Distefora
Schweizer Unternehmen
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Distefora (Kofferwort aus Distribution Television, Foto, Radio)[5] ist ein ehemaliges Schweizer börsennotiertes Unternehmen, das von 1997 bis zum Konkurs im Jahr 2003 bestand.
| Distefora Holding | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | CH0013366452 [1] |
| Gründung | 1997[2] |
| Auflösung | 1. Dezember 2003 |
| Auflösungsgrund | Konkurs |
| Sitz | Opfikon, Schweiz[3] |
| Mitarbeiterzahl | 600 (1999)[4] |
| Umsatz | 132 Mio. CHF (1999)[4] |
Geschichte
Zwischen 1996 und 2001 entwickelte sich die ehemalige Elektronikhandelskette Interdiscount zu einem der markantesten Beispiele der Schweizer IT- und Börseneuphorie der späten 1990er-Jahre.[6] Nach dem Verkauf der Interdiscount-Läden an Coop im Jahr 1996 und der Umfirmierung in Distefora übernahm 1997 Alexander Falk die Kontrolle über die an der Schweizer Börse notierte Gesellschaft, in dem er von den Hauptaktionären 1,76 Mio. nicht kotierte (nicht börsennotierte) Namensaktien übernahm. Er positionierte Distefora als Technologieholding und nutzte hohe steuerliche Verlustvorträge als Grundlage für eine expansive Akquisitionsstrategie.[7][8][9]
Ab 1998 erwarb Distefora zahlreiche Unternehmen in den Bereichen Internet (Net Direct), Navigation (CIS und GPS Gear), Medien- und Telekommunikationstechnologie (MINICK), vielfach finanziert durch Aktien[10]. Diese Strategie fiel in die Hochphase der internationalen IT-Euphorie und führte zu einer massiven Kurssteigerung (gegen 1800 % im Jahr 1999[11]) sowie zu einer zeitweisen Marktkapitalisierung von mehreren Milliarden Franken. Besonders die Internettochter ISION wurde stark aufgewertet und 2000 an die Börse gebracht. Operativ blieb der Konzern jedoch defizitär; ausgewiesene Gewinne resultierten teilweise aus bilanziellen Effekten und Neubewertungen.
Mit dem Verkauf der ISION-Mehrheitsbeteiligung Ende 2000 erzielte Distefora kurzfristig erhebliche Liquidität.[12][13] In der Folge kam es zu umfangreichen Ausschüttungen an die Aktionäre, Restrukturierungen und zum schrittweisen Abbau der Substanz. Widersprüchliche Angaben zu Vermögenswerten, anhaltende Verluste und strategische Richtungswechsel schwächten das Vertrauen weiter. Im Jahr 2002 wurde der Bereich Mobile durch ein Management-Buy-out verkauft.[14] Die Gesellschaft verlor danach rasch an Bedeutung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Am 28. Juni 2002 sollte die Liquidation eingeleitet werden, doch wird sie durch den Hauptaktionär der deutschen Adori AG abgewendet.[15][16] Im August 2003 wurde Konkursaufschub beantragt.[5] Am 1. Dezember 2003 wurde über die Beteiligungsgesellschaft der Konkurs eröffnet.[17] Bereits im Juni 2003 kam Alexander Falk in Hamburg in Untersuchungshaft.[18] Die nachfolgenden strafrechtlichen Verfahren gegen Alexander Falk, insbesondere seine Verurteilung 2008 wegen versuchten Betrugs und Bilanzfälschung im Zusammenhang mit ISION, rückten den Fall erneut ins öffentliche Bewusstsein.[2] Rückblickend gilt Distefora als exemplarisches Beispiel für die Übertreibungen der New-Economy-Ära und als prägnantes Kapitel der Schweizer Wirtschafts- und Börsengeschichte.[19]