Der Magier im Kreml

Thriller von Olivier Assayas (2025) From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Magier im Kreml[3] (Originaltitel Le Mage du Kremlin, Alternativtitel The Wizard of the Kremlin) ist ein Thriller von Olivier Assayas. In dem Film, einer Adaption des gleichnamigen Debütromans und Bestsellers von Giuliano da Empoli, sind Jude Law als Wladimir Putin und Paul Dano als sein junger Berater Wadim Baranow zu sehen. Der Film, dessen Handlung sich vom Fall der UdSSR Ende der 1980er Jahre bis zur Invasion der Krim im Jahr 2014 erstreckt und Putins Aufstieg aus der Sicht von Baranow erzählt, der an Wladislaw Surkow, die graue Eminenz hinter dem russischen Präsidenten, angelehnt ist, feierte Ende August 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig seine Premiere, wo er im Hauptwettbewerb um den Goldenen Löwen gezeigt wurde. Der Kinostart in Frankreich erfolgte im Januar 2026. In Deutschland läuft er seit Anfang April 2026, im Vereinigten Königreich ist er für Mitte April 2026 geplant.

TitelDer Magier im Kreml
OriginaltitelLe Mage du Kremlin
OriginalspracheEnglisch
Schnelle Fakten Titel, Originaltitel ...
Film
Titel Der Magier im Kreml
Originaltitel Le Mage du Kremlin
Produktionsland USA, Vereinigtes Königreich, Frankreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 156 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Olivier Assayas
Drehbuch Olivier Assayas, Emmanuel Carrère
Produktion Olivier Delbosc
Kamera Yorick Le Saux
Schnitt Marion Monnier
Besetzung
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Handlung

Der amerikanische Journalist und Russland-Experte Lawrence Rowland reist im Jahr 2019 nach Moskau. Dort wird er von Putins ehemaligem Berater Wadim Baranow kontaktiert, der ihn auf seinen Landsitz einlädt, wo er seit seinem Abschied aus der Politik zurückgezogen lebt. Er erzählt Rowland seine Geschichte, die zugleich die Veränderungen in Russland seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion spiegelt.

Als Sohn eines loyalen sowjetischen Bürokraten erlebt Baranow in den frühen 1990er-Jahren die neuen Freiheiten nach dem Ende des Kommunismus. Er stürzt sich als avantgardistischer Theaterregisseur ins Moskauer Bohème-Leben. Auf einer Party lernt er die Künstlerin Ksenia kennen, mit der er eine Beziehung eingeht. Zusammen inszenieren sie Jewgeni Samjatins Roman Wir als Theaterstück. Mit den neureichen Oligarchen entsteht eine neue soziale Klasse, zu der auch Baranows Freund Dmitri Sidorow zählt. Mit seiner extrovierten Art und seinem Hang zum Luxus verführt dieser Ksenia, die Baranow daraufhin verlässt.[4]

Auch Baranow passt sich der neuen Zeit an. Er beginnt, für das Privatfernsehen trashige Reality-Shows zu produzieren. Präsident Boris Jelzin ist von Alter und Alkoholsucht gezeichnet und zunehmend regierungsunfähig. Die Oligarchen unter Führung von Boris Beresowski schmieden daher einen Plan, die Macht an sich zu reißen. Sie unterstützen Jelzins Wiederwahl im Austausch gegen die Privatisierung des staatlichen Fernsehens. Beresowski macht Baranow zum Fernsehdirektor. Als Jelzin nach mehreren Herzinfarkten nicht mehr tragbar ist, schlägt Beresowski den KGB-Chef Wladimir Putin als Nachfolger vor.[5]

Anstatt die Marionette zu sein, die die Oligarchen erwartet hatten, entreißt dieser ihnen brutal die Macht und treibt die meisten von ihnen ins Exil. Auch Sidorow wird verhaftet. Baranow wird zu Putins Berater, Propagandachef und skrupellosem Organisator krimineller Handlungen, die dem Machterhalt des „Zaren“, wie Putin durchgängig genannt wird, dienen. An der Côte d’Azur trifft er später Ksenia wieder, die ihm erzählt, sie habe sich damals nach wenigen Monaten wieder von Sidorow getrennt. Als er ihr in Moskau erneut begegnet, werden sie wieder ein Paar. Nach dem Überfall auf die Krim und dem Beginn des Kriegs gegen die Ukraine im Jahr 2014 sprechen die USA und die europäischen Staaten eine Einreiseverbot gegen Baranow aus. Kurz vor dem Inkrafttreten dieser Sanktion fliegt Baranow mit Ksenia noch einmal für ein Wochenende nach Stockholm. Er sagt ihr dort, dass er sich zwar gegen alle terroristischen und kriegerischen Aktionen ausgesprochen, sie dann aber letztlich doch alle organisiert und durchgeführt habe. Ksenia verrät ihm, dass sie ein Kind von ihm erwarte. Baranows Stern beginnt zu sinken und er zieht sich aus der Politik zurück. Beresowski, der unter seinem Exil gelitten hat, wird tot in seinem Haus in Ascot aufgefunden.

In seinem Landhaus sagt Baranow zu Rowland, dass ihm seine kleine Tochter eine Gegenwart schenke, nachdem er sein ganzes Leben entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft gelebt habe. Baranow verabschiedet Rowland und schaut, auf der verschneiten Zufahrtsstrasse zu seinem Haus stehend, dem wegfahrenden Auto noch eine Weile nach. Von hinten schiesst ihm jemand mit einer Pistole in den Kopf.

Produktion

Literarische Vorlage und Filmstab

Der Film basiert auf dem Roman Der Magier des Kreml von Giuliano da Empoli aus dem Jahr 2022.[6][7] In diesem stellt der italienisch-schweizerische Schriftsteller, Politikwissenschaftler und Ex-Berater des italienischen Regierungschefs den russischen Präsidenten Wladimir Putin als eine Art Zar und seinen Berater Wadim Baranow als eine Art Rasputin dar.[7][8] Baranow ist Putins früherem Chefberater Wladislaw Surkow nachempfunden, der von 2013 bis 2020 im Kreml als titelgebender „Zauberer“ und Putins Spindoktor wirkte und oft als „dritter Mann im Staat“ bezeichnet wurde.[9][10] Im Jahr 2022 wurde Da Empolis Roman in Frankreich mit dem Literaturpreis der Académie française ausgezeichnet und war Finalist bei der Vergabe des Prix Goncourt.[11]

Regie führte Olivier Assayas, der gemeinsam mit Emmanuel Carrère auch das Drehbuch schrieb.[12] Assayas machte sich mit seinem auch als Mini-Serie veröffentlichten Terroristen-Biopics Carlos – Der Schakal einen Namen und baute sich auch ein zweites Standbein als Polit-Biograf auf, hierzu gehörend unter anderem Wasp Network über eine kubanische Spionagegruppe in den 1990er Jahren.[7] Mit Filmeditorin Marion Monnier arbeitete Assayas zuletzt für Hors du temps zusammen.

Besetzung und Synchronisation

Der Brite Jude Law spielt Wladimir Putin.[12] Der US-Amerikaner Paul Dano spielt seine rechte Hand Wadim Baranow. Die Schwedin Alicia Vikander, die mit Assayas für die Fernsehserie Irma Vep zusammenarbeitete, spielt dessen Freundin Ksenia.[13] Zach Galifianakis, Jeffrey Wright und Tom Sturridge gehören ebenfalls zum Ensemble.[12][14] Letzterer spielt Dmitri Sidorov, eine Figur, die an den gleichnamigen Oligarchen angelehnt ist.[15] Wright ist in der Rolle des US-amerikanischen Journalisten zu sehen, dem Baranow seine Geschichte erzählt.[16] Magne-Havard Brekke spielt den Politiker Eduard Limonow, Will Keen spielt den Unternehmer und Oligarchen Boris Beresowski und der lettische Theater- und Filmschauspieler Andris Keišs den Anführer der Gruppe Wagner Jewgeni Prigoschin. Drehbuchkoautor Carrère ist in einem Cameo-Auftritt zu sehen.[9] Alle Schauspieler sprechen im Film Englisch, entweder mit britischem oder mit einem leicht europäischem Akzent.[13] Das Casting übernahm Antoinette Boulat.

Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch von Christoph Cierpka und der Dialogregie von Marius Clarén im Auftrag der EVA Studios Germany GmbH in Berlin.[17]

Jude Law spielt Wladimir Putin
Weitere Informationen Darsteller, Synchronsprecher ...
DarstellerSynchronsprecherRolle
Jude Law Florian Halm Wladimir Putin
Paul Dano Timmo Niesner Vadim Baranov
Alicia Vikander Yvonne Greitzke Ksenia
Jeffrey Wright Charles Rettinghaus Rowland
Will Keen Alexander Doering Boris Beresowski
Tom Sturridge Jaron Löwenberg Dimitri Sidorow
Andrei Zayats Marius Clarén Igor Sechin
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Szenenbild und Dreharbeiten

Das Szenenbild stammt vom BAFTA-nominierten François-Renaud Labarthe, bekannt für seine Arbeit an High Life, Assayas’ Personal Shopper und IO.

Die Dreharbeiten fanden zwischen Januar und März 2025 in der lettischen Hauptstadt Riga statt.[6][14] Als Kameramann fungierte Yorick Le Saux, mit dem Assayas ebenfalls bereits für Irma Vep und Personal Shopper zusammenarbeitete.[6]

Marketing und Veröffentlichung

Erstes Bildmaterial wurde Ende August 2025 vorgestellt.[18] Die Premiere des Films war am 31. August 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig.[19] Im September 2025 wurde er beim Toronto International Film Festival gezeigt.[20] Ende September, Anfang Oktober 2025 wurde er beim Zurich Film Festival vorgestellt.[21] Der Kinostart in Frankreich erfolgte am 21. Januar 2026 unter dem Titel Le mage du Kremlin im Verleih von Gaumont.[22] Am 9. April 2026 kam der Film in die deutschen Kinos. Den US-Vertrieb übernimmt Vertical Entertainment.[23] Der Kinostart im Vereinigten Königreich ist am 17. April 2026 geplant.[24]

Rezeption

Kritiken

Paul Dano spielt Vadim Baranov

Regisseur Olivier Assayas

Die Kritiken fielen gemischt aus.[25]

Christoph Petersen schreibt in seiner Kritik für Filmstarts, Paul Dano liefere in der an den Rolle des fiktiven Kreml-Fixers Vadim Baranov, der an den realen Putin-Chefideologen Wladislaw Surkow angelehnt ist, eine ziemlich eindrückliche Vorstellung davon ab, wie man im 21. Jahrhundert an die Macht kommt und fast noch wichtiger wie man sie behält. Dano spiele die Figur so gar nicht wie eine graue Eminenz, die im Hintergrund ihre finsteren Pläne verfolgt, sondern als nahezu emotionslosen, nur ganz selten seine monotone Stimmlage hebenden oder senkenden Fixer, der einfach sehr gut ist in dem, was er tut. Allerdings komme Putin wie im Roman in der zweiten Hälfte des Films zu gut weg. Es gehe im Film jedoch weniger um Putin oder Putins Russland, sondern vor allem um absolute Macht. Dies mache Giuliano da Empoli und Olivier Assayas nicht zu potenziellen Putin-Verstehern, sondern zu Autoren, die ihr Publikum für schlau genug halten, die Dinge auch ohne einen ständig erhobenen Zeigefinger zu durchschauen. Man werde hereingezogen in die immerzu rasant durch die jüngere russische Geschichte eilende Erzählung, und es sei mit dem „Durchschauen“ irgendwann schon deshalb gar nicht mehr so einfach, weil Der Magier im Kreml trotz seiner stolzen Laufzeit das Tempo sogar noch einmal erhöht. Petersen resümiert, der Film biete einen überzeugenden zweieinhalbstündigen Crashkurs in allen Dingen Macht.[7]

Christine Hamel bemängelt in ihrer Kritik, das Konzept des Films gehe nicht auf, da er sich bisweilen arg in Klischees von Kaviar, Kasatschok und Kälte verheddere. Der Magier im Kreml sei zudem viel zu artig, um der russischen Wirklichkeit beizukommen.[26]

Auszeichnungen

Internationale Filmfestspiele von Venedig 2025

Sitges Film Festival 2025

  • Nominierung für den Publikumspreis (Olivier Assayas)[27]

Literatur

  • Giuliano da Empoli: Le mage du Kremlin. 2022.
  • Giuliano da Empoli: The Wizard of the Kremlin. Übersetzung aus dem Französischen von Wood Willard. Pushkin Press, 2025. ISBN 978-1-80533-011-0
Commons: Der Magier im Kreml – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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