Djoserteti

altägyptischer König der 3. Dynastie From Wikipedia, the free encyclopedia

Sechemchet (eigentl. Hor-Sechemchet) ist der Name eines altägyptischen Königs (Pharao) der 3. Dynastie des Alten Reiches. Er war wahrscheinlich der zweite Herrscher dieser Epoche. Er regierte gemäß Thomas Schneider von ca. 2700 bis 2695 v. Chr. und seine Herrschaft währte nur wenige Jahre.[3] Sechemchet wird überwiegend mit den ramessidischen Kartuschennamen Djoserteti und Teti identifiziert.

Schnelle Fakten Namen von Djoserteti ...
Namen von Djoserteti

Portrait des Sechemchet aus dem Wadi Maghara (Detail)
Horusname
G5
S29S42F32
Sechem-chet
Sḫm-ẖ.t
Mächtiger Leib (des Horus)[1]
Nebtiname
G16
R4
r
n
Hetepren Nebti
Ḥtp-rn nbtj
Zufrieden sei der Name
der beiden Herrinnen
[1]
Königspapyrus Turin (Nr.III./6)
M23
X1
L2
X1
V10AD45
D21
X1
Z4
G7V11AG7HASH
[2]
Djoser-ti
Ḏsr-tj
Der Erhabene kommt
Königsliste von Abydos (Sethos I.) (Nr.17)
t
t
i
Teti
Ttj
Von wahrer Größe
Königsliste von Sakkara (Nr.13)
D45X1
X1
i
Djoserteti
(Djoser-teti)
Ḏsr-ttj
Der Erhabene, von wahrer Größe
Griechisch Manetho-Varianten:
Africanus:Tyreis
Eusebius: fehlt
Eusebius, AV: fehlt
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Zeitgenössische Belege

Sechemchet ist recht gut durch Siegelabrollungen von seiner Stufenpyramide in Sakkara und von Elephantine belegt. Auf den elephantinischen Siegeln erscheint der seltene Titel des Siegler des Goldes sowie des Schatzverwalters des Goldes von Elephantine. Besagte Siegel stellen dabei den bislang frühesten direkten Beleg für den Namen von Elephantine (Niu-Abu) dar.[4] Weitere Siegel mit Sechemchets Namen stammen aus Hierakonpolis. Auf ihnen erscheint der Name des hohen Beamten A'a-Nesut.[5]

Von diesem Pharao kennt man außerdem zwei Reliefbilder aus dem Wadi Maghara (Sinai)[6], die bis zur Entdeckung der Sechemchet-Pyramide aufgrund Namensähnlichkeiten fälschlicherweise König Semerchet (1. Dynastie) zugeschrieben wurden.[7] Das erste Relief zeigt Sechemchet zweimal, die eine Königsfigur trägt die Rote Krone, die andere die Weiße Krone. Das zweite Relief zeigt den Herrscher beim traditionellen „Erschlagen des Feindes“.[6]

Herkunft und Familie

Elfenbeinschablone aus dem Sechemchet-Komplex mit dem umstrittenen Nebti-Namen[8]

Die Mehrheit der Ägyptologie sieht in Sechemchet den Bruder von König Djoser. Diese Annahme beruht auf zwei Umständen: Zum einen ließ Sechemchet seine Grabanlage in unmittelbarer Nähe zum Djoser-Komplex errichten und die Grabarchitektur der unterirdischen Galerien ist direkt mit der unter der Djoser-Pyramide vergleichbar. Die architektonische Entwicklung unter Sechemchet schließt also zeitlich direkt an die des Vorgängers an. Zum anderen weisen die Felsenreliefs im Sinai frappierende stilistische Ähnlichkeiten auf, zumal Sechemchet mit exakt denselben Insignien und Kleidungsstücken wie Djoser dargestellt wird.[9] Hinzu kommen Arbeiter-Graffiti im Sechemchet-Komplex, die als Leiter der Bauarbeiten Imhotep nennen. Dieser war auch für die Errichtung und Beaufsichtigung des Djoser-Komplexes verantwortlich gewesen.[10]

