Dietmar Koschmieder

deutscher Verlagsmanager From Wikipedia, the free encyclopedia

Dietmar Koschmieder (* 6. November 1955[1] in Lörrach) ist ein deutscher Journalist und DKP-Funktionär. Er war von 1995 bis 2025 Geschäftsführer der Tageszeitung junge Welt und trat mehrfach erfolglos für die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) bei Wahlen an.

Leben

Koschmieder ist ehemaliger Lehrer.[2] Als Kommunist wurde er aufgrund des Radikalenerlasses nicht in den Staatsdienst eingestellt. Er ließ sich zum Wirtschaftsredakteur umschulen und machte deswegen 1990 ein Praktikum im Verlag Junge Welt.[3] 1991 wurde er Wirtschaftsredakteur der jungen Welt und war bis 1994 das einzige Redaktionsmitglied aus Westdeutschland.[4] Ab 1992 war er Betriebsrat[5] und wurde 1995 als Leiter des Wirtschaftsressorts Betriebsratsvorsitzender.[6] Nach der Bekanntgabe des Konkurses der jungen Welt im April 1995 gründete er zusammen mit Kollegen einen „Aktionsausschuss“,[4] um die Zeitung durch einen „verspäteten Management-Buy-out[7] zu retten. Nach acht Tagen Pause, am 13. April 1995 erschien die junge Welt wieder, im neugegründeten Verlag 8. Mai GmbH und mit Koschmieder als Geschäftsführer.[6]

1997 setzte Koschmieder im Streit um die politische Ausrichtung der jungen Welt den Chefredakteur Klaus Behnken ab,[8] woraufhin es seitens der Belegschaft zur Solidarisierung mit Klaus Behnken und zur Besetzung der Redaktionsräume kam.[9][10] Im selben Gebäude auf einer anderen Etage produzierte Koschmieder mit drei ihm gegenüber loyal gebliebenen Redakteuren Notausgaben.[8] „Der Streit hatte sich um das Thema Antisemitismus sowie die vom Verlag befürwortete Ausrichtung auf Ostthemen zentriert.“[8]

Im Rahmen des Benno-Ohnesorg-Kongresses, der vom 30. Mai bis 1. Juni 1997 an der Technischen Universität veranstaltet wurde,[11] wurde eine öffentliche Podiumsdiskussion beider Fraktionen organisiert. Im Verlauf dieser Diskussion zwischen den Podiumsdiskutanten Jürgen Elsässer und Koschmieder drückte ein Mitglied der Besetzerfraktion Koschmieder ein Stück Kirschtorte ins Gesicht.[12] Die Redakteure um Klaus Behnken gründeten danach die Wochenzeitung Jungle World.

Seit Beginn seiner Zeit als Geschäftsführer gilt Koschmieder als die für die Blattlinie der jungen Welt entscheidende Person.[13] Koschmieder verteidigte 2008 die niedersächsische Landtagsabgeordnete der Partei Die Linke, Christel Wegner, gegen Kritik, nachdem sie den Mauerbau und das Ministerium für Staatssicherheit der DDR gerechtfertigt hatte.[14] Er trat medial außerdem in Erscheinung im Streit um die „Danke“-Titelseite der Jungen Welt im Jahre 2011 zum Mauerbau,[15][16] 2012 im Kontext der wirtschaftlichen Krise der Jungen Welt[17] und 2016 im Rahmen der Expansion der Jungen Welt in die Schweiz.[18]

Zum 1. Dezember 2025 legte er sein Amt als Geschäftsführer nieder. Seine Nachfolger sind Jonas Pohle und Sebastian Carlens.[19]

Dietmar Koschmieder lebt in Berlin. Er ist Mitglied der DKP[16][13][9] und war mehrfach Kandidat der Berliner DKP bei Wahlen,[20][21] so 2016 als ihr Spitzenkandidat bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus.[2]

Preise

2008 wurde ihm, gemeinsam mit den Cuban Five, der Preis für Solidarität und Menschenwürde des Vereins Bündnis für Soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde verliehen.

Einzelnachweise

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