Spaziergang nach Syrakus (Film)
deutscher Spielfilm
From Wikipedia, the free encyclopedia
Spaziergang nach Syrakus ist ein deutscher Spielfilm von Lars Jessen aus dem Jahr 2026, der lose auf der Erzählung Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus von Friedrich Christian Delius basiert. Diese wiederum orientiert sich an der Biografie des DDR-Bürgers Klaus Müller. Der Film beleuchtet die Sehnsucht nach Freiheit und Reisen in der restriktiven Umgebung der DDR der 1980er Jahre.
| Film | |
| Titel | Spaziergang nach Syrakus |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2026 |
| Länge | 97 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Produktionsunternehmen | Florida Film Pandora Filmproduktion ZDF arte |
| Stab | |
| Regie | Lars Jessen |
| Drehbuch | Heide Kersten Andreas R. Kersten |
| Produktion | Charly Hübner |
| Musik | Jakob Ilja Benjamin Wagner Pérez |
| Kamera | Kristian Leschner |
| Schnitt | Sebastian Thümler |
| Besetzung | |
| |
Handlung
Der Rostocker Paul Gompitz war als Schüler wegen eines renitenten Deutschaufsatzes in der 9, Klasse nicht auf die Erweiterte Oberschule zugelassen worden und hat deshalb seinen Studienwunsch, Literatur und Geschichte, nicht verwirklichen können. 1982 arbeitet Paul als Kellner auf einem Ausflugsdampfer an der Ostsee. Inspiriert von Johann Gottfried Seumes Reisebericht Spaziergang nach Syrakus (1802) entwickelt er den Wunsch, nach Italien und bis nach Sizilien zu reisen. Da diese Reisen von staatlicher Seite verboten sind, bereitet sich Paul sieben Jahre lang akribisch auf eine Ausreise über die Ostsee vor – vom Segeltraining über den Erwerb von Radar- und Funkkenntnissen bis hin zur geheimen Beschaffung von Devisen -, Vorbereitungen einer Reise, die Paul allerdings nicht als „Flucht“ definiert, denn er will zurückkommen in seine Heimat und zu seiner Frau.
Pauls Beziehung zu seiner Frau Anne, einer Krankenhausärztin, mit der er sein privates Glück gefunden hat, wird durch Pauls Heimlichtuerei um seine Reisevorbereitung zunehmend belastet. Paul verheimlicht Anne seine Pläne, da sie sich als Mitwisserin einer Republikflucht mitschuldig gemacht hätte. Schließlich beginnt Paul seine Reise: nachts im Segelboot über die Ostsee nach Dänemark, weiter über Bochum und über die Alpen und in verschiedene italienische Städte bis nach Sizilien. Paul kehrt 1989 im Herbst zurück nach Rostock und besucht Syrakus erst wieder 2006.
Das Trennende wie das Verbindende der Eheleute Paul und Anne dient als romantisches Motiv der Sehnsucht im Laufe des Films als emotionale Ebene der Reflexion politisch verwehrter Freizügigkeit: zu gehen, wenn's einem verwehrt wird, aber dann auch zurückzukehren in freier Entscheidung. Der Film zeigt Pauls Reise-Etappen größtenteils als Schlaglichter auf Orte und Begegnungen. Die jeweiligen Zeitebenen werden durch postkartenartige Anzeigen verdeutlicht.
Veröffentlichung
Der Film startete in Deutschland am 20. August 2026 in den Kinos.
Rezeption
Der Film wurde auf dem Filmfest München 2026 gezeigt und erhielt Aufmerksamkeit für seine einfühlsame Darstellung einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte. Kritiker lobten die sorgfältige Inszenierung, die introspektive Erzählweise und die subtile Darstellung des Alltagslebens in der DDR. Gleichzeitig wurde die distanzierte filmische Form und die mangelnde Spannung einzelner Szenen bemängelt.
Das Filmportal Filmstarts widmet dem Film eine ausführliche Analyse, lobt die Leistung des „brillanten Hauptdarsteller-Duos“ und zieht dann das Fazit: Bei Lars Jessens „historischer Tragikomödie mit Reisedoku-Versatzstücken“ handele es sich um „eine sensible Betrachtung von Themen wie Fernweh, Rebellion, Selbstbehauptung und dem Wunsch nach Zugehörigkeit“. Anstatt aber dramaturgische Spannung aufzubauen, arbeitete er behäbig wie im Zeitlupentempo die Fluchtvorbereitung chronologisch-zäh und recht einfallslos ab und gibt dann dem Film 2,5 von 5 möglichen Sternen.[2]
Der Kritiker des Stern sieht den Film in der Tradition von Sonnenallee, Good Bye, Lenin! oder Go Trabi Go. Der Film interessiere sich weniger für die Frage, wie man entkommt, als für die Frage, was danach kommt. Die Geschichte, die bis in die Zeit nach dem Mauerfall reiche, zeige einen Mann, „der seine Freiheit tatsächlich bekommt - und trotzdem nicht weiß, wohin er gehört“, und das mache den Film überraschend gegenwärtig.[3]