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Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus

literarisches Werk von Friedrich Christian Delius From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Erzählung Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus[1] von Friedrich Christian Delius handelt von einem Kellner in der DDR, der sieben Jahre damit verbringt, seinen Plan, auf Seumes Spuren nach Syrakus zu reisen, zu verwirklichen. Vorbild war die Flucht von Klaus Müller mit einem Segelboot von der Insel Hiddensee im Jahr 1988.

F. C. Delius (2006)

Inhalt

Den Helden der Erzählung, die auf einer wahren Begebenheit[2][3] beruht, nennt Delius Paul Gompitz. Gompitz hat als Schullektüre Johann Gottfried Seumes Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802 gelesen und den Plan gefasst, einmal in seinem Leben auch nach Italien zu reisen.

Lange hat er noch die Hoffnung, legal ausreisen und zurückkehren zu können, und bereitet sich primär durch das Ansparen von Westgeld und intensives Studium von Darstellungen zum antiken Rom und klassischen Italienreisen, insbesondere aber das Studium von Seumes Reisebericht vor. Doch trifft er schon bald auch Vorbereitungen für eine illegale Ausreise. Dafür versucht er, Westgeld nach Westdeutschland zu schmuggeln, und lernt segeln, um eine Flucht über die Ostsee zu versuchen.

Als er erfährt, dass selbst eine Einladung des Bremer Oberbürgermeisters ihm keine legale Ausreisemöglichkeit verschafft, bereitet er sich systematisch auf eine illegale Ausreise vor, doch ohne jede Absicht, die DDR auf Dauer zu verlassen.

Paul Gompitz muss in der Bundesrepublik erfahren, dass es weit schwerer ist, eine Arbeitsstelle zu finden als in der DDR, und wird von den Lohnabzügen für Steuer und Sozialversicherung wie durch einen Schock getroffen. Dennoch arbeitet er zunächst einige Zeit in der Bundesrepublik, bevor er, im Gedanken an eine möglichst baldige Rückkehr zu seiner Frau, nach Italien aufbricht.

Reiseroute von Paul Gompitz in Italien

Da er – anders als Seume – unter Zeitdruck steht, fährt er mit Fernreisezügen und wählt nur relativ wenige Zwischenaufenthalte. Doch macht er die Erfahrung, dass er nicht als DDR-Bürger, sondern als Deutscher wahrgenommen wird und dass die Italiener, die von seiner abenteuerlichen Ausreise aus der DDR erfahren, ihn bewundern.

Dennoch wird er am ersten glanzvollen Höhepunkt seiner Reise, in Rom, von Sehnsucht nach seiner Frau erfasst und beschließt, die Reise rascher zu beenden, als ursprünglich geplant.

In Syrakus aber kann er die Konfrontation mit der geschichtsträchtigen Atmosphäre wieder recht genießen und lässt es sich auf seiner Schiffsrückreise nach Neapel nicht nehmen, die Insel Ustica anzupeilen, auf der er die sagenhafte Begegnung des Odysseus mit den Zyklopen vermutet. Schließlich erlebt er in Mantua den emotionalen Höhepunkt seiner Reise, da ein Gastwirt, als er auf der Piazza vor dem Palais eintrifft, genau die Ouvertüre von Verdis Rigoletto abspielt, die sich für ihn seit einem Filmerlebnis seiner Jugend mit Italien verbindet.

Seine Rückkehr in die DDR beginnt sogleich mit einer Festnahme durch die Stasi und einem Verhör. Doch das kann ihn wie frühere Festnahmen durch die Stasi nicht wirklich schrecken. Er wird rasch wieder nach Hause entlassen und versucht, möglichst bald wieder in den DDR-Alltag zurückzufinden.

Rezeption

Das Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt. So erschien es auf Dänisch (En fodrejse fra Rostock til Syrakus, Hovedland 1997), Italienisch (La passeggiata da Rostock a Siracusa, Sellerio Editore Palermo 1998) und Spanisch (El paseo de Rostock a Siracusa, Sajalin Editores, S.L. 2010).

2026 kam mit Spaziergang nach Syrakus von Lars Jessen eine Verfilmung der Erzählung Delius’ in die Kinos. Die Weltpremiere fand am 28. Juni im Rahmen des 43. Filmfestes München im Deutschen Theater München statt.

Einzelnachweise

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