Demon Copperhead

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Demon Copperhead ist ein 2022 erschienener Roman der US-amerikanischen Schriftstellerin Barbara Kingsolver. Die deutsche Übersetzung von Dirk van Gunsteren wurde 2025 veröffentlicht. Der in Appalachia, einem von Armut und Vorturteilen geprägten US-amerikanischen Kulturraum, spielende Roman befasst sich mit Themen der sozioökonomischen Stratifikation, den Ursachen und Folgen von Drogenabhängigkeit, insbesondere der Opioid-Krise in den Vereinigten Staaten, Kinderarmut insbesondere durch den Verlust von Eltern durch Tod oder Drogensucht und den ländlichen USA. Gerahmt wird er zu Ende des Romans als ein Bericht, den die Hauptfigur nach seinem Entzug schreibt, um den Ursprüngen des Elends in Appalachia auf die Spur zu kommen.

Der Roman orientiert sich in Personen und Verlauf der Geschichte eng an David Copperfield von Charles Dickens.[1][2]

Die Geschichte gestaltet sich in einem Spannungsfeld zwischen den adversen Bedingungen, unter denen die Hauptfigur aufwachsen muss, seinem Durchhaltewillen, seiner Resilienz und Leistungsfähigkeit beim Zeichnen und im Sport sowie einigen sehr negativ gezeichneten bzw. sehr positiv gezeichneten Charakteren. Zu den negativen gehören Demons Stiefvater Stoner, Fast Forward, sein Pflegevater Mr. Crickson sowie der U-Haul, der zu den sehr positiven die Nachbarin Jane Peggot und ihre Eltern, das Ehepaar Peggot, das Pflegekind Tommy Waddles, Demons Großmutter Betsy Woodall und ihr Bruder Mr. Dick, die Tochter von Demons Foorball-Trianer, Angus Wingfield, Demons Lehrer Annie und Lewis Anderson sowie Hammer Kelly, ein Verwandter der Peggots. Weniger schwarzweiß gezeichnet sind Demons Mutter, sein Freund Maggot und seine Jugendfreundin Emmy.

Die Geschichte wird chronologisch erzählt, besteht aber aus Episoden, die in Figuren und Ton relativ isoliert sind: Demons Zeit mit seiner Mutter, die Zeit in den Pflegefamilien, der erste Wendepunkt durch den Kontakt mit seiner Großmutter, die Zeit der persönlichen Entwicklung bei Coach Winfield, der zweite Wendepunkt durch Verletzung und Schmerzmittelsucht, der Abstieg bis zur Einwilligung in die Therapie, die Rückkehr nach Lee County und der Aufbruch zum Ozean.

Handlung

Hauptfigur des in der Ich-Perspektive erzählten Romans ist Damon Fields, der als Sohn einer alleinstehenden jungen Mutter, die sowohl von Drogen als auch von Alkohol abhängig ist, im ländlichen Lee County in Virginia geboren wird. Sein Vater, ein Melungeon, ist bereits vor seiner Geburt gestorben. Damon Fields, aufgrund seines roten Haars Demon Copperhead genannt, wächst zunächst mit seiner Mutter in einem Trailer auf. Neben der unzuverlässigen, aber als zugewandt geschilderten Mutter kümmert sich die Nachbarfamilie Peggot um ihn. Sie sind Großeltern, die einen Enkel in Demons Alter großziehen, dessen Mutter eine Haftstrafe verbüßt. Matty Peggot, genannt Maggot, wird zu einem Freund. Mit den Peggots unternimmt Demon seine erste Reise nach Knoxville zu deren Tochter June und Enkelin Emmy, mit der Demon eine kindliche Liebesbeziehung eingeht.

Demons Mutter heiratet unvermittelt einen Mann, der sich als gewalttätig herausstellt. Nachdem sie wieder Drogen nimmt, sorgt dieser dafür, dass Demon in eine Pflegefamilie kommt, da er ihm die Schuld am Rückfall zuschreibt. Demon kommt auf die verkommene Creaky Farm, dessen Besitzer Mr. Crickson ihn und die dort lebenden Pflegekinder Tommy und Swap-Out für Arbeit ausnutzt, einschließlich der gesundheitsgefährdenden Tabakernte. Demon probiert hier zum ersten Mal selbst Drogen, die ihm von Fast Forward, dem Quarterback des lokalen High-School-Football-Teams gegeben werden, der ebenfalls auf der Farm lebt, aber nicht zur Feldarbeit herangezogen wird. Sowohl Demon als auch Tommy zeichnen.

