich habe nie versucht, absichtlich politische Metaphern in meinen Werken hervorzuheben. Ich schreibe über Aspekte des Lebens in China, welche ich beobachte, fühle und erlebe - einige gut und andere nicht so gut. Ich bin oft überrascht wie Kritiker tiefere Bedeutung in meinen Geschichten erkennen, an die ich gar nicht gedacht habe.[6] („I’ve never tried to intentionally emphasize political metaphors in my work. I write about aspects of life in China I observe, feel, and experience—some of which are good and some of which are not so good. I’m often surprised by how critics can read deeper meaning into my stories that I didn’t think of.“)
Auszeichnungen
Kritik
Lois Tilton schrieb im Locus Magazine, dass die Kurzgeschichte das bekannte dystopische Szenario aus ausgebrannten Arbeitern in einem firmengetriebenen System schildert („familiar dystopian tale about workers burned out in a corporate system“). Hier gäbe es jedoch einen expliziten chinesischen Beigeschmack („explicitly Chinese flavor here“), welche eine Nation im schnellen und schonungslosen Prozess der Modernisierung beschreibt („reflecting a nation caught in a rapid and ruthless process of modernization“).[3]
Dave Truesdale schrieb auf Tangent Online, dass die Kurzgeschichte die immer größer werdende Kluft zwischen Reich und Arm sowie Arbeitenden und idyllischem Reichtum darstellt („portrays the ever-widening gap between rich and poor, laborers and the idle rich“). Chen Qiufan zeichne die Charaktere durch gekonnte kleine Einschübe, welche persönliche Tiefe beitragen („skillfully drops in bits of telling characterization that adds personal depth to the story“). Letztendlich tragen dadurch die sozialen und politischen Beobachtungen eine ganz neue Ebene bei („social and political observation add another layer“). So müsse sowohl ein Lob an Chen Qiufan für das kreative Kernkonzept und die Art der Erzählung sowie an Ken Liu für die lebendige Übersetzung von beidem ausgesprochen werden. („Kudos to Chen for the imaginative core concept and storytelling skill, and to Liu for bringing both alive in translation.“)[4]
Siehe auch
- Das Jahr der Ratte (2009) und Die Blume von Shazui (2011), weitere Science-Fiction-Kurzgeschichte von Chen Qiufan aus Invisible Planets
Weblinks
- Die Fische von Lijiang in der Internet Speculative Fiction Database (englisch)
- 丽江的鱼儿们 in der Chinese Speculative Fiction Database (CSFDB)
- Die Fische von Lijiang im Clarkesworld Magazine (englisch)