Denkmalliste der Stadt Dortmund
Denkmalliste der Stadt Dortmund
From Wikipedia, the free encyclopedia
Die Denkmalliste der Stadt Dortmund ist die Denkmalliste, in der die denkmalgeschützten Kulturdenkmale Dortmunds eingetragen sind. Sie umfasste am 25. Januar 2025 insgesamt 1015 Kulturdenkmale; davon waren 987 Baudenkmale, 21 Bodendenkmale und 6 bewegliche Denkmale. Hinzu kommt ein Denkmalbereich.

Hintergrund
Geschichte Dortmunds

Menschliche Siedlungsspuren reichen auf Dortmunder Gebiet bis in die Jungsteinzeit zurück. Urkundliche Erwähnungen beginnen 775 mit der Eroberung der Syburg durch Karl den Großen. Dortmund geht vermutlich auf eine karolingische Reichshofgründung zurück. Die erste Erwähnung des Ortsnamens datiert auf die Zeit zwischen 880 und 884; einige der heutigen Stadtteile wie beispielsweise Aplerbeck, Brackel, Huckarde oder Oespel weisen ein ähnlich hohes Alter auf.
Mit dem Herrschaftswechsel von den Karolingern zu den Ottonen entwickelte sich Dortmund zur Königspfalz. Damit siedelten sich Handwerker und Händler in Dortmund an; Münzfunde aus der Zeit zwischen 983 und 1106 deuten auf eine frühe Fernhandelstätigkeit Dortmunder Kaufleute hin. Der Kölner Erzbischof Friedrich von Schwarzenburg zerstörte 1114 die Stadt, nach dem Wiederaufbau zerstörte sie der Sachsenherzog Lothar von Supplinburg 1115 erneut. Unter Friedrich Barbarossa entstand eine neue Pfalz. Dortmund entwickelte sich in der Folge zur Reichsstadt, während die Umgebung zunehmend unter märkischen und teils kölnischen Einfluss geriet.
Die Kaufleute der Stadt schlossen sich der Hanse an. Diese entwickelte sich zu einem Städtebündnis, dessen westfälischer Vorort Dortmund war. Im Jahr 1232 zerstörte ein Brand große Teile der Stadt. In den folgenden Jahrzehnten erlebte Dortmund eine erste Blüte. Erst als der „Schwarze Tod“ 1350 Dortmund erreichte, kam es zu einem leichten Einbruch. Der Reichtum der Stadt weckte weiterhin Begehrlichkeiten der umliegenden Territorialherrscher. In der Dortmunder Fehde von 1388 konnte sich die Stadt einer Eroberung durch eine Koalition unter märkischer und kölnischer Führung widersetzen, musste sich allerdings hoch verschulden. Der Wohlstand der Stadt hielt aber an und fand Ausdruck in zahlreichen Kulturleistungen.
Anfang bis Mitte des 15. Jahrhunderts kam es immer wieder zu Seuchenausbrüchen, die die Einwohnerzahl stark dezimierte. Im Zuge der Soester Fehde gab es Unruhen und Zerstörungen in der Stadt. Mit Beginn des Überseehandels setzte ein Strukturwandel ein, der zum Niedergang der Hanse und Dortmunds führte. Dortmund konnte aber die Reichsfreiheit behaupten und erhielt sogar die volle Herrschaft über die Grafschaft Dortmund.
Im 16. Jahrhundert kam es zu konfessionellen Auseinandersetzungen, an deren Ende sich in Dortmund die lutherische Konfession durchsetzte. Der endgültige Niedergang Dortmunds zur Ackerbürgerstadt setzte mit dem Dreißigjährigen Krieg ein, die Stadt wurde nach mehreren erfolglosen Belagerungen 1632 erobert. Während der Besetzung kam es zu häufigen Plünderungen und der Erlahmung des Wirtschaftslebens, Seuchen verringerten die Einwohnerzahl auf ein Drittel.