Der tatsächliche Name der Gemahlin des Sechemchet ist unbekannt. Laut Wolfgang Helck war er möglicherweise mit einer Königin namens Djeseretanchnebti verheiratet. Ihr Name erscheint auf mehreren Elfenbeinschablonen, die in den unterirdischen Galerien der Sechemchet-Pyramide entdeckt wurden.[11] Helck macht geltend, dass „lose“ Nebti-Namen während der 3. Dynastie und danach für keinen der zeitgenössischen Herrscher nachgewiesen sind, sondern nur für Königinnen. Er verweist dabei auf die Namen von Königinnen wie Hetephernebti und Djefatnebti, die ähnlich aufgebaut sind. Auch die Anzahl und Anordnung der Hieroglyphen auf den Elfenbeinschablonen sei untypisch für Königsnamen.[12] Toby Wilkinson und Zakaria Goneim hingegen äußern sich skeptisch gegenüber Helcks Darlegungen, lesen den Namen als „Djeser-ti“ und sehen in ihm den Nebtinamen des Sechemchet: sie identifizieren ihn mit den Kartuschennamen „Djeserteti“ und „Teti II.“ aus ramessidischen Königslisten.[10]

Regierungszeit

Tonsiegelabdruck mit Sechemchets möglichem Nebti-Name.[4]

Bezüglich Sechemchets Regierungsdauer sind sich die meisten Ägyptologen dahingehend einig, dass der Herrscher nur wenige Jahre an der Macht war. So geht beispielsweise Myriam Wissa unter Berufung auf den unfertigen Zustand der Sechemchet-Pyramide von sechs Jahren Regierungszeit aus.[13] Auch im Turiner Königspapyrus werden Sechemchet sechs Jahre zugesprochen.[14] Auf dem Kairener Fragment 1 des Annalenstein der 5. Dynastie ist in Zeile 5 die erste Hälfte von Sechemchets Herrschaft erhalten. Die Position der königlichen Namensbanderole, die gleich über dem ersten Ereignisfenster beginnt, lässt auf eine Gesamtdauer von 7 Jahren schließen, da eine vollständige Nennung der Namensbanderole immer mindestens 7 Ereignisfenster lang ist. Zieht man nun das obligatorische Krönungsjahr ab, bleiben erneut 6 „echte“ Regierungsjahre übrig. Und dies deckt sich freilich mit sämtlichen vorgenannten Quellen. Obgleich die Kalendereinträge zerstört sind, lässt sich gerade noch so der Horusname von Sechemchet ausmachen und im Krönungsjahr werden mit ziemlicher Sicherheit die üblichen Zeremonien wie das Erscheinen des Königs von Ober- und Unterägypten, das Vereinen der Beiden Länder und das Umschreiten der Weißen Mauern (von Memphis) gestanden haben.[15]

Der griechische Historiker Manetho listet Sechemchet unter dem Namen Tyreis auf und bescheinigt dem Regenten sieben Jahre Regierungszeit.[16] Nabil Swelim setzt dagegen 19 Jahre an, da er vermutet, dass Sechemchet vielleicht ebenso gut mit dem von Manetho erwähnten Tosertasis identisch sein könnte.[17] Diese Ansicht wird allgemein jedoch abgelehnt.

Über wichtige, politische und/oder militärische Ereignisse aus Sechemchets Regierungszeit ist fast nichts überliefert. Die Felsenreliefs aus dem Wadi Maghara im Sinai lassen auf regelmäßige Expeditionen zu den Türkis-Minen bei Chetju-Mefkat schließen. Neben dem begehrten Schmuckstein Türkis wurde dort auch hochwertiges Kupfer abgebaut und nach Ägypten importiert.[7] Die Tonsiegelinschriften von Elephantine lassen auf eine rege Bautätigkeit auf jener Insel schließen, doch konnte bislang kein Gebäude dort sicher Sechemchet zugesprochen werden.[4] Dasselbe gilt auch für die Funde aus Hierakonpolis.[5]

Bautätigkeit

Sechemchets unvollendete Stufenpyramide

siehe Hauptartikel Sechemchet-Pyramide

Das einzige Bauwerk, das König Sechemchet sicher zugeordnet werden kann, ist sein Grabmal im südlichen Sakkara. Der Grabbezirk des Sechemchet befindet sich schräg gegenüber von dem seines mutmaßlichen Vorgängers Djoser. Geplant war eine Stufenpyramide mit einer Schenkellänge von 120 m und sieben Stufen. Sie blieb jedoch mit sieben Metern Höhe unvollendet. Bei Vollendung wäre die Pyramide schätzungsweise 70 m hoch gewesen.[18] In der in 32 Metern Tiefe angelegten Grabkammer entdeckte Zakaria Goneim am 9. März 1954 hinter versiegelter Tür einen unverzierten Alabastersarg, der jedoch leer war. Der Sarkophag ist dennoch eine Besonderheit, denn er verfügt über eine frontale Schiebetür.

