David Louis Sneddon
US-amerikanischer Student und Missionar, 2004 in China verschollen
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David Louis Sneddon (* 3. Mai 1980; verschwunden am 14. August 2004) war ein US-amerikanischer Missionar und ein mögliches Entführungsopfer. Sneddon verschwand im August 2004 in der chinesischen Provinz Yunnan spurlos. Als Grund für sein Verschwinden wird vielfach ein tödlicher Unfall angenommen; Zeugen gibt es dafür nicht. Teilweise wird vermutet, Sneddon sei von nordkoreanischen Agenten entführt worden und lebe nun in Pjöngjang, wo er als Sprachlehrer unter anderem für den Machthaber Kim Jong-un tätig sei.
Biografische Angaben
David Sneddons Eltern sind die aus Nebraska stammenden Roy und Kathleen Sneddon. David ist das dritte von insgesamt elf Kindern der beiden.[1] Sneddon wuchs in der Kleinstadt Providence, Utah, auf. Er gehörte wie seine Eltern und Geschwister der Glaubensgruppe der Mormonen an und war aktives Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.
Sneddon studierte an der Brigham Young University in Provo, Utah,[2] Orientalistik und Internationales Recht. Anfang der 2000er-Jahre war er zwei Jahre lang in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul als Missionar für seine Kirche tätig.[3]
Sneddon sprach fließend Koreanisch sowie Mandarin[3] und Japanisch.
Verschwinden

Im Sommer 2004 absolvierte Sneddon einen Sprachkurs an der Zweiten Pekinger Fremdsprachenhochschule. Im Anschluss daran unternahm er eine längere Reise durch den Süden Chinas. Er wurde zuletzt am 14. August 2004 in der Stadt Shangri-La in der chinesischen Provinz Yunnan gesehen, als er in einem koreanischen Restaurant, das er bereits in den vorangegangenen Tagen mehrfach besucht hatte, eine Mahlzeit einnahm. In der Nähe der Stadt befindet sich die Tigersprung-Schlucht; hier soll er eine Wanderung geplant gehabt haben. Danach gibt es keine Spur mehr von Sneddon. Sein Bankkonto verzeichnete nach dem 14. August 2004 keine Bewegungen mehr.[1][4]
Sneddons Verschwinden fiel erst am 26. August 2004 auf, als er zu einem für diesen Tag geplanten Treffen mit seinem Bruder am Flughafen Incheon in Seoul nicht erschien.[5] Sneddons Eltern und einige Geschwister begannen daraufhin mit der Suche in der Region.
Chinesische Behörden hielten einen tödlichen Unfall für die nächstliegende Erklärung: Sneddon sei wahrscheinlich bei seiner Wanderung durch die Tigersprung-Schlucht ins Wasser gestürzt und dabei ums Leben gekommen.[3][6] Ein Leichnam Sneddons wurde nie gefunden.[2]
Mögliche Entführung nach Nordkorea
Nordkorea entführte seit den 1960er-Jahren regelmäßig ausländische Staatsangehörige,[7][8] was 2002 vom damaligen Machthaber Kim Jong-il in begrenztem Umfang bestätigt wurde.[9][Anm. 1]
Erste Berichte über eine mögliche Entführung Sneddons kamen im Jahr 2011 auf. 2013 veröffentlichte die Denkfabrik Hudson Institute auf ihrer Internetseite einen Artikel über von Nordkorea veranlasste Verschleppungsfälle und brachte Sneddon als mögliches weiteres Entführungsopfer ins Gespräch. Das Hudson Institute berief sich dabei auf den japanischen Minister Keiji Furuya, in dessen Zuständigkeitsbereich die Entführungen japanischer Staatsbürger durch die Demokratische Volksrepublik Korea (Rachi Mondai) fiel und der eine Entführung Sneddons durch Nordkorea für „höchstwahrscheinlich“ (most likely) hielt.[6]
Ab 2014 griff eine Reihe US-amerikanischer und britischer Medien die These der Entführung auf. Eine südkoreanische Organisation behauptete unter Berufung auf einen Informanten aus Nordkorea, dass Sneddon unter dem Namen Yoon Bong Soo in Pjöngjang lebe. Er sei dort mit einer Koreanerin verheiratet und habe mit ihr zwei Kinder. Er arbeite als Englischlehrer[2] für hochrangige Kader – nach einigen Quellen auch für den späteren Machthaber Kim Jong-un[2][5] – und habe dabei möglicherweise die Position von Charles Robert Jenkins übernommen,[1] der einen Monat vor dem Verschwinden Sneddons Nordkorea nach 40 Jahren verlassen hatte.[Anm. 2]
Das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten nahm die Berichte über eine mögliche Entführung Sneddons im September 2016 zum Anlass, eine Resolution zu verabschieden. Darin drückte es seine Besorgnis über das bislang ungeklärte Verschwinden Sneddons in China aus und forderte das Außenministerium sowie die Geheimdienste auf, gemeinsam allen Erklärungsversuchen einschließlich einer Entführung nachzugehen und die Möglichkeit einer Beteiligung Nordkoreas zu evaluieren; hierzu solle auch diplomatischer Druck auf Nordkorea ausgeübt werden.[10] Die in der Frühphase von dem späteren US-Außenminister Marco Rubio unterstützte[5] Resolution wurde am 28. September 2016 einstimmig angenommen.
Die nordkoreanische Regierung bestritt in einer Erklärung vom Oktober 2016, Sneddon entführt zu haben.[4]
Etwaige weitere Erkenntnisse wurden in den anschließenden zehn Jahren nicht öffentlich gemacht.
Literatur
- Committee for Human Rights in North Korea (Hrsg.): Taken! North Korea’s Criminal Abduction of Citizens of Other Countries, 2011, ISBN 978-0-9771111-3-8.
- Robert S. Boynton: The Invitation-Only Zone: The Extraordinary Story of North Korea’s Abduction Project. Atlantic Books, 2016, ISBN 978-1-78239-852-3 (englisch).
- Bernd Stöver: Geschichte des Koreakriegs. Schlachtfeld der Supermächte und ungelöster Konflikt. 2. Auflage. 2013, ISBN 978-3-406-64447-4.
Weblinks
Anmerkungen
- Opfer waren vor allem Südkoreaner und Japaner, daneben aber auch mehrere Europäer wie die eine Rumänin (Doina Bumbea), mehrere Libanesinnen (z. B. Siham Shraiteh) und mindestens eine Frau aus Thailand. Auch das Verschwinden des in Bamberg stationierten US-amerikanischen Soldaten Roy Chung im Jahr 1979 wird vielfach für einen Entführungsfall gehalten.
- Der in Südkorea stationierte Soldat Jenkins war im Januar 1965 desertiert und nach Nordkorea übergelaufen. Dort war er jahrzehntelang unter anderem als Englischlehrer an der Kim-Il-sung-Universität tätig (vgl. Charles Robert Jenkins mit Jim Frederick: The Reluctant Communist: My Desertion, Court-Martial, and Forty-Year Imprisonment in North Korea. University Press Group, Berkeley (Kalifornien) u. a., 2009, ISBN 978-0-520-25999-7, ISBN 978-0-520-25333-9, S. 167). Im Juli 2004 verließ Jenkins mit seiner Familie Nordkorea.