Der Funktionär

Dokumentarfilm von Andreas Goldstein (2018) From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Funktionär ist ein Essayfilm von Andreas Goldstein aus dem Jahr 2018 über den Kulturpolitiker Klaus Gysi und die DDR.

TitelDer Funktionär
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2018
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Der Funktionär
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2018
Länge 72 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Andreas Goldstein
Drehbuch Andreas Goldstein
Produktion Susanne Binninger, Andreas Goldstein, Heino Deckert
Musik Ludwig van Beethoven, Hanns Eisler, Arvo Pärt
Kamera Jakobine Motz
Schnitt Chris Wright
Besetzung
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Inhalt

Anhand der Lebensgeschichte des Vaters des Filmemachers Klaus Gysi (1912–1999), der aus einer jüdisch-kommunistischen Familie stammte und von 1966 bis 1973 in der DDR Minister für Kultur war, reflektiert Der Funktionär die Hoffnungen, die auf die DDR gesetzt wurden, und die möglichen Ursachen ihres Niedergangs. Der Film versteht sich jedoch nicht als Filmbiografie. Vielmehr liefert er biografische Elemente sowohl aus dem Leben des Vaters als auch des Sohnes, um geschichtliche Fragen aufzuwerfen. „Mein Vater ist hier eher eine Folie, durch die ich auf die Geschichte der DDR schaue“, erklärte der Filmemacher.[2] Er habe nicht von seinem Vater sprechen können, „ohne auch von mir zu reden, von meiner eigenen historischen Erfahrung“.[3] Weil sich die unterschiedlichen Erfahrungen von Vater und Sohn gegenseitig kommentieren, kann der Film auch als eine „Doppelbiografie“ im Sinne von Plutarch begriffen werden.

Stil

Wie Silvia Hallensleben in der Jüdischen Allgemeinen beobachtet, kombiniert „Goldsteins essayistisch angelegter Film“ die Ich-Erzählung des Filmemachers „mit durch Soundakzente atmosphärisch verdichteten eigenen Fotos, kurzen Filmstücken und Archivmaterialien von Klaus Gysis Auftritten in diversen Talkrunden des DDR-Fernsehens und einem Gespräch mit Günter Gaus aus dem Jahr 1990“.[4] Über die Entstehung des Films berichtet der Filmemacher: „Wir haben Themen oder Stationen oder Gedanken zu Inseln montiert. Diese Inseln wurden hin und her geschoben, ergänzt, reduziert usw. Das war nicht nur ein formaler Prozess, es war auch ein Denkprozess.“[5] Die sich aus dieser Arbeitsweise ergebende subjektive Erzählweise und „eigenwillige Bildmontage“ des Films schere sich, so Thomas Gehringer im Berliner Tagesspiegel, keinen Deut „um vermeintliche Sehgewohnheiten“.[6]

Produktion

Der Funktionär ist eine Koproduktion von Oktoberfilm, MA.JA.DE Filmproduktion und ZDF/Das kleine Fernsehspiel, gefördert von der Kulturstiftung Sachsen, der Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern sowie dem DEFA-Stipendium und dem Gerd Ruge Stipendium/Filmstiftung NRW. Uraufführung war im Deutschen Wettbewerb des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm, 61. Ausgabe, Oktober 2018. Der Funktionär wird von der Edition Salzgeber vertrieben, die auch eine DVD des Films herausgebracht hat.

Kritik

Bert Rebhandl nennt Goldsteins Film in der FAZ „eine der großen Entdeckungen“ der Duisburger Filmwoche 2018. Dieses „überragende Porträt“ deute an, „dass auch die leitenden Kader einer dann nur noch als Organisationsfrage begriffenen ‚Volksherrschaft‘ litten, aus dem Gefängnis ihrer individuellen Schutzerzählungen aber nicht hinausfanden“.[7] Matthias Dell schreibt im Tagesspiegel: „Der Blick auf die DDR in ‚Der Funktionär‘ ist gerade in den theaterkritikerähnlichen Beschreibungen von Talkshow-Auftritten des Vaters bestechend, weil der Film als Korrektiv offizieller Klischees taugt. Goldsteins Ringen im Modus des zugewandten Leidens bilanziert den Verlust einer Möglichkeit.“[8] Kai Köhler hebt in der jungen Welt die Qualität des aus dem Off eingesprochenen Kommentars hervor: „Das Aphoristische birgt Erkenntnis, man würde es zuweilen gern nachlesen. Die literarische Qualität geht an die Grenze dessen, was in einem Essayfilm möglich ist.“[9]

Auszeichnung

Der Funktionär wurde auf der Duisburger Filmwoche, November 2018, mit dem Preis der Stadt Duisburg ausgezeichnet. Der Film war für den 56. Grimmepreis 2020 nominiert.[10]

Einzelnachweise

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