An seinem 11. Geburtstag wird Demon mitgeteilt, dass seine Mutter an einer Überdosis Oxycodon gestorben ist. Nach der Beerdigung verbringt er Weihnachten mit den Peggots in Knoxville und bekommt dort von June Zeichenmaterialien geschenkt, die sich später als sehr wichtig erweisen werden. Schon vorher hat Demon gerne gezeichnet, aber im weiteren Verlauf des Romans erweist sich das Zeichnen von Comics als eine Begabung, mit der er Anerkennung erhält und Geld verdienen kann. June zieht nach Lee County zurück, unter anderem deswegen, weil ihre Kollegen in Knoxville sie als Redneck verspotten.

Nach Weihnachten wird Demon einer neuen Pflegefamilie zugewiesen, die ebenfalls hauptsächlich an dem Geld interessiert ist, das sie für ihn erhält, und ihn vernachlässigt. Anders als auf Creaky Farm beginnt er in seltenen Fällen, sich zu wehren. Zudem verdient er bei einem Dalit Geld, indem er hinter dessen Tankstelle Müll sortiert. Hier begegnet er auch Swap-Out wieder.

Im darauffolgenden Sommer trampt Demon nach Murder Valley in Kentucky, wo er die Mutter seines Vaters vermutet und auch findet. Er verbingt bei ihr und ihrem Bruder Mr. Dick einige Zeit, in der er zum ersten Mal kontinuierliche Fürsorge erfährt. Zu Beginn des nächsten Schuljahres bringt seine Großmutter ihn beim Witwer einer ehemaligen Pflegetochter in Lee County unter. Dieser Mann, Winfield, ist der wohlhabende Coach des Football-Teams der Lee High School. Mit ihm und seiner Tochter Agnes, genannt Angus, lebt Demon in materiellem Wohlstand zusammen. Trotz dieser Erleichterungen seines Lebens fühlt Demon sich nicht zugehörig.

Eine Beziehung entwickelt Demon auch zu seinem schwarzen Englischlehrer Armstrong und seiner Kunstlehrerin Annie. Beide fördern, wie Coach Winfield, seine Fähigkeiten, in diesem Fall das Zeichnen von Comics, das er schon als Kind betrieben hat.

Eine Wendung deutet sich an, als Demon sich auf den ersten Blick in Dori verliebt, ein etwas älteres Mädchen, das die Schule beendet hat, um seinen kranken Vater zu pflegen. Im Roman dauert es eine Weile, bis er Kontakt zu ihr aufbauen kann.

Ab hier verlaufen viele kurze Erzählstränge teils parallel. Demon bringt Fast Forward mit den Peggots zusammen. Dies erweist sich insofern als kritisch, als Emmy ihre kurze Beziehung zu Hammerhead Kelly beendet und Fast Forward Emmy mit Drogen in Kontakt bringt und später als Lockvogel ausnutzt. Fast Forwards ehemalige Pflegeschwester Rose Dartnell versucht erfolglos, Demon zu warnen; sie informiert ihn über Fast Forawrds Gewalttendenzen, hat allerdings selbst eine enge Beziehung zu ihm. Kurz darauf versucht Demon mit Fast Forward, Emmy und Maggot an den Ozean zu fahren, von dem er schon sein Leben lang träumt. Die Reise endet allerdings schon in Richmond in Virginia, wo Fast Forward Drogengeschäfte zu erledigen hat und dann umkehrt.

Kurz darauf verletzt sich Demon bei einem Footballspiel das Knie. Er erhält keine Behandlung, zum Teil, weil er nicht krankenversichert ist, sondern Oxycodon, von dem er, trotz Junes Warnungen, schnell abhängig wird. Dori versorgt ihn zudem mit dem stärkeren Fentanyl, das sie von ihrem Vater stiehlt. Nach dessen Tod ist sie zunehmend weniger in der Lage, ihr Leben zu leben. Demon zieht bei ihr ein und hält sie mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Er erfährt, dass Emmy ebenfalls angefangen hat, Drogen zu nehmen und mit Fast Forward weggegangen ist. Es gelingt June mit ihrem Bruder und Demon, Emmy zurückzuholen und in eine Entzugsklinik zu bringen. In einer knappen Parallelgeschichte wird Angus mit der Alkoholsucht ihres Vaters von U-Haul erpresst, kann aber Demon dazu bringen, sie vor der Erpressung zu schützen.

Demon kann in einer Zeitschrift, für die Tommy, arbeitet, Comic Panels unterbingen, zunächst anonym. Langsam geht er beim Zeichnen von Superhelden zu Geschichten über die Bewohner von Appalachia, hier Rednecks genannt, über.

Dori eröffnet Demon, dass sie schwanger ist, und beide versuchen, für das ungeborene Kind weniger Drogen zu nehmen. Allerdings erleidet Dori eine Fehlgeburt. Danach steigert sich ihr Drogenkonsum, bis sie schließlich an einer Überdosis stirbt. Demon verlässt ihr Haus und zieht zu den Peggots, wo er mit Maggot, der von Methamphetamin abhängig ist, in einem Zimmer lebt.

Einen gewissen Kulminationspunkt entwickelt der Roman, als Rose Dartnell, Maggot und Demon Fast Forward an einem Wasserfall des Namens Devil's Bathtub (die Badewanne des Teufels) treffen wollen. Sie nehmen Hammerhead Kelly mit, den sie zufällig auf einer Straße finden. Auch er hat, aus Kummer über Emmy, angefangen, Drogen zu nehmen. An dem Wasserfall entwickelt sich die Situation sehr ungünstig. Kelly hat ein Gewehr mitgenommen. Fast Forward, der gerade einen Sprung in das Wasserbecken machen will, wird von einem Freund auf das Gewehr aufmerksam gemacht, schlägt beim Sprung auf einen Felsen auf und stirbt. Hammer Kelly ertrinkt bei dem Versuch, ihn zu retten.

June finanziert Demon einen Entzug in Knoxville. Demon nimmt hier das Zeichnen wieder auf und entwickelt auf Anregung und mit Hilfe von Tommy eine Graphic Novel über die Geschichte der Menschen in Appalachia, insbesondere deren soziale Abwertung. Mehrere Jahre später hat er einen Buchvertrag für diese in Aussicht; sie soll High Ground heißen, eine Anspielung auf die Berge Appalachias und die mit ihr verbundenen Lebensweisen der Menschen. Um diesen Vertrag mit Annie, seiner früheren Lehrerin, zu besprechen, fährt er trotz seiner Angst vor den traumatischen Erinnerungen, mit denen der Ort verbunden ist, nach Lee County zurück und besucht dort seine Großmutter Betsy, ihren Bruder Dick und June. Annie trifft er nicht, da sie iein Kind bekommt. Demon bleibt aber für eine Abschiedsparty von Coach Winfield und hilft Angus, die in Nashville Psychologie studiert, ihr ehemaliges Haus zu räumen. Das Buch endet damit, dass Angus und Demon spontan in Richtung des Ozeans fahren.

Personen

Zahlreiche Personen des Buchs haben enge Bezüge zu Charakteren aus Charles Dickens' David Copperfield. In der folgenden Liste stehen die Personen bei Dickens in Klammern; die Liste folgt der Reihenfolge des Auftretens im Buch:

  • Damon Fields – genannt Demon Copperhead (David Copperfield)
  • "Mom" – Demons Mutter (Clara Copperfield)
  • Matt Peggot – Maggot genannt. Zunächst Demons bester Freund. Er lebt lange bei seinen Großeltern Peggott, am Ende des Romans mit seiner Mutter, nachdem er wegen Drogenhandel eine Jugendstrafe abgesessen hat (Daniel Peggotty)
  • Mrs. Peggot – Nachbarin von Demon und seiner Mutter mit einer großen Familie. Das Ehepaar Peggot kümmert sich oft um Demon, während er bei seiner Mutter lebt (Clara Peggotty)
  • Mr. Peggot – von Demon Mr. Peg genannt. Ehemann von Mrs. Peggot
  • June Peggot – Tochter der Peggots, ausgebildete Krankenschwester, zunächst in Knowville, später wieder in Lee Country lebend.
  • Emmy – eine Enkelin der Peggots, die von ihrer Tante June erst aufgenommen, später adoptiert wird. Demons erste Liebe (Emily oder Little Em'ly)
  • Stoner – Demons brutaler Steifvater (Edward Murdstone)
  • Hammerhead Kelly – Ein Verwandter der Peggots (Ham Peggotty)
  • Tommy Waddell – Waddles. Wie Demon Pflegekind auf Creaky Farm. Freund von Demon, auch wenn sie sich lange aus den Augen verlieren. Sehr wichtig für Demons Zeichnen und damit zumindest indirekt für seinen Ausstieg aus den Drogen (Tommy Traddles)
  • Swap-Out – Wie Demon Pflegekind auf Creaky Farm
  • Sterling Ford – Spitzname Fast Forward. Star des Footballteams und gemeinsam mit Demon Pflegekind in Creaky Farm. (James Steerforth)
  • Mr Crickson – für seine Pflegekinder Creaky. Er hat einen Bauernhof, auf dem er seine Pflegekinder für die Arbeit ausnutzt (Versorgen des Viehs, Reparaturarbeiten, Tabakernte) (Mr. Creakle)
  • Mr und Mrs McCobb – die Familie, bei der Demon untergebracht wird, nachdem der Mr Cricksons Hof verlassen hat (Wilkins Micawber and Emma Micawber)
  • Betsy Woodall – Großmutter väterlicherseits, die Demon bei Coach Winfield unterbringt und für ihn zahlt (Betsey Trotwood)
  • Dick – Betsys Bruder (Mr Dick)
  • Coach Winfield – Coach der Football-Mannschaft. Demon lebt bei ihm, nachdem er einen Sommer bei seiner Großmutter verbracht hat und wird von ihm trainiert (Mr Wickfield)
  • Angus – die Tochter von Winfield, mit der Demon lange zusammenlebt (Agnes Wickfield)
  • Ryan Pyles – Spitzname U-Haul. Verantwortlich für die Ausrüstung der Football-Mannschaft (Uriah Heep)
  • Mr Armstrong – Lehrer und Berater an Demons Sekundarschule, der Demons unterstützt (Dr Marcus Strong)
  • Ms Annie – Kunstlehrerin an an Demons Schule, die seine künstlerischen Aktivitäten unterdtützt und ihn fördert (Annie)
  • Vester Spencer – Eigentümer eines Baumarkts und Futtermittelgeschäfts, in dem Demon arbeitet. Er stirbt an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung und hinterlässt seine Tochter Dori (Francis Spenlow)
  • Dori – Vester Spencers Tochter, die die Schule abbricht, um ihren Vater zu pflegen. Demon verliebt sich in sie. Beide sind abhängig von Oxycodon und anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten (Dora Spenlow)
  • Jip – Doris Hund, der für sie eine sehr wichtige Rolle spielt (Jip)
  • Rose Dartell – Pflegeschwester von Fast Forward (Miss Rosa Dartle)
  • Mouse – Freundin von Fast Forward (Miss Mowcher)

Rezeption

Das Buch gewann im Jahr 2023 den Women’s Prize for Fiction sowie gemeinsam mit einem anderen Roman den Pulitzer-Preis.[3][4] Ron Charles von der The Washington Post lobte Demon Copperhead als seinen Lieblingsroman im Jahr 2022.[3] In The Guardian schrieb Elizabeth Lowry, dass Kingsolvers scharfe Kritik an institutionalisierter Armut und ihren schädlichen Auswirkungen auf Kinder aktuell sei, dass aber die Aufgabe, Dickens’ Roman zu modernisieren, dadurch erschwert würde, dass sich gesellschaftliche Normen seit damals stark gewandelt hätten. Andere Kritiker wie Lorraine Berry von The Boston Globe kritisieren, dass der Roman den Menschen aus Appalachia Mitgefühl erweist, aber auch nahelegt, dass der Abstieg in den Drogenmissbrauch, die Ablehnung von Bildung und das Festhalten an Gewohnheiten individuelle Entscheidungen seien.[5]

Auch in Deutschland sind die Eindrücke gemischt. Rainer Moritz von Deutschlandfunk Kultur bezeichnet das Buch als scharfsinnigen und vielseitigen Sozialroman und lobt die Bezugnahme auf Dickens sowie die deutsche Übersetzung.[6] Für Harald Hordych (Süddeutsche Zeitung) ist der Roman trotz allen Risikos nicht sozialkitschig.[7] Petra Pluwatsch bestätigt dem Roman in der Frankfurter Rundschau Eigenständigkeit gegenüber der Dickens-Vorlage, interessante Figuren und eine frech-ironische Sprache.[8] Kai Sina hingegen beklagt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Längen und einen relativ schematischen Ablauf, erkennt aber ebenfalls an, dass es Barbara Kingsolver gelingt, keinen lediglich mitleiderregenden Augenzeugenbericht von ganz unten zu schreiben.[9] Christoph Schröder wünscht sich im Deutschlandfunk wünscht sich mehr Selbständigkeit gegenüber der Dickens-Vorlage und lobt vor allem die Landschaftbeschreibungen.[10] Hannes Stein merkt in Die Welt an, dass Kingsolver die mythischen Aspekte der Dickens-Vorlage verkenne.[11] Eberhard Rathgeb von Die Zeit findet den Roman eher traditionell und unterhaltungsorientiert und beklagt, dass die lange, glatte und pointierte Erzählung durch Demon Copperhead selbst nicht glaubhaft sei.[12]

Preise und Ehrungen

Preise

Ehrungen

Einzelnachweise

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