Vom Grabzugang zweigt eine Reihe von Nebengängen ab. Auch sie waren unfertig und bis auf etwas Keramik und ein wenig Goldschmuck leer, die Artefakte befinden sich heute im Ägyptischen Museum von Kairo. Die Seitengänge führen zu einem langen Stollen, der U-förmig in den Felsen gehauen ist und an den sich insgesamt 132 kleinere Magazinräume anschließen.[19]

Im mastaba-förmigen Südgrab fand Jean-Philippe Lauer die Überreste eines etwa zweijährigen Jungen.[20]

Besondere Funde

Auf der Nilinsel Elephantine wurden mehrere Tonsiegel entdeckt, auf denen Sechemchets möglicher Nebtiname, Hetepren-Nebti, erscheint. Der Ägyptologe Jean Pierre Pätznik untersuchte die Artefakte und entdeckte Siegel, auf denen der Nebti-Name direkt neben Sechemchets königlichem Serech erscheint.[4]

Im absteigenden Hauptgang der Sechemchet-Pyramide wurden 1950 von einem Ausgrabungsteam des Ägyptischen Antikendienstes eine Vielzahl reliefdekorierter Steinvasen entdeckt. Darin wurden eine muschelförmige Schatulle aus Gold, 21 goldene Armreife und Ringe, ein Zepter aus Gold und etliche Perlen und Anhänger aus Schmuckstein gefunden. Das muschelförmige Behältnis hat eine Länge von 3,6 cm und enthielt ursprünglich einige weitere Perlen. Da diese Schätze sorgfältig unter absichtlich aufgelegten Schutzschichten aus gebranntem Ton versteckt waren und der Zugang zum Vorraum noch original vermauert vorgefunden wurde, ist davon auszugehen, dass diese kostbaren Artefakte planmäßig dort abgelegt worden waren. Dies und die noch original vermauerte Tür widersprechen einer häufig vorgetragenen Behauptung, wonach antike Grabräuber die Kleinodien in großer Hast auf ihrer Flucht achtlos weggeworfen hätten. Gerade bei so wertvollen Kleinodien, die leicht zu transportieren und zu verbergen gewesen wären, ergibt ein vorgebliches, hastiges Zurücklassen keinen Sinn.[21] Der Goldschatz des Sechemchet ist derzeit in Raum 4 des Ägyptischen Museums in Kairo ausgestellt.

Sechemchet im Gedächtnis des Alten Ägypten

Aus dem Alten Reich sind nur zwei kurze Erwähnungen von Sechemchets Namen überliefert, beide stammen aus der Zeit der 5. Dynastie. Bei der ersten handelt es sich um die Schreibtafel von Gizeh, die sich heute unter der Inventar-Nummer JE 37734 im Ägyptischen Museum in Kairo befindet. Auf der Tafel werden die Könige Bedjau, Teti, Radjedef, Chefren, Sahure und Neferirkare genannt. Der Kartuschenname Teti wird im Allgemeinen mit König Sechemchet identifiziert. Der Grund für die Auswahl genau dieser Könige ist nicht bekannt.[23] Die zweite Erwähnung Sechemchets findet sich auf einem Fragment des Abusir-Papyrus aus dem Totentempel des Pharao Neferirkare. Viel mehr als die bloße Namensnennung Djoserteti ist jedoch nicht erhalten. Aufgrund der zahlreichen anderen Papyri, die in Abusir gefunden wurden, kann allerdings angenommen werden, dass das Fragment mit einer Stiftung für eine Kultstatue des Königs im Zusammenhang steht.[24][25]

Aus dem Neuen Reich stammt ein Relief-Bruchstück aus dem Grab des Priesters Mehu aus Sakkara, welches in die 19. oder 20. Dynastie datiert. Auf ihm sind drei Gottheiten abgebildet, denen eine Reihe von verstorbenen Königen gegenübersteht. Dies sind Djoser und Sechemchet aus der 3. Dynastie sowie Userkaf aus der 5. Dynastie. Von einem vierten König ist nur noch ein stark zerstörter Namenszug erhalten, der teils als Djedkare, gelegentlich aber auch als Schepseskare gelesen wird. Das Relief ist ein Ausdruck der persönlichen Frömmigkeit des Grabinhabers, der damit die alten Könige für ihn zu den Göttern beten ließ.[26]

