Der Fuchs, der Krebs und die Schildkröte
türkisches Tiermärchen (ATh 1074 + 275)
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Der Fuchs, der Krebs und die Schildkröte ist ein türkisches Tiermärchen (ATh 1074 + 275).[1]
Handlung
Der Fuchs, der Krebs und die Schildkröte beschlossen einmal zusammen ein Feld neben einem Berg zu bestellen, als die Arbeit jedoch beginnen sollte, meinte der Fuchs, dass er sich gegen den Berg stemmen werde, damit dieser nicht zusammenstürze und ihre Arbeit zunichte mache. Der Krebs und die Schildkröte plagten sich daraufhin sechs Monate ab, während der Fuchs im Schatten gegen den Fels gelehnt saß. Als die Ernte anfiel meinte der Fuchs, dass sie darum ein Wettrennen veranstalten sollten. Die beiden anderen stimmten seinem Vorschlag zu, dass der erste die Frucht, der zweite die Halme und der letzte nichts bekommen sollte. Die Schildkröte aber hatte ihre Frau eingeweiht, die am Ziel bereitstand, um vorzugeben, erste zu sein, wohingegen der Krebs auf den Schwanz des Fuchses stieg und dem Fuchs, als dieser sich auf die Halme setzten wollte, um sie zu beanspruchen, Einhalt gebot, sodass dieser leer ausging.[1]
Hintergrund
Das Märchen stammt aus Yusuf Ziya Demircioğlus Geschichten und Märchen bei Nomaden und Bauern (Istanbul 1934, S. 62–63) und erhielt im Deutschen in Otto Spies’ Die Märchen der Weltliteratur – Türkische Märchen (Düsseldorf / Köln 1967) den Titel Der Fuchs, der Krebs und die Schildkröte. Nach Wolfram Eberhards und Pertev Naili Boratavs Typen türkischer Volksmärchen (Wiesbaden 1953) bekam es den Typ 4. In M. Lidzbarskis Geschichten und Lieder aus den neuaramäischen Handschriften (Weimar 1896, S. 91) wird die Ernteteilung zwischen Fuchs und Krebs ebenfalls durch ein Wettrennen entschieden, das der Krebs durch eine List gewinnt. In Ostafrika ist es die Schildkröte, die den Wettlauf für sich entscheiden kann (vgl. Carl Meinhofs Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen (Jena 1921, Nr. 17) und R. Bassets Contes populaires berbères I (Paris 1887, Nr. 6)). Im Arabischen überlistet der Igel den Wolf (vgl. Stumme in der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 48, Nr. 3), ebenfalls im Arabischen sowie im Maltesischen der Igel den Schakal (vgl. Stummes Maltesische Märchen, Nr. 33). Mit dem Märchen verwandt ist Grimms Der Hase und der Igel.[1] Verglichen werden kann auch Joan Amades’ Gevatter Wolf, Gevatterin Fuchs und die Kröte.[2]
Literatur
- Otto Spies (Hrsg. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Türkische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1967, S. 232, 322.