Diogenianus (tribunus voluptatum)
römischer Senator, tribunus voluptatum
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Diogenianus war ein spätantiker römischer Senator (vir clarissimus).
Er ist für die Jahre 414/415 als tribunus voluptatum („Tribun der Vergnügungen“) in Karthago bezeugt, der für die Oberaufsicht über die (Theater-)Spiele und Schauspieler zuständig war. Die einzige Quelle, die ihn erwähnt, ist ein im Codex Theodosianus überliefertes Gesetz:
“Impp. Honor(ius) et Theod(osius) AA. Diogeniano v(iro) c(larissimo) trib(uno) volupt(atum). Mimas diversis adnotationibus liberatas ad proprium officium summa instantia revocari decernimus, ut voluptatibus populi ac festis diebus solitus ornatus deesse non possit. Dat. VI id. Feb. R(a)v(ennae) Constantio v. c. cons; acc. a tribuno volupt(atum) X kal. Feb. Karthagine post cons. Honor(ii) VIIII et Theod(osii) VAA.”
„Kaiser Honorius und Theodosius, Augusti, an Diogenianus, vir clarissimus und tribunus voluptatum. Mit größtem Nachdruck bestimmen wir, dass die Miminnen, die durch einige kaiserliche Verfügungen freigelassen wurden, zurückgerufen werden, sodass der übliche Schmuck bei den Vergnügungen des Volkes und den Festen nicht fehlen möge. Gegeben am 8. Februar [414] in Ravenna [dem Sitz des weströmischen Kaisers Honorius] während des Konsulats des Constantius, vir clarissimus; entgegengenommen in Karthago durch den tribunus voluptatum am 23. Januar [415] nach dem neunten Konsulat des Honorius und dem fünften Konsulat des Theodosius, Augusti.“
Die genannten Schauspielerinnen (genauer Mimendarstellerinnen, mimae) waren vorher freigelassen worden, was bedeutete, dass sie ihre Pflicht als Schauspielerinnen abgeleistet hatten und aus dem Dienst entlassen worden waren. Nun wurden sie aber offenbar wieder benötigt. Vielleicht stand dies, so Richard Lim,[2] im Zusammenhang mit der beträchtlichen Zahl an Flüchtlingen aus Rom und Italien, die vor den Heerscharen des Alarich, der 410 Rom geplündert hatte, nach Karthago entkommen waren. Diese forderten offenbar die für sie gewohnten Spiele ein. Der Zeitgenosse Augustinus von Hippo beklagt denn auch aus christlicher Sicht die zu dieser Zeit wegen der römischen Flüchtlinge fast täglichen Schauspiele in Karthago.[3]
Literatur
- Richard Lim: The “Tribunus Voluptatum” in the Later Roman Empire. In: Memoirs of the American Academy in Rome. Band 41, 1996, S. 163–173, hier S. 165–168.
- Otto Seeck: Diogenianos 2. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band V,1, Stuttgart 1903, Sp. 777 (allerdings mit fehlerhafter Zuschreibung zu Rom).
- John Robert Martindale: Diogenianus 2. In: The Prosopography of the Later Roman Empire (PLRE). Band 2, Cambridge University Press, Cambridge 1980, ISBN 0-521-20159-4, S. 361.