Die Ermittlung (Film)

deutscher Spielfilm From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Ermittlung ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2024. Grundlage für das Drehbuch und die Inszenierung war das Theaterstück Die Ermittlung. Oratorium in 11 Gesängen des Dramatikers Peter Weiss. Der Film hält sich weitgehend strukturell, inhaltlich und textlich an die Stückvorlage, die den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess von 1963 bis 1965 thematisiert. In dialogischer und erzählender Form beschreibt der Film in elf Etappen – von Peter Weiss „Gesänge“ genannt – den Weg der Opfer von der Rampe bei der Ankunft in Auschwitz bis zu den Feueröfen. Der Film feierte im Juli 2024 im Berliner Zoo Palast seine Premiere. Zuvor wurde er auf dem Münchner Filmfest uraufgeführt. Der offizielle Kinostart war der 25. Juli 2024.

TitelDie Ermittlung
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2024
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Die Ermittlung
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2024
Länge Originalfassung: 240 Minuten
gekürzt: 186 Minuten
Altersfreigabe
Produktions­unternehmen Film&Mischwaren Co-Produktion ARTE, BR und WDR
Stab
Regie RP Kahl
Drehbuch Peter Weiss
Produktion
Musik Matti Gajek
Kamera Guido Frenzel
Schnitt
Besetzung
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Handlung

Im Zentrum des Films stehen ein Richter, ein Verteidiger und ein Ankläger, die im Rahmen der Verhandlung auf 28 Zeuginnen und Zeugen treffen, die von ihren Erlebnissen und Beobachtungen in Auschwitz berichten. Weitere 11 Zeugen der ehemaligen Lagerverwaltung sagen vor Gericht aus. Hier unterscheidet sich der Film von der Stückvorlage, in der aus den Aussagen mehrerer Hundert Zeugen nur neun Zeugenfiguren entwickelt wurden. Sowohl im Stück als auch im Film sind diese Zeugen anonymisiert, dem realen Geschehen folgend, in dem die Namen der Opfer in Auschwitz einer in die Haut tätowierten Nummer weichen mussten. Die 18 Angeklagten hingegen lassen sich klar durch ihre Namen und Aussagen identifizieren. Die Zeugenfiguren 1, 2, 12, 13, 19, 20, 25, 29, 36, 37, 39 sind Zeugen der Lagerverwaltung, die restlichen sind Häftlingszeugen. Die ehemaligen Häftlinge benennen die von den Angeklagten begangenen Grausamkeiten sehr spezifisch. Dagegen versuchen die Angeklagten, die Anschuldigungen kategorisch von sich zu weisen und sich selbst nur als unbeteiligte Verwaltungskräfte darzustellen. Ein paar wenige der Angeklagten geben schließlich seltene Mithilfe in Ausnahmesituationen zu. Auch die Zeugen der Lagerverwaltung versuchen, sich selbst und die Angeklagten in einem möglichst guten Licht erscheinen zu lassen.

In den elf sogenannten „Gesängen“ werden jeweils thematische Schwerpunkte des Lager- und Vernichtungsprozesses in Auschwitz gebündelt. Die Darstellung beginnt mit der Ankunft der Deportierten und der Selektion an der Rampe und führt über den Alltag im Lager, Zwangsarbeit, Folter, medizinische Experimente und willkürliche Tötungen bis hin zu den massenhaften Vergasungen und der Verbrennung der Leichen in den Krematorien. In jedem dieser Abschnitte werden Aussagen mehrerer Zeuginnen und Zeugen zusammengeführt, die ihre Beobachtungen und Erlebnisse schildern, während Angeklagte zu den jeweiligen Vorwürfen Stellung nehmen. Die Berichte der ehemaligen Häftlinge benennen konkrete Gewaltakte und Abläufe, während die Angeklagten ihre Verantwortung überwiegend relativieren oder leugnen und sich als Teil einer anonymen Verwaltungsstruktur darstellen. Die formale Gliederung dient dabei weniger einer dramatischen Zuspitzung als vielmehr einer sachlichen Rekonstruktion der Funktionsweise des Konzentrations- und Vernichtungslagers. Aussagen werden weitgehend emotionslos gegeben; die Dramatik ergibt sich aus dem Inhalt.

Besetzung

Clemens Schick spielte den Ankläger

Weitere Informationen Rolle, Darsteller ...
Rolle Darsteller
Richter Rainer Bock
Ankläger Clemens Schick
Verteidiger Bernhard Schütz
Zeuge 1 I Zeuge der Lagerverwaltung Christian Kaiser
Zeuge 2 I Zeuge der Lagerverwaltung Dirk Ossig
Zeuge 3 I Häftlings-Zeuge Arno Frisch
Zeugin 4 I Häftlings-Zeugin Elisabeth Duda
Zeugin 5 I Häftlings-Zeugin Nicolette Krebitz
Zeuge 6 I Häftlings-Zeuge Attila Georg Borlan
Zeuge 7 I Häftlings-Zeuge Robert Mika
Zeuge 8 I Häftlings-Zeuge Marcel Hensema
Zeugin 9 I Häftlings-Zeugin Christiane Paul
Zeugin 10 I Häftlings-Zeugin Barbara Philipp
Zeuge 11 I Häftlings-Zeuge Klaudiusz Kaufmann
Zeuge 12 I Zeuge der Lagerverwaltung Marc Fischer
Zeuge 13 I Zeuge der Lagerverwaltung Andreas Anke
Zeugin 14 I Häftlings-Zeugin Dorka Gryllus
Zeuge 15 I Häftlings-Zeuge Marek Harloff
Zeuge 16 I Häftlings-Zeuge André Szymanski
Zeugin 17 I Häftlings-Zeugin Sabine Timoteo
Zeugin 18 I Häftlings-Zeugin Eva Maria Jost
Zeuge 19 I Zeuge der Lagerverwaltung Peter Lohmeyer
Zeuge 20 I Zeuge der Lagerverwaltung Thomas Meinhardt
Zeuge 21 I Häftlings-Zeuge Marco Hofschneider
Zeuge 22 I Häftlings-Zeuge Matthias Zera
Zeuge 23 I Häftlings-Zeuge Rony Herman
Zeuge 24 I Häftlings-Zeuge Axel Moustache
Zeuge 25 I Zeuge der Lagerverwaltung André Hennicke
Zeuge 26 I Häftlings-Zeuge Karl Markovics
Zeuge 27 I Häftlings-Zeuge Filipe Avdeev
Zeuge 28 I Häftlings-Zeuge Mark Zak
Zeuge 29 I Zeuge der Lagerverwaltung Ralph Schicha
Zeuge 30 I Häftlings-Zeuge Andreas Schröders
Zeuge 31 I Häftlings-Zeuge René Ifrah
Zeuge 32 I Häftlings-Zeuge Axel Sichrovsky
Zeuge 33 I Häftlings-Zeuge Peter Schneider
Zeuge 34 I Häftlings-Zeuge Jiří Mádl
Zeuge 35 I Häftlings-Zeuge Andreas Lechner
Zeuge 36 I Zeuge der Lagerverwaltung Axel Pape
Zeuge 37 I Zeuge der Lagerverwaltung Andreas Pietschmann
Zeuge 38 I Häftlings-Zeuge Tom Wlaschiha
Zeuge 39 I Zeuge der Lagerverwaltung Robert Hunger-Bühler
Angeklagter 1 | Robert Mulka Wilfried Hochholdinger
Angeklagter 2 | Wilhelm Boger Thomas Dehler
Angeklagter 3 | Dr. Victor Capesius Michael Rotschopf
Angeklagter 4 | Dr. Willy Frank Niels Bruno Schmidt
Angeklagter 5 | Dr. Willi Schatz Christian Hockenbrink
Angeklagter 6 | Dr. Franz Lucas Christian Pfeil
Angeklagter 7 | Oswald Kaduk Tristan Seith
Angeklagter 8 | Franz Hofmann Torsten Ranft
Angeklagter 9 | Josef Klehr Ronald Kukulies
Angeklagter 10 | Herbert Scherpe Michael Schenk
Angeklagter 11 | Emil Hantl Frank Röth
Angeklagter 12 | Hans Stark Nico Ehrenteit
Angeklagter 13 | Stefan Baretzki Adam Venhaus
Angeklagter 14 | Bruno Schlage Till Wonka
Angeklagter 15 | Heinrich Bischoff Arndt Schwering-Sohnrey
Angeklagter 16 | Pery Broad Timo Jacobs
Angeklagter 17 | Arthur Breitwieser Lasse Myhr
Angeklagter 18 | Emil Bednarek Matthias Salamon
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Produktion

Der Regisseur RP Kahl kombiniert im Film Elemente des Kinos, Theaters und zeitgenössischer Broadcast-Techniken. Die Dialoge basieren auf persönlichen Aufzeichnungen, Zeitungsartikeln und Protokollen des Gerichtsprozesses. Der Film wurde von Alexander van Dülmen produziert. Für die Bildgestaltung zeichnete Guido Frenzel verantwortlich, das Bühnenbild wurde von Nina Peller gestaltet und die Kostüme wählte Tina Kloempken aus. Der Film wurde von Peter R. Adam, Anne Fabini und Christoph Strothjohann geschnitten. Für Peter R. Adam war es der letzte Film, an dem er vor seinem Tod arbeitete. Friede Springer ist Co-Produzentin des Films. Musikalisch sind lediglich vereinzelte skizzenhafte Sounds von Matti Gajek zu hören. Erst am Ende erklingt mit Lento e Largo – Tranquillissimo ein Gesangsstück aus Henryk Góreckis Symphony No. 3, interpretiert von der Portishead-Stimme Beth Gibbons in voller Länge.

Kahl zufolge ergibt sich die Tonalität des Films aus dem, was in den Gesichtern der Schauspielerinnen und Schauspieler sichtbar wird, wenn sie sprechen und dem Gegenüber zuhören. Daher habe man besonderen Wert darauf gelegt, Schauspieler und Schauspielerinnen zu finden, die eine Figur und eine Situation in erster Linie über die Sprache abbilden könnten. „Solche, die eine starke Persönlichkeit und Präsenz mitbringen und persönliches Interesse daran haben, den Inhalt des Stückes zu erzählen, also auch ein wenig ‚Persona‘ zu sein, ihr Ich den Figuren zu schenken.“[3]

Laut Produzent Alexander van Dülmen bestand ein zentrales Anliegen der Produktion darin, das Wissen der Überlebenden in einer zeitgemäßen Form für die Nachwelt zu bewahren. Zudem verfolgte der Film das Ziel, die Perspektive der Opfer in den Mittelpunkt zu stellen, anstatt die Täter in den Vordergrund zu rücken.[4]

Nach einer vierwöchigen Probenzeit mit 60 Schauspielern und Schauspielerinnen begannen im August 2023 die Dreharbeiten im Studio Berlin-Adlershof. Die einzelnen Gesänge wurden an fünf Drehtagen mit einem speziellen visuellen Konzept in jeweils nur einer Einstellung gedreht, gefilmt von insgesamt acht Kameras.

Die Ermittlung ist eine Produktion von Alexander van Dülmen, Film&Mischwaren in Co-Produktion mit Friede Springer, ARTE, Bayerischer Rundfunk und WDR sowie in Co-Operation mit A Company Film Licensing und wurde gefördert vom Medienboard-Berlin Brandenburg, der Film- und Medienstiftung NRW, dem BKM, der Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern sowie der FFA und dem DFFF. Das Budget betrug 2,7 Mio. €.[5]

Rezeption

Die deutsche Filmbewertungsstelle FBW verlieh dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“ und schrieb dazu: „Die Ermittlung ist weitaus mehr als ein abgefilmtes Theaterstück. Ganz bewusst hat sich der Regisseur für diese künstlich-strenge Inszenierung entschieden. Nichts lenkt ab von der Ungeheuerlichkeit des Grauens, manche Sätze erschüttern gerade durch ihre Schlichtheit.“[6]

Jochen Werner schrieb auf filmstarts.de: „Ein vierstündiges, dialogintensives Theaterstück über die juristische Aufarbeitung des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz, in einem minimalistischen Bühnensetting für die Kinoleinwand inszeniert – das klingt zunächst anstrengend und wahnsinnig unfilmisch, wird aber dank des umsichtigen und extrem wirkungsvollen Einsatzes sowohl theatraler wie auch dezidiert filmischer Stilmittel zur ungeheuer intensiven Kinoerfahrung. Man kann nur dringend anraten, sich auf diese essenzielle filmische Auseinandersetzung mit den leider auch heute hochaktuellen Themen Faschismus, Genozid und Zivilsationsbruch einzulassen.“[7]

Sascha Westphal schrieb auf epd-Film.de: „Und es ist diese Sprache, die RP Kahl ins Zentrum seiner Verfilmung stellt. Nichts in Die Ermittlung lenkt von den Fragen des Anklägers (Clemens Schick), den Einlassungen des Richters (Rainer Bock), den Kommentaren des Verteidigers (Bernhard Schütz), den Aussagen der 39 Zeugen und den Ausflüchten und Lügen der 18 Angeklagten ab. Kahl hat einen Weg gefunden, das visuelle Medium Film ganz vom Wort her zu denken. Jeder Schnitt, jede Einstellung, die mal Nina Pellers Bühnenbild, eine Annäherung an den Raum Gerichtssaal, mal einzelne Gesichter, mal die Anklagten als Gruppe in den Fokus rückt, unterstreicht die Worte, die zum eigentlichen Abbild der Vernichtungsmaschinerie Auschwitz werden.“[8]

Jürgen Kaube schrieb in der FAZ: „Die Ermittlung (…) ist eine vierstündige Zumutung, der man sich unbedingt unterziehen sollte.“[9] Sofia Glasl schrieb in der Süddeutschen Zeitung: „Erinnerungskultur ist hier kein trockener Schulstoff, sondern lebensnahe Konfrontation“[10] Hanns-Georg Rodek schrieb in der Welt: „Die Ausrede, nie ein KZ besucht, nie einen Zeitzeugen erlebt zu haben, gilt nicht mehr. Es gibt nun diesen Film.“[11]

Auszeichnungen und Nominierungen

Nominierung für den Grimme-Preis 2026[12]

Einzelnachweise

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