(Wegen KI-Verdächtigung gelöscht.)
Im Anthropozän schließen offensichtlich Sinn des Lebens und die Wurzel allen Übels aus der Perspektive der Menschheit einander aus. Angesichts einer möglichen Selbstvernichtung braucht die Menschheit eine positive Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens für ihr Überleben. Schon Hans Jonas hat als erster die philosophische Bedeutung dieses Zusammenhanges für eine neue Ethik betont, in der er das Überleben der Menschheit als globale Zielstellung herausstellte. Das Prinzip Verantwortung – Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation ist der Titel seines Buches, das 1979 erschien und als dessen ethisches Hauptwerk gilt. Jonas entwickelt darin eine Ethik, die sich den neuen Herausforderungen für die menschliche Zivilisation stellt, die sich aus modernen Technologien ergeben. Insbesondere geht es um die Vermeidung unabschätzbarer Risiken, um den Bestand der Menschheit als Ganzes nicht zu gefährden, sowie die Anerkennung der Eigenrechte der ganzen Natur, für die dem Menschen aufgrund seiner Handlungsmöglichkeiten die Verantwortung zukommt. So wie als Wurzel allen Übels unsere Maßlosigkeit zunehmend begriffen wird, wird umgekehrt das maßvolle agieren der Menschen zum unabdingbaren Sinn ihres Lebens. Handle so, dass die Menschheit nicht gefährdet wird. --Walmei (Diskussion) 11:25, 9. Okt. 2025 (CEST)
- Wenn du schon darüber diskutieren möchtest (was man allerdings dem Eintrag nicht entnehmen kann), dann sollten alle auch die ganze Löschbegründung kennen: „Aufgrund des sinnleeren ersten Satzes könnte das ein KI-Text sein. Doch auch wenn nicht, handelt es sich um eine Interpretion des Schreibers, also POV. Und lt. KI findet sich die Wortfolge "Sinn des Lebens" nicht in Jonas Buch.“ --Fährtenleser (Diskussion) 22:58, 9. Okt. 2025 (CEST)
- Ich danke für die Aufmerksamkeit. Ich bitte um eine Erklärung für den Vorwurf: "sinnleerer erster Satz". In seinem Hauptwerk "Das Prinzip der Verantwortung" schreibt Jonas über den Sinn des Lebens ohne diesen Begriff zu verwenden. Und er kommt schließlich in seiner Ethik zur Verantwortung des Einzelnen für die Menschheit. Für mich ist das der allgemeine (gesellschaftiche) Sinn des Lebens jedes Einzelnen. Im Umkehrschluss folgt die Wurzel allen Übels, nämlich die Auslöschung der Menschheit durch unsere Maßlosigkeit. Und wieder Im Umkehrschluss folgt, dass maßvolles Leben sinnvolles Leben ist. Diese Gedankenspielerei verbindet die gegensätzlichen Seiten eines Widerspruches im Sinne der Dialektik und macht so beide Seiten deutlicher. Also "POV" ist hier einfach angewandte Dialektik. --Walmei (Diskussion) 23:41, 10. Okt. 2025 (CEST)
- Hallo Walmei, okay, ich habe den ersten Satz nach nochmaligem Lesen verstanden. Aber der stammt definitiv nicht von Jonas, sondern ist deine „angewandte Dialektik“. Und da sind wir auch gleich beim Kern der Kritik: Auch wenn deine Ableitungen von Jonas Philosophie zweifellos Substand hat (und auch meiner Auffassung entspricht), dürfen wir Wiki-Autoren hier leider keine eigenen Auslegungen etc. veröffentlichen. Die Wikipedia bildet ausschließlich „bekanntes Wissen“ ab, dass quellenbasiert nachvollzogen werden kann. In der Regel darf es sich dabei nicht einmal um Primärliteratur handeln… Ich habe früher selbst schon häufiger Federn lassen müssen, weil ich Quellen zu stark nach eigenen Vorstellungen ausgelegt habe. Oft war mir das im Moment des Schreibens gar nicht bewusst. Ich hoffe, ich konnte meine „Tat“ nun besser begründen und Verständnis wecken. Viele Grüße aus Wuppertal --Fährtenleser (Diskussion) 07:41, 11. Okt. 2025 (CEST)
- Ok, Hintergrund meines Bemühens ist ja, dass die Gefahr der Selbstvernichtung der Menschheit der individuellen Sinnbestimmung zunehmend Grenzen setzt. Das fehlt m.A. in dem Artikel. Wie wäre es mit der Überschrift: Gefahr der Selbstvernichtung der Menschheit und individuellen Sinnbestimmung. Oder erst mal der Hinweis unter Teilüberschrift: Gegenwart. Darauf will ja Jonas hinaus mit seiner Ethik. --Walmei (Diskussion) 18:30, 11. Okt. 2025 (CEST)
- Das würde bedeuten, dass man die Menschheit nur durch Verzicht auf den Sinn des Lebens retten kann? Und der Sinn des Lebens grundsätzlich diesen Ziel entgegengesetzt ist? Weil der Sinn des Lebens nur im Materiellen liegt?
- Oder soll das bedeuten, dass der Sinn des Lebens ist, die Menschheit zu retten? Dafür bräuchte es gute Belege... --Schotterebene (Diskussion) 19:16, 11. Okt. 2025 (CEST)
- Von Verzicht ist keine Rede.Doch überfordert das maßlose Streben nach individuellem Glück die Natur zunehmend. --Walmei (Diskussion) 07:41, 13. Okt. 2025 (CEST)
- Ihr verfallt in private Diskussionen. Das ist hier unerwünscht… Bitte beachten. --Fährtenleser (Diskussion) 11:56, 13. Okt. 2025 (CEST)
Hans Jonas hier zu berücksichtigen erscheint durchaus möglich. Allerdings begründet er den Sinn des Lebens existentialistisch und ontologisch. Und das müsste hier im Artikel stehen. Ich kopiere mal hier den entsprechenden Abschnitt aus dem Artikel Grundlegung zur Metaphysik der Sitten:
- Hans Jonas Motiv für sein Ethikkonzept ist existenzphilosophisch. Ihm geht es um „die Existenz fühlenden Lebens in einer unfühlenden Stoffwelt, die im Tode über es triumphiert"[1] Dahinter steht die „Angst als Antwort der Seele auf ihr In-der-Welt-Sein“[2]. Seine Begründung ist nicht rationalistisch allein auf die Vernunft bezogen, sondern ontologisch, und zwar abgeleitet aus seiner Philosophie des Organischen. Er betrachtet das subjektive Bewusstsein nicht als rein phänomenologische (aus Erfahrung), sondern als ontologische Tatsache. Alle Prozesse im lebenden Organismen, auch unbewusste wie der Stoffwechsel und das Verdauen, haben einen Zweck, nämlich die Aufrechterhaltung des Lebens. Diese Zweckmäßigkeit auch der nicht-menschlichen biologischen Natur ist für ihn eine Tatsache, die unabhängig vom Urteilenden Bestand hat. Zwecke sind für Jonas keine subjektive, sondern eine in der Natur gegebene objektive Kategorie (Teleologie). Auch wenn dies eine metaphysische Spekulation ist (ein Indiz) und kein philosophischer Beweis, schließt Jonas daraus auf die „Selbstbejahung“ des Lebens als einem Wert an sich. (PV, 156-160) „Nun hatte diese, von außen erborgte, Teleologie der Maschine doch ihren ursprünglichen Sitz in den herstellenden Organismen, den menschlichen Konstrukteuren“. (PV, 295).
- Jonas fragt: „Wieso wird zur Pflicht, was vom Sein seit je schon fürs Ganze betreut wird durch alles Einzelwollen hindurch?“ (PV, 162) Er verdeutlicht seine These am Beispiel des Säuglings. Eltern können sich der Verantwortung für ihr neugeborenes Kind, für das Sein ihrer Kinder, nicht entziehen. Dies ist das „Urbild aller Verantwortung“ (PV, 252). [...] „die Auszeichnung des Menschen, daß nur er allein Verantwortung haben kann, bedeutet zugleich, daß er sie [...] auch haben muß und im einen oder anderen Verhältnis immer schon hat: die Fähigkeit dazu ist die zureichende Bedingung ihrer Tatsächlichkeit.“ (PV, 185) Menschen sind immer schon mit Anderen verbunden – als selbst Sorge Tragende und als auf die Sorge Anderer Angewiesene. (PV, 184-185) Der Begriff der Verantwortung impliziert schließlich, „den des Sollens, zuerst des Seinsollens von etwas, dann des Tunsollens von jemand in Respons zu jenem Seinsollen“. (PV, 253). Diese Pflicht ist zu Verallgemeinern und auch auf die Politik zu übertragen.
Gruß--Lutz Hartmann (Diskussion) 13:18, 17. Okt. 2025 (CEST)
- Die Herleitung ist durchaus schlüssig … geht aber sicherlich über das Maß hinaus, was wir Wiki-Autoren leisten dürfen. Da Jonas selbst nicht direkt vom Sinn des Lebens spricht ("Zweck" ist ja kein Synonym von "Sinn"), brauchen wir Sekundärliteratur, wo diese Schlussfolgerung getroffen wurde. --Fährtenleser (Diskussion) 08:25, 18. Okt. 2025 (CEST)
- Ich habe drei Quellen gefunden, die man sicher verwenden könnte, habe aber momentan selbst keine Zeit dazu: Nielsen Sikora Gordon (2017), Jung (2025) und Roberto Franzini Tibaldeo (2015). Vielleicht kommen wir damit weiter (denn ich fände Jonas auch wichtig für den Artikel ;) --Fährtenleser (Diskussion) 08:43, 18. Okt. 2025 (CEST)
Hans Jonas: Organismus und Freiheit. Ansätze zu einer philosophischen Biologie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1973, S. 31
Hans Jonas: Organismus und Freiheit. Ansätze zu einer philosophischen Biologie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1973, S. 302