Erst Ende des 18. Jahrhunderts führte die Sonderstellung als Reichsstadt im nun preußischen Gebiet zu einem leichten Aufstieg Dortmunds, nach dem Reichsdeputationshauptschluss wurde Dortmund jedoch ebenfalls preußisch. Kohleförderung und Stahlverarbeitung leiteten in Dortmund zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung ein. Die Bevölkerungszahlen stiegen rapide an: umgerechnet auf das heutige Stadtgebiet stieg die Einwohnerzahl von 31.211 im Jahr 1843 auf 379.950 im Jahr 1905. Das Industriezeitalter veränderte das Aussehen der Städte und Gemeinden nachhaltig, zwischen 1905 und 1929 wurden die umliegenden Orte nach Dortmund eingemeindet und die Stadt erhielt ihre heutige Ausdehnung.
Während des Zweiten Weltkriegs war Dortmund als Industriestandort Ziel britischer Luftangriffe, bei insgesamt acht Großangriffen zwischen 1943 und 1945 wurden etwa 95 % der Bausubstanz im Stadtkern zerstört. Nach dem Krieg gab es Überlegungen, die Stadt an anderer Stelle neu zu errichten, der Wiederaufbau vollzog sich jedoch schneller. Die Stadtplanung zielte darauf ab, ausreichend Wohnraum zu schaffen und den Wiederaufbau voranzutreiben, später orientierte sie sich am Ideal der autogerechten Stadt.
Ab den 1950ern setzte ein Strukturwandel ein, der bis heute anhält. Durch die damit verbundene Deindustrialisierung gingen rund 90.000 Arbeitsplätze verloren, die letzte Zeche schloss 1987. Während der Internationalen Bauausstellung Emscher Park von 1989 bis 1999 wurden ehemalige Industrieanlagen zu Kulturdenkmalen umgewandelt. Diese Industriedenkmale sind heute über die Route der Industriekultur erschlossen, in Dortmund etwa durch die Themenroute 6 – Dortmund: Dreiklang Kohle, Stahl und Bier. Im Jahr 2010 war Dortmund Teil der RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas unter dem Motto „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“.[1][2]
Denkmalwesen in Dortmund

Gemäß dem Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler im Lande Nordrhein-Westfalen (Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen, DSchG NRW) bildet die Stadt Dortmund die Untere Denkmalbehörde für Dortmund, als Obere Denkmalbehörde fungiert die Bezirksregierung Arnsberg.[3] Die Stadt Dortmund hat dazu eine Denkmalbehörde beim Stadtplanungs- und Bauordnungsamt eingerichtet.
Die Untere Denkmalbehörde hat eine Denkmalliste zu führen.[4] Diese ist in Dortmund nach den Stadtbezirken Aplerbeck, Brackel, Eving, Hombruch, Hörde, Huckarde, Innenstadt-Nord, -Ost, -West, Lütgendortmund, Mengede und Scharnhorst unterteilt.[5] Die Liste der Baudenkmale basiert im Wesentlichen auf der Liste des nordrhein-westfälischen Kultusministers von 1979. Nach der Verabschiedung des Denkmalschutzgesetzes in Nordrhein-Westfalen stellte der Rat der Stadt Dortmund am 30. Juni 1983 eine erste Denkmalliste auf, die in den folgenden Jahren mehrfach ergänzt und verändert wurde.[6]
Die Eintragung von Kulturdenkmalen in diese Listen erfolgt im Benehmen mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL),[4] der auch eine fachliche Beratung durch die LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen und die LWL-Archäologie für Westfalen bietet. Seit dem 29. März 1984 entscheidet der Rat der Stadt Dortmund über Änderungen an der Denkmalliste. Ausgenommen davon sind Denkmale im Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen und der Bundesrepublik Deutschland, über deren Eintragung die Bezirksregierung Arnsberg entscheidet.[6]
Denkmalliste
Die Liste umfasst die Listennummer der Denkmalbehörde der Stadt Dortmund, falls vorhanden den Namen, sonst kursiv den Gebäudetyp, falls vorhanden die Adresse, den Stadtbezirk, in dem das Denkmal liegt und falls vorhanden eine Fotografie des Denkmals. Der Name entspricht dabei der Bezeichnung durch die Denkmalbehörde der Stadt Dortmund. Abkürzungen wurden zum besseren Verständnis aufgelöst, die Typografie an die in der Wikipedia übliche angepasst und Tippfehler korrigiert. Die hier aufgeführte Liste gibt die Denkmalliste vom 25. Januar 2025 wieder.
Baudenkmale
Baudenkmale sind „Denkmäler, die aus baulichen Anlagen oder Teilen baulicher Anlagen bestehen.“[7] Die Denkmalliste der Stadt Dortmund umfasst 987 Baudenkmale Davon befinden sich 246 im Stadtbezirk Innenstadt-West, 118 in der Innenstadt-Nord, 114 in der Innenstadt-Ost, 103 in Hörde, 78 in Mengede, 62 in Lütgendortmund, je 58 in Aplerbeck und Hombruch, 42 in Eving, 41 in Brackel, 34 in Huckarde sowie 33 in Scharnhorst.[5]

Bodendenkmale
Bodendenkmale sind „bewegliche oder unbewegliche Denkmäler, die sich im Boden befinden oder befanden“[8]. Die Denkmalliste der Stadt Dortmund umfasst 21 Bodendenkmale, darunter zehn ehemalige Befestigungs-/Burganlagen oder Adelssitze, fünf bergbaugeschichtliche Stätten sowie je zwei vorgeschichtliche Siedlungsspuren und ehemalige Sakralbauten. Von den insgesamt 21 Bodendenkmalen befinden sich fünf im Stadtbezirk Hörde, vier in Aplerbeck, je drei in Huckarde und Innenstadt-West, je zwei in Mengede und Scharnhorst sowie je eines in Brackel und Hombruch. In den Stadtbezirken Eving, Innenstadt-Nord, -Ost und Lütgendortmund sind keine Bodendenkmale eingetragen.[5]
Bewegliche Denkmale
Bewegliche Denkmale sind „alle nicht ortsfesten Denkmäler“[9]. Die Denkmalliste der Stadt Dortmund umfasst sechs bewegliche Denkmale, davon befinden sich drei im Stadtbezirk Innenstadt-West sowie je eins in Aplerbeck, in Lütgendortmund und in Mengede. In den übrigen Stadtbezirken sind keine beweglichen Denkmale eingetragen.[5]
| Bild | Bezeichnung | Lage | Beschreibung | Bauzeit | Eingetragen seit |
Denkmal- nummer |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Steinkreuz | Aplerbeck Ruinenstraße 37 Karte |
Das Sandsteinkreuz des Johannes Mullenius aus dem Jahr 1581 wurde 1994 als bewegliches Denkmal in die Denkmalliste der Stadt Dortmund aufgenommen. Es war in einer Kellerwand eines Hauses in der Jasminstraße 38 gefunden worden. Unklar ist bis heute, wann und wie es dorthin gelangte – möglicherweise beim Bau 1901 oder erst beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg 1949. Nach dem Abriss des Hauses im Jahr 1999 wurde das Kreuz geborgen, dabei beschädigt und anschließend lange Zeit ungeschützt gelagert. Erst durch das Engagement des Aplerbecker Geschichtsvereins und die Finanzierung durch den Förderverein der Georgskirche konnte es restauriert und schließlich in der Georgskirche ausgestellt werden. Die Restaurierung machte die Inschrift „Joes Mullenius“ sowie „Ano 1581“, vermutlich das Erstellungsjahr weitgehend lesbar und bestätigte damit die Datierung ins 16. Jahrhundert. Darüber hinaus lässt sich „Brod/er“ (Bruder) entziffern. Ob es sich um ein Grabmal oder ein Sühnekreuz handelt, bleibt ungeklärt.[10] | 1581 | 23. September 1994 | C 01 | |
| Ibach-Orgel | Lütgendortmund Engelbertstraße 3 Karte |
C 02 | ||||
| historisches Mobiliar der Victoria-Apotheke in Wuppertal | Innenstadt-West Markt 4 Karte |
C 03 | ||||
| Straßenbahntriebwagen Nr. 290 | Mengede Mooskamp 23 Karte |
Der Straßenbahntriebwagen 290 wurde 1950 von der Firma Fuchs gebaut und ist ein typisches Beispiel für Straßenbahnfahrzeuge der frühen 1950er Jahre. Mit einer Länge von 10,5 Metern verfügt er über markante Rundscheinwerfer, zusätzliche Brems- und Schlusslichter sowie seitliche Blinker, die über einen 24-Volt-Niederspannungskreis betrieben werden. Der Wagen wurde an die Dortmunder Stadtwerke (DSW) ausgeliefert und zunächst im klassischen elfenbeinfarbenen Design eingesetzt, bevor er 1966 eine neue Lackierung erhielt. Bis 1973 war er auf mehreren Strecken im Einsatz.[11] | 1950 | C 04 | ||
| Straßenbahntriebwagen Nr. 292 mit Beiwagen 712 | Innenstadt-West Dorstfelder Hellweg 3 Karte |
C 05 | ||||
| historisches Mobiliar der Löwen-Apotheke in Remscheid | Innenstadt-West Markt 4 Karte |
C 06 |
Denkmalbereiche
Denkmalbereiche sind „Mehrheiten von baulichen Anlagen“[12], die nicht im Einzelnen Baudenkmale sein müssen. In Dortmund bildet die Siedlung Oberdorstfeld einen solchen Denkmalbereich. Insgesamt 72 der 510 Gebäude innerhalb der Siedlung sind wiederum Baudenkmale.[5]
| Bild | Bezeichnung | Lage | Beschreibung | Bauzeit | Eingetragen seit |
Denkmal- nummer |
|---|---|---|---|---|---|---|
weitere Bilder |
Siedlung Oberdorstfeld | Innenstadt-West Am Rode 2–20 (gerade) Dickebankstraße 1–19, 21–30, 32–42 (gerade) Fritz-Funke-Straße 1–29, 31–37 (ungerade), 38–59 Hügelstraße 2–48 (gerade) Karlsglückstraße 1–46, 48 Knappenstraße 1–15, 13a, 17–28, 30–44 (gerade) Kometenstraße 1–14, 16–20 (gerade) Lange Fuhr 2–58 (gerade) Sengsbank 1–43 (ungerade) Wittener Straße 139–143 (ungerade), 145–154, 156–224, 226–292 (gerade) Zechenstraße 1–92, 94–134 & 144–150 (gerade) Zollvereinstraße 1–12 Karte |
Die Siedlung wurde zwischen 1913 und 1919 als Wohnsiedlung für die Bergarbeiter der Zeche Dorstfeld errichtet. Die vom Essener Architekten Oskar Schwer errichtete Siedlung trägt die Züge einer Gartenstadt. Charakteristisch ist die gewachsen wirkende Anordnung der Straßenräume, Plätze, Gärten und Häuser.
1920–26 wurde die Siedlung nach Norden und Osten erweitert, dieser Bereich steht jedoch nicht unter Denkmalschutz. Bauträger war hier die Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten im rheinisch-westfälischen Steinkohlebezirk GmbH, die durch den Berliner Architekten Otto Rudolf Salvisberg weitere eineinhalbgeschossige Reihenhäuser errichten ließ. |
1913–1926 | 1993 | D 01 |
Siehe auch
Literatur
- Hans Magoley, Norbert Wörner: Architekturführer Dortmund. Hrsg.: Bund Deutscher Architekten (= Architektur im Ruhrgebiet. Band 1). Ruhfus, Dortmund 1984, ISBN 3-7932-5012-1.
- Horst Appuhn: Dortmund. Hrsg.: Hermann Busen (= Westfälische Kunst). Deutscher Kunstverlag, München 1970.
- Ellen-Senta Altenloh: Vom romanischen Sakralbau zum Industriedenkmal. Quellen und Dokumente zur Dortmunder Denkmalpflege. Hrsg.: Denkmalbehörde der Stadt Dortmund. Dortmund 1990.
- Dorothea Kluge, Wilfried Hansmann: Nordrhein-Westfalen II. Hrsg.: Dehio-Vereinigung (= Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Westfalen). Deutscher Kunstverlag, München 1969, ISBN 3-422-00390-8.
- Claudia Euskirchen, Olaf Gisbertz, Ulrich Schäfer: Nordrhein-Westfalen II. Hrsg.: Dehio-Vereinigung (= Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Westfalen). 2., überarbeitete Auflage. Deutscher Kunstverlag, München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2.
- Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Dortmund-Stadt. Hrsg.: Provinzial-Verband der Provinz Westfalen (= Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Band 2). Schöningh, Münster 1894 (archive.org).
- Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Dortmund-Land. Hrsg.: Provinzial-Verband der Provinz Westfalen (= Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Band 3). Schöningh, Münster 1895 (archive.org).
- Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Hörde. Hrsg.: Provinzial-Verband der Provinz Westfalen (= Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Band 4). Schöningh, Münster 1895 (archive.org).