In einen ähnlichen Kontext gehört eine Stele, die im Jeremias-Kloster (Deir Apa Jeremias) in Sakkara gefunden wurde und wohl ursprünglich in einem nahe gelegenen Tempel aufgestellt war. Sie stammt von einem Beamten des Neuen Reichs mit Namen Ramose und zeigt diesen in Anbetung eines Königs, der durch eine Beischrift als Djoserteti (= Sechemchet) identifiziert wird.[27]

Aus der Perserzeit stammt die Statue des Priesters Jahmes (Ägyptisches Museum Berlin, Inv.-Nr. 14 765), an deren Sockel zu lesen ist, dass er den Totendienst für die Herrscher Djoser und Djoserteti unterhalten hatte.[28]

Die letzte Erwähnung Djosertetis stammt aus der Ptolemäerzeit. Auf einer im Serapeum in Sakkara gefundenen Stele erwähnt deren Stifter Nesnuuwer seinen Vater Wenennefer, der als Priester der Könige Menes und Djoserteti fungierte.[29]

Literatur

  • Jürgen von Beckerath: Handbuch der Ägyptischen Königsnamen (= Münchner ägyptologische Studien. Band 20). Deutscher Kunstverlag, München u. a. 1984, ISBN 3-422-00832-2.
  • Morsi Saad El-Din u. a.: Sinai. The site & the history. Essays. Photographs by Ayman Taher. New York University Press, New York (NY) 1998, ISBN 0-8147-2203-2.
  • Mohammed Zakaria Goneim: Die verschollene Pyramide. Neuauflage – Stefan Eggers (Hrsg.) Books on Demand, Norderstedt 2006, ISBN 3-8334-6137-3.
  • Mohammed Zakaria Goneim: Excavations at Saqqara. Horus Sekhem-khet. The unfinished step pyramid at Saqqara. Band 1. Institut français d’archéologie orientale, Kairo 1957, Tafel 145.
  • Zahi Hawass (Hrsg.): Die Schätze der Pyramiden. Weltbild, Augsburg 2004, ISBN 3-8289-0809-8.
  • Mark Lehner: Das erste Weltwunder. Die Geheimnisse der ägyptischen Pyramiden. Econ, Düsseldorf u. a. 1997, ISBN 3-430-15963-6.
  • Pierre Montet: Das alte Ägypten. Magnus-Verlag, Essen 1975.
  • Jean-Pierre Pätznick: Die Abfolge der Horusnamen der 3. Dynastie. In: Jean-Pierre Pätznick: Siegelabrollungen und Rollsiegel der Stadt Elephantine im 3. Jahrtausend v. Chr. : Spurensicherung eines archäologischen Artefaktes. (= Breasted, Ancient Records. (BAR) International Series. Band 1339). Archaeopress, Oxford 2005, ISBN 1-84171-685-5 (Zugleich: Dissertation, Universität Heidelberg 1999), S. 76–79: Exkursus 1.
  • Paule Posener-Kriéger, Jean Louis de Cenival: The Abu Sir Papyri (= Hieratic papyri in the British Museum. Serie 5). British Museum, London 1968.
  • Stephan J. Seidlmayer: The Relative Chronology of Dynasty 3. In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology (= Handbook of Oriental Studies. Section 1: The Near and Middle East. Band 83). Brill, Leiden u. a. 2006, ISBN 90-04-11385-1, S. 116–123 (Online).
  • Miroslav Verner: Die Pyramiden (= rororo-Sachbuch. Band 60890). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, ISBN 3-499-60890-1.
  • Dietrich Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewußtsein ihrer Nachwelt. Band 1: Posthume Quellen über die Könige der ersten vier Dynastien (= Münchner ägyptologische Studien. Band 17, ZDB-ID 500317-9). B. Hessling, München / Berlin 1969 (Zugleich: Dissertation, Universität München, 1967).
  • Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Strategies, Society and Security. Routledge, London u. a. 1999, ISBN 0-415-18633-1.
Commons: Djoserteti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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