Deutsch-serbische Beziehungen
Verhältnis zwischen Deutschland und Serbien
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Die deutsch-serbischen Beziehungen sind heute geprägt von der Annäherung Serbiens an die Europäische Union mit Deutschland als größter Volkswirtschaft. Beide Staaten sind Mitglieder des Europarates und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Serbien ist Mitglied der NATO-Partnerschaft für den Frieden. Deutschland und Serbien sind durch den Schifffahrtsweg Donau miteinander verbunden.
| Deutschland | Serbien |
Lange Zeit war Serbien der Status eines Beitrittskandidaten der Europäischen Union verwehrt worden, da es aus Sicht der Europäischen Union nicht ausreichend mit dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien zusammenarbeitete. Auch nach der Festnahme des letzten mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrechers Mitte 2011 gab es allerdings Probleme: Vor allem Deutschland stellte sich gegen die Vergabe des Kandidatenstatus, da es Belgrad eine destruktive Rolle im Grenzkonflikt mit dem Kosovo vorwarf. So waren im November 2011 im Grenzgebiet unter anderem auch zahlreiche deutsche Soldaten von serbischen Demonstranten verletzt worden. Nach serbischen Signalen für eine friedliche Beilegung des Kosovo-Konflikts erhielt der Staat am 1. März 2012 den Status eines Beitrittskandidaten.
Geschichte
Beim Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 wurden der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Gemahlin Sophie Chotek, Herzogin von Hohenberg bei ihrem Besuch in Sarajevo von Gavrilo Princip, einem Mitglied der serbisch-nationalistischen Bewegung Mlada Bosna, ermordet. Das Attentat in der bosnischen Hauptstadt löste die Julikrise aus, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führte. In diesem Konflikt stand das Deutsche Reich auf Seiten der Österreicher und zählte damit zu den Feinden Serbiens.

Während des Zweiten Weltkriegs griff die deutsche Wehrmacht im Balkanfeldzug ab dem 6. April 1941 das von Serbien dominierte Königreich Jugoslawien an, besetzte es und setzte eine Marionettenregierung unter Milan Nedić ein. (siehe auch: Serbien im Zweiten Weltkrieg)
1968 wurde ein Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Jugoslawien geschlossen, um Gastarbeiter für die deutsche Wirtschaft zu gewinnen. Viele Jugoslawen blieben dauerhaft in Deutschland.
Im Kosovokrieg kam es 1999 im Rahmen der Operation Allied Force zum ersten Auslandseinsatz der Bundeswehr mit einer direkten Kriegsbeteiligung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, wobei u. a. Novi Sad stark zerstört wurde. Beteiligt war die deutsche Luftwaffe und die Deutsche Marine.
Wirtschaft
Deutschland ist mit einem bilateralen Handelsvolumen von rund 9 Milliarden Euro (Stand 2023) der wichtigste Handelspartner Serbiens und einer der größten ausländischen Direktinvestoren. Über 900 Unternehmen mit deutschem Kapital sind im Land tätig und beschäftigen rund 80.000 Arbeitnehmer. Während Investitionen früher primär durch niedrige Lohnkosten motiviert waren, hat sich der Fokus in den letzten Jahren deutlich verschoben: Serbien fungiert zunehmend als strategischer Standort für technologisch anspruchsvolle Fertigung und Nearshoring in unmittelbarer Nähe zur EU. Dies wird durch die aktive Rolle der Deutsch-Serbischen Wirtschaftskammer (AHK Serbien) unterstützt, die als zentrale Vermittlungsinstanz für wirtschaftliche Integration fungiert.
Deutsche Großkonzerne haben maßgeblich zur Bildung moderner Industrie-Cluster beigetragen und entwickeln ihre Standorte von reinen Produktionsstätten hin zu Kompetenzzentren weiter. Die Robert Bosch GmbH betreibt in Pećinci das größte Wischersystem-Werk Europas, hat aber parallel dazu in Belgrad ein großes IT-Entwicklungszentrum aufgebaut. Siemens fertigt in Kragujevac Straßenbahnen und Schienenfahrzeugkomponenten für den weltweiten Markt und integriert lokale Zulieferer in globale Wertschöpfungsketten. Weitere bedeutende Investoren wie Continental (Novi Sad), ZF Friedrichshafen (Pančevo) und MTU Aero Engines (Stara Pazova) haben Forschungs- und Entwicklungszentren etabliert, in denen serbische Ingenieure an Lösungen für E-Mobilität und Luftfahrt arbeiten.
Um dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die Qualitätsstandards der High-Tech-Produktion zu sichern, haben deutsche Unternehmen das Modell der dualen Ausbildung in Serbien etabliert. In enger Zusammenarbeit mit der serbischen Regierung und Bildungsinstitutionen wurden praxisorientierte Ausbildungsgänge nach deutschem Vorbild eingeführt. Unternehmen wie Bosch oder Continental kooperieren zudem eng mit den Universitäten in Belgrad und Novi Sad, bieten duale Studienprogramme an und investieren in eigene Werksakademien. Dieser Wissenstransfer erhöht nicht nur die Employability der lokalen Bevölkerung, sondern wirkt auch dem „Brain Drain“ entgegen, indem qualifizierte Arbeitsplätze vor Ort geschaffen werden.[1]
Der Einfluss dieser Investitionen auf die regionale Entwicklung ist signifikant. Standorte wie Novi Sad haben sich durch die Ansiedlung deutscher Technologieunternehmen zu IT- und Engineering-Hubs entwickelt, was die Kaufkraft und Infrastruktur der Region nachhaltig stärkt. Die Prognosen für die wirtschaftliche Kooperation bleiben positiv, da Serbien zunehmend als integraler Bestandteil der europäischen Lieferketten betrachtet wird, insbesondere im Bereich der grünen Transformation und Digitalisierung.
Personen

- Der serbische Braumeister und Nationalbankpräsident Georg Weifert war deutscher Herkunft.
- Pavle Jurišić Šturm (eigentlich Paulus Eugen Sturm) war ein serbischer Generalfeldmarschall und gebürtiger Deutscher.
Reisen
Seit dem 19. Dezember 2009 können serbische Staatsangehörige bis zu 90 Tage im Halbjahr ohne Visum im Schengenraum verbringen, wenn sie einen biometrischen Pass besitzen.[2] Diese Regelung ist in Deutschland insbesondere aus Angst vor Wirtschaftsflüchtlingen aus der Bevölkerungsgruppe der Roma umstritten.[3]
Für deutsche Staatsangehörige ist ein Aufenthalt in Serbien bis zu einer Dauer von drei Monaten visumsfrei möglich. Neben dem Reisepass wird dabei für die Einreise auch ein deutscher Personalausweis akzeptiert.[4]
Diplomatische Vertretungen
- Serbien unterhält eine Botschaft in Berlin und Generalkonsulate in Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, München und Stuttgart.[5]
- Deutschland betreibt eine Botschaft in Belgrad.[6]
