Diskussion:Injury Severity Score
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'Mathematische Sinnlosigkeit'
Ich habe einige Teile des Artikels entfernt. In Ihnen wurde versucht - denke ich - die Willkürlichkeit der Berechnung aufzuzeigen. Mir ist klar, dass das gut gemeint war. Es wurden aber leider recht viele Handwerkliche Fehler gemacht. Die Beschreibung widersprach sich teilweise selbst, es gibt nicht einmal die Andeutung einer Quelle (Stichpunkt Theorienfindung) und sie enthielt mehrere logische Fehlschlüsse. So kann das denke ich nicht bleiben. Vielleicht kann man manches davon durch Auffinden einer Quelle retten. Ich sehe mich fachlich dem Mathematiker näher als dem Sanitäter gehe aber dennoch davon aus, dass meiste einfach falsch (verstanden?) war.
Ich hoffe es fühlt sich niemand durch die Teilweise doch recht großflächige Entfernung von Material auf die Füße getreten. Dies ist auf keinen Fall meine Intention. Mocy 02:02, 28. Jan. 2011 (CET)
Anderes
So wie ich den Artikel vorgefunden habe ist er z.T. falsch und z.T. so ungenau, dass man damit ohne fundierte Kenntnisse über den AIS (Abbreviated Injury Score) und den ISS nichts anfangen kann. Ich habe deshalb den Artikel ganz neu geschrieben. Die englischen Originalbezeichnungen habe ich extra stehen lassen, da man sie nicht immer exakt ins Deutsche übersetzten kann. Der erklärende Text enthält in jedem Falle auch eine deutsche Beschreibung. Selbiges gilt für die medizinischen Fachbegriffe, wenn ich es auch nicht über das Herz gebracht habe Fraktur mit Bruch zu übersezten. Da ich nicht der Formatierungskünstler bin läßt sich da sich optisch noch einiges verbessern. An dem benötigten Teil über den AIS bin ich noch am formulieren, das kommt in den nächsten Tagen.
Neufassung
Mit der neuen Einleitung gibt es einige Probleme:
- Der ISS dient zur Beurteilung der Prognose eines Mehrfachverletzten.
Ist nichtssagend: Welche Prognose: Die des Überlebens, die der Langzeitfolgen etc.? Weshalb also nicht wie es vorher war:
- Der ISS stellt eine Prognose für die schwere des Traumata eines Mehrfachverletzten und seine Überlebenswahrscheinlichkeit dar.
Die Berechnungsformel in der Einleitung bringt auch nicht wirklich einen Mehrwert: Die Eigenheiten des ISS liegen in den gegenüber dem AIS98 neu definierten Körperregionen und der Einfühung einer Ausprägung von 0 für unverletzte Körperregionen und dem Verbot einer Berechnung falls auch nur eine Verletzung eine Ausprägung von 9 aufweist (was immer der Fall ist, wenn der Patient noch nicht vollständig Diagnostiziert ist). Auf die mathematischen Probleme die Ausprägungen einer ordinalskalierte Messgröße zu quadrieren und zu summieren wird auch nicht eingegangen (Das fehlt in dem Artikel nämlich noch). --Mirko Junge 22:40, 4. Sep. 2008 (CEST)
- Was ist denn bitte eine Prognose für die schwere des Traumata ?? Selbst ohne abenteuerliche Orthographie bleibt eine Prognose für die Schwere des Traumas mE Unfug. Die Schwere des Traumas ist nicht zu prognostizieren, sondern mittels Score-Systems festzustellen und daraus eine Prognose für den Patienten abzuleiten. Viele Grüße, --Drahreg·01RM 23:09, 4. Sep. 2008 (CEST)
- Besser wäre natürlich der korrekte Artikel gewesen: ... eine Prognose für die Schwere der Traumata eines Mehrfachverletzten und seine Überlebenswahrscheinlichkeit dar. Aufgrund der abenteuerlichen Mathematik, mit der der ISS berechnet wird, handelt es sich mE nicht um eine Feststellung, sondern um eine Prognose (siehe Ausführung oben). Weiterhin deutet die jetzige Fassung an, dass der ISS prospektiv bei der Erstversorgung eingesetzt wird. Dies geht jedoch aufgrund der Anforderungen an die AIS98-Codierungen nicht (es wird u.a. eine vollständige ärztliche Diagnose des Patienten gefordert). Der ISS dient hauptsächlich der retrospektiven Betrachtung von Patienten bzw. von Behandlungserfolgen von Patienten. Er dient vorrangig der Evaluation von Behandlungsmethoden und des Vergleichs von Krankenhäusern. Meinst Du wirklich, dass der Artikel diese Formel in der Einleitung nötig hat? Ohne die Erklärung der Körperregionen, der Sonderbehandlung von unverletzten Körperregionen und von Patienten mit einem AIS98-Code von 9 ist die Formel mE wertlos. Grüße, --Mirko Junge 23:42, 4. Sep. 2008 (CEST)
Zugegeben war die Orthographie eher abenteurlich, inhaltlich stimmen die Ausführungen des Kollegen jedoch schon, der ISS ist keine Methode der Nofallmedizin und mathematisch eher seltsam, auf jeden Fall nicht für die Notfallbeurteilung wie andere Verfahren der Notfallmedizin geeignet. An beide Diskutanten möchte ich einen Aufruf zur Mäßigung geben, es nützt niemandem wenn man sich hier gegenseitig schlampige Orthographie und Wiesen-Mathematik vorwirft. Vielleicht können wir ja eine Formulierung finden die allen Anforderungen gerecht wird, oder? Ich finde aktuell die Formelberechnung gerade in der Einleitung auch nicht wirklich gelungen, sie stört die Lesbarkeit, trägt nicht zum Verständnis bei und erfüllt auch bei weitem nicht den OMA-Standard...--Drwulf 13:38, 5. Sep. 2008 (CEST)
Zur Berechnung des ISS
AIS, die Grundlage des ISS
Betrachtet man nur Personen deren Verletzungen mit einem AIS-Code zwischen 0 und 6 beschrieben sind, so ist der AIS-Code ordinal skaliert. Der AIS-Score ist ein Maß für die Überlebenswahrscheinlichkeit einer Verletzung: Verletzungen mit mutmaßlich (Expertenmeinung) gleicher Lebensbedrohlichkeit werden gruppiert und geordnet. D.h. eine Verletzung ist um so lebensbedrohlicher, je größer die Ausprägung des AIS-Codes (0-6) ist. Über die exakte Wahrscheinlichkeit an der codierten Verletzung zu versterben, sagt der AIS-Code ebenso wenig etwas aus, wie über das Verhältnis der Lebensbedrohlichkeiten zweier unterschiedlicher AIS-Code Ausprägungen zueinander. Ein AIS-Code von 4 ist zwar lebensbedrohlicher als ein AIS-Code von 2, aber nicht unbedingt doppelt so lebensbedrohlich. Die Praxis zeigt, dass eine AIS 4 Verletzung wesentlich lebensbedrohlicher als zwei AIS 2 Verletzungen ist. Dieser Zusammenhang wird im AIS-Score jedoch nicht abgebildet, da der AIS-Score nur Einzelverletzungen betrachtet.
ISS, Definition (verkürzt)
In der Original-Quelle des ISS heißt es zur Berechnung: Der ISS ist die Summe der Quadrate der größten AIS-Codes in den 3 am schwersten verletzten Körperregionen (also die Körperregionen mit dem größten AIS-Code). Durch das Quadrieren des AIS-Codes kommt es zu keiner Änderung der Skaleneigenschaften, da für alle a,b in N gilt: Wenn a < b, dann a*a < b*b. Somit ist das Quadrieren unproblematisch. Aber in einem ordinal skalierten System darf man nicht zwei verschiedene Ausprägungen miteinander verknüpfen (hier addieren), da über den Abstand der Ausprägungen untereinander keine Aussagen getroffen werden können: Ein AIS-Code von 6 beschreibt eben keine Überlebenswahrscheinlichkeit, die mit 2 Verletzungen mit einem AIS-Code von 3 vergleichbar ist. Somit ist die Definition des ISS über die Summe von Quadraten mathematisch nicht sinnvoll möglich bzw. gar nicht erlaubt.
... und wieso funktioniert es dennoch?
Erstaunlicherweise führen Betrachtungen des ISS, insbesondere bei einer Überführung in eine Variable mit einer binären Ausprägung (Polytrauma, wenn ISS >15) zu sinnvollen und stabilen Ergebnissen. Zur Auflösung des Paradoxons ist einwenig Kombinatorik von Nöten: Durch vollständige Enumeration erhält man die folgende Tabelle:
| ISS | AIS 1/2/3 | AIS 1/2/3 | ISS | AIS 1/2/3 | AIS 1/2/3 | ISS | AIS 1/2/3 | AIS 1/2/3 | ISS | AIS 1/2/3 | AIS 1/2/3 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 | 0 0 0 | 16 | 4 0 0 | 33 | 4 4 1 | 5 2 2 | 59 | 5 5 3 | |||
| 1 | 1 0 0 | 17 | 3 2 2 | 4 1 0 | 34 | 4 3 3 | 5 3 0 | 66 | 5 5 4 | ||
| 2 | 1 1 0 | 18 | 3 3 0 | 4 1 1 | 35 | 5 3 1 | 75 | 5 5 5 | 6 x x | ||
| 3 | 1 1 1 | 19 | 3 3 1 | 36 | 4 4 2 | ||||||
| 4 | 2 0 0 | 20 | 4 2 0 | 38 | 5 3 2 | ||||||
| 5 | 2 1 0 | 21 | 4 2 1 | 41 | 4 4 3 | 5 4 0 | |||||
| 6 | 2 1 1 | 22 | 3 3 2 | 42 | 5 4 1 | ||||||
| 8 | 2 2 0 | 24 | 4 2 2 | 43 | 5 3 3 | ||||||
| 9 | 2 2 1 | 3 0 0 | 25 | 4 3 0 | 5 0 0 | 45 | 5 4 2 | ||||
| 10 | 3 1 0 | 26 | 4 3 1 | 5 1 0 | 48 | 4 4 4 | |||||
| 11 | 3 1 1 | 27 | 3 3 3 | 5 1 1 | 50 | 5 4 3 | 5 5 0 | ||||
| 12 | 2 2 2 | 29 | 4 3 2 | 5 2 0 | 51 | 5 5 1 | |||||
| 13 | 3 2 0 | 30 | 5 2 1 | 54 | 5 5 2 | ||||||
| 14 | 3 2 1 | 32 | 4 4 0 | 57 | 5 4 4 |
Dargestellt sind alle Kombinationen von AIS-Werten der jeweils betrachteten drei Körperregionen (AIS-Triplets). Zunächst fällt auf, dass es u.a. eine ISS-Ausprägung von 15 gar nicht gibt, dafür sind einige ISS-Ausprägungen über 2 ‚AIS-Triplets’ erreichbar. Die ‚Polytraumagrenze’ von ISS>15 führt dazu, dass für ein Polytrauma in den 3 am schwersten verletzten Körperregionen mindestens eine AIS 4 oder zwei AIS 3 oder eine AIS 3 Verletzung mit zwei AIS 2 vorliegen muss. Diese Art der ISS-Definition ist mit der Ordinalskalierung konform. Auch wenn das Entscheidungkriterum zugegebener Maßen nicht so ‚griffig’ ist, wie ISS>15 ja/nein, führt es doch die Probleme der Grenzziehung deutlich vor Augen: Ein Polytrauma mit dem AIS-Triple 3-2-2 kann ganz harmlos sein und eine Überlebenswahrscheinlichkeit von fast 100% aufweisen, während dem eine AIS 4 Verletzung schon mit einer deutlichen Sterbewahrscheinlichkeit behaftet ist.
ISS Verteilungen
Die Betrachtungen zeigen jedoch auch, dass es eine ‚ISS-Verteilung’ nicht gibt: Die ‚Definition’, die zu der 'Verteilung' führt, ist für ordinalskalierte Variablen nicht zulässig. Damit die durch die ursprüngliche ISS-Definition erzeugte Verteilung sinnvoll ist, müßte zum einen die Reihenfolge der ISS-Ausprägungen mit steigendem Wert auch 'polytaumatischer' werden, zum anderen müßte geprüft werden, dass in den Fällen, in denen mehrere AIS-Triple die gleiche ISS-Ausprägung haben, die Polytraumatisierung auch identisch ist. Hierzu müßten die Relation aller Verletzungstripel (AIS-ID-Tripel), die zu den betrachteten AIS-(Code-)Tripeln führen, zueinander in Bezug gesetzt und auf das Ausmaß der Polytraumatisierung hin untersucht werden. Verglichen mit der Erstellung des AIS-Katalogs eine ungleich kompliziertere Aufgabe.
Schlussfolgerung
Die Definition des ISS in der Original-Literatur ist mathematisch nicht sinnvoll, d.h. streng mathematisch gesehen kann man den ISS so gar nicht berechnen. Betrachtet man das Polytraumakriterium (ISS>15), so kann man über die Ausprägungen der MAIS-Werte für die ISS-Körperregionen eine mit der ordinal skalierten Variable AIS bzw. MAIS mathematisch sinnvollen Definition herleiten. Eine ISS-Verteilung, wie sie die mathematisch nicht haltbare Definition nahelegt, lässt sich jedoch aus dieser 'neuen' Definition nicht ableiten. Ein Vergleich der ISS-Verteilungen ist somit nicht sinnvoll und mathematisch/statistisch nicht zulässig.
Ich hoffe, dass sich nach den obigen Ausführungen die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Original-Definition in der Einleitung des Lemmas ISS erübrigt hat. --Mirko Junge 16:06, 8. Sep. 2008 (